Wie hat sich das Miet- und Leasinggeschäft mit Büroequipment in den vergangenen Jahren entwickelt? Welches Potenzial bietet es zukünftig? Auf unsere Fragen haben acht B2B-Anbieter aus diesem Bereich geantwortet. Es zeigt sich: Der Markt hat seit einigen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen.

Miet- und Leasingmodelle mit Büroequipment entwickeln sich zu strategischen, serviceorientierten Lösungen. Abbildung: Tom19275, Depositphotos
Seit unserer Umfrage zum Thema Miet- und Leasinggeschäft im Jahr 2021 hat sich einiges getan. Zunehmend entwickeln sich solche Modelle für Büromöbel und Bürotechnik von reinen Finanzierungsinstrumenten zu flexiblen, serviceorientierten Lösungen. Unternehmen setzen stärker auf nutzungsbasierte Modelle, um schneller auf Veränderungen reagieren zu können. Laut den Anbietern, die uns geantwortet haben, sind die Treiber dafür vor allem hybride Arbeitsformen, aber auch unsichere Planungshorizonte sowie der Wunsch nach skalierbaren Angeboten. Gefragt sind ganzheitliche Angebote, die neben der Hardware auch Services wie Wartung, Support und Austausch umfassen. So können sich Nutzer auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.
Darüber hinaus spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. Zirkuläre Konzepte, Refurbishment und eine längere Nutzung von Produkten tragen zur Erfüllung der ESG-Ziele bei und machen Mietmodelle zusätzlich attraktiv. Trotz bestehender Herausforderungen bei der Logistik oder bei regulatorischen Anforderungen wird das Marktpotenzial weiterhin als hoch eingeschätzt – vor allem im Segment der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie im Bereich dynamischer, projektbasierter Arbeitsumgebungen. Insgesamt zeigt sich nach Einschätzung der Anbieter ein stabil wachsender Markt, der auf Nutzung statt auf Besitz setzt.
Patrik Metzger, Country Manager, Alvero Büromöbelvermietung

Abbildung: Alvero
„Die Arbeitswelt ist heute weniger planbar als noch vor einigen Jahren. Unternehmen wachsen, verändern Standorte und hinterfragen ihre Flächennutzung. Dadurch verändert sich auch die Nachfrage nach Büroeinrichtung. Miet- und Leasingmodelle entwickeln sich von einer temporären Lösung hin zu einem strategischen Instrument für mehr Flexibilität. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Nachhaltigkeit und zirkulären Konzepten. Wir sehen großes Potenzial: Der Markt bewegt sich Schritt für Schritt von Besitz hin zu Nutzung. Unternehmen suchen nicht mehr nach Möbeln für die nächsten zehn Jahre, sondern nach Arbeitsumgebungen, die sich jederzeit anpassen können.“
Lisa Rosa Bräutigam, Co-Founder & Managing Director, Combine UBX

Abbildung: Combine UBX
„Das Miet- und Leasinggeschäft hat sich von einer reinen Finanzierungsoption zu einem strategischen Instrument entwickelt. Unternehmen wollen flexibel bleiben, Kapital nicht unnötig binden und schnell auf Wachstum, neue Arbeitsmodelle oder veränderte Flächenbedarfe reagieren können. Gerade im Bürobereich steht für viele Kunden die Nutzung klar vor dem Besitz eines Assets. Die Digitalisierung ermöglicht zudem, Ausstattung über ihren Lebenszyklus effizient zu verwalten und bedarfsgerecht anzupassen. Ich sehe deshalb weiterhin großes Potenzial: Künftig stehen nicht mehr einzelne Produkte im Mittelpunkt, sondern integrierte Nutzungskonzepte, mit denen Unternehmen komplette Arbeitsumgebungen flexibel nutzen und anpassen können. Genau dafür steht unser neues Unternehmen Combine UBX: Wir denken Büroflächen und ihre Nutzung ganzheitlich – modular, flexibel und wirtschaftlich. Mieten und Leasen bleiben damit ein wichtiger Hebel für die Transformation moderner Arbeitswelten.“
Artus Assmann, CEO & Co-Founder, Fenyx

Abbildung: Fenyx
„Getrieben durch Hybrid Work, häufigere Flächenanpassungen und den Wunsch nach Capex-Entlastung hat das Miet- und Leasinggeschäft mit Büroequipment in den letzten Jahren deutlich an Relevanz gewonnen. Gleichzeitig hat sich der Fokus verschoben: weg vom ‚Finanzierungsprodukt‘ hin zu nutzungsbasierten, service- und datengetriebenen Modellen – inklusive Wartung, Rücknahme und Refurbishment. Herausforderungen bleiben die wirtschaftliche Restwertsteuerung sowie Logistik- und Qualitätsprozesse, ebenso ESG-/Reporting-Anforderungen und die Kreislauffähigkeit der Produkte. Im Status quo sehen wir besondere Dynamik bei skalierenden Unternehmen, Multi-Standort-Rollouts und Projekten mit kurzer Planungssicherheit. Das Potenzial ist weiterhin hoch – vor allem dort, wo Inventar transparent erfasst, Lebenszyklen aktiv gemanagt und Rückführungswege frühzeitig mitgedacht werden.“
Justin Cockerill, CCO, Grover

Abbildung: Grover
„Gerade kleine und mittelgroße Unternehmen stecken derzeit in einem grundlegenden Wandel. Statt ihre IT zu besitzen, mieten sie und erreichen dadurch erheblich mehr Flexibilität. Daten des Bundesverbands der Leasing-Unternehmen zeigen, dass IT-Equipment und Software heute gemeinsam mit Fahrzeugen bereits die größte Leasingklasse bilden. Parallel wandelt sich das Modell selbst: vom starren Leasing über 36 oder 48 Monate hin zu echten Subscription-Angeboten, bei denen Notebooks, Smartphones und weitere Technik als Service den Firmen bereitgestellt werden. Hybrides Arbeiten, der Trend von Capex hin zu Opex und Nachhaltigkeit wirken als Beschleuniger. Unternehmen müssen ihre Device-Flotte an Kopfzahlen und Projektspitzen anpassen. Eigentum ist dafür zu unflexibel. Grover treibt diesen Wandel mit einem spezialisierten Tech-Rental-Modell voran und hilft Unternehmen, Hardware-Ausgaben in planbare Monatskosten zu verwandeln, ihre Teams agiler auszustatten und messbar zur Reduktion von E-Waste und zur CSRD-Berichterstattung beizutragen.“
Andreas Török, Geschäftsführer, Nobix

Abbildung: Nobix
„Während früher vor allem die reine Finanzierung von Büroequipment im Vordergrund stand, erwarten Unternehmen heute vollständige Managed Services – also ein Gesamtpaket aus Hardware, Software, Wartung, Sicherheit und Support. Genau hier sehen wir den klaren Wandel vom klassischen Leasing hin zu ‚Anything as a Service‘. Kunden wollen keine Investitionen mehr stemmen, Hardware abschreiben oder IT-Abteilungen mit Geräteverwaltung belasten. Sie wollen ‚zahlen und nutzen‘: monatlich planbar und skalierbar. Früher war Leasing ein Nischenthema für Großunternehmen. Heute fragen Kleinunternehmen genauso danach wie Konzerne mit tausenden Arbeitsplätzen. Doch insbesondere KMU arbeiten oft noch mit historisch gewachsenen IT-Strukturen und hohem administrativem Aufwand. Gleichzeitig beklagen laut Bitkom 85 Prozent der Unternehmen einen Fachkräftemangel in der IT. Das ist ein Ressourcendilemma. Wer kauft, muss auch betreiben. Wer mietet, kann sich dagegen auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Deshalb sehen wir den Markt auch langfristig auf klarem Wachstumskurs.“
Philipp Schramm, Head of Office.Rent

Abbildung: Office.Rent
„Jetzt kein Kapital binden. Wenn Unternehmen ihre Büroeinrichtung mieten, statt sie zu kaufen, behalten sie wichtige Liquidität fürs Eigentliche, nämlich ihr Kerngeschäft. Sie bleiben flexibel. Denn sie können Flächen anpassen an Änderungen bei den Teams oder Arbeitsformen. Unternehmen binden sich so nicht an Produkte, die sie nach kurzer Zeit vielleicht gar nicht mehr brauchen. Ein Tipp: Verschiedene Bürotypologien testen. Was funktioniert? Was nicht? Dann lässt sich das Konzept sofort anpassen. Ergebnis sind Arbeitswelten, die wirklich zukunftsfähig sind. Das bezieht sich auch auf die Nachhaltigkeit. Wer Möbel bei Anbietern mietet mit einem Kreislaufmodell, weiß, dass die Stücke bestens gepflegt mehrfach genutzt werden. Das spart Rohstoffe in der Fertigung und Emissionen über die ganze Lebensspanne. So machen Unternehmen ihr Büromanagement wirtschaftlich und nebenbei noch ökologischer.“
Lars Purschke, CEO & Gründer, Podia

Abbildung: Podia
„Das Thema Miete für Büroequipment hat in den letzten Jahren ordentlich Rücken wind bekommen. Besonders Büromöbel und Meetingtechnik werden immer häufiger gemietet statt gekauft. Der Hauptgrund: Unternehmen wollen flexibel bleiben und sich in wirtschaftlich unsicheren Zeiten nicht direkt hohe Investitionen ans Bein binden. Planbare monatliche Kosten fühlen sich besser an als ein leer geräumtes Budget. Dazu kommt, dass Mietmodelle heute deutlich mehr bieten als nur Ausstattung auf Zeit. Beratung, Support und Garantien gehören meist direkt dazu. Das macht Prozesse einfacher und sorgt dafür, dass moderne Technik nicht erst dann ausgetauscht wird, wenn das Meetingboard mitten im Pitch beschließt, in Rente zu gehen. Das Potenzial bleibt groß, weil Unternehmen flexibel arbeiten möchten, ohne bei Ausstattung, Komfort oder Technik Kompromisse einzugehen.“
Niels Gundermann, Geschäftsführer, Xoros Home

Abbildung: Xoros Home
„Wir haben uns mittlerweile vollständig auf Telefon- und Meetingboxen spezialisiert. In diesem ohnehin wachsenden Segment steigt die Nachfrage nach flexiblen Mietangeboten bei uns stark überproportional. Unserer Beobachtung nach hat das mehrere Ursachen: Junge Unternehmen und Start-ups fragen Miete nach, um sich hohe Anschaffungskosten zu sparen, bei etablierten Unternehmen hat sich der Planungshorizont erheblich verkürzt. Andere Kunden nutzen unsere Mietangebote, um Telefon- und Meetingboxen in ihrem Unternehmen über mehrere Monate zu testen und später ggf. käuflich zu übernehmen. Die Mietnachfrage wächst deshalb sehr stark im Bereich der kurzen Mindestlaufzeiten, die wir als spezialisierter Anbieter sehr gut abdecken. Klassisches Leasing mit seinen regulatorisch bedingten, deutlich längeren Laufzeiten kann diese Nachfrage nicht bedienen. Im Segment Telefon- und Meetingboxen sehen wir für die Miete deshalb noch großes Potenzial in den kommenden Jahren.“

























































