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Outside the Box #3: Flashback in die 2000er

Am Bei­spiel Ber­lins beschreibt der Cowor­king-Exper­te Björn Budack in sei­ner Kolum­ne das Auf und Ab am Büro­im­mo­bi­li­en­markt. Er skiz­ziert drei Aus­we­ge für Unter­neh­men, denen ihre Flä­che zu groß gewor­den ist.

Björn Budack ist seit über 20 Jahren im Bereich Bürovermietung tätig. Der Gründer der Kette „Kiez Büro Coworking“ agiert auch erfolgreich als Unternehmensberater. Abbildung: Dajana Lothert

Björn Budack ist seit über 20 Jah­ren im Bereich Büro­ver­mie­tung tätig. Der Grün­der der Ket­te „Kiez Büro Cowor­king“ agiert auch erfolg­reich als Unter­neh­mens­be­ra­ter. Abbil­dung: Daja­na Lothert

Im Som­mer des Jah­res 2004 betrat ich ein neu­es beruf­li­ches Spiel­feld: den Ber­li­ner Immo­bi­li­en­markt. Sehr schnell lern­te ich, wel­che gewal­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen hier auf mich warteten.

Mein Arbeit­ge­ber, die Regus-Grup­pe, muss­te 2003 für eini­ge Stand­or­te in Deutsch­land Insol­venz anmel­den. Das hat­te einen ein­fa­chen Grund: Der Büro­ver­mie­tungs­markt lag am Boden. Der Leer­stand betrug über acht Pro­zent, in bes­ter Lage wur­den Mie­ten von deut­lich unter zehn Euro ange­bo­ten. Die Ver­mie­ten­den waren bei Lauf­zeit, Aus­stat­tung und Flä­chen­tei­lung äußerst gesprächs­be­reit und mach­ten uns als Ser­vice­an­bie­ter das Leben damit schwer.

2007 ent­schied der Ber­li­ner Senat, die städ­ti­sche „Gewer­be­sied­lungs-Gesell­schaft“ (GSG) zu ver­kau­fen, die zu der Zeit eine Leer­stands­quo­te von 30 Pro­zent zu ver­zeich­nen hatte.

Der wei­te­re Ver­lauf ist bekannt: In den 2010er-Jah­ren boom­te die Ber­li­ner Wirt­schaft und ließ den Leer­stand auf unter ein Pro­zent fal­len. Im Jahr 2019 gab es dann fast kei­ne frei­en Büro­flä­chen mehr und die Miet­prei­se hat­ten sich mehr als verdoppelt.

Wäh­rend die­se Ent­wick­lung der Flex-Office-Bran­che einen Boom bescher­te, stell­te sie die Krea­tiv­wirt­schaft und NGOs vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. In zen­tra­len Lagen waren die Mie­ten kaum mehr bezahl­bar. Die GSG, in deren Gewer­be­flä­chen zahl­rei­che Krea­ti­ve ihre Ate­liers hat­ten, erhöh­te nach der Pri­va­ti­sie­rung die Mie­ten erheb­lich – teil­wei­se um bis zu 200 Pro­zent. Auch für NGOs, die auf zen­tra­le Stand­or­te in Ber­lin-Mit­te im Umfeld der Poli­tik ange­wie­sen waren, deren Pro­jekt­mit­tel aber nicht im glei­chen Maße stie­gen wie die Mie­ten, war die Suche nach Büro­räu­men eine immer grö­ße­re Herausforderung.

Die Situa­ti­on änder­te sich schlag­ar­tig mit der Coro­na­pan­de­mie. Durch die Zunah­me von Home­of­fice und fle­xi­blen Arbeits­mo­del­len ist der Leer­stand in Ber­lin inzwi­schen erneut auf über acht Pro­zent ange­stie­gen. Gab es 2019 etwas mehr als 200.000 Qua­drat­me­ter freie Büro­flä­che, sind es inzwi­schen wie­der fast zwei Mil­lio­nen Qua­drat­me­ter – Ten­denz stei­gend. Auch eine wach­sen­de Wirt­schaft wird die­sen Trend nicht umdre­hen: Grö­ße­re Teams füh­ren in Zei­ten hybri­der Arbeit nicht mehr zwangs­läu­fig zu einer Ver­grö­ße­rung der Bürofläche.

Neben dem „zähl­ba­ren“ Leer­stand gibt es zusätz­lich auch noch einen „ver­deck­ten“ Leer­stand, näm­lich die unge­nutz­ten Flä­chen inner­halb lau­fen­der Miet­ver­trä­ge und bei selbst genutz­ten Immo­bi­li­en. Vie­le Unter­neh­men haben lan­ge lau­fen­de Miet­ver­trä­ge abge­schlos­sen, aus denen sie nicht aus­tre­ten kön­nen, oder Immo­bi­li­en erwor­ben, die für den aktu­el­len Bedarf zu groß gewor­den sind. Hier eröff­nen sich drei Wege, mit die­sem Leer­stand krea­tiv zu arbeiten.

Für NGOs bie­tet sich die Unter­mie­te bei Orga­ni­sa­tio­nen an, die Wer­te und Zie­le tei­len. Das ist nicht nur finan­zi­ell hilf­reich, son­dern ermög­licht auch eine inten­si­ve Ver­net­zung und im bes­ten Fall die gemein­sa­me Nut­zung wei­te­rer Res­sour­cen wie grö­ße­re Ver­an­stal­tungs­räu­me oder Kan­ti­nen. Gera­de klei­ne­re Orga­ni­sa­tio­nen kön­nen dadurch ihren Mit­ar­bei­ten­den wie­der einen attrak­ti­ve­ren und vor allem weni­ger ein­sa­men Arbeits­ort anbieten.

Der Krea­tiv­wirt­schaft eröff­nen sich neue Mög­lich­kei­ten durch Kon­zep­te der Zwi­schen­nut­zung. So ver­folgt etwa der Ver­ein Tran­sit­räu­me Ber­lin e.V. das Ziel, „kul­tu­rel­le Zwi­schen­nut­zung für leer­ste­hen­de Immo­bi­li­en zum (Ber­li­ner) Stan­dard zu machen und so die Lebens­qua­li­tät unse­rer Stadt nach­hal­tig zu för­dern.“ Auf sei­ner Web­sei­te transitraeume.org fin­den sich zahl­rei­che Gewer­be­flä­chen, die für Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen ange­fragt wer­den können.

Eine drit­te Opti­on ist die Zusam­men­ar­beit mit Flex-Office-Betrei­bern, die in frei­en Flä­chen Cowor­king-Spaces ein­rich­ten. So kön­nen nicht nur ent­ste­hen­de Ein­nah­me­ver­lus­te oder Kos­ten für Leer­stand auf­ge­fan­gen wer­den, einem Büro­ge­bäu­de kann durch ihr Ange­bot auch zusätz­li­che Attrak­ti­vi­tät ver­lie­hen werden.

In den nächs­ten Jah­ren wer­den zusätz­li­che Büro­flä­chen auf den Markt kom­men und die Her­aus­for­de­run­gen für Ver­mie­ten­de also eher grö­ßer. Daher ist ihre Krea­ti­vi­tät gefragt. Es ist zu erwar­ten, dass sich für Akteu­re der Krea­tiv- und Zivil­ge­sell­schaft die Suche nach geeig­ne­ten und bezahl­ba­ren Büro-, Ate­lier- oder Ver­an­stal­tungs­flä­chen erheb­lich ein­fa­cher gestal­ten wird.

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