100 Jah­re nach Grün­dung des Bau­hau­ses ist in Des­sau ein ori­gi­na­les Gebäu­de der legen­dä­ren Gestal­ter­schu­le ein­ge­weiht wor­den. Der Möbel­her­stel­ler Wilk­hahn hat es mit pas­sen­den Lösun­gen aus­ge­stat­tet.

Das Hilberseimer-Haus in Dessau mit Möbeln von Wilkhahn. Abbildung: Christoph Petras

Das Hil­ber­sei­mer-Haus in Des­sau mit Möbeln von Wilk­hahn. Abbil­dung: Chris­toph Petras

Offen und organisch – das Hilberseimer-Haus in Dessau. Abbildung: Wilkhahn

Offen und orga­nisch – das Hil­ber­sei­mer-Haus in Des­sau. Abbil­dung: Wilk­hahn

Kreativ mit Ausblick – das Hilberseimer-Haus in Dessau. Abbildung: Christoph Petras

Krea­tiv mit Aus­blick – das Hil­ber­sei­mer-Haus in Des­sau. Abbil­dung: Chris­toph Petras

Freiraum für gute Ideen im Hilberseimer-Haus in Dessau. Abbildung: Christoph Petras

Frei­raum für gute Ide­en im Hil­ber­sei­mer-Haus in Des­sau. Abbil­dung: Chris­toph Petras

Im Bau­haus­jahr 2019 ist bereits viel über die berühm­te Schu­le für Kunst und Gestal­tung geschrie­ben wor­den, auch auf OFFICE ROXX. Obwohl das staat­li­che Bau­haus nur von 1919 bis 1933 exis­tier­te, hat es untilg­ba­re Spu­ren in der Geschich­te des Indus­trie­de­signs hin­ter­las­sen.

Am 11. August 2019 wur­de nach nur drei­wö­chi­ger Bau­zeit und mit wesent­li­cher Unter­stüt­zung durch den Möbel­her­stel­ler Wilk­hahn ein ganz beson­de­res Gebäu­de in der Lau­ben­gang-Sied­lung in Des­sau-Tör­ten errich­tet. Die Lau­ben­gang­häu­ser gehö­ren seit dem 9. Juli 2017 zum UNESCO-Welt­kul­tur­er­be. Wilk­hahn hat hier einen ursprüng­lich als Wohn­haus kon­zi­pier­ten Holz­bau nach Plä­nen des Archi­tek­ten und Bau­haus­leh­rers Lud­wig Hil­ber­sei­mer (1885–1967) geför­dert.

Holzbau nach Hilberseimer für die Laubengang-Siedlung

Bei dem jetzt errich­te­ten Haus nach Plä­nen von Hil­ber­sei­mer han­delt es sich um ein L-för­mi­ges, ein­stö­cki­ges Gebäu­de in Holz­bau­wei­se. 400 Exem­pla­re die­ses Typs soll­ten ursprüng­lich das Ensem­ble der Lau­ben­gang­häu­ser ergän­zen. Die Kri­sen der Wei­ma­rer Repu­blik ver­ei­tel­ten jedoch die Rea­li­sie­rung der Flach­bau­ten aus Holz. Ledig­lich ein Exem­plar wur­de gefer­tigt und als „wach­sen­des Haus“ 1932 in Ber­lin mit der Aus­stel­lung „Son­ne, Luft und Haus für Alle“ dem Publi­kum gezeigt.

Initi­iert wur­de das jet­zi­ge Bau­pro­jekt von Phil­ipp Oswalt, Lei­ter des Fach­ge­biets Archi­tek­tur­theo­rie und Ent­wer­fen der Uni­ver­si­tät Kas­sel, der das Werk von Han­nes Mey­er erforscht. Als Bau­haus-Direk­tor gab Mey­er die Losung „Volks­be­darf statt Luxus­be­darf“ aus und beför­der­te damit den sozia­len Gebrauch von Archi­tek­tur und das Zusam­men­brin­gen von Archi­tek­tur und Indus­trie. Wich­ti­ge Gedan­ken, die auch dem Puls unse­rer Gegen­wart ent­spre­chen.

Die Ver­wen­dung von Holz als Bau­ma­te­ri­al kor­ri­giert dabei das land­läu­fi­ge Bild vom Bau­haus, das man eher mit Glas, Stahl und Beton in Ver­bin­dung bringt. Zu dem von Wilk­hahn unter­stütz­ten Pro­jekt sagt Oswalt: „Damit wird erst­ma­lig die inno­va­ti­ve städ­te­bau­li­che Gesamt­kon­zep­ti­on ver­deut­licht wie zugleich der nicht min­der anre­gen­de Haus­typ von Hil­ber­sei­mer prä­sen­tiert. Wir kor­ri­gie­ren ein ein­sei­ti­ges Bild des Bau­haus’ und geben einen Impuls zur heu­ti­gen Woh­nungs­bau­de­bat­te.“

Wilk­hahn hat­te die Akti­vi­tä­ten des Jubi­lä­ums­jah­res bereits mit einem Sym­po­si­um und einem stu­den­ti­schen Design­pro­jekt unter­stützt. Das inno­va­ti­ve Hil­ber­sei­mer-Haus stat­te­te Wilk­hahn mit eben­so inno­va­ti­ven Möbeln aus.

Agile und flexible Einrichtung

Die Ver­wen­dung eines orga­ni­schen Mate­ri­als für den Bau und die Idee eines „wach­sen­des Hau­ses“ legt nahe, dass die Nut­zung des Hil­ber­sei­mer-Gebäu­des eine offe­ne und dyna­mi­sche ist. Es ist als Lern­ort und Raum der sozia­len wie krea­ti­ven Inter­ak­ti­on kon­zi­piert, nach ent­wi­ckel­ten Nut­zungs­vor­stel­lun­gen der Schü­le­rin­nen und Schü­ler des Des­sau­er Wal­ter-Gro­pi­us-Gym­na­si­ums.

Für die­se unter­schied­li­chen und agi­len Sze­na­ri­en hat Wilk­hahn ein pas­sen­des Möbel­pro­gramm bereit­ge­stellt – aus­ge­legt auf Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on mit Labor­cha­rak­ter: ein fle­xi­bles Set­ting mit dem per Akku­be­trieb höhen­ver­stell­ba­ren sowie beschreib- und klapp­ba­ren Time­ta­ble Lift (Design: Andre­as Stö­ri­ko) als Hybrid aus Tisch und White­board: Er kann als hori­zon­ta­le Flä­che für Work­shops und Bespre­chun­gen eben­so ein­ge­setzt wer­den wie als ver­ti­ka­le Prä­sen­ta­ti­ons­wand. Ergänzt wird er von dem Bewe­gungs-, Steh- und Stütz­ele­ment Stitz (Design: Pro­dukt­Ent­wick­lung Roericht PER), einem Klas­si­ker aus dem Umfeld der Hoch­schu­le für Gestal­tung Ulm, jener legen­dä­ren Nach­fol­ge­schu­le des Bau­hau­ses, mit der Wilk­hahn bis zu ihrer Schlie­ßung 1968 eng zusam­men­ge­ar­bei­tet hat. Der Stitz wur­de von Wilk­hahn für die Beweg­lich­keit zwi­schen Ste­hen und Sit­zen ent­wi­ckelt, was dyna­mi­sches Arbei­ten för­dert. Hin­zu kommt der leich­te, äußerst kom­pakt sta­pel­ba­re Mehr­zweck­stuhl Ali­ne (Design: Andre­as Stö­ri­ko): Sein trans­pa­ren­tes Netz­ge­we­be und das mini­mier­te Kufen­ge­stell sor­gen sowohl für eine zurück­hal­ten­de Anmu­tung als auch für federn­den Sitz­kom­fort. Bun­te Bewe­gungs­ho­cker und Sitz­bän­ke aus den Seri­en Stand-Up (Design: Thors­ten Franck) und Sitz­bock (Design: RSW) sor­gen für einen spie­le­ri­schen Zugang zu neu­en Inter­ak­ti­ons­for­men.

Wachsendes Haus auch bald in Berlin

Das Hil­ber­sei­mer-Haus ist demon­tier­bar und soll nach andert­halb­jäh­ri­ger Nut­zung in Des­sau wei­ter­zie­hen. Im Rah­men der Eröff­nung am 11. August 2019 wur­de der Schlüs­sel an den Betrei­ber, den Deut­schen Werk­bund Sach­sen-Anhalt, über­ge­ben. Als zwei­ter Stand­ort ist die Umge­bung des Hau­ses Lem­ke nach Plä­nen von Mies van der Rohe in Ber­lin-Hohen­schön­hau­sen geplant. Die­ser hat­te dort den Gebäu­de­typ von Hil­ber­sei­mer auf­ge­grif­fen und in einer luxu­riö­sen Vari­an­te als Vil­la rea­li­siert, was einen span­nen­den Kon­trast ver­spricht.