Die Büro­ar­beit wird mobi­ler, häu­fig fin­det sie unter­wegs statt. Was läge also näher, als eine Ver­an­stal­tung zu New Work in einem Zug zu ver­an­stal­ten? So gesche­hen am 6. Sep­tem­ber im neu­en ICE 4 zwi­schen Ham­burg und Kas­sel. Sebas­ti­an Klöß war dabei.

Fak­ten rund um New Work und den ICE 4, gra­fisch fest­ge­hal­ten von der Illus­tra­to­rin Eli Breu­ing von Rie­sen­spatz. Gra­fik: DB

Sebas­ti­an Sooth (Start-up-Mana­ger bei DB mind­box), Trend­be­ob­ach­ter Mathi­as Haas, Tobi­as Krem­kau (Cowor­king-Mana­ger im Cowor­king-Space St. Ober­holz) sowie der Bera­ter und Autor Mar­kus Albers (von links) vor dem neu­en ICE 4. Foto: DB

Ab Dezem­ber wird der neue ICE 4 im regu­lä­ren Ein­satz sein. Foto: DB

Blick in die ers­te Klas­se des ICE 4. Foto: Oli­ver Lang/DB.

So sieht im ICE 4 die 2. Klas­se aus. Foto: Oli­ver Lang/DB.

Mor­gens, kurz nach 10 Uhr am Ham­bur­ger Haupt­bahn­hof. Ein­fahrt hat der ICE 787 nach Mün­chen. Zwei Din­ge sind an die­sem Tag anders als sonst: Die Fahrt wird mit einem neu­en ICE 4 durch­ge­führt, der sich der­zeit im Pro­be­be­trieb befin­det und ab Dezem­ber in den fahr­plan­mä­ßi­gen Ein­satz geht. Und Wagen 14 ist ein rol­len­der, 250 km/h schnel­ler Ver­an­stal­tungs­raum, in dem sich Exper­ten zu den The­men New Work und neue Mobi­li­tät befin­den. Zwei Stun­den lang tau­schen sie sich dazu aus, wie und wo Wis­sens­ar­beit heu­te statt­fin­det.

New Work muss gelernt werden

New Work klingt erst ein­mal gut, nach selbst­be­stimm­tem Arbei­ten, nach Arbeit, die man wirk­lich will, und nach der Frei­heit, dort zu arbei­ten, wo es gera­de am geeig­nets­ten ist. Der Autor und Bera­ter Mar­kus Albers zeigt in sei­nem Vor­trag, dass das neue Arbei­ten jedoch auch sei­ne Risi­ken hat – und dass wir uns vor allem noch in einem Sta­di­um befin­den, in dem wir das neue Arbei­ten ler­nen müs­sen. Häu­fig sei es in Unter­neh­men unklar, wer wann erreich­bar sein soll. Außer­dem gehe bei der Zusam­men­ar­beit der­zeit noch vie­les schief, dro­he der „Col­la­bo­ra­ti­on Over­load“. Auf der Stre­cke blei­be dabei das kon­zen­trier­te Nach­den­ken. Des­halb sei es wich­tig, dass kla­re Regeln zur Erreich­bar­keit aus­ge­han­delt wür­den und dass es Orte für Kon­zen­tra­ti­on gebe. Für Albers sind Züge sol­che Orte der Beschrän­kung und der Kon­zen­tra­ti­on.

Coworking-Spaces als neue Arbeitsorte

Tobi­as Krem­kau, Cowor­king-Mana­ger im Ber­li­ner Cowor­king-Space St. Ober­holz, zeigt in sei­nem Vor­trag die Vor­tei­le unter­schied­li­cher Arbeits­or­te auf. Das Zuhau­se gebe Frei­heit, das Büro die nöti­ge Struk­tur, Cafés böten guten Kaf­fee und coo­le Leu­te zum Aus­tau­schen. Cowor­king-Spaces bün­deln aus sei­ner Sicht all die­se Vor­tei­le. Unter ande­rem beein­flus­se uns dort die Anwe­sen­heit der ande­ren (Co-Prä­senz) und es ent­ste­he ein Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl. Mit Cowor­king-Spaces jen­seits der Metro­po­len in Mit­tel­zen­tren könn­ten außer­dem die Pend­ler­strö­me redu­ziert wer­den, fin­det Krem­kau. Statt jeden Tag wei­te Stre­cken zum Arbeit­ge­ber in der Groß­stadt zurück­zu­le­gen, könn­ten Arbeit­neh­mer dort, zumin­dest Tage­wei­se, arbei­ten.

Züge emp­fin­det Krem­kau wegen ihres Hin­ter­grund­rau­schens als ange­neh­me Orte, um zu arbei­ten. Nicht zuletzt sei­en sie für ihn aber auch ein Ort der Pau­se. „Erho­lung ist auch Teil der Arbeit“, betont er. Oft sit­ze er daher im Zug und strea­me zur Ent­span­nung ein­fach etwas.

Besseres WLAN im ICE

Das Strea­men im Zug klappt im neu­en ICE 4 und nach und nach auch in den älte­ren ICE-Genera­tio­nen inzwi­schen deut­lich bes­ser als frü­her. Mög­lich macht es die Aus­rüs­tung mit neu­er WLAN-Tech­nik, die jeweils auf die schnells­ten Daten­net­ze der Mobil­funk­an­bie­ter zurück­greift. Neben dem WLAN wur­de und wird in den ICEs auch der Han­dy­emp­fang ver­bes­sert. Damit könn­te die für die Kon­zen­tra­ti­on so wich­ti­ge Ruhe aller­dings wie­der abneh­men – wenn sich die Mit­rei­sen­den nicht an die Ruhe­be­rei­che hal­ten.

Nach knapp zwei­ein­halb Stun­den Fahrt ist Kas­sel-Wil­helms­hö­he erreicht, die Vor­trä­ge sind vor­ge­tra­gen und die Dis­kus­si­on ist been­det. Alles pünkt­lich. Beim Aus­stei­gen beschleicht mich der Gedan­ke, ob viel­leicht mehr Prä­sen­ta­tio­nen und Mee­tings in Zügen statt­fin­den soll­ten, auf klar defi­nier­ten Stre­cken­ab­schnit­ten. Aus­ufern­de Dis­kus­sio­nen und end­lo­ses Über­zie­hen des Zeit­plans könn­ten damit der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren.