Der deut­sche Büro­ein­rich­tungs­ver­band IBA hat Büro­be­schäf­ti­ge nach dem Wan­del ihrer Arbeits­welt und nach ihren Wohl­fühl­fak­to­ren befra­gen las­sen: Fast vier Fünf­tel der Befrag­ten sind mit ihrer Arbeits­platz­aus­stat­tung zufrie­den. Den­no­ch gibt es Hand­lungs­be­darf.

Einfluss des Wohlbefindens auf die Produktivität. Grafik: IBA

Ein­fluss des Wohl­be­fin­dens auf die Pro­duk­ti­vi­tät. Gra­fik: IBA 

Wichtigkeit verschiedener Faktoren für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz im Vergleich zu den aktuellen Gegebenheiten. Grafik: IBA

Wich­tig­keit ver­schie­de­ner Fak­to­ren für das Wohl­be­fin­den am Arbeits­platz im Ver­gleich zu den aktu­el­len Gege­ben­hei­ten. Gra­fik: IBA

Studie zum Wohlbefinden

Im Schnitt 36 Pro­zent der Büro­ar­beits­plät­ze wur­den in den letz­ten fünf Jah­ren umge­stal­tet. Gra­fik: IBA 

Mitarbeiterbeteiligung

63 Pro­zent kön­nen ihren Büro­ar­beits­platz indi­vi­du­ell gestal­ten. Gra­fik: IBA 

Die Arbeits­welt der rund 21 Mil­lio­nen Büro­an­ge­stell­ten in Deutsch­land befin­det sich in einem radi­ka­len Wan­del. Neue For­men der Zusam­men­ar­beit erfor­dern ganz­heit­li­che Lösun­gen bei Büro­kon­zep­ten, Arbeits- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren.

Studie zum Wohlbefinden: Einzelbüros weiterhin am gefragtesten

Ob die deut­schen Büros die­sen Anfor­de­run­gen bereits gerecht wer­den, hat jetzt das Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut for­sa im Auf­trag des Indus­trie­ver­band Büro und Arbeits­welt e. V. (IBA) in einer reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­ge zum The­ma „Wohl­be­fin­den am Arbeits­platz“ unter­sucht. „Exper­ten“ sind hier die deut­schen Büro­ar­beit­neh­mer selbst. Über 1.000 Büro­be­schäf­tig­te wur­den dana­ch befragt, wie stark sich ihre Arbeits­um­ge­bung in den letz­ten Jah­ren ver­än­dert hat, auf wel­che „Wohl­fühl­fak­to­ren“ es ihnen ankommt und wie ihr Arbeits­platz tat­säch­li­ch aus­ge­stat­tet ist.

Das Ergeb­nis ist zunächst ein­mal sehr posi­tiv: 78 Pro­zent der Befrag­ten sind mit der Aus­stat­tung und Ein­rich­tung ihres Arbeits­plat­zes zufrie­den. Beson­ders zufrie­den sind die Alters­grup­pe der 35- bis 49-Jäh­ri­gen sowie Mit­ar­bei­ter in Ein­zel­bü­ros. Gera­de die­se lau­fen aber Gefahr, von der Ent­wick­lung der Arbeits­welt abge­hängt zu wer­den. Wäh­rend ins­ge­samt wenigs­tens 36 Pro­zent der Arbeit­neh­mer anga­ben, dass ihr Arbeits­um­feld, also der eige­ne Arbeits­platz oder die zusätz­li­ch zur Ver­fü­gung ste­hen­den Räum­lich­kei­ten, an die ver­än­der­ten Anfor­de­run­gen moder­ner Büro­ar­beit ange­passt wur­de, konn­ten unter den Inha­bern von Ein­zel­bü­ros nur noch 29 Pro­zent von ent­spre­chen­den Ver­än­de­run­gen berich­ten.

Handlungsbedarf bei Stühlen, Temperaturen und Rückzugsbereichen

Unab­hän­gig von der Raum­form zei­gen die Befra­gungs­er­geb­nis­se sowohl grund­sätz­li­chen Nach­hol­be­darf als auch neue Anfor­de­run­gen hin­sicht­li­ch der durch New Work gepräg­ten Büro­ar­beits­plät­ze. So gibt nach wie vor fast jeder fünf­te Büro­ar­beit­neh­mer an, kei­nen beque­men Büro­stuhl zu haben, obwohl die­ser für nahe­zu alle Befrag­ten zu den wich­ti­gen oder sehr wich­ti­gen Wohl­fühl­fak­to­ren zählt. Ähn­li­ch hoch ist die Bedeu­tung ange­neh­mer Tem­pe­ra­tu­ren. Hier sehen sogar knapp 40 Pro­zent noch deut­li­chen Ver­bes­se­rungs­be­darf.

Doch auch in den Berei­chen, die Kenn­zei­chen der New Work sind, gibt es gro­ße Dis­kre­pan­zen zwi­schen Wunsch und Wirk­lich­keit. So feh­len bei fast 60 Pro­zent der Büro­ar­beit­neh­mer Rück­zugs­be­rei­che für kon­zen­trier­tes Arbei­ten, obwohl die­se für vier von fünf Befrag­ten wich­tig oder sehr wich­tig sind. Ein nied­ri­ger Geräusch­pe­gel lässt sich immer­hin bei rund 60 Pro­zent der Büro­ar­beits­plät­ze ein­hal­ten. Die Zahl kommt aller­dings nur zustan­de, weil vie­le Arbeit­neh­mer in Ein- und Zwei­per­so­nen­bü­ros arbei­ten. Schon ab drei Per­so­nen in einem Büro sinkt die Zufrie­den­heit deut­li­ch ab. Dabei gehört ein nied­ri­ger Geräusch­pe­gel für fast alle Beschäf­tig­ten zu den unab­ding­ba­ren Merk­ma­len guter Arbeits­platz­ge­stal­tung.

Ähn­li­ch sieht es mit anspre­chen­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Pau­sen­be­rei­chen aus – zwei Drit­tel der Beschäf­tig­ten wün­schen sich die­se, weni­ger als der Hälf­te ste­hen sie zur Ver­fü­gung. Dabei stellt der Wan­del der Arbeit gera­de hier beson­ders hohe Anfor­de­run­gen. Nach Berech­nun­gen des IBA ent­fal­len der­zeit 42 Pro­zent der Arbeits­zeit auf kom­mu­ni­ka­ti­ve Tätig­kei­ten in Form von Netz­wer­ken oder Pro­jekt- und Team­ar­beit.

Fast drei Viertel bevorzugen eine eher funktionale Einrichtung

Ein wei­te­res The­ma der Stu­die war, wel­cher Ein­rich­tungs­stil den größ­ten Wohl­füh­l­ef­fekt bie­tet. Blickt man bei­spiels­wei­se ins ame­ri­ka­ni­sche Sili­con Val­ley, sind der Krea­ti­vi­tät dort fast kei­ne Gren­zen gesetzt. Vie­le Büros der gro­ßen Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men zeich­nen sich durch eine aus­ge­präg­te Wohl­fühl-Atmo­sphä­re aus. Sie erin­nern oft­mals an WG-Küchen oder Spiel­zim­mer. Die aktu­el­le for­sa-Stu­die des IBA zeigt dem­ge­gen­über, dass fast drei Vier­tel der Büro­be­schäf­tig­ten in Deutsch­land ein eher prak­ti­sch und funk­tio­nal ein­ge­rich­te­tes Arbeits­um­feld bevor­zu­gen. Ein vor allem moder­nes oder eher gemüt­li­ches Ambi­en­te wün­schen sich dage­gen in ers­ter Linie die unter 35-jäh­ri­gen Befrag­ten.

Zufriedenheit schafft Wohlbefinden schafft Produktivität und Loyalität

Bereits 2014 hat­te das Fraun­ho­fer Insti­tut für Arbeits­wirt­schaft und Orga­ni­sa­ti­on (IAO) im Rah­men der Stu­die „Office Set­tings“ ermit­telt, dass es einen star­ken Zusam­men­hang zwi­schen der Zufrie­den­heit mit der Büro­um­ge­bung und dem Wohl­be­fin­den, der Moti­va­ti­on sowie der Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Unter­neh­men gibt. Wie wich­tig die Büro­qua­li­tät auch bei der Per­so­nal­su­che ist, hat­te bereits die IBA-/bso-Studie 2013/14 gezeigt. Für 62 Pro­zent der Befrag­ten war ein attrak­tiv aus­ge­stat­te­ter Arbeits­platz ein wich­ti­ges Aus­wahl­kri­te­ri­um im Rah­men der Job­su­che. Und auch das Ergeb­nis der aktu­el­len IBA-Stu­die ver­deut­licht: Unter­neh­men, die in die Arbeits­um­ge­bung ihrer Mit­ar­bei­ter inves­tie­ren, kön­nen von zufrie­de­ne­ren und leis­tungs­fä­hi­ge­ren Mit­ar­bei­tern pro­fi­tie­ren. So sind sich vier von fünf Arbeit­neh­mern (78 Pro­zent) sicher, dass das Wohl­be­fin­den am Arbeits­platz ihre Pro­duk­ti­vi­tät direkt beein­flusst. Fast alle Übri­gen (21 Pro­zent) hal­ten dies zumin­dest für mög­li­ch.

Investitionen bleiben wichtig

„In Zei­ten der Digi­ta­li­sie­rung ist es für Unter­neh­men wich­tig, ihren Büro­be­schäf­tig­ten ein Arbeits­um­feld zu bie­ten, das den ver­än­der­ten Her­aus­for­de­run­gen ent­spricht. Es gibt einen kla­ren Zusam­men­hang zwi­schen der Zufrie­den­heit der Mit­ar­bei­ter mit der Büro­um­ge­bung und deren Pro­duk­ti­vi­tät“, sagt der Vor­sit­zen­de des IBA, Hen­drik Hund. „Vie­le Arbeit­ge­ber haben das mitt­ler­wei­le erkannt und inves­tie­ren bereits in ent­spre­chen­den Lösun­gen.“ Dass sich die­ses Enga­ge­ment lohnt, zei­gen die Ant­wor­ten auf ein wei­te­res Fra­gen­feld der aktu­el­len IBA-Stu­die. Drei von vier Beschäf­tig­ten, deren Arbeits­um­feld in den letz­ten Jah­ren umge­stal­tet wur­de, emp­fin­den die Ver­än­de­rung als Berei­che­rung. Offen­sicht­li­ch setzt die Mehr­zahl der Inves­ti­tio­nen aus Sicht der Beschäf­tig­ten an der rich­ti­gen Stel­le an.

Mehr Mitarbeiterbeteiligung

Noch höhe­re Zufrie­den­heits­wer­te wären ver­mut­li­ch zu erzie­len, wenn mehr Beschäf­tig­te ein Mit­spra­che­recht bei der Gestal­tung ihrer Büros hät­ten. Zwar haben knapp zwei Drit­tel der Arbeit­neh­mer die Mög­lich­keit, ihren Arbeits­platz indi­vi­du­ell zu gestal­ten und zu deko­rie­ren. An der Aus­wahl von Schreib­ti­schen (24 Pro­zent) und Büro­stüh­len (36 Pro­zent) wird aber nur eine Min­der­heit betei­ligt. Auch bei der tech­ni­schen Aus­stat­tung ist der Ein­fluss der Beschäf­tig­ten gering (31 Pro­zent). Hier zeigt sich viel­leicht der deut­lichs­te Kul­tur­un­ter­schied zwi­schen deut­schen Unter­neh­men und dem Sili­con Val­ley.

Ins­ge­samt zie­hen die Exper­ten des IBA ein posi­ti­ves Fazit aus den Befra­gungs­er­geb­nis­sen. Ein biss­chen mehr Mut zu neu­en Wegen bei der Arbeits­platz­ge­stal­tung und mehr Dyna­mik bei der Umset­zung wäre aus Sicht der Stu­di­en­ma­cher aber durch­aus ange­bracht.