Die Schreib­trai­ne­rin Astrid Rust ver­rät an die­ser Stel­le Knif­fe zu Recht­schrei­bung und Kor­re­spon­denz. Die­ser Teil die­ser Serie beschäf­tigt sich erneut mit der Getrennt- und Zusam­men­schrei­bung.

Foto: KaiRost/pixelio.de

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In der vor­an­ge­gan­ge­nen Fol­ge haben wir das wich­tigs­te Prin­zip für die Getrennt- und Zusam­men­schrei­bung ken­nen­ge­lernt: Wör­ter mit einer wört­li­chen Bedeu­tung schrei­ben wir getrennt, Kom­bi­na­tio­nen mit einer neu­en, über­tra­ge­nen Bedeu­tung schrei­ben wir zusam­men. Die­ses Prin­zip haben wir für eini­ge Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten ange­wen­det:

Substantiv + Verb

Han­delt es sich um ein „ech­tes“ Sub­stan­tiv mit einer eige­nen Bedeu­tung, schrei­ben Sie aus­ein­an­der; Kom­bi­na­tio­nen mit einer über­tra­ge­nen Bedeu­tung schrei­ben Sie zusam­men:

Auto fah­ren, Rad fah­ren
aber: teil­neh­men, heim­ge­hen

Manch­mal sind bei­de Schreib­wei­sen mög­lich:

Maß hal­ten = maß­hal­ten

Adjektiv + Verb

Bei „rich­ti­gen“ Eigen­schafts­wör­tern, die eine eige­ne Bedeu­tung haben und die Tätig­keit näher beschrei­ben, schrei­ben Sie getrennt, bei über­tra­ge­ner Bedeu­tung schrei­ben Sie zusam­men:

schnell fah­ren
aber: krank­schrei­ben, hoch­rech­nen

Auch hier sind manch­mal bei­de Schreib­wei­sen mög­lich:

klein schnei­den = klein­schnei­den

Verb + Verb

Bei Kom­bi­na­tio­nen aus zwei Ver­ben gibt es kei­ne ein­zi­ge Ver­bin­dung, die Sie zusam­men­schrei­ben müs­sen. Nor­ma­ler­wei­se schreibt man zwei Ver­ben immer aus­ein­an­der, in man­chen Fäl­len sind bei­de Schreib­wei­sen mög­lich.

lesen ler­nen, essen gehen
ken­nen ler­nen = ken­nen­ler­nen
sit­zen blei­ben = (in der Schu­le) sit­zen­blei­ben

Bei Kom­bi­na­tio­nen aus zwei Ver­ben emp­feh­le ich Ihnen, stets getrennt zu schrei­ben – so sind Sie immer auf der siche­ren (und rich­ti­gen) Sei­te.

Eigenständige Wörter getrennt

Die­ses Grund­prin­zip kön­nen Sie auch bei ande­ren Kom­bi­na­tio­nen anwen­den: Immer, wenn das Verb allei­ne ste­hen kann, schreibt man getrennt. Die Wör­ter in Klam­mer beschrei­ben hier das Verb näher und könn­ten auch weg­ge­las­sen oder durch ande­re ersetzt wer­den; bei­de Ele­men­te wer­den betont.

Sie müs­sen (anders) den­ken. > Wie? Anders
Er muss (sofort) begin­nen. > Wann? Sofort
Hier muss man (links) fah­ren. > Wo? Links

Anders sieht es bei ech­ten Vor­sil­ben aus. Die Vor­sil­be bil­det zusam­men mit dem Verb eine neue, vom Grund­verb unab­hän­gi­ge Bedeu­tung und wird daher zusam­men­ge­schrie­ben: Wenn Sie die Vor­sil­be weg­las­sen, wür­de der Satz kei­nen Sinn machen; hier wird außer­dem nur ein Ele­ment betont:

Die Son­ne wird aufgehen.
Er wird Ihnen beiste­hen.
Ich hof­fe, Sie wer­den bei die­sem Pro­jekt mitmachen.
Kön­nen Sie mit die­sem Gerät umgehen?
In die­ser Sache muss ich Ihnen zustim­men.

Betonungs- und Weglassprobe

Es gibt noch eine Rei­he von Wör­tern, bei denen es nicht ganz so ein­deu­tig ist, ob es sich um eine Vor­sil­be han­delt oder um ein eigen­stän­di­ges Wort. Das wirkt zwar auf den ers­ten Blick ver­wir­rend, doch auch bei die­sen Ver­bin­dun­gen kön­nen Sie gut mit der Beto­nungs- und Weg­lass­pro­be arbei­ten.

Bei einer Ver­bin­dung aus selbst­stän­di­gem Adverb und Verb sind bei­de oder nur das Verb betont, zwi­schen bei­den Bestand­tei­len kön­nen ande­re Wör­ter ste­hen. Hier schreibt man immer getrennt.

Bit­te (wei­ter) beob­ach­ten! (im Sin­ne von „wei­ter­hin“)
Nach der Nach­hil­fe hat sie ihm noch (wei­ter) gehol­fen.
Wir sind (wei­ter) gefah­ren, näm­lich nach Nea­pel.
Er wird den Pokal (wie­der) gewin­nen. (im Sin­ne von „erneut“)
Er konn­te (wie­der) (etwas) sehen.

Wenn die Vor­sil­be stär­ker betont ist als das Verb und wenn ande­re Wör­ter dazwi­schen­ste­hen kön­nen, müs­sen Sie immer zusam­men­schrei­ben:

Bit­te wei­tergehen! (im Sin­ne von „vor­wärts“, „vor­an“)
Sie haben mir sehr wei­tergehol­fen.
Wir sind wei­tergefah­ren nach Nea­pel.
Er wird den Pokal wie­dergewin­nen. (im Sin­ne von „zurück“)
Sie konn­ten sich bald wie­dersehen.

Übrigens

Das Wört­chen „zu“ hat kei­nen Ein­fluss dar­auf, ob etwas getrennt oder zusam­men­ge­schrie­ben wird:

Ich wer­de Ihnen die Unter­la­gen sen­den. Ger­ne bin ich bereit, Ihnen die Unter­la­gen zu sen­den.
Ich wer­de Ihnen die Unter­la­gen zusen­den. Ger­ne bin ich bereit, Ihnen die Unter­la­gen zuzusen­den.

Verbindungen mit sein

Zur Ent­span­nung gibt es jetzt eine ganz ein­fa­che Regel: Ver­bin­dun­gen mit sein schreibt man immer getrennt – sein steht immer allein!

Ich wer­de immer für dich da sein.
Weißt du schon, wann du fer­tig sein wirst?
Glaubst du, wir wer­den immer zusam­men sein?
Ich hat­te ver­ges­sen, dass das Fens­ter auf ist.

Einige Einzelfalllösungen

Auch für eini­ge Ein­zel­fall­lö­sun­gen gilt unse­re Grund­re­gel, zum Bei­spiel für die Wör­ter so und wie: Bei­de sind eigen­stän­dig und wer­den getrennt geschrie­ben:

wie viel Geld, so viel Geld
wie vie­le Men­schen, so vie­le Men­schen

Im Gegen­satz dazu kann irgend nicht allei­ne ste­hen, da es kei­ne eigen­stän­di­ge Bedeu­tung mehr hat. Ver­bin­dun­gen wer­den also alle zusam­men­ge­schrie­ben:

irgend­wer, irgend­wann, irgend­et­was, irgend­je­mand

Die gute Nachricht zum Schluss

Sie haben die kom­pli­zier­tes­ten Regeln in der deut­schen Recht­schrei­bung erfolg­reich gemeis­tert. Das Schlimms­te haben Sie also über­stan­den. Beim nächs­ten Mal küm­mern wir uns um die Groß- und Klein­schrei­bung. Die Regeln sind hier – bis auf 6 ½ Aus­nah­men – abso­lut nach­voll­zieh­bar und ein­deu­tig anzu­wen­den. Freu­en Sie sich auf eine ent­spann­te Run­de in der nächs­ten Aus­ga­be!

Astrid Rust

Astrid Rust,
Trai­ne­rin für
neue Recht­schrei­bung
und moder­ne Kor­re­spon­denz,
deutsch plus.