Bun­te Möbel und New-Work-Ver­spre­chen ändern nichts dar­an, dass der Büro­all­tag manch­mal an den Ner­ven zerrt. Andau­ern­der Stress aber min­dert die Leis­tungs­fä­hig­keit. Was gegen ihn hilft, erläu­tert Autor und Stress­ma­na­ger Frank Rit­ter im Inter­view.

Liegen im Büro die Nerven blank, muss es trotzdem weitergehen. Abbildung: Johnson Wang/Unsplash

Lie­gen im Büro die Ner­ven blank, muss es trotz­dem wei­ter­ge­hen. Abbil­dung: John­son Wang, Unsplash

Frank Ritter, Trainer für Stressmanagement. frank-ritter-stresskiller.de

Frank Rit­ter, Trai­ner für Stress­ma­nage­ment. Abbil­dung: frank-ritter-stresskiller.de

Buchtipp: Kill deinen Stress – Wirkungsvolle Methoden für ein entspannteres Leben von Frank Ritter.

Buch­tipp: Kill dei­nen Stress – Wir­kungs­vol­le Metho­den für ein ent­spann­te­res Leben von Frank Rit­ter.

Das Büro: Herr Ritter, Sie stellen in Ihrem Buch „Kill deinen Stress“ Methoden für ein besseres Leben vor. Wie wird Stress definiert?

Frank Rit­ter: Stress ist eine kom­ple­xe und immer gleich ablau­fen­de Reak­ti­on in unse­rem Orga­nis­mus auf unter­schied­li­che Rei­ze von außen. In Kurz­form ist Stress ein Reiz-Reak­ti­ons-Sys­tem. Die­ses Sys­tem hat uns in gefähr­li­chen Situa­tio­nen beim Über­le­ben gehol­fen.

Wie macht sich Stress bemerkbar?

Bei einem Stress­reiz wer­den cir­ca 30 Hor­mo­ne und Neu­ro­trans­mit­ter aus­ge­schüt­tet. Das stößt ganz vie­le Ver­än­de­run­gen in unse­rem Orga­nis­mus an. Puls und Blut­druck stei­gen, die Mus­ku­la­tur spannt sich an, die Ver­dau­ung wird her­un­ter­ge­fah­ren, die Atmung wird schnel­ler und fla­cher, der Fokus ver­engt sich, und unser Den­ken ist ein­ge­schränkt.

In welcher Weise wird unser Körper dabei beeinträchtigt?

Kurz­fris­tig ist das vor­teil­haft in Gefah­ren­si­tua­tio­nen und trimmt uns kör­per­lich auf Höchst­leis­tun­gen. Springt unser Reiz-Reak­ti­ons-Sys­tem lang­fris­tig immer wie­der an, wird das zum Pro­blem. Aus einem kurz­fris­ti­gen Blut­druck­an­stieg wird dau­er­haft erhöh­ter Blut­druck, aus Mus­kel­an­span­nung ent­ste­hen Mus­kel­ver­span­nun­gen, aus der ein­ge­schränk­ten Ver­dau­ung fol­gen chro­ni­sche Ver­dau­ungs­stö­run­gen. Dau­er­stress macht krank. In der Jäger-Samm­ler-Zeit waren es Rei­ze wie gefähr­li­che Tie­re, ande­re Jäger, Wit­te­rungs­ver­hält­nis­se – weni­ge Rei­ze also, aber lebens­ge­fähr­li­che.

Welche Stressreize hält das Büro für uns bereit?

Heu­te rei­zen uns Zeit- und Leis­tungs­druck, die Infor­ma­ti­ons­flut, Tech­nik, die nicht funk­tio­niert, der ner­vi­ge Kun­de, Kol­le­ge oder Chef. Vie­le Rei­ze, alle nicht lebens­ge­fähr­lich, aber unser Ner­ven­sys­tem kann das nicht unter­schei­den. Es reagiert dar­auf häu­fig mit der Stress­re­ak­ti­on und schüt­tet über den Tag ver­teilt immer wie­der Stress­hor­mo­ne aus.

Gibt es einen Trick, um solche Situationen zu entschärfen?

Bewuss­tes Wahr­neh­men ist der ers­te Schritt, um Stress zu redu­zie­ren. Bege­ben Sie sich mehr­mals täg­lich in die Hub­schrau­ber­per­spek­ti­ve, und reflek­tie­ren Sie sich selbst: „Was tue ich hier gera­de? Ist das sinn­voll für mein Stress­le­vel? Wird das Ergeb­nis durch Stress bes­ser oder schlech­ter?“ In der Pra­xis hel­fen drei Fra­gen:

  1. Ist Ihr Leben durch die Situa­ti­on, die Sie gera­de stresst, akut in Gefahr? Falls ja, unbe­dingt han­deln! Falls nein: wei­ter.
  2. Wenn Sie nur noch drei Mona­te zu leben hät­ten, wür­den Sie sich von der Situa­ti­on, die Sie gera­de stresst, stres­sen las­sen? Falls nein: wei­ter.
  3. Wenn Sie die Situa­ti­on, die Sie gera­de zu stres­sen beginnt, einem vier­jäh­ri­gen Kind erklä­ren müss­ten, wür­de es ver­ste­hen, war­um Sie gestresst sind?

Ant­wor­ten Sie drei­mal mit Nein, dür­fen Sie sich künf­tig bewusst ent­schei­den, ob es wirk­lich Sinn macht, sich zu stres­sen. In jedem Fall hel­fen eini­ge tie­fe Atem­zü­ge bei offe­nem Fens­ter. Die Atmung bremst unser Stress­sys­tem mess­bar.

Vielen Dank.

Die Fra­gen stell­te Mar­tin A. Völ­ker

Buch­tipp:
Frank Rit­ter: Kill dei­nen Stress. Wir­kungs­vol­le Metho­den für ein ent­spann­te­res Leben, Red­li­ne-Ver­lag, 17,99 €.