Die Ernäh­rungs­stu­die 2017 der Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se (TK) hat jüngst auf­ge­zeigt, wie die Ess­ge­wohn­hei­ten der Deut­schen aus­se­hen. Wir spra­chen mit der Ernäh­rungs­psy­cho­lo­gin Prof. Dr. Anne Flo­thow über die Ergeb­nis­se.

Gesund und lecker soll das Essen der Deutschen sein. Grafik: Techniker Krankenkasse

Gesund und lecker soll das Essen der Deut­schen sein.

So könnte ein Angebot für eine gesunde Ernährung während der Arbeit aussehen.  Foto: Pixabay

So könn­te ein Ange­bot für eine gesun­de Ernäh­rung wäh­rend der Arbeit aus­se­hen. Foto: Pixabay

Jeder dritte Berufstätige ernährt sich ungesund. Grafik: Techniker Krankenkasse

Fast zwei Drit­tel der Berufs­tä­ti­gen neh­men sich Zeit zum Essen. Gra­fik: Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se

OFFICE ROXX: Frau Professorin Flothow, die TK-Ernährungsstudie zeigt, dass es vielen Menschen schwerfällt, sich während des Arbeitstages gesund zu ernähren. Woran liegt das?

Prof. Dr. Anne Flo­thow: Obwohl der Wunsch, sich gesund zu ernäh­ren, vor­han­den ist, fehlt nach Ein­schät­zung der Befrag­ten Zeit, Wil­le und Geld, um die­sen Vor­satz auch umzu­set­zen. Über die Hälf­te der Befrag­ten gibt an, dass eine gesun­de Ernäh­rungs­wei­se zu viel Zeit kos­ten wür­de. Wäh­rend bei der im Jah­re 2013 durch­ge­führ­ten Befra­gung etwa die Hälf­te der Befrag­ten der Mei­nung war, sich in den Arbeits­pau­sen nicht aus­rei­chend Zeit zum Essen zu neh­men, waren es 2017 schon knapp zwei Drit­tel. Dar­über hin­aus ist über ein Drit­tel der Beschäf­tig­ten unzu­frie­den mit dem Ver­pfle­gungs­an­ge­bot am Arbeits­platz. 

Was kann auf betrieblicher Seite getan werden, um diesen Sachverhalt zu verbessern?

Die Ver­ant­wort­li­chen für die Ver­pfle­gung im Betrieb soll­ten das Ange­bot in den Kan­ti­nen, Cafe­te­ri­en und Snack­au­to­ma­ten für die Mit­tags- und Zwi­schen­ver­pfle­gung kri­tisch unter die Lupe neh­men. Hin­wei­se, wie das Ange­bot gesund­heits­för­der­li­cher gestal­tet wer­den kann, bie­tet das Por­tal JOB&FIT der Deut­schen Gesell­schaft für Ernäh­rung. Neben dem Essen soll­te auch auf eine regel­mä­ßi­ge Flüs­sig­keits­zu­fuhr von min­des­tens 1,3 Litern am Tag geach­tet wer­den. Den Beschäf­tig­ten soll­te im Pau­sen­raum mög­lichst kos­ten­frei küh­les (gespru­del­tes) Trink­was­ser zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Außer­dem kann die Instal­la­ti­on von lei­tungs­ge­bun­de­nen Trink­was­ser­spen­dern ange­regt wer­den. Ist im Betrieb kei­ne Kan­ti­ne vor­han­den, soll­ten die Mit­ar­bei­ter gezielt über eine gesund­heits­för­der­li­che Selbst­ver­pfle­gung infor­miert wer­den. Mög­lich­kei­ten zur Lage­rung und zur Erwär­mung der mit­ge­brach­ten Spei­sen soll­ten in einer Tee­kü­che gege­ben sein.

Können Sie ein paar Tipps geben, wie kann man sich während der Arbeit gesund ernähren kann?

Essen Sie bunt! Besteht der ein­zi­ge Farb­kleks auf Ihrem Tel­ler aus dem Toma­ten­ketch­up, soll­ten Sie etwas ändern. Vit­ami­ne und Mine­ral­stof­fe, zum Bei­spiel aus sai­so­na­lem Obst und Gemü­se, mage­rem Fleisch oder Fisch, sor­gen für einen funk­ti­ons­tüch­ti­gen Stoff­wech­sel. Ach­ten Sie dar­auf, täg­lich min­des­tens zwei Hand­voll Obst und drei Hand­voll Gemü­se zu essen – roh oder gekocht.

Essen Sie schlau! Eiweiß aus fett­ar­mem Fleisch, Milch oder Milch­pro­duk­ten, wie Joghurt oder Käse, ist wich­tig für die Infor­ma­ti­ons- und Signal­über­mitt­lung zwi­schen den Gehirn­zel­len.

Essen Sie regel­mä­ßig! Bevor­zu­gen Sie dabei Voll­korn­pro­duk­te. So wird Ihr Kör­per gleich­mä­ßig mit Ener­gie ver­sorgt und der Blut­zu­cker­spie­gel bleibt rela­tiv kon­stant. Sie ent­wi­ckeln kei­ne star­ken Hun­ger­ge­füh­le.

DIY – do it yours­elf! Fer­tig­pro­duk­te ent­hal­ten häu­fig viel Fett, Zucker oder Salz. Schau­en Sie daher kri­tisch auf das Eti­kett mit den Nähr­wert­an­ga­ben.

Essen Sie acht­sam! Neh­men Sie Geschmack, Geruch und Tex­tur der Spei­sen bewusst wahr. Erst 15 bis 20 Minu­ten nach Beginn einer Mahl­zeit sen­det unser Kör­per Sät­ti­gungs­si­gna­le.

Wie wichtig ist der Verzicht auf Smartphones und Co. während der Essenspausen?

Essen ist mehr als die Ver­sor­gung mit Nähr­stof­fen. Nur wer sich bewusst auf sein Essen kon­zen­triert, kann es genie­ßen und Sät­ti­gungs­si­gna­le wahr­neh­men. Wer beim Essen abge­lenkt ist, nimmt nicht wahr, was oder wie viel geges­sen wur­de.

Was sollte man tun, wenn die Zeit zum Essen während der Arbeit fehlt?

Die Ein­stel­lung zum Essen und/oder zur Arbeit über­den­ken! Wird der Kör­per nicht aus­rei­chend mit Ener­gie und Nähr­stof­fen ver­sorgt, sinkt der Blut­zu­cker­spie­gel. Es ent­steht (Heiß-)Hunger. Die Kon­zen­tra­ti­ons- und Leis­tungs­fä­hig­keit nimmt rapi­de ab. Wird der Hun­ger mit ein­fa­chen Koh­len­hy­dra­ten, zum Bei­spiel aus Süßig­kei­ten oder Weiß­mehl­pro­duk­ten, gestillt, wird der Kör­per zwar kurz­fris­tig mit Ener­gie ver­sorgt und es kommt zu einem raschen Anstieg des Blut­zu­cker­spie­gels. Die­ser sinkt aber kurz dar­auf wie­der ab und lässt ein erneu­tes Hun­ger­ge­fühl ent­ste­hen. Sol­che Blut­zu­cker­schwan­kun­gen kön­nen durch regel­mä­ßi­ge Mahl­zei­ten und den Ver­zehr von kom­ple­xen Koh­len­hy­dra­ten ver­mie­den wer­den.

Der schnelle Snack zwischendurch – ist er nötig, um durch den Tag zu kommen, oder sollte bewusst auf ihn verzichten werden?

Das kommt auf den Snack an. Chips und Scho­ko­la­de lie­fern wenig Nähr­stof­fe und haben vie­le Kalo­ri­en. Gegen Obst oder eine Hand­voll Nüs­se ist dage­gen nichts ein­zu­wen­den.

Vie­len Dank für das Gespräch! 

Die Fra­gen stell­te Ger­rit Krä­mer.

Prof. Dr. Anne Flo­thow lehrt Psy­cho­lo­gie
an der Hoch­schu­le für ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten
in Ham­burg.