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Jenseits der Stehplätze: Das Büro der Zukunft beginnt in unseren Köpfen

Schluss mit der Rück­kehr-Debat­te! Das for­dert Lina Sche­rer, Prä­si­den­tin von Core­Net Glo­bal (CNG) Cen­tral Euro­pe. In ihrem Bei­trag greift sie zen­tra­le Impul­se der Ses­si­on „Bey­ond Bricks“ auf, die Anfang Sep­tem­ber 2025 beim Core­Net Glo­bal EMEA Sum­mit in Ams­ter­dam stattfand.

Lina Scherer, Präsidentin, CoreNet Global (CNG) Central Europe. Abbildung: Angela Herrmann.

Lina Sche­rer, Prä­si­den­tin, Core­Net Glo­bal (CNG) Cen­tral Euro­pe. corenetglobal.org Abbil­dung: Ange­la Herrmann.

Stel­len Sie sich vor, Ihre Mit­ar­bei­ten­den strö­men ins Büro. Nicht weil sie müs­sen, son­dern weil sie wol­len. Weil die­ser Ort sie pro­duktiver, krea­ti­ver und ein­fach zufrie­de­ner macht. Die­se Visi­on ist greif­ba­rer, als vie­le glau­ben. Die ent­schei­den­de Fra­ge ist nicht, wie wir Men­schen zurück ins Büro brin­gen, son­dern wie wir Orte schaf­fen, die so über­zeu­gend sind, dass nie­mand mehr bei­spiels­wei­se von zu Hau­se arbei­ten möch­te. Die Ant­wort dar­auf liegt weder aus­schließ­lich in spek­ta­ku­lä­rer Archi­tek­tur noch in mehr Qua­drat­me­tern, son­dern in der Archi­tek­tur unse­res Gehirns.

Die­se neu­ro­zen­trier­te Per­spek­ti­ve war der Kern der Ses­si­on „Bey­ond Bricks“ auf dem Core­Net Glo­bal EMEA Sum­mit in Ams­ter­dam. Die Erkennt­nis­se sind so ein­fach wie revo­lu­tio­när: Die rei­ne Funktiona­lität des Acti­vi­ty-Based-Working reicht nicht mehr aus. Wir müs­sen den nächs­ten Schritt gehen hin zu einem „Brain-Based-Working“, das die sen­so­ri­sche und kogni­ti­ve Viel­falt der Men­schen in den Mit­tel­punkt stellt.

Die Fak­ten sind erdrü­ckend: Ein Büro, das die neu­ro­lo­gi­schen Be­dürfnisse igno­riert, kann die Pro­duk­ti­vi­tät um bis zu 30 Pro­zent min­dern. Gleich­zei­tig zei­gen EEG-Stu­di­en, die die Gehirn­strö­me mes­sen, dass Zufrie­den­heit und Fokus nach einer geziel­ten, hirn­gerechten Umge­stal­tung signi­fi­kant stei­gen. Wir spre­chen hier von 20 Pro­zent neu­ro­di­ver­gen­ter Men­schen in unse­rer Gesell­schaft, deren Wahr­neh­mung von Licht, Klang und Raum sich fundamen­tal unter­schei­det. Für sie ist ein schlecht design­tes Büro nicht nur inef­fi­zi­ent, son­dern uner­träg­lich. Ein Brain-Based-Office hin­ge­gen wird zum Pro­duk­ti­vi­täts- und Wohl­fühl­tur­bo für alle.

Der ent­schei­den­de Hebel ist die sen­so­ri­sche Ebe­ne. Künf­tig brau­chen Arbeits­um­ge­bun­gen eine „Sen­so­ry Lay­er“. Das bedeu­tet eine geziel­te Gestal­tung der Akus­tik mit hoch­ab­sor­bie­ren­den Mate­ria­li­en und klar defi­nier­ten Laut- und Lei­se-Zonen. Es geht um Licht, um maxi­mier­ten Zugang zu Tages­licht, blend­freie Arbeits­plät­ze und ein­stell­ba­re Licht­tem­pe­ra­tu­ren. Und es geht um Bio­phi­lie und inten­tio­nal gestal­te­te Erho­lungs­räu­me, die mit natür­li­chen Elemen­ten nach­weis­lich Stress redu­zie­ren und die kogni­ti­ve Rege­ne­ra­ti­on fördern.

Inter­na­tio­na­le Stu­di­en wie eine glo­ba­le Erhe­bung von Haworth mit über 1.000 Teil­neh­mern machen deut­lich: Wäh­rend die stö­renden Fak­to­ren für neu­ro­ty­pi­sche und neu­ro­di­ver­gen­te Men­schen ähn­lich sind – Licht, Geräu­sche, Gerü­che –, ist die Inten­si­tät der Wahr­neh­mung eine völ­lig ande­re. Neu­ro­di­ver­gen­te Per­so­nen reagie­ren sen­si­bler auf Far­ben, Mus­ter und Tex­tu­ren. Die Konse­quenz einer nega­ti­ven Erfah­rung ist oft dras­ti­scher. Sie mei­den den Ort. Die Ein­heits­lö­sung „One Size Fits All“ ist damit end­gül­tig geschei­tert. Erfolg­reich sind die Unter­neh­men, die ech­te Wahlmög­lichkeiten ohne Stig­ma bieten.

Daher der Appell: Die­se Erkennt­nis­se sind kein inter­es­san­tes Rand­the­ma, sie sind der stra­te­gi­sche Schlüs­sel zur Zukunfts­fä­hig­keit. Die Inte­gra­ti­on die­ser Prin­zi­pi­en ist eine Inves­ti­ti­on in die wert­volls­te Res­sour­ce jedes Unter­neh­mens: sei­ne Men­schen. Sie führt zu mess­ba­ren Kenn­zah­len – von gerin­ge­ren Fehl­zei­ten und nied­ri­ge­rer Fluk­tua­ti­on bis hin zur Stei­ge­rung der krea­ti­ven Problemlösungsfähigkeit.

Die Zukunft des Arbeits­plat­zes wird nicht von der Tech­nik allein bestimmt, son­dern von Räu­men, die unse­re Sin­ne und unser Gehirn opti­mal unterstützen.

Die Rück­kehr-Debat­te ist über­holt. Die wirk­lich rele­van­te Fra­ge lau­tet: Ist das Büro die Anfahrt wert? Es geht nicht nur um Rück­kehr, son­dern um Arbeits­or­te, die Men­schen aus Über­zeu­gung wäh­len, Tag für Tag, Auf­ga­be für Auf­ga­be. Die Neu­ro­wis­sen­schaft hat bewie­sen, dass es mög­lich ist.

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