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LEIK IT #1: Was ist das Büro nach KI?

Ste­fan Kiss ist ein renom­mier­ter Exper­te für neu­es, inno­va­ti­ves Arbei­ten. 2026 schreibt er eine regel­mä­ßi­ge Kolum­ne für OFFICE ROXX. Sei­ne Bei­trags­rei­he beginnt mit der span­nen­den Fra­ge, was wohl ange­sichts des Vor­marschs von KI aus dem Büro wird.

Stefan Kiss ist Experte für neues Arbeiten, Speaker und Explorer. Nach langen Stationen bei den Büromöbelherstellern Steelcase und Haworth ist er seit 2024 als Head of Workspace Innovation und Prokurist beim Büro- und Objekteinrichter LEIK tätig. Abbildung: Rohollah Mosavi, Tietge GmbH

Ste­fan Kiss ist Exper­te für neu­es Arbei­ten, Spea­k­er und Explo­rer. Nach lan­gen Sta­tio­nen bei den Büro­mö­bel­her­stel­lern Steel­ca­se und Haworth ist er seit 2024 als Head of Workspace Inno­va­ti­on und Pro­ku­rist beim Büro- und Objekt­ein­rich­ter LEIK tätig. Abbil­dung: Rohol­lah Mosa­vi, Tiet­ge GmbH

„Seit Anfang die­ses Jah­res schreibt bei Anthro­pic kein Pro­gram­mie­rer mehr selbst eine Zei­le Code. Das Pro­gram­mie­ren über­nimmt die KI.“ Die­ser Satz von Roman Howe wirkt wie ein Bruch mit allem, was wir über Wis­sens­ar­beit zu wis­sen glaub­ten. Gleich­zei­tig sagt Howe: Sein Unter­neh­men wird künf­tig mehr Pro­gram­mie­rer brau­chen als heute.

Die Erklä­rung liegt in einer grund­le­gen­den Ver­schie­bung. Es braucht weni­ger Men­schen für die Umset­zung, aber mehr für das Ver­ständ­nis: Use-Cases defi­nie­ren, Bedürf­nis­se erken­nen, Kon­zep­te ent­wi­ckeln. Die Idee wird zur Leis­tung, die Umset­zung wird automatisiert.

Das World Eco­no­mic Forum beschreibt die­se Ent­wick­lung als offe­nen Mög­lich­keits­raum. Klar ist: Arbeit ver­schiebt sich. Wenn Pro­duk­ti­on in der Wis­sens­ar­beit zuneh­mend auto­ma­ti­siert wird, ver­än­dert sich die Auf­ga­be des Menschen:

  • von Aus­füh­ren zu Gestalten,
  • von Bear­bei­ten zu Bewerten,
  • von Pro­duk­ti­on zu Entscheidung.

Rou­ti­ne ver­schwin­det, dafür ent­ste­hen neue Auf­ga­ben: Struk­tu­rie­ren, Ein­ord­nen, Prio­ri­sie­ren. Viel­leicht wer­den Sach­be­ar­bei­ter zu „Pro­gram­mie­rern ihrer eige­nen Arbeit“.

Die­se Ver­schie­bung hat direk­te Aus­wir­kun­gen auf Räu­me. Das Büro wird zur Umge­bung für Mensch-KI-Inter­ak­ti­on. Mehr Dia­log statt stil­ler Bild­schirm­ar­beit, mehr par­al­le­le Sys­te­me statt linea­rer Pro­zes­se. Wie die Work­place-Stra­te­gin Manue­la Lie­ber von Mindful Workspaces sagt: „KI macht das Büro lauter.“

Wis­sens­ar­beit wird zum Dia­log – der Mensch zum Diri­gen­ten digi­ta­ler Assis­ten­zen. Doch mit der stei­gen­den Leis­tungs­fä­hig­keit von KI ent­steht ein neu­es Pro­blem: Optio­nen. Mehr Stra­te­gien, mehr Ana­ly­sen, mehr Varianten.

Die Her­aus­for­de­rung ist nicht mehr die Erstel­lung, son­dern die Aus­wahl. KI gene­riert. Men­schen ent­schei­den. Genau hier ver­än­dert sich die Rol­le des Büros grund­le­gend. Ich sehe im Office vor allem zwei Raum­ty­pen an Bedeu­tung gewinnen.

Wenn KI immer mehr Inhal­te, Ana­ly­sen und Vor­schlä­ge pro­du­ziert, besteht eine zen­tra­le Auf­ga­be für Teams dar­in, die Ergeb­nis­se zu prü­fen, ein­zu­ord­nen und ent­schei­dungs­fä­hig zu machen. Dafür benö­ti­gen wir Vali­die­rungs­räu­me. Kei­ne klas­si­schen Mee­ting­räu­me, son­dern Orte, an denen pro­du­zier­te Inhal­te gemein­sam über­prüft, ver­dich­tet und struk­tu­riert wer­den. Viel­leicht noch ana­log und digi­tal – und in Zukunft dann mehr wie in dem Film „Mino­ri­ty Report“.

Neben Räu­men zur Vali­die­rung braucht es Räu­me für Ent­schei­dun­gen. Die­ser Raum­typ wird häu­fig unter­schätzt. In vie­len Orga­ni­sa­tio­nen sind Ent­schei­dungs­pro­zes­se heu­te erstaun­lich dif­fus gewor­den: Zustän­dig­kei­ten ver­schwim­men, Ver­ant­wor­tung wird ver­tagt, Posi­tio­nen blei­ben unver­bind­lich. Der Fokus geht ver­lo­ren. KI wird die­se Ent­wick­lung nicht kaschie­ren. Im Gegen­teil, sie wird sie sicht­bar machen. Denn je mehr Optio­nen, Ana­ly­sen und Vor­schlä­ge KI gene­riert, des­to dring­li­cher wird die Fra­ge: Wer ent­schei­det und in wel­chen Räu­men fin­den die­se bedeut­sa­men Gesprä­che statt?

Gera­de des­halb brau­chen Unter­neh­men Räu­me, die genau das ermög­li­chen und auch sym­bo­li­sie­ren. Räu­me, in denen Prio­ri­tä­ten gesetzt und Posi­tio­nen bezo­gen wer­den sowie Ver­ant­wor­tung über­nom­men wird. Viel­leicht erle­ben wir eine Renais­sance des Board­rooms – ein Ort, an dem man sich auch schon frü­her gut vor­be­rei­tet zu weit­rei­chen­den Ent­schei­dun­gen ver­ab­re­det hat.

Viel­leicht liegt genau hier die eigent­li­che Zukunft des Büros. Nicht nur als Ort der stil­len Ein­zel­ar­beit oder Deep-Work-Räu­me. Das kann KI unter­stüt­zen und oft auch auto­ma­ti­sie­ren. Son­dern noch mehr als Ort der Koope­ra­ti­on, der Refle­xi­on und der Ent­schei­dung. Die Medi­en­bran­che lie­fert dafür ein gutes Bild. In einer Redak­ti­on ent­ste­hen Inhal­te nicht nur iso­liert. Sie ent­ste­hen auch im Aus­tausch durch Dis­kus­si­on, Ein­ord­nung und gemein­sa­mes Bewerten.

Ich den­ke, KI ist nicht der Anfang vom Ende mensch­li­cher Arbeit, son­dern der Anfang vom Ende belang­lo­ser Arbeit. Am Ende brau­chen wir Orte, an denen Men­schen zusam­men­kom­men, dis­ku­tie­ren und Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Viel­leicht ist das Büro der Zukunft des­halb weni­ger ein Arbeits­platz und mehr eine Redak­ti­on, die Ent­schei­dun­gen trifft.

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