Am 27. Oktober öffnet die große Büroeinrichtungsmesse Orgatec wieder ihre Pforten. Wir sprachen mit Messedirektor Maik Fischer über die Begleitumstände und das, was Besucher erwartet.
OFFICE ROXX: Herr Fischer, unter welchem Motto und mit welcher Struktur findet die Orgatec 2026 statt?
Maik Fischer: Die Orgatec 2026 steht unter dem Leitthema „From Rooms to Relationships: Designing Spaces in an Ever-Changing World“. Damit rücken wir den Menschen und die Beziehungen, die in Arbeitswelten entstehen, in den Mittelpunkt. Gleichzeitig haben wir unser Hallenkonzept weiter geschärft und die Messe in die beiden Bereiche Workspace Solutions und Contract Solutions gegliedert. So schaffen wir eine klare Orientierung und zeigen, wie eng die unterschiedlichen Lebens- und Arbeitswelten heute miteinander verbunden sind.
Wie viele Aussteller und wie viele Besuchende erwarten Sie?
Die Vorbereitungen laufen aktuell auf Hochtouren und wir sind mit dem bisherigen Anmeldestand zufrieden. Wir erwarten erneut zahlreiche internationale Aussteller sowie Fachbesuchende aus aller Welt. Entscheidend ist für uns dabei nicht allein die Anzahl, sondern vor allem die Qualität der Geschäftskontakte und die internationale Reichweite der Veranstaltung. Die vollständige Übersicht der angemeldeten Aussteller kann jederzeit online im Ausstellerverzeichnis der Orgatec eingesehen werden.
Die Orgatec 2024 hat sich unter anderem mit dem „Wherever Whenever – Work Culture Festival“ ein Stück weit neu erfunden. Wird dieses Konzept 2026 fortgesetzt?
Ja, auch 2026 wird das Work Culture Festival wieder ein zentraler Bestandteil der Orgatec sein. Wir entwickeln das Format mit dem IBA konsequent weiter und bieten ein hochkarätiges Programm mit internationalen Speakerinnen und Speakern aus den Bereichen New Work, Architektur, Design und Unternehmenskultur. Freuen dürfen sich die Besuchenden unter anderem auf Angelique Kerber, Prof. Miriam Meckel, Ole Scheeren, Ralf Schumacher, Toan Nguyen und viele mehr. Alle Speakerinnen und Speaker werden mit ihren Perspektiven wichtige Impulse für die Arbeitswelten von morgen geben. Damit unterstreichen wir den Anspruch der Orgatec, nicht nur Produkte zu präsentieren, sondern als internationale Plattform für Wissenstransfer, Inspiration und persönlichen Austausch zu begeistern.
Wird es noch weitere Events, Sonderschauen o. Ä. geben?
Neben dem zentralen Rahmenprogramm durch das Work Culture Festival wird erneut der renommierte AIT Innovation Award auf der Orgatec verliehen. Viele unserer Aussteller schaffen zudem mit eigenen Veranstaltungen, Lounges, Vorträgen und Networking-Formaten zusätzliche Begegnungsräume. Des Weiteren wird es wieder Guided Tours geben, die einen kuratierten Einblick in spannende Innovationen geben werden. So entsteht auf dem gesamten Messegelände eine inspirierende Atmosphäre, die weit über die klassische Produktausstellung hinausgeht.

Guided Tours wie die bekannten Führungen von Mensch&Büro-Akademie und OFFICE ROXX machen mit den Highlights der Messe vertraut. Abbildung: Hanne Engwald, Koelnmesse
Es gab die Idee, die idd cologne mit auf das Messegelände zu nehmen. Wo findet diese jetzt stattdessen statt?
Die idd cologne wird 2026 erneut als Urban-only-Format für Residential Design in der Kölner Innenstadt stattfinden. Damit rücken wir das Interior-Design für den privaten Raum noch stärker in den architektonischen und urbanen Kontext und schaffen authentische Begegnungsorte für die Design-Community. Durch die parallele Laufzeit von Orgatec (27. bis 30. Oktober) und idd cologne (27. bis 31. Oktober) entsteht in Köln ein einzigartiger Design-Hub für Workspace, Contract und Residential Design. Die Veranstaltungen ergänzen sich inhaltlich hervorragend und schaffen für internationale Fachbesuchende – und durch die idd cologne auch für Privatbesuchende – einen echten Mehrwert.
Zum 1. Januar 2027 übernimmt die Koelnmesse die Design Post, welche bislang ganzjährig geöffnete Interior-Showrooms beherbergt. Wie wird das denkmalgeschützte Gebäude künftig ins Messekonzept integriert werden?
Die Design Post Köln ist ein besonderer Ort mit großer Strahlkraft. Unser Ziel ist es, die Design Post künftig als Plattform für Veranstaltungen, Networking und Inspiration in unsere bestehende Eventlocation-Struktur bei der Koelnmesse einzubinden. Zu den Laufzeiten unserer Messen bietet sie darüber hinaus eine ideale Möglichkeit, diese besondere Location sinnvoll mit unseren Messen zu verknüpfen.
Seit vielen Jahren verschwimmen Wohn- und Arbeitswelten miteinander. Wäre es nicht naheliegend, auch die Wohnmöbelmesse imm cologne einmal mit der Büromöbelmesse Orgatec zusammenzulegen?
Die Grenzen zwischen Wohn- und Arbeitswelten werden tatsächlich immer fließender. Dennoch sprechen beide Veranstaltungen unterschiedliche Zielgruppen und Marktsegmente an. Die imm cologne ist die internationale Businessplattform für den verbraucherorientierten Einrichtungsmarkt, während sich die Orgatec auf moderne Arbeitswelten und Objektlösungen konzentriert. Beide Messen profitieren von ihrer klaren Positionierung und ergänzen sich innerhalb des Koelnmesse-Interior-Portfolios.
Die Koelnmesse meldete für 2025 einen Umsatzrekord von 455 Millionen Euro. Sie konnte ihren Gewinn gegenüber dem Vorjahr auf 62 Millionen Euro verdreifachen. Das Wachstum kommt aber eher aus dem Ausland. Wo hakt es bei den inländischen Ausstellern?
Die Möbelindustrie, insbesondere in zentralen Kernmärkten in Europa, steht derzeit unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Investitionszurückhaltung und eine schwache Baukonjunktur wirken auf die Nachfrage. Gepaart mit dem insgesamt anspruchsvollen Marktumfeld hat das selbstverständlich auch auf Messebeteiligungen Auswirkungen. Gleichzeitig sehen wir international eine hohe Dynamik und großes Interesse an der Orgatec. Unser Ziel ist es, sowohl die internationale Stärke weiter auszubauen als auch gemeinsam mit der heimischen Industrie die Leitveranstaltung in Köln für die Zukunft weiterzuentwickeln.

Leitthema der Orgatec 2026 ist „From Rooms to Relationships: Designing Spaces in an Ever-Changing World“. Abbildung: Oliver Wachenfeld, Koelnmesse
Insbesondere die Büromöbelbranche leidet unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Welche Auswirkungen hat das auf die Orgatec 2026?
Die Herausforderungen sind für die gesamte Branche spürbar und spiegeln sich auch im Marktumfeld der Orgatec wider. Viele Unternehmen treffen ihre Marketingentscheidungen, unter die auch die Teilnahme an Messen fällt, derzeit besonders sorgfältig und investieren sehr gezielt. Zugleich sehen wir, dass gerade in solchen Phasen der Bedarf an persönlichen Begegnungen, internationalem Networking und konkreter Geschäftsanbahnung steigt. Die Orgatec bringt die relevanten Entscheiderinnen und Entscheider aus aller Welt zusammen und bietet Unternehmen eine Plattform, um neue Märkte zu erschließen, Partnerschaften aufzubauen und zukunftsweisende Impulse mitzunehmen.
Warum sind Messen auch im digitalen Zeitalter noch wichtig?
Digitalisierung eröffnet viele neue Möglichkeiten, sie ersetzt aber nicht das persönliche Gespräch. Gerade bei Einrichtungslösungen spielen Materialien, Qualität, Funktionalität und Gestaltung eine zentrale Rolle. Es geht um Atmosphäre und Sinneswahrnehmungen, all das lässt sich vor Ort am besten erleben. Hinzu kommt der direkte Austausch mit Kundinnen und Kunden, Partnern und Branchenkolleginnen und -kollegen. Diese Begegnungen schaffen Vertrauen und bilden häufig die Grundlage für langfristige Geschäftsbeziehungen.
Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten auf der Orgatec?
Am meisten freue ich mich auf das internationale Zusammenkommen der Branche und die vielen persönlichen Begegnungen. Es ist jedes Mal beeindruckend zu erleben, wie Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen zusammenarbeiten, Ideen austauschen und gemeinsam die Arbeitswelten von morgen gestalten. Genau dieser internationale Dialog macht die Orgatec für mich als Messedirektor so besonders.
Vielen Dank.
Die Fragen stellte Robert Nehring.































































