Die Schreib­trai­ne­rin Astrid Rust ver­rät an die­ser Stel­le Knif­fe zu Recht­schrei­bung und Kor­re­spon­denz. Der sieb­te Teil der Serie beschäf­tigt sich mit der Kom­ma­set­zung.

Foto: KaiRost/pixelio.de

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Die gute Nach­richt zuerst: Das, was sich vie­le erträumt haben, ist fast wahr­ge­wor­den – Kom­mas* nach Gefühl zu set­zen … Ganz so ist es nicht, aber die Kom­ma­set­zung ist um eini­ges leich­ter gewor­den bzw. wird wesent­lich weni­ger streng gehand­habt als frü­her. Kom­mas sol­len dem Leser das Lesen ver­ein­fa­chen und kei­ne Schi­ka­ne für den Schrei­ber sein!

Die Kom­ma­set­zung lässt sich auf 10 ein­fa­che Regeln her­un­ter­bre­chen:

1. Komma bei Aufzählungen

Das Kom­ma bei Auf­zäh­lun­gen ist geblie­ben, dabei es egal, ob es sich um Wör­ter, Wort­grup­pen oder Satz­tei­le han­delt:

  • Ger­ne sen­de ich Ihnen den Kata­log, das Bestell­for­mu­lar und unse­re Geschäfts­be­din­gun­gen.
  • Wo kön­nen wir in Ihrer Regi­on Rad fah­ren, Ski lau­fen und aus­gie­bi­ge Wan­de­run­gen unter­neh­men?

Übri­gens: Das Kom­ma gehört NICHT vor das und beim letz­ten Auf­zäh­lungs­punkt – das ist nur im Eng­li­schen so.

Statt dem und ist auch ein oder bzw. sowie mög­lich – auch hier kommt kein Kom­ma:

  • Bit­te ant­wor­ten Sie uns per Mail, Fax oder Tele­fon.
  • Im Anhang sen­de ich Ihnen den Kata­log, das Bestell­for­mu­lar sowie unse­re Geschäfts­be­din­gun­gen.

Eben­so wenig steht ein Kom­ma bei:

  • sowohl – als auch
  • ent­we­der – oder
  • weder – noch

2. Komma bei Einschüben, Nachträgen und Zusätzen

Vie­le Sät­ze brau­chen im Prin­zip kein Kom­ma, doch wir kön­nen bestimm­te Bestand­tei­le als Ein­schü­be oder Nach­trä­ge betrach­ten, die wir dann mit Kom­ma abtren­nen kön­nen:

  • Öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel, wie Bus und Bahn, soll­ten von allen Bür­gern mehr benutzt wer­den.

Noch ein Tipp: Um die­se Ein­schü­be rich­tig her­vor­zu­he­ben, kön­nen Sie statt Kom­mas auch Gedan­ken­stri­che ver­wen­den. Der Satz ist aber auch ohne Kom­ma rich­tig.

Bei mehr­tei­li­gen Adress-, Zeit- und Lite­ra­tur­an­ga­ben kön­nen Sie jetzt das letz­te Kom­ma auch weg­las­sen:

  • Sie kommt Mon­tag, 5. April, wie­der zurück.
  • Herr Mei­er aus Bonn, Lin­den­stra­ße 12, hat gewon­nen!
  • Der Arti­kel ist im “Spie­gel”, Heft 48, 1997, S. 25, erschie­nen.

3. Komma bei Hauptsätzen

Frü­her haben wir gelernt, dass wir zwei selb­stän­di­ge Haupt­sät­ze, die mit und bzw. oder ver­bun­den sind, durch ein Kom­ma tren­nen müs­sen:

  • Karl geht, und Knut kommt.
  • Sagst du es ihm, oder soll ich es ihm mit­tei­len?

Heu­te kön­nen wir die­ses Kom­ma, gera­de bei kur­zen Bestand­tei­len wie im ers­ten Bei­spiel, auch weg­ge­las­sen:

  • Karl geht und Knut kommt.
  • Sagst du es ihm oder soll ich es ihm mit­tei­len?

Bei sol­chen Sät­zen ist ein Kom­ma nicht mehr not­wen­dig, aber oft hilf­reich, um den Satz vor­zug­lie­dern.

4. Komma bei Nebensätzen

Bei die­ser Regel hat sich nichts geän­dert: Neben­sät­ze trennt man von Haupt­sät­zen immer mit einem Kom­ma ab. Erkenn­bar sind Neben­sät­ze an ein­lei­ten­den Kon­junk­tio­nen wie

  • dass, weil, denn, …

Auch Rela­tiv­sät­ze gehö­ren zu den Neben­sät­zen und brau­chen immer ein Kom­ma.

5. Komma vor aber, sondern und jedoch

Auch vor den Kon­junk­tio­nen aber, son­dern und jedoch müs­sen Sie ein Kom­ma set­zen, auch wenn danach kein „rich­ti­ger“ Neben­satz folgt:

  • Ich habe ver­sucht Sie heu­te anzu­ru­fen, aber ich hat­te kei­nen Erfolg.
  • Ich habe ver­sucht Sie heu­te anzu­ru­fen, aber ohne Erfolg.
  • Arm, aber glück­lich.

6. Komma vor bestimmten Erweiterungen

Die­ses Kom­ma sorgt immer für hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen im Büro. Brau­che ich in fol­gen­den Fäl­len ein Kom­ma oder nicht?

  • Ich habe ver­sucht Sie heu­te anzu­ru­fen.
  • Wie soeben bespro­chen sen­de ich Ihnen die gewünsch­ten Unter­la­gen.

Hier kön­nen Sie von Fall zu Fall ent­schei­den, ob Sie ein Kom­ma set­zen wol­len oder nicht.

Aber Ach­tung: Bei Ein­lei­tun­gen mit um zu oder bestimm­ten hin­wei­sen­den Wör­tern wie dar­an müs­sen Sie ein Kom­ma set­zen:

  • Ich sen­de Ihnen die Unter­la­gen, um den Vor­gang abzu­schlie­ßen.          
  • Er hat nicht dar­an gedacht, die Unter­la­gen recht­zei­tig zu schi­cken.

Daher mein Tipp: Auch wenn die­se Regel jetzt locke­rer gehand­habt wird – schrei­ben Sie beim Infi­ni­tiv mit zu immer ein Kom­ma, so sind Sie immer auf der rich­ti­gen Sei­te!

7. Komma bei Hervorhebungen

Wenn Sie ein Wort oder einen Satz­teil beson­ders her­vor­he­ben möch­ten, kön­nen Sie es wie einen Ein­schub behan­deln und mit Kom­mas abtren­nen:

  • Ich konn­te, lei­der, nicht am Semi­nar teil­neh­men.
  • Bit­te, haben Sie Ver­ständ­nis, dass …

Selbst­ver­ständ­lich sind die­se Sät­ze auch ohne Kom­ma voll­kom­men in Ord­nung.

8. Komma bei Ausrufen

Die­ses Kom­ma brau­chen wir im Büro­le­ben eher sel­ten … Aus­ru­fe haben in geschäft­li­chen E-Mails eher wenig ver­lo­ren, aber viel­leicht passt es in einem per­sön­li­chen Umfeld doch ein­mal zu sagen:

  • Oh, ich habe ver­ges­sen …
  • Ach, es tut mir leid …

9. Komma bei Anreden

Kom­mas bei Anre­den spie­len bei unse­ren Mail-, Whats­App- und SMS-Nach­rich­ten eine wich­ti­ge Rol­le: Bei Anre­den setzt man sowohl nach der Begrü­ßung als auch nach dem Namen ein Kom­ma:

  • Guten Mor­gen, lie­be Anna,
  • Guten Tag, sehr geehr­ter Herr Mei­er,
  • Hal­lo Anna,

Nur im letz­ten Bei­spiel kann ich wegen der Kür­ze das Kom­ma weg­las­sen, in den ande­ren Fäl­len muss ich es set­zen.

Übri­gens: Beim Gruß am Ende steht kein Kom­ma:

  • Herz­li­che Grü­ße Astrid Rust

Bei SMS und Whats­App macht man nor­ma­ler­wei­se kei­nen Zei­len­um­bruch. Vie­le set­zen dann ein Kom­ma, das aber streng genom­men falsch ist. Ich behel­fe mir mit fol­gen­der Lösung:

  • Herz­li­che Grü­ße! Astrid Rust
  • Herz­li­che Grü­ße von Astrid Rust

10. Komma in der direkten Rede

Auch die direk­te Rede kommt in unse­rem Berufs­all­tag nur sel­ten vor, ich habe sie aber der Voll­stän­dig­keit hal­ber mit auf­ge­nom­men. Die direk­te Rede wird jetzt immer mit Komma(s) vom Rest des Sat­zes getrennt:

  • „Wer das glaubt, wird selig”, brum­melt er.
  • „Komm sofort!”, sag­te sie.
  • Sie rief: „Wes­halb darf ich das nicht?”, und sah mich wütend an.
  • „Mor­gen früh”, ver­sprach er, „kom­me ich zurück.“

So, das war es schon mit unse­ren Kom­ma­re­geln. Sie sind wirk­lich über­schau­bar gewor­den, nicht wahr?

Beim nächs­ten Mal geht es dann um zwei wei­te­re Zei­chen – nicht, weil es hier so vie­le schwie­ri­ge oder neue Regeln gibt, son­dern weil die­se bei­den Zei­chen zuneh­mend falsch gesetzt sind. Ich mei­ne den Bin­de­strich und den Apo­stroph und ver­spre­che Ihnen schon heu­te eine ver­gnüg­li­che Run­de!

* Übri­gens: Der Plu­ral von „Kom­ma“ ist sowohl „Kom­mas“ als auch „Kom­ma­ta“ – ich habe mich für die ein­fa­che­re Vari­an­te ent­schie­den!

Astrid Rust
Astrid Rust,
Trai­ne­rin für
neue Recht­schrei­bung
und moder­ne Kor­re­spon­denz,
www.deutschplus.de