Gibt es noch Grün­de, ins Büro zu gehen? Die Arbeits­welt hat sich geän­dert und mit ihr die Funk­ti­on des Büros als zen­tra­ler Arbeits­ort. Die Bedeu­tung von Loun­ges steigt. Björn Budack über den Wan­del der Büro­wel­ten.

Wandel: Der Coworking-Space the earlybird in der Berliner Axel-Springer-Passage kann ab zwölf Euro am Tag und ab 150 Euro im Monat genutzt werden.  Foto: the earlybird

Der Cowor­king-Space the ear­ly­bird in der Ber­li­ner Axel-Sprin­ger-Pas­sa­ge kann ab zwölf Euro am Tag und ab 150 Euro im Monat genutzt wer­den. Foto: the ear­ly­bird

Im Mindspace Hamburg kostet ein Schreibtisch im Open Space 250 Euro aufwärts, ein Zwei-Personen-Büro gibt es ab 960 Euro im Monat. Foto: Mindspace

Im Mind­s­pace Ham­burg kos­tet ein Schreib­tisch im Open Space 250 Euro auf­wärts, ein Zwei-Per­so­nen-Büro gibt es ab 960 Euro im Monat. Foto: Mind­s­pace

Die Bran­che der Büro­dienst­lei­ter hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein rasan­tes Wachs­tum und einen gro­ßen Ver­än­de­rungs­schub erlebt. Die ange­bo­te­ne Flä­che ist in allen deut­schen Groß­städ­ten um ein Viel­fa­ches gewach­sen, eta­blier­te Unter­neh­men haben sich ver­grö­ßert, neue Anbie­ter sind auf der Bild­flä­che erschie­nen. Und mit Cowor­king sorgt ein inno­va­ti­ves Dienst­leis­tungs­kon­zept auch in der ange­stamm­ten Busi­ness-Cen­ter-Bran­che für neu­en Wind.

Welchen Grund gibt es noch, ins Büro zu gehen?

Lan­ge war klar: Büro­ar­beit fin­det im Büro statt. Hier gab es die Infra­struk­tur, im Büro wur­den die Doku­men­te und ande­res Arbeits­ma­te­ri­al gela­gert, die Anwe­sen­heit im Büro gewähr­leis­te­te die Ver­füg­bar­keit des Arbeit­neh­mers. Und es war der Ort, an dem Gesprä­che und Aus­tausch mit Kol­le­gen statt­fan­den.

Die zen­tra­le Infra­struk­tur ist inzwi­schen jedoch fast voll­stän­dig mobil. Phy­si­sches Arbeits­ma­te­ri­al ver­schwin­det, und die Anwe­sen­heits­kul­tur wird zuneh­mend kri­tisch gese­hen. Damit bleibt als letz­ter Grund für den Weg ins Büro der Aus­tausch mit Kol­le­gen, Kun­den oder Auf­trag­ge­bern, da digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on den per­sön­li­chen Aus­tausch nicht völ­lig erset­zen kann.

Lounges erzeugen Offenheit und Flexibilität

Die­ser Wan­del hat zu einer Ver­än­de­rung des Büro­de­signs geführt. Der Platz je Mit­ar­bei­ter ist gerin­ger gewor­den, die Schreib­ti­sche klei­ner und leich­ter, Roll­con­tai­ner und Schrän­ke wer­den immer weni­ger nach­ge­fragt. Zusätz­lich geht der Trend auch wie­der zu grö­ße­ren Büro­ein­hei­ten. Ein­her­ge­hend mit der Fle­xi­bi­li­sie­rung des Arbeits­ver­hal­tens haben sich auch die Raum­kon­zep­te fle­xi­bi­li­siert. Die Auf­tei­lung in Büro, Bespre­chungs­raum und Küche oder Pau­sen­be­reich ist erwei­tert wor­den durch offe­ne Raum­kon­zep­te, in die sich unter­schied­li­che Funk­tio­nen und Arbeits­wei­sen inte­grie­ren las­sen. Die­se „Loun­ges“, „Busi­ness Loun­ges“ oder „Working Loun­ges“ bie­ten meist drei an das indi­vi­du­el­le Arbeits­ver­hal­ten ange­pass­te Nut­zungs­be­rei­che. In der Regel sind dies Tisch­grup­pen, gemüt­li­che Sitz­ecken mit Sofas und Bän­ken oder immer häu­fi­ger auch Trep­pen und Podes­te sowie Tre­sen mit Bar­ho­ckern.

Durch die­se Auf­tei­lung erzeu­gen die Loun­ges gro­ße Offen­heit für unter­schied­li­che Nut­zungs­ar­ten und bie­ten so fle­xi­ble Optio­nen für unter­schied­li­che Tätig­kei­ten. Eini­ge Nut­zer bevor­zu­gen für län­ge­re kon­zen­trier­te Arbei­ten einen Tisch, für kür­ze­re Tätig­kei­ten mit hoher Kon­zen­tra­ti­on den Tre­sen, bei Lek­tü­re oder Inter­net­re­cher­che dage­gen eine gemüt­li­che Arbeits­um­ge­bung.

Die­se Art zu arbei­ten ent­spricht unse­rem pri­va­ten Lebens­um­feld: Ess­tisch, Sofa­ecke oder Küchen­tisch sind ver­schie­de­ne Funk­ti­ons­be­rei­che, die indi­vi­du­ell und fle­xi­bel genutzt wer­den kön­nen. So wie wir in unse­ren Häu­sern und Woh­nun­gen „leben“, erwar­ten wir zuneh­mend auch von unse­rem Arbeits­platz, dass wir ihn ihm „leben“ kön­nen.

Coworking-Spaces geben Ahnung von künftigen Arbeitsbereichen

Die Bedeu­tung mul­ti­funk­tio­na­ler Arbeits­be­rei­che wird daher auch für Büro­dienst­leis­ter in den kom­men­den Jah­ren wei­ter zuneh­men. Den Weg dort­hin zei­gen gro­ße neue Cowor­king-Anbie­ter wie Mind­s­pace und WeWork mit ihren offe­nen Arbeits­räu­men.

Als pul­sie­ren­des Zen­trum der gesam­ten Büro­ein­heit ermög­li­chen die Loun­ges unter­schied­li­che Nut­zungs­ar­ten und garan­tie­ren dem Nut­zer varia­ble Arbeits­op­tio­nen. Sie sind Kom­mu­ni­ka­ti­ons­or­te, die das Büro­um­feld als zen­tra­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­raum stär­ken und viel­fäl­ti­ge Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men unter­stüt­zen.

Nach­dem das Büro vie­le ehe­mals wich­ti­ge Funk­tio­nen ver­lo­ren hat, die in einer digi­ta­len Welt nicht mehr an einen phy­si­schen Ort gebun­den sind, wan­delt es sich immer stär­ker zu einem Ort der Inter­ak­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ein inno­va­ti­ves Büro­de­sign nimmt die­sen Trend auf und wird auch für Büro­dienst­leis­ter immer wich­ti­ger wer­den.

Björn Budack

 

Björn Budack,
Geschäfts­füh­rer
BC Busi­ness Cen­ter Con­sul­ting.