Es wird viel über attraktive Büros, Homeoffice-Quoten, KI-Tools und Benefits diskutiert. Doch die Zukunft der Arbeit entscheide sich nicht am nächsten Sitzsack, sagt Culture-Change-Expertin Susanne Busshart. Ihre sieben Trends zeigen, was sich gerade verändert und was dabei nicht verloren gehen darf.

Die sieben Trends von Culture-Change-Expertin Susanne Busshart zeigen, was sich in der Arbeitswelt verändert und was nicht verloren gehen darf. Abbildung: Susanne Busshart
#01 Die verlorenen Lehrjahre: Wenn KI die Anfängerarbeit erledigt – wer bildet dann die Proffs von morgen aus?
Recherchen, Datenaufbereitung, erste Entwürfe: Genau die Aufgaben, an denen Berufseinsteiger:innen früher gelernt haben, erledigt heute die KI. Gleichzeitig erwarten Unternehmen von jungen Menschen immer öfter Urteilskraft und strategisches Denken – Fähigkeiten, die eigentlich erst durch Erfahrung entstehen. Wer die gewonnene Zeit nur als Einsparpotenzial sieht, sägt am eigenen Fundament. Das Büro wird deshalb zur Lernwerkstatt: ein Ort, an dem Erfahrung sichtbar wird, Mentoring stattfindet und junge Menschen durch Nähe lernen.
#02 Der neue Kollege hat keinen Feierabend: Warum wir dringend Regeln für die Zusammenarbeit mit KI brauchen.
KI-Agenten beantworten nicht mehr nur Fragen, sie übernehmen ganze Aufgabenketten: Daten vergleichen, Angebote vorbereiten, Termine koordinieren. Die entscheidende Frage lautet daher: Was darf ein digitaler Akteur selbstständig erledigen - und wo muss ein Mensch verantwortlich bleiben? Das ist kein Technik-, sondern ein Organisationsproblem. Die KI übernimmt Geschwindigkeit, der Mensch Bedeutung. Je mehr Arbeit unsichtbar im Hintergrund läuft, desto wichtiger werden reale Orte für Vertrauen, Konfliktklärung und gemeinsame Entscheidungen.
#03 Wenn der Sommer Arbeit macht: Warum Hitze, Wasser und Klima plötzlich am Schreibtisch sitzen.
Der heiße, trockene Sommer 2026 hat Nachhaltigkeit spürbar gemacht: im stickigen Besprechungsraum, im aufgeheizten Homeoffice, auf dem Arbeitsweg bei 34 Grad. Temperatur ist kein Komfortthema – sie beeinflusst Konzentration, Gesundheit und Leistungsfähigkeit und sie trifft Menschen unterschiedlich stark. Die Frage lautet nicht mehr nur, wie nachhaltig ein Unternehmen ist, sondern wie arbeitsfähig es bei veränderten Umweltbedingungen bleibt. Verschattung, Begrünung, Luft, Trinkwasser und flexible Arbeitszeiten werden zu zentralen Gestaltungsfragen.
Tipp der Redaktion:Susanne Busshart: Future Work Trends 2027, 28 S., kostenfreier Download (PDF, 6,34 MB) |
#04 Bestand hat Zukunft: Warum die spannendsten Arbeitswelten nicht auf der grünen Wiese entstehen.
Die Zukunft findet nicht im Neubau statt, sondern mitten im Bestand: in alten Hallen, Banken, Kaufhäusern und Verwaltungsgebäuden. Bauen im Bestand ist keine zweite Wahl, sondern die eigentliche Zukunftsdisziplin, denn die nachhaltigste Entscheidung ist oft, etwas nicht abzureißen.
Bestand zwingt zum genauen Hinsehen und schafft Identität. Wer mit der Geschichte eines Ortes plant statt gegen sie, macht aus Begrenzungen Charakter und aus Arbeitsorten die attraktivsten Räume überhaupt.
#05 Das vermessene Büro: Wenn Räume alles wissen – aber Menschen nicht beobachtet werden wollen.
Sensoren messen Luft, Licht, Temperatur und Auslastung. Das hilft enorm: Unternehmen sehen, welche Räume fehlen, welche leer stehen und wo Energie verschwendet wird. Oft zeigt sich: Wir brauchen nicht mehr Fläche, sondern die richtige.
Heikel wird es, wenn aus Gebäudedaten Verhaltensdaten werden. Messen wir Räume – oder Menschen? Vertrauen entsteht nur, wenn klar ist, wofür Daten genutzt werden und wofür nicht. Ein lernendes Gebäude braucht Daten und Dialog.
#06 Ruhe ist das neue Statussymbol: Warum Konzentration künftig wertvoller wird als die schönste Lounge.
Die eigentliche Überlastung findet heute im Kopf statt: E-Mails, Chats, volle Kalender, ständige Unterbrechungen. Wir sitzen am Schreibtisch, aber unser Kopf rennt einen Marathon. Die Zukunft braucht deshalb eine neue Form der Ergonomie – die kognitive. Ruhe ist keine Persönlichkeitseigenschaft, sondern eine Arbeitsbedingung. Nicht jedes Büro muss still sein, aber jedes braucht Stille als Option. Die neue Luxuswährung heißt: Ich finde den Ort, an dem ich gerade gut arbeiten kann.
#07 Wenn Wissen in Rente geht: Warum Kt Erfahrung speichern kann – aber nicht automatisch Weisheit.
Mit jeder erfahrenen Person, die in den Ruhestand geht, verabschiedet sich ein ganzes Archiv: Wissen über Kunden, Prozesse und gescheiterte Projekte, das selten vollständig in einem Dokument steht. KI kann helfen, dieses Wissen zu strukturieren – aber Daten sind nicht Erfahrung, und Information ist nicht Kontext. Erfahrung muss früher sichtbar werden und besser zirkulieren. Dafür braucht es Orte: Räume für Tandems, Projektwerkstätten und Gespräche zwischen Erfahrung und Neugier.
Fazit
Diese sieben Trends zeigen keine perfekte Zukunft, sondern Spannungen: schneller arbeiten, ohne das Lernen zu verlieren. KI nutzen, ohne Verantwortung abzugeben. Daten nutzen, ohne Vertrauen zu verspielen. Begegnung schaffen und trotzdem Ruhe ermöglichen.
![]() Abbildung: SBCdigital Susanne Busshart, Speakerin, Autorin und Begleiterin im Wandel, sbcdigital GmbH. |






























































