Ört­li­ch fle­xi­ble Arbeit ist ein brand­hei­ßes und viel­dis­ku­tier­tes The­ma. Neun von zehn deut­schen Ange­stell­ten haben ein posi­ti­ves Bild von orts­un­ab­hän­gi­ger Arbeit, lau­tet ein zen­tra­les Ergeb­nis einer aktu­el­len Stu­die des Fraun­ho­fer IAO. Ganz so ein­fach ist es jedoch nicht.

Bessere Kinderbetreuung gilt als entscheidender Vorteil örtlich flexibler Arbeit. Foto: Fotolia/Zivica Kerkez

Bes­se­re Kin­der­be­treu­ung gilt als ent­schei­den­der Vor­teil ört­li­ch fle­xi­bler Arbeit. Foto: Fotolia/Zivica Ker­kez

Adäquate technische Ausstattung ist eine der Bedingungen für mobile Arbeit. Foto: Pexels

Adäqua­te tech­ni­sche Aus­stat­tung ist eine der Bedin­gun­gen für mobi­le Arbeit. Foto: Pexels 

In Zusam­men­ar­beit mit dem Insti­tut für Arbeits­wis­sen­schaft und Tech­no­lo­gie­ma­nage­ment (IAT) der Uni­ver­si­tät Stutt­gart hat das Fraun­ho­fer Insti­tut für Arbeits­wirt­schaft und Orga­ni­sa­ti­on (IAO) eine Befra­gung unter cir­ca 680.000 Ange­stell­ten durch­ge­führt. 90 Pro­zent von ihnen haben ein posi­ti­ves Bild von mobi­ler Arbeit, und 86 Pro­zent der tat­säch­li­ch mobil arbei­ten­den Teil­neh­mer sehen in die­ser Form der Beschäf­ti­gung die Chan­ce, Arbeit und Pri­vat­le­ben bes­ser zu ver­ei­nen. Die Sache scheint also klar: Ört­li­ch fle­xi­ble Arbeit ist ein Segen.

Mobile Arbeit: Die Schattenseite

Ganz so ein­fach ist es aber nicht. Denn auch unter den mobi­len Workern gibt es Ängs­te. Etwa die Furcht vor unkon­trol­lier­bar anstei­gen­den Arbeits­zei­ten und dem Aus­schluss aus der Mit­ar­bei­ter­ge­mein­schaft (19 Pro­zent). Cir­ca 30 Pro­zent der Befrag­ten befürch­ten zudem, dass sie mehr leis­ten müs­sen als ihre Kol­le­gen. In die­ser Grup­pe herrscht die Angst vor, ihre Arbeits­leis­tung wer­de von den Kol­le­gen und Vor­ge­setz­ten nicht ent­spre­chend wahr­ge­nom­men. Als Fol­ge dar­aus wird die feh­len­de Anwe­sen­heit oft durch Mehr­ar­beit kom­pen­siert.

Mobile Arbeit: Voraussetzungen und Vorteile

Knapp 50 Pro­zent der Grup­pe, die mobi­le Arbeit posi­tiv bewer­tet, ver­bin­den ihre Ant­wort mit Vor­aus­set­zun­gen und Anfor­de­run­gen: 34,1 Pro­zent mei­nen, die tech­ni­sche Aus­stat­tung müs­se hier­für vom Unter­neh­men bereit­ge­stellt wer­den. 15,4 Pro­zent sehen die Mög­lich­keit mobi­ler Arbeit nur bei per­sön­li­chen Grün­den wie Kin­der­be­treu­ung oder Alten­pfle­ge als sinn­voll an.

Die ver­än­der­te Arbeits­um­ge­bung wird von vie­len mobi­len Pro­fes­sio­nals posi­tiv bewer­tet. Mehr als 82 Pro­zent der Befrag­ten sehen vor allem bei der Arbeit zu Hau­se den Vor­teil einer unge­stör­ten Atmo­sphä­re (auf Cafés oder Parks dürf­te das nicht zutref­fen). Auch Work-Life-Blen­ding scheint für die meis­ten mobi­len Arbei­ter kei­ne Gefahr zu sein. Cir­ca 81 Pro­zent kön­nen eine kla­re Trenn­li­nie zwi­schen Arbeit und Pri­vat­le­ben zie­hen. Im Rück­schluss bedeu­tet dies aller­dings, dass fast jeder fünf­te Befrag­te Angst davor hat, Arbeit und Pri­vat­le­ben nicht mehr von­ein­an­der tren­nen zu kön­nen. Hier sei­en vor allem Füh­rungs­kräf­te gefor­dert. Sie müs­sen kla­re Regeln für die Erreich­bar­keit defi­nie­ren.

Nach wie vor Präsenzkultur?

Von den­je­ni­gen, die mobil arbei­ten kön­nen und dür­fen, nut­zen 74,2 Pro­zent höchs­tens an zwei Tagen pro Monat die­se Mög­lich­keit. Knapp 20 Pro­zent arbei­ten zwi­schen drei und fünf Tagen an einem selbst­be­stimm­ten Ort. Grün­de hier­für sind vor allem Anwe­sen­heits­pflicht bei Ter­mi­nen und der nega­ti­ve Ein­fluss auf die Zusam­men­ar­beit mit Kol­le­gen. Nicht ganz zwei Pro­zent arbei­ten über zehn Tage pro Monat außer­halb des Unter­neh­mens.