Robert Nehring hat nicht viel von Marcel Proust gelesen, stellt aber ebenfalls gern viele Fragen. Interessanten Persönlichkeiten aus dem Büroumfeld schickt er auch mal einen Fragebogen. Diesmal antwortete Daniel Kittner, Vorstandssprecher der Sedus Stoll Gruppe.
ARBEITEN
1. Bitte beschreiben Sie Ihren Arbeitsplatz.
Digital und mobil – häufig in einer unserer Niederlassungen, wo gerade Platz ist bzw., wo es am besten zum Arbeitsinhalt passt.
2. Wie kommen Sie zur Arbeit?
Mit allen Verkehrsmitteln, selten zu Fuß.
3. Wo arbeiten Sie am liebsten?
Bei Sedus.
4. Wie viele Videocalls haben Sie pro Woche und wie viel Zeit verbringen Sie mit diesen?
Sehr unterschiedlich. Generell zwischen zehn und 30 Calls pro Woche.
5. Wie viele Stunden verbringen Sie im Schnitt pro Woche in Social-Media-Kanälen?
Maximal zwei bis drei Stunden.
6. Ihre drei Lieblingslösungen der Marke Sedus sind?
Aktuell sind es der Teamtisch se:café team table, der Massivholzstuhl se:café wooden chair und der Drehstuhl se:mission. Aber ab Herbst werden schon weitere, neue Lieblingsstücke auf den Markt kommen.
7. Diese drei Büromöbel von anderen Herstellern sind auch nicht zu verachten:
Eher die Klassiker wie Aeron, Alu-Chair oder USM – einfach, weil sie schon so lange relevant sind.
8. Auf eines scheint Verlass: Die Marke Sedus stellt auf der Orgatec aus. Worauf dürfen sich Besucher bei Ihnen freuen?
Auf „Spaces that Care: Wellbuilding for Human Nature“. Wir zeigen Konzepte, Lösungen und Erlebnisse, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen und weit über eine klassische Produktinszenierung hinausgehen.
9. Werden Sessel eigentlich die neuen Büroarbeitsstühle? Auf der Orgatec 2024 konnte man auch auf dem Sedus-Stand diesen Eindruck gewinnen.
Die Arbeitswelt wird vielfältiger, und Sessel gehören selbstverständlich dazu. Den ergonomischen Bürodrehstuhl ersetzen sie jedoch nicht. Entscheidend ist, ihn funktional und gestalterisch neu in moderne Arbeitswelten zu integrieren. Wie das gelingt, zeigen wir auf der Orgatec.
10. Es zeichnet sich ab, dass auf der diesjährigen Orgatec einige große Namen fehlen werden. Die Messe findet aber schon nur alle zwei Jahre statt …
Der Markt verändert sich, und das zeigt sich auch auf der Messe. Einige bekannte Namen fehlen, dafür kommen neue Aussteller aus Europa und Asien hinzu. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten bleibt die Orgatec ein wichtiger Ort für Orientierung, Austausch und neue Impulse.

Für Sedus ist der neue se:café team table das Centerpiece des Work Cafés: ein Ort für Socialising und Arbeiten im offenen Büro. Abbildung: Sedus
11. Sie kennen die Büroeinrichtungsbranche wie nur wenige andere. Sie sind auch stellvertretender Vorsitzender des Branchenverbandes IBA. Wie hat sich der Markt in den letzten Jahren verändert?
Der Markt ist deutlich vielfältiger geworden. Aus reinen Möbelanbietern werden Anbieter ganzheitlicher Raumlösungen, ergänzt um Dienstleistungen und nachhaltige Konzepte. Gleichzeitig haben sich die Vertriebswege verändert: vom klassischen zweistufigen Modell hin zu Ausschreibungen, Projektgeschäft und neuen Zielgruppen.
12. Was erwarten Sie für die nähere Zukunft?
Veränderungen werden schneller und weniger vorhersehbar. Entscheidend sind daher Anpassungsfähigkeit, Kundennähe und echte Lösungskompetenz. Unternehmen müssen schlank agieren, Lieferketten beherrschen und neue Bedürfnisse früh erkennen. Lernende Organisationen werden dabei zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
13. Welche wirtschaftliche Entwicklung hat Sedus seit 2020 genommen und wie blicken Sie für das Unternehmen auf die nächsten Jahre?
Die Marke Sedus hat sich seit 2020 sehr positiv entwickelt und 2023 einen Rekordumsatz erzielt. Das wirtschaftliche Umfeld bleibt anspruchsvoll, doch unsere besondere Eigentümerstruktur und die beiden Stiftungen geben uns eine solide Basis. Mit Marktverständnis, Kundennähe und starken Lösungen blicken wir zuversichtlich auf die kommenden Jahre.
14. Was zählt zu den größten Fehlern der Büroeinrichtungsbranche?
Meiner Meinung nach ist der größte Fehler, an Erfolgsrezepten von gestern festzuhalten. Erfahrung bleibt wertvoll, aber sie ersetzt keine Anpassungsfähigkeit. Wer neue Bedürfnisse, Arbeitsweisen und Marktbedingungen zu spät erkennt, verliert den Anschluss.
15. Die Zukunft des Fachhandels …
Der Fachhandel muss sich vom reinen Produktverkäufer zum aktiven Lösungsanbieter entwickeln, vom Farmer zum Hunter. Gefragt sind Beratung, Akquise und professionelle Begleitung über den gesamten Prozess hinweg. Möbel bleiben wichtig, aber sie sind nur noch ein Teil der Leistung.
16. Warum braucht es auch künftig noch Büros – und Büromöbel?
Weil Menschen soziale Wesen sind. Wo sie sich im physischen Raum begegnen, entstehen Verbindung, Vertrauen, Innovation und Unternehmenskultur. Gute Büros und gute Möbel schaffen dafür die richtigen Bedingungen.
17. Der Arbeitgeber wird zum Gastgeber: Hospitality ist Trumpf. Wie wohnlich darf es sein im Büro?
So wohnlich, dass Menschen sich wohlfühlen, aber so funktional, dass sie gut arbeiten können. Entscheidend ist die passende Atmosphäre für die jeweilige Aktivität: mal Austausch und Entspannung, mal Konzentration und Leistung. Gute Büros schaffen beides.
18. Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), Refurbishing, Digitaler Produktpass, … – was kommt da in Sachen Nachhaltigkeit auf Hersteller und Nutzer zu?
Auf Hersteller und Nutzer kommen neue rechtliche Anforderungen, mehr Transparenz und veränderte Erwartungen zu. Gefragt sind Lösungen nach dem Prinzip „Nutzen statt Besitzen“: Rücknahme, Wiederaufbereitung und Mietmodelle. Mit S:ircle verfolgt die Sedus Stoll Gruppe, zu der die drei Kernmarken Sedus, Klöber und S³ Advice gehören, einen ganzheitlichen Ansatz.
19. Was tut die Sedus Stoll Gruppe für die Umwelt?
Die Sedus Stoll Gruppe verbindet Umweltschutz mit unternehmerischer Verantwortung. Zwei Drittel des Gewinns der Gruppe fließen an die Stoll VITA Stiftung und die Karl Bröcker Stiftung und damit unter anderem in Umwelt- und Bildungsprojekte. Gleichzeitig arbeiten wir an Klimaneutralität, entwickeln Produkte nach einem Green Codex und fördern mit „Wilderness International“ und „Klim“ konkrete Umweltinitiativen.
20. Hat das Mieten von Lösungen das Potenzial, im Büro das neue Kaufen zu werden?
Mieten wird Kaufen nicht vollständig ersetzen, aber deutlich an Bedeutung gewinnen. Entscheidend sind ganzheitliche Modelle: Rücknahme, Wiederaufbereitung, die Kombination aus neuen und erneuerten Produkten sowie flexible Mietlösungen.

Bei der Gestaltung des se:café wooden chair spielte die Historie von Sedus eine zentrale Rolle. Die lange Tradition in der Möbelfertigung, die sich durch handwerkliche Präzision und Innovationsgeist auszeichnet, war für Designer Konstantin Thomas ausschlaggebend. Abbildung: Sedus
21. Wie stellen Sie sich Büros im Jahre 2040 vor?
Das wird sehr stark von der technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung abhängen. In jedem Fall werden wir Menschen auch 2040 noch soziale Wesen sein, die physische Orte brauchen, um in Unternehmen zusammen zu arbeiten – und da wird auch das Büro noch eine wichtige Rolle spielen.
22. Was Sie schon immer einmal zur Entwicklung der Büroarbeit sagen wollten:
Büroarbeit wird sich immer weiter entwickeln und verändern, und wir werden dafür weiterhin die besten Lösungen zur Unterstützung anbieten. Veränderungen in der Arbeitswelt – egal wie – sind für unsere Branche die Gelegenheit, die neuen Gegebenheiten optimal vorwärtszubringen.
23. Wo sehen Sie das größte Potenzial für KI in der Büromöbelbranche?
Das größte Potenzial liegt darin, Komplexität schneller beherrschbar zu machen. KI kann Bedürfnisse früher erkennen, Planung und Prozesse verbessern und individuelle Lösungen effizienter entwickeln. Entscheidend ist, dass sie den Menschen unterstützt und nicht den gesunden Menschenverstand ersetzt.
24. Was halten Sie von New Work?
New Work ist keine neue Idee, sondern eine Idee, die heute Realität wird. Arbeit soll Sinn stiften und Entwicklung ermöglichen. Dafür braucht es die richtige Kultur und Räume, die Menschen wirksam unterstützen. Genau darin sehen wir unsere Aufgabe: Arbeitswelten zu schaffen, die Lebensqualität fördern.
25. Der Gen Z rate ich, …
… die Balance nicht zu verlieren. Digitale Kompetenz ist wichtig, aber echte Beziehungen entstehen im persönlichen Austausch. Deshalb: öfter analog, häufiger gemeinsam und bewusst Zeit mit Menschen verbringen.
26. Woran arbeiten Sie gerade?
An unserer Strategie für die nächsten drei Jahre.
27. Ihr größter Erfolg?
Vermutlich, dass ich meine tägliche Laufroutine wirklich durchhalte.
28. Der größte Misserfolg?
Dass ich es nie geschafft habe, Klavierspielen zu beherrschen.
29. Insta oder Linkedin oder …?
Linkedin.
30. Lesen Sie noch Gedrucktes?
Bücher immer, den Rest zu 100 Prozent digital.
PRIVATES
31. Was würden Sie als „König von Deutschland“ zuerst ändern?
Dass es keine Könige gibt – ich bin ein Fan unserer Demokratie.
32. Was würden Sie gern können?
Klavierspielen.
33. Wo würden Sie am liebsten leben?
Ich habe das Glück, dass ich dort lebe, wo ich es möchte.
34. Wobei können Sie gut entspannen?
Beim Golfspielen.
35. Ihr ursprünglicher Berufswunsch?
Schreiner – bin ich auch geworden.
36. Ihre Hauptcharaktereigenschaften?
Ziel- und lösungsorientiert.
37. Ihre Superkraft?
Beruflich: unser Team. Privat: meine Familie.
38. Ihre Hobbys oder Leidenschaften?
Kochen und Golfen.
39. Ihre drei Dinge für die einsame Insel?
Rückflugticket, Lagekarte und Satellitentelefon – da bin ich eher pragmatisch.
40. Ihr Lieblingskünstler?
Caspar David Friedrich.

se:mission öffnet sich nach vorne, fast wie eine Geste der Begrüßung. Er wirkt leicht und modern, gleichzeitig vermittelt er ein Gefühl von Geborgenheit. Abbildung: Sedus
41. Ihr Lieblingsbuch?
Aktuell lese ich „300 Männer“ und finde es ganz spannend. Ansonsten habe ich nicht „Das Lieblingsbuch“.
42. Ihr Lieblingsgericht?
Italienisch oder Chinesisch, je nach Laune und Gelegenheit.
43. Ihr Lieblingsgetränk?
Ein guter Weißwein – gerne auch von deutschen Winzern.
44. Ihre Lieblingsweisheit?
Beruflich: Klarheit vor Harmonie.
45. Haben Sie ein Lebensmotto?
Am Ende wird alles gut!
46. E-Auto oder Verbrenner, E-Bike oder …?
Aktuell Hybrid, also beides. Ein E-Bike ist nicht meins.
47. Für welchen Sportverein jubeln Sie?
FC Bayern München.
48. Zu welcher Band gehen Sie ins Konzert?
Fanta 4: Der letzte Bus.
49. Strand oder Berge?
Mehr Strand als Berge – aber ich mag beides.
50. Und Ihre Uhr: analog oder digital?
Je nach Situation, aber immer „mit“.
![]() Abbildung: Sedus Stoll Gruppe Daniel Kittner
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