Die Deut­schen lie­ben Ord­nung. Zum Inbe­griff für Stan­dards wur­de hier­zu­lan­de das Deut­sche Insti­tut für Nor­mung e. V. Die ers­te DIN-Norm wur­de vor 100 Jah­ren defi­niert. Die für die Büro­welt essen­zi­el­le DIN 476, wel­che die Papier­for­ma­te defi­niert, folg­te nur vier Jah­re spä­ter.

Das Ausgangsformat ist DIN A0. Alle weiteren acht DIN-A-Formate ergeben sich jeweils durch Halbierung.  Foto: Wikimedia commons/Romanm

Das Aus­gangs­for­mat ist DIN A0. Alle wei­te­ren acht DIN-A-For­ma­te erge­ben sich jeweils durch Hal­bie­rung. Foto: Wiki­me­dia commons/Romanm

Im Mai 1917 wur­de im Auf­trag des König­li­chen Fabri­ka­ti­ons­bü­ros (FABO) ein Nor­ma­li­en­aus­schuss für den deut­schen Maschi­nen­bau zur Ver­ein­heit­li­chung von Arbeits­mit­teln ein­ge­rich­tet. Aus die­sem ging am 22. Dezem­ber 1917 der Nor­men­aus­schuss der deut­schen Indus­trie (NADI) her­vor. Im März 1918 erschien dann die ers­te DIN-Norm (DI-Norm 1 Kegel­stif­te). 1926 wur­de der Name in Deut­scher Nor­men­aus­schuss (DNA) umfir­miert, da die Beschrän­kung auf Indus­trie­nor­men als nicht mehr aus­rei­chend emp­fun­den wur­de. Zu die­ser Zeit gab es bereits vie­le Nor­men für das Büro­we­sen, Kran­ken­häu­ser usw. Die Abkür­zung DIN hieß im Volks­mund: „Das ist Norm.“ Der heu­te noch gül­ti­ge Name Deut­sches Insti­tut für Nor­mung wur­de 1975 gewählt. Er bezieht sich auf den in die­sem Jahr geschlos­se­nen Ver­trag zwi­schen der Orga­ni­sa­ti­on und der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, in wel­chem DIN als natio­na­les Nor­mungs­in­sti­tut für die Bun­des­re­pu­blik aner­kannt wur­de.

Eine der bekann­tes­ten Nor­men des DIN ist die DIN 476 Papier­for­ma­te (DIN A4 usw.). Sie defi­niert ein Papier­for­mat in Brei­te und Höhe. Bis zu die­sem ein­heit­li­chen Stan­dard, der am 18. August 1922 ver­öf­fent­licht wur­de, war es aller­dings ein lan­ger Weg.

Die Anfänge der Papierformate

Noch vor der Ein­füh­rung des Buch­drucks wur­de gegen Ende des 14. Jahr­hun­derts in der ita­lie­ni­schen Stadt Bolo­gna eine For­mat­ord­nung für Papie­re erlas­sen. Sie defi­nier­te vier unter­schied­li­che For­mat­grö­ßen, außer­dem Gewicht, Qua­li­tät und Ver­kaufs­prei­se. Die­se ers­te Maß­nah­me war aller­dings nur mäßig erfolg­reich. Denn bei hand­ge­schöpf­ten Papie­ren ent­sprach das Aus­gangs­for­mat des Papier­bo­gens immer der Grö­ße des Schöpf­rah­mens. Weil die­se aber nicht genormt waren, vari­ier­ten die geschöpf­ten Bögen teils erheb­lich. Da nütz­te es auch nichts, dass die ein­zel­nen durch Hal­bie­rung gewon­nen Blatt­grö­ßen iden­ti­sche Namen hat­ten: Ein hal­ber Bogen war ein Folio, dar­auf folg­te der Quart (vier Tei­le) und schließ­lich der Oktav (acht Tei­le).

Weitere Versuche

Gegen Ende des 18. Jahr­hun­derts wur­den in Frank­reich sechs ver­schie­de­ne For­ma­te für Urkun­den- und Stem­pel­pa­pie­re fest­ge­legt. Inter­na­tio­nal konn­ten sich die­se For­ma­te in den fol­gen­den Jah­ren aller­dings nicht durch­set­zen. Im deutsch­spra­chi­gen Raum wur­den erst im Juli 1910 ernst­haf­te Ver­su­che einer Ver­ein­heit­li­chung unter­nom­men. Der Schwei­zer Karl Büh­rer grün­de­te das Unter­neh­men „Die Brü­cke“ mit dem Ziel, die gesam­te geis­ti­ge Arbeit der Welt nach ein­heit­li­chen Prin­zi­pi­en zu orga­ni­sie­ren. Das schloss auch die Grund­la­gen der geis­ti­gen Arbeit mit ein: die Arbeits­mit­tel. Für ein­heit­li­che Druckerzeug­nis­se emp­fahl Büh­rer das For­mat 11,5 x 16,5 cm.

Im Juni 1911 über­nahm schließ­lich der Che­mi­ker und Nobel­preis­trä­ger Wil­helm Oswald den Vor­sitz des Unter­neh­mens, das mitt­ler­wei­le in das „Inter­na­tio­na­le Insti­tut zur Orga­ni­sie­rung der geis­ti­gen Arbeit“ umbe­nannt wor­den war. Oswald for­der­te einen wis­sen­schaft­li­chen Ansatz: Die For­ma­te soll­ten durch Hal­bie­rung des Flä­chen­in­halts inein­an­der über­ge­hen bei gleich­blei­ben­dem Ver­hält­nis der Sei­ten­län­ge. Grund­la­ge des Sys­tems war eine Sei­ten­län­ge von 1 cm. Er ermit­tel­te ein Ver­hält­nis der Brei­te zur Höhe von 1:1,41 oder 1:√2. Die dar­aus ent­ste­hen­den soge­nann­ten Welt­for­ma­te konn­ten sich aller­dings auch nicht durch­set­zen.

Der Durchbruch

Auf der Grund­la­ge der Welt­for­ma­te ent­wi­ckel­te Dr. Wal­ter Por­st­mann ein For­mat­sys­tem, wel­ches schließ­lich 1922 in der DIN 476 auf­ging. Ent­schei­dend für den Durch­bruch war der Anschluss an das metri­sche Sys­tem. Jedoch nicht über die Sei­ten­län­ge der Papier­for­ma­te, wie es Oswald gefor­dert hat­te, son­dern über den Flä­chen­in­halt. Por­st­mann leg­te 1 m2 als Aus­gangs­maß fest. Damit die Ähn­lich­keit der For­ma­te gewähr­leis­tet blieb, wur­de das bereits ermit­tel­te Sei­ten­ver­hält­nis von 1:1,41 über­nom­men. Das Aus­gangs­for­mat A0 hat­te damit die Abmes­sun­gen 841 x 1.189 mm. Der vier­fach gefal­te­te Bogen A4 kam auf die heu­te noch gül­ti­gen Maße von 210 x 297 mm.

Einfluss auf den Bürobereich

Auch der Büro­sek­tor wur­de von der DIN 476 maß­geb­lich beein­flusst. Durch die ein­heit­li­chen Papier­for­ma­te wur­den im Bereich des Büro­be­darfs Brief­um­schlä­ge, Abla­ge­sys­te­me und Akten­ord­ner auf­ein­an­der abge­stimmt. Die Maße diver­ser Büro­mö­bel wur­den ver­ein­heit­licht: iden­ti­sche Schub­la­den­grö­ßen und Akten­schrän­ke kamen auf den Markt. Trotz die­ser offen­sicht­li­chen Vor­tei­le wur­den erst um 1936 Papie­re für Behör­den und Unter­neh­men aus­schließ­lich in DIN-For­ma­ten pro­du­ziert.

Seit 1975 wer­den Papier­for­ma­te auch inter­na­tio­nal genormt. Die ISO 216 defi­niert die For­ma­te von Papier exakt nach den Abmes­sun­gen der DIN-For­ma­te. Im März 2002 ging die Bezeich­nung DIN 476 schließ­lich in die Geschich­te ein. Sie wur­de in der Inter­na­tio­na­len und Euro­päi­schen Norm als DIN EN ISO 216 auch in Deutsch­land über­nom­men. Das zugrun­de­lie­gen­de Sys­tem bleibt aller­dings auch fast 100 Jah­re nach sei­ner Ein­füh­rung bestehen.