Der New-Work-Experte André Hund buchstabiert in seiner diesjährigen Kolumne den Begriff „Räume“ durch. Hier geht es um das U wie Umgebung. Gezeigt wird, dass ästhetisch gestaltete Räume weit mehr sind als einfach nur schön.

André Hund ist Wirtschaftsjurist und kennt die Büromöbelbranche aus dem Effeff. In seiner Kolumne thematisiert der selbstständige Coach und Berater und New Work Facilitator bei der work different Training & Consulting GmbH Leadership-Themen vor dem Hintergrund des neuen Arbeitens.
Das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt zeigte bis Juni 2026 die Ausstellung „Design for Democracy“. Die Stadt am Main ist World Design Capital 2026. Die Ausstellung zeigt, wie uns unsere Umgebung prägt und was städtische Architektur zu Begegnung, Kommunikation und einem neuen Miteinander beitragen kann. Pate steht die Stadt Paris, deren Transformation seit Jahren für positives Erstaunen sorgt. Egal, ob „Paris-Plages“ im Sommer oder die Radweginfrastruktur, die sich mittlerweile durch das Zentrum zieht.
Positive Beispiele städtischer Transformation wie das Pariser Flussufer, die Wohngenossenschaft „La Borda“ in Barcelona oder das beeindruckend gestaltete multifunktionale Gebäude „Forum Groningen“ in den Niederlanden sind schon lange überregional bekannt. Es gibt aber auch regionale Beispiele, wie etwa „Dienstleistungen für Einfache Sprache der Praunheimer Werkstätten“ oder den Ort „Space“ in Offenbach.
Wir leben oder arbeiten nicht im luftleeren Raum. Wir sind Teil unserer Umgebung. Und diese wirkt auf uns. Ob wir es bemerken oder nicht. Das heißt, dass dieser unscheinbare, fast technische Begriff der Umgebung beeinflusst, wie wir denken, fühlen, handeln und arbeiten. Und das gilt insbesondere für Arbeitsräume. Räume, in denen wir viel Zeit verbringen und die wir – in der Regel – nicht nach unserem Gusto einrichten können, wie die eigenen vier Wände.
Viel hat sich da in den vergangenen Jahren getan. Wenn wir über Büros sprechen, denken wir nicht immer zuerst an Quadratmeter, Möblierung oder Flächeneffizienz. Uns scheint klar geworden zu sein, dass Räume nicht nur aus Wänden, Tischen und Technik bestehen. Sie bestehen aus Eindrücken, Signalen und Reizen. Und diese wirken ständig auf uns zurück. Die Gestaltung dieser (Büro)-Umgebung entscheidet mit darüber, ob wir konzentriert arbeiten können oder permanent abgelenkt sind. Aus Seminaren weiß ich, wie viele unter der Akustiksituation und permanenten Ablenkungen in ihren offenen Bürostrukturen leiden. Die Einrichtung unserer Büros entscheidet wesentlich darüber, ob wir uns willkommen fühlen oder austauschbar.
Das beginnt beim Sichtbaren: Farben, Materialien, Licht und Möbel prägen die visuelle Umgebung eines Raums. Graue Oberflächen und identische Arbeitsplätze erzählen eine andere Geschichte als ein Raum, der unterschiedliche Materialien bietet sowie natürliche Lichtquellen und Farben bewusst nutzt.
Doch gute Umgebungen entstehen nicht nur im Auge des Betrachters. Ebenso relevant ist die sensorische Umgebung. Eine gute Raumakustik gehört unbedingt dazu. Raumtemperatur ebenso. Luftqualität. Hintergrundgeräusche. Jeder kennt den Unterschied zwischen einem Raum, in dem konzentriertes Arbeiten fast mühelos gelingt – und einem Raum, der uns nach kurzer Zeit anstrengt. Besonders die Akustik wird häufig unterschätzt. Eine schlechte Akustik, unangenehme Nachhallzeiten oder eine unzureichende Hörsamkeit erzeugen Stress. Wenn dies dauerhaft der Fall ist, kann das krank machen.
Hinzu kommt die soziale Umgebung: Wie sind Räume organisiert? Wo begegnen sich Menschen? Wohin können sie sich zurückziehen? Welche Wege entstehen? Welche bleiben versperrt? Räume entscheiden mit darüber, ob Zusammenarbeit tatsächlich stattfindet oder lediglich auf Organigrammen existiert. Genau damit beschäftigt sich die noch relativ junge Disziplin des „Biophilic Design“. Die Idee dahinter ist einfach: „Menschen haben sich über Jahrtausende in natürlichen Umgebungen entwickelt und reagieren deshalb bis heute positiv auf natürliche Elemente. Pflanzen, Tageslicht, natürliche Materialien oder Sichtbeziehungen nach außen sind deshalb mehr als Dekoration. Sie können Stress reduzieren, Wohlbefinden steigern und Räume angenehmer machen“, so die Biophilic-Design-Expertin Andressa Kuhlmann da Luz.
Gute Arbeitsumgebungen orientieren sich stärker an menschlichen Bedürfnissen als an reiner Flächenlogik. Nicht die Funktion und Form des Raums steht am Anfang jeder Gestaltung, sondern seine Wirkung. Umgebung ist keine Kulisse. Sie ist Infrastruktur für Verhalten.
Wer Arbeitsumgebungen gestaltet, entscheidet nicht nur darüber, wie Räume aussehen. Sondern auch darüber, wie Menschen arbeiten, kommunizieren, sich begegnen – und ob sie sich wohlfühlen und wertgeschätzt fühlen.
Denn am Ende ist jeder Raum ein Statement. Nicht darüber, wie schön wir es haben wollen. Sondern darüber, wie wir wahrnehmen und arbeiten wollen.





























































