Am Beispiel des Center am Potsdamer Platz in Berlin zeigt sich, worauf es bei der Gestaltung von Arbeitsflächen für KI-Unternehmen ankommt. Ein Gespräch über moderne Raumplanung mit Monika Jularić, Director Leasing bei Oxford Properties, und Karim El-Ishmawi, Co-Gründer und Managing Partner von Kinzo Architekten.

Gutes Design und viel Platz für Austausch sind für die multinationalen Teams moderner KI-Unternehmen wichtig. Abbildung: Robert Rieger
OFFICE ROXX: Frau Jularić, was zeichnet KI-Unternehmen als Mieter aus Ihrer Erfahrung aus?
Monika Jularić: Vor allem Flächenflexibilität ist entscheidend, insbesondere Community Space, in dem internationale Teams zusammenkommen und sich austauschen können. Das sehen wir nicht nur bei den Vertragslaufzeiten: Viele wünschen sich mehr Beweglichkeit, also flexiblere Laufzeiten, Flächen, die sich in Teilen anpassen oder wieder abgeben lassen, und Optionen für weiteres Wachstum. Bei der Ausstattung fragen diese Unternehmen heute kaum noch nach LAN, sondern brauchen leistungsfähiges WLAN. Und auch beim Interieur merken wir einen klaren Trend zu mehr Hospitality: vollwertige Küchen mit Kochinsel, Fitnessangebote, Duschen. Das Büro soll sich wohnlich anfühlen. Die klassische Vorstellung vom nerdigen IT-Büro trifft es nicht mehr: Die Teams, die zu uns kommen, sind geprägt von kreativen Köpfen, einer Kultur des Austauschs und hohem Designanspruch.

Monika Jularić, Director Leasing bei Oxford Properties, und Karim El-Ishmawi, Co-Gründer und Managing Partner von Kinzo Architekten. Abbildung: Michel Buchmann (li.) und Sebastian Dörken (re.)
Herr El-Ishmawi, was hat sich aus Planungssicht grundsätzlich verändert?
Karim El-Ishmawi: Das Büro hat sein Monopol als Arbeitsort verloren. Menschen kommen heute nicht mehr wegen des Schreibtischs, sondern wegen der Menschen. Deshalb planen wir weniger Arbeitsplätze und mehr Orte für Austausch, Identifikation und Gemeinschaft. Wer Talente gewinnen und binden möchte, muss etwas bieten, das sich nicht digitalisieren lässt: Kultur, Zugehörigkeit und gemeinsame Energie.
Wie sieht das konkret im Center am Potsdamer Platz aus?
Karim El-Ishmawi: Ein gutes Beispiel ist eine Arbeitsumgebung, die wir kürzlich im Center realisiert haben. Statt einer gleichförmigen Bürofläche gibt es unterschiedliche Orte für unterschiedliche Bedürfnisse: Rückzug für Konzentration, Räume für Austausch und eine zentrale Küche als sozialen Mittelpunkt. Gerade für KI-Unternehmen ist diese Balance wichtig. Wissen ist heute überall verfügbar. Innovation entsteht dort, wo Menschen aufeinandertreffen und Ideen weiterentwickeln.
Wie wichtig sind Zusatzangebote im gesamten Center für KI-Unternehmen?
Monika Jularić: Das räumliche Angebot endet nicht an der Bürotür. Das gesamte Center wird vielmehr als Community-Plattform wahrgenommen. Dazu gehören unterschiedliche Gastronomiekonzepte ebenso wie Sport- und Freizeitangebote. Gerade unsere Community-Formate schaffen zusätzliche Anlaufpunkte für Austausch über die eigenen Teamgrenzen hinaus. Für KI-Unternehmen, die auf kurze Wege und Community setzen und gleichzeitig stark um Talente konkurrieren, ist das ein echter Mehrwert. Denn zunehmend wird auch das Büro selbst zum Argument für künftige Mitarbeitende.

Das neu gestaltete Center am Potsdamer Platz bietet Wissensarbeitern und Besuchern eine hohe Aufenthaltsqualität. Abbildung: Kinzo
Wie sieht es mit dem Standort selbst aus? Welche Rolle spielt der Potsdamer Platz speziell für tech- und KI-affine Unternehmen?
Monika Jularić: Mittendrin zu sein ist für KI-Unternehmen wichtiger geworden, denn ihre Fachkräfte erwarten Services, Infrastruktur und Mobilität direkt vor der Tür. Hinzu kommen internationale Vernetzung und eine gute Flughafenanbindung. Es geht auch um Sichtbarkeit und Prestige, wenn Unternehmen ihr Markenzeichen im Herzen der Stadt setzen. Für manche spielt zudem die Nähe zu Politik und Verbänden eine Rolle. Dazu kommt Berlin als Wissenschafts- und Universitätsstadt mit einem großen Talentpool, gerade für Unternehmen, die weltweit nach Fachkräften suchen, ein starkes Argument. Und nicht zuletzt zählt Nachhaltigkeit: Das Center ist ein transformiertes Bestandsobjekt. Es muss nicht immer Neubau sein – aber Neubauqualität. Ein klug weiterentwickelter Bestand kann gerade aus Nachhaltigkeitsgründen besonders attraktiv sein, wenn Flächen, Ausstattung und Amenities stimmen. Gleichzeitig bringen solche Gebäude etwas mit, das sich nur schwer neu bauen lässt: Identität und eine etablierte Marke.
Wie werden sich die Anforderungen von KI-Unternehmen an ihre Büros weiterentwickeln?
Karim El-Ishmawi: Ich glaube, dass KI die Bedeutung guter Arbeitsorte eher erhöhen wird. Je mehr Wissen digital verfügbar ist und je mehr Routinen automatisiert werden, desto wichtiger werden die Dinge, die nur Menschen gemeinsam schaffen können: Vertrauen, Kreativität, Lernen und Innovation. Das Büro wird deshalb weniger Ort der Wissensarbeit und stärker Ort der Gemeinschaft sein. Algorithmen lassen sich kopieren. Eine starke Gemeinschaft nicht.
Monika Jularić: Da schließe ich mich an. Eine Prognose für die nächsten zehn Jahre zu wagen, ist heute schwieriger als noch vor einigen Jahren, aber es genügt schon der Blick zurück. Wie wir vor zehn Jahren gearbeitet haben, hat mit heute kaum noch etwas zu tun. Genau deshalb muss auch die Architektur mitwachsen können, flexibel und anpassbar sein – und zwar in jeder Hinsicht, von der Nutzung bis zur Klimaresilienz. An eine Zukunft, in der wir mit dem Kollegen als Hologramm sprechen, glaube ich dagegen nicht. Realistischer finde ich, dass der Raum selbst zum empathischen Gegenüber wird: dass er auf Licht, Akustik und die jeweilige Situation reagiert und wir mit ihm künftig so selbstverständlich umgehen wie heute mit einer App.
Vielen Dank.






























































