Stress im Arbeitsalltag betrifft viele Beschäftigte und kann zu Krankheitsausfällen, sinkender Produktivität, innerer Kündigung und mehr Burnout-Diagnosen führen. Dr. Imre Márton Reményi, Psychotherapeut, Coach sowie Experte für Persönlichkeitsentwicklung und Leadership, beleuchtet mögliche Ursachen.

Führung auf Augenhöhe bedeutet, Ziele und Prioritäten klar zu kommunizieren. Abbildung: ThisIsEngineering, Unsplash
In vielen Unternehmen wird Stress noch immer als persönliches Problem betrachtet. Wer überlastet ist, soll eben lernen, „besser mit Druck umzugehen” oder an seiner Work-Life-Balance arbeiten. Doch die Wahrheit ist: Stress ist häufig kein individuelles, sondern ein strukturelles Phänomen. Unrealistische Zielvorgaben, widersprüchliche Anweisungen, fehlende Ressourcen oder ein Klima der ständigen Erreichbarkeit sind keine Einzelfälle, sondern systemische Probleme. Sie entstehen dort, wo Führung versagt.
Die Rolle der Führung
Führungskräfte haben einen enormen Einfluss auf das Stresserleben ihrer Mitarbeitenden. Mikromanagement und Kontrolle bis ins Detail, unklare oder sich widersprechende Ziele sowie ein autoritärer Umgang ohne Dialog und die Einforderung ständiger Erreichbarkeit erhöhen den Stress der Mitarbeitenden.
Doch auch die Situation der Führungskräfte ist prekär. In ihrer Ausbildung haben sie vorwiegend den Umgang mit Zahlen und Methoden gelernt. Der menschliche Faktor blieb dabei häufig unterrepräsentiert. Ihre Persönlichkeit wurde nicht zum Leadership hin entwickelt. Dies ist jedoch die Grundlage dafür, dass eine Führungskraft Vertrauen in die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden hat, Beteiligung und Mitgestaltung fördert sowie Ziele und Prioritäten klar kommuniziert.
Führungskräfte, die sich auf Augenhöhe bewegen, schaffen nicht nur realistische Planungen und transparente Entscheidungen. Sie erhalten darüber hinaus auch regelmäßig Anerkennung und konstruktives Feedback. Durch diese Art der Führung entsteht ganz allgemein gesprochen eine gesündere Arbeitsumgebung.
5 Handlungsempfehlungen
Wer den Stress im Team durch die Art zu führen reduzieren möchte, sollte sich nicht nur auf Gesundheitsprogramme oder Achtsamkeitskurse verlassen. Viel wichtiger ist es, das eigene Führungsverhalten zu überprüfen.
#1 Besser kommunizieren: Klare Botschaften, regelmäßige Feedbackgespräche und ein offenes Ohr für Sorgen schaffen Vertrauen und Orientierung.
#2 Realistische Ziele: Wer Prioritäten benennt und Überlastung rechtzeitig erkennt, sorgt für eine gesunde Balance.
#3 Wertschätzung zeigen: Erfolge anzuerkennen und auch kleine Beiträge zu würdigen stärkt Motivation und Zusammenhalt.
#4 Partizipation fördern: Mitarbeitende sollten, wo immer möglich, aktiv in Entscheidungen einbezogen werden.
#5 Rahmen schaffen: Respektierte Arbeitszeiten, ausreichende Ressourcen und klare Grenzen sichern nachhaltige Leistungsfähigkeit.
![]() Abbildung: Dr. Imre Márton Reményi Dr. Imre Márton Reményi, Psychotherapeut und Coach, |































































