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LEIK it: Wer programmiert das künftige Büro?

In Teil zwei sei­ner Kolum­ne setzt Ste­fan Kiss sei­ne Über­le­gun­gen zur künf­ti­gen Bedeu­tung des Büros ange­sichts des Vor­marschs von KI fort. Es ent­steht die span­nen­de Fra­ge: Wer pro­gram­miert eigent­lich das Büro der Zukunft?

Stefan Kiss ist Experte für neues Arbeiten, Speaker und Explorer. Nach langen Stationen bei den Büromöbelherstellern Steelcase und Haworth ist er seit 2024 als Head of Workspace Innovation und Prokurist beim Büro- und Objekteinrichter LEIK tätig. Abbildung: Rohollah Mosavi, Tietge GmbH

Ste­fan Kiss ist Exper­te für neu­es Arbei­ten, Spea­k­er und Explo­rer. Nach lan­gen Sta­tio­nen bei den Büro­mö­bel­her­stel­lern Steel­ca­se und Haworth ist er seit 2024 als Head of Workspace Inno­va­ti­on und Pro­ku­rist beim Büro- und Objekt­ein­rich­ter LEIK tätig. Abbil­dung: Rohol­lah Mosa­vi, Tiet­ge GmbH

Die gro­ße Fra­ge lau­tet viel­leicht gar nicht mehr, wie KI unse­re Arbeit ver­än­dert. Son­dern ob wir Men­schen in den kom­men­den Jah­ren über­haupt noch Gestal­ter blei­ben oder zuneh­mend zu Bei­fah­rern einer sich selbst opti­mie­ren­den Tech­no­lo­gie werden.

Wenn man den gro­ßen Tech-Füh­rern zuhört, dann klingt die Zukunft erstaun­lich ein­deu­tig. KI soll unse­re wirt­schaft­li­che Leis­tung mas­siv stei­gern. Sys­te­me wer­den auto­no­mer. Soft­ware ent­wi­ckelt Soft­ware. Rech­ner opti­mie­ren sich selbst. Immer wie­der fällt dabei der­sel­be Zeit­ho­ri­zont: vier bis sie­ben Jahre.

Das wür­de bedeu­ten, dass wir uns heu­te nicht in einer nor­ma­len tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung befin­den, son­dern in einer Über­gangs­pha­se zu einem völ­lig neu­en Zeit­al­ter der Wis­sens­ar­beit. Viel­leicht sogar zu einer neu­en öko­no­mi­schen Ordnung.

Genau des­halb wird die Fra­ge nach dem Büro plötz­lich wie­der hoch rele­vant. Denn wenn KI künf­tig ana­ly­siert, pro­du­ziert, struk­tu­riert und opti­miert, war­um brau­chen wir dann über­haupt noch Büros? War­um fah­ren Men­schen mor­gens noch an einen gemein­sa­men Ort? Was bleibt eigent­lich von Wis­sens­ar­beit übrig, wenn Wis­sen selbst zur jeder­zeit ver­füg­ba­ren Infra­struk­tur wird?

Momen­tan habe ich oft das Gefühl, dass wir begin­nen, uns blind dar­auf zu ver­las­sen, dass KI alles weiß. Viel­leicht sogar bes­ser weiß als wir selbst. Das klingt effi­zi­ent, birgt aber auch eine Gefahr. Denn je stär­ker Sys­te­me Ent­schei­dun­gen vor­be­rei­ten oder sogar selbst tref­fen, des­to wich­ti­ger wird die Fra­ge, wo mensch­li­che Gestal­tung über­haupt noch stattfindet.

Sind wir noch die Archi­tek­ten die­ser Ent­wick­lung oder bereits ihre Pas­sa­gie­re? Es wäre fatal, das Büro wei­ter­hin nur als Flä­che, Arbeits­platz­kon­zept oder Immo­bi­li­en­fra­ge zu betrach­ten. Jetzt ist der Moment gekom­men, in dem wir die Kon­trol­le zurück­ge­win­nen und uns inten­si­ver mit den grund­le­gen­den Prin­zi­pi­en der Arbeits­welt nach KI beschäf­ti­gen müssen.

Inter­es­san­ter­wei­se deu­tet vie­les dar­auf hin, dass nicht das Büro ver­schwin­det, son­dern sei­ne bis­he­ri­ge Funk­ti­on. Das klas­si­sche Büro war vor allem ein Ort der Infor­ma­ti­ons­ar­beit. Men­schen tra­fen sich dort, um Wis­sen aus­zu­tau­schen, Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten, Mee­tings abzu­hal­ten und Ent­schei­dun­gen vor­zu­be­rei­ten. Doch genau die­se Auf­ga­ben wer­den zuneh­mend von KI unter­stützt oder auto­ma­ti­siert. Damit ver­liert das klas­si­sche Mee­ting sei­ne bis­he­ri­ge Daseinsberechtigung.

Vie­le der heu­ti­gen Bespre­chun­gen exis­tie­ren nur des­halb, weil Infor­ma­tio­nen syn­chron zwi­schen Men­schen ver­teilt wer­den müs­sen. Doch genau dafür braucht man künf­tig immer sel­te­ner einen Raum vol­ler Men­schen. Ich den­ke, wir erle­ben gera­de das Ende des Mee­tings als Infor­ma­ti­ons­for­mat und gleich­zei­tig die Renais­sance ech­ter mensch­li­cher Begegnung.

Denn was bleibt übrig, wenn Infor­ma­tio­nen jeder­zeit ver­füg­bar sind? Ver­trau­en. Hal­tung. Kon­flik­te. Ver­ant­wor­tung. Prio­ri­tä­ten. Das Büro könn­te dadurch in Zukunft viel stär­ker zu einem Ort der Syn­chro­ni­sa­ti­on wer­den: ein Raum für Ent­schei­dun­gen, Ein­ord­nung und gemein­sa­mes Den­ken. Doch genau an die­sem Punkt ent­steht viel­leicht das größ­te Dilem­ma der gesam­ten Büro­bran­che. Kann räum­li­che Gestal­tung mit der Geschwin­dig­keit tech­no­lo­gi­scher Ent­wick­lung über­haupt noch Schritt hal­ten? Wäh­rend Unter­neh­men heu­te in her­kömm­li­chen Pro­zes­sen neue Arbeits­platz­kon­zep­te pla­nen, ver­än­dern sich KI-Sys­te­me bereits mit dem nächs­ten Update grundlegend.

Viel­leicht wer­den Workspace-Betrei­ber der Zukunft nicht nur Räu­me ver­mie­ten, son­dern adap­ti­ve Arbeits­um­ge­bun­gen ent­wi­ckeln und kura­tie­ren. Viel­leicht liegt genau hier die eigent­li­che Wei­ter­ent­wick­lung des Betrei­ber­mo­dells. Denn wenn sich Arbeit durch KI fort­lau­fend ver­än­dert, reicht es künf­tig nicht mehr aus, Räu­me ein­fach bereit­zu­stel­len und gele­gent­lich neu zu möblieren.

Für mich ergibt sich genau dar­aus eine neue zen­tra­le Fra­ge: Wer pro­gram­miert eigent­lich das Büro der Zukunft? Denn wenn Räu­me zu einer Art Inter­face wer­den, geht es nicht mehr nur um Archi­tek­tur oder Flä­chen­ma­nage­ment. Es geht um die Gestal­tung von Ver­hal­ten, Ler­nen und Ent­wick­lung. Viel­leicht ent­steht dadurch eine völ­lig neue Dis­zi­plin zwi­schen Tech­no­lo­gie, Raum, Psy­cho­lo­gie, Kul­tur und Expe­ri­ence Design. Die span­nends­te Her­aus­for­de­rung wird des­halb viel­leicht nicht sein, intel­li­gen­te­re KI-Sys­te­me zu ent­wi­ckeln. Son­dern Arbeits­um­ge­bun­gen zu schaf­fen, in denen Men­schen mit die­ser Geschwin­dig­keit von Ver­än­de­rung über­haupt Schritt hal­ten können.

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