Die Schreib­trai­ne­rin Astrid Rust ver­rät an die­ser Stel­le Knif­fe zu Recht­schrei­bung und Kor­re­spon­denz. Der fünf­te Teil der Serie beschäf­tigt sich mit der Groß- und Klein­schrei­bung.

Foto: KaiRost/pixelio.de

Foto: KaiRost/pixelio.de

Beim letz­ten Mal hat­te ich Ihnen eine ent­spann­te Run­de zur Groß- und Klein­schrei­bung ver­spro­chen – hier ist sie! Die Fra­ge, ob und wie sinn­voll die Groß- und Klein­schrei­bung ist, las­sen wir ein­fach mal ste­hen und sehen es ein­fach so, dass wir mit ihr man­che Bedeu­tungs­un­ter­schie­de ein­fach schnel­ler auf­de­cken kön­nen:

Vor dem Fens­ter sah sie den gelieb­ten Rasen.

Vor dem Fens­ter sah sie den Gelieb­ten rasen.

Bei der Groß-/Klein­schrei­bung gibt es eine ein­fa­che Regel, die Sie – bis auf sechs­ein­halb Aus­nah­men – immer anwen­den kön­nen:

Haupt­wör­ter und alle Wör­ter, die man wie ein Haupt­wort benutzt, schreibt man groß, alle ande­ren klein.

Haupt­wör­ter erken­nen Sie vor allem am Arti­kel:

(den) Kuchen essen, (den) Wein trin­ken, (die) Lust haben

Wir kön­nen auch Wör­ter, die eigent­lich aus einer ande­ren Wort­art kom­men, zu einem Haupt­wort machen, indem wir einen Arti­kel oder Ähn­li­ches davor­set­zen. Die­se soge­nann­ten Sub­stan­ti­vie­run­gen schrei­ben wir dann immer groß:

das Gan­ze – alles Gute – etwas Neu­es – nichts Wich­ti­ges – viel Süßes – der Nächs­te, bit­te – am Ers­ten jedes Monats – auf dem Lau­fen­den blei­ben – im All­ge­mei­nen

Es gibt ein paar Ver­bin­dun­gen, die zwar kei­nen Arti­kel vor dem Wort direkt, ihn aber doch irgend­wo „ver­steckt“ haben. Hier kön­nen Sie groß- oder klein­schrei­ben; ich emp­feh­le Ihnen aber auch hier, unse­re Ein­fach-Regel kon­se­quent anzu­wen­den:

vor Kur­zem – seit Län­ge­rem – bis auf Wei­te­res

Nur Ver­bin­dun­gen, die über­haupt kei­nen Arti­kel haben, schrei­ben wir klein:

von klein auf – gegen bar – schwarz auf weiß – grau in grau

1/2 Ausnahme

Unse­re hal­be Aus­nah­me ist der Super­la­tiv mit am: am kleins­ten. Die­se Aus­drü­cke schreibt man immer klein. Da man aber nicht an dem kleins­ten sagen kann, ist die­se Aus­nah­me ziem­lich logisch und macht kei­ne gro­ßen Schwie­rig­kei­ten.

Ausnahmen 1 bis 4

Aus­nah­men von unse­rer Ein­fach-Regel sind die­se vier Wör­ter:

ein – ander – viel – wenig

Wir müs­sen die­se Wör­ter immer klein­schrei­ben, auch wenn wir einen Arti­kel davor­set­zen. Eine Erklä­rung kann ich Ihnen hier lei­der nicht lie­fern, Sie müs­sen es sich ein­fach mer­ken …

der eine oder ande­re

nur weni­ge

alles ande­re

es gab vie­le

unter ande­rem

Das Wörtchen Mal

Unse­re Haupt­wort-Regel gilt natür­lich auch für das Wört­chen Mal: Es gibt kei­nen Grund, die­ses Wort klein- bzw. mit ande­ren Wör­tern zusam­men­zu­schrei­ben:

das ers­te Mal – die­ses Mal – jedes Mal

Hier kann man zwar auch zusam­men­schrei­ben, zum Bei­spiel:

ein­mal – drei­mal – ein paar­mal

Aber ich emp­feh­le Ihnen, auch hier unse­re Ein­fach-Regel anzu­wen­den, vor allem, wenn die Beto­nung auf Mal liegt:

nur ein Mal – höchs­tens drei Mal(e) – ein paar Mal

Farben und Sprachen

Wenn Far­ben und Spra­chen zusam­men mit einer Prä­po­si­ti­on auf­tre­ten, schreibt man sie immer groß:

Wenn die Ampel auf Rot schal­tet, müs­sen Sie war­ten, bei Grün dür­fen Sie fah­ren.

Sie trägt ihr Refe­rat auf Fran­zö­sisch vor.

Ohne Prä­po­si­ti­on schrei­ben Sie Far­ben und Spra­chen klein:

Die Ampel ist erst rot, dann grün.

Der Text ist deutsch.

Tageszeiten

Auch Tages­zei­ten schreibt man groß:

ges­tern Abend – heu­te Mor­gen – mor­gen Nach­mit­tag

Die­se Schreib­wei­se ist eigent­lich logisch, da wir hier ein ima­gi­nä­res am und dann ein Haupt­wort haben: mor­gen (am) Abend.

Bei mor­gen früh ist übri­gens auch die Schreib­wei­se mor­gen Früh mög­lich; hier kön­nen Sie sich nach Lust und Lau­ne ent­schei­den.

Anreden

Beim The­ma Anre­den gibt es immer noch den Irr­glau­ben, dass man die Höf­lich­keits­an­re­de Sie jetzt auch klein­schrei­ben kann. Die­se Annah­me ist nicht rich­tig: Die Höf­lich­keits­an­re­de schrieb und schreibt man immer groß:

Bit­te sen­den Sie mir Ihre Unter­la­gen.

Nur wenn Sie jeman­den duzen, kön­nen Sie ent­schei­den, ob Sie die Anre­de groß- oder klein­schrei­ben:

Kommst du mor­gen mit dei­ner Frau auf mein Fest?

Kommst Du mor­gen mit Dei­ner Frau auf mein Fest?

Pronomen

Alle ande­ren Pro­no­men wer­den grund­sätz­lich klein­ge­schrie­ben:

ich, er, sie, es, wir, sie

Pro­no­men sind Für­wör­ter, also Wör­ter, die für jemand oder etwas ste­hen; dazu gehö­ren also auch:

alle – bei­de – die­se – jene – eini­ge – man­che – die meis­ten – jede – etli­che – sol­che

Die­se Regel kann man sich gut mer­ken, denn ich kann ja aus einem Pro­no­men kein Haupt­wort machen und einen Arti­kel davor­set­zen – oder doch?

 Ausnahmen 5 bis 6

Zuge­ge­ben, bei bei­de und die meis­ten kann ich einen Arti­kel davor­set­zen, aber man schreibt es trotz­dem klein:

die bei­den – die meis­ten

Und das sind dann schon unse­re letz­ten zwei Aus­nah­men.

Uhrzeiten

Uhr­zei­ten schreibt man im All­ge­mei­nen klein:

um acht – gegen halb fünf – um vier­tel sechs

Aber:

Es ist Vier­tel nach eins

Bevor Sie sich hier ver­wir­ren las­sen, emp­feh­le ich Ihnen, Uhr­zei­ten immer mit Zif­fern zu schrei­ben. So kommt es zu kei­nen Miss­ver­ständ­nis­sen – oder weiß jeder, was mit vier­tel sechs oder drei vier­tel acht gemeint ist?

Astrid Rust

Astrid Rust,
Trai­ne­rin für
neue Recht­schrei­bung
und moder­ne Kor­re­spon­denz,
deutsch plus.