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Zum Tag der Handschrift

Heu­te, am 23. Janu­ar, ist wie­der „Tag der Hand­schrift“. Aus die­sem Anlass erklärt hier die Hand­schrift-Exper­tin und -Trai­ne­rin Susan­ne Doren­dorff, was die­se Kul­tur­tech­nik so beson­ders macht und war­um der Hand­schrift-Fun­ke in jedem ein Feu­er ent­zün­den kann.

Die Handschrift lebt, weil sie Emotionen reflektiert. Abbildung: tookapic, Pixabay

Die Hand­schrift lebt, weil sie Emo­tio­nen reflek­tiert. Abbil­dung: too­ka­pic, Pixabay

Es ist wie beim Ver­lie­ben: Wenn der Fun­ke über­springt, gibt es kein Hal­ten mehr. So auch beim Schrei­ben. Wer fühlt, dass die inne­re Bewe­gung und die Hand­be­we­gung eins sind, den trifft der Hand­schrift-Fun­ke wie ein Blitz, der erlebt einen Macht­wech­sel: Nicht Stift und Hand domi­nie­ren die Schrift, son­dern man selbst, das inne­re Ich hat den Stift im Griff. Es sind Ver­stand und Gefühl, die auf dem Papier navi­gie­ren, nicht Kuli und Fül­ler. Wie beim Spre­chen flie­ßen Geist und Gefühl in die Buch­sta­ben, bil­den Wör­ter und for­men spon­tan drauf­los. Wir haben die Schrift, um mit ihr zu spie­len. Rich­tig spie­len – nicht schön­schrei­ben! Das ist wich­tig. Wer sich vom Zwang befreit und spielt, der liebt es und sei­ne Hand­schrift wird immer bes­ser, weil er sie ver­steht. Schrei­ben ging uns schon immer unter die Haut.

Das Märchen vom Schreibtod

Dar­um machen wir auch so ein Bohei um die Hand­schrift und schen­ken ihr alle Jah­re wie­der einen Ehren­tag, an dem die einen sie ver­göt­tern und die ande­ren sie ver­teu­feln und laut­hals ver­kün­den, dass kein Mensch mehr schreibt. Was natür­lich Quatsch ist. Denn wenn kei­ner mehr schrei­ben will, wie­so wächst dann die Pape­te­rie-Bran­che in den Him­mel? Wie­so gibt es immer mehr Tin­ten in allen erdenk­li­chen Far­ben und Ange­bo­te zum Ver­bes­sern der Hand­schrift – sogar online? Wie­so schrei­ben wir auch auf Tablets wie die Welt­meis­ter? Die Hand­schrift ist offen­kun­dig doch nicht tot­zu­krie­gen. Wie­so nicht? Weil Schrei­ben die ein­zi­ge ad infi­ni­tum sicht­ba­re Gehirn­le­bens­spur ist. Die Hand­schrift zeigt Ihnen, dass Sie leben, wie Sie den­ken, füh­len und wer Sie sind. Wer behaup­tet, man brau­che sie nur für Ein­kauf­zet­tel und Lie­bes­brie­fe, hat kei­ne Ahnung vom Schrei­ben. Glaubt wirk­lich irgend­wer das Mär­chen vom Schreib­tod? Ein Blick in die Pape­te­rie um die Ecke und man sieht: Das Gros der Gesell­schaft lechzt danach, es zu tun. Und zwar rich­tig! Jeder kann es sehen: Schon seit Jah­ren lie­ße sich wesent­lich mehr an der Schreib­be­geis­te­rung ver­die­nen als an deren Zer­schla­gung. Posi­ti­ve Kom­mer­zia­li­sie­rung des Schrei­bens wäre wesent­lich lukra­ti­ver als des­sen Igno­rie­ren. Vom Vor­schul­ge­krit­zel bis zum anspruchs­vol­len Lein­wand­bild-Schrei­ben von fünf bis 95 gäbe es dann. Denn eins ist mal klar: Die Bevöl­ke­rung ist nicht blöd. Es ist empi­risch erwie­sen, dass mün­di­ge Men­schen sich zwar eine Zeit lang eini­ges gefal­len las­sen. Aber nicht ewig. Und die Hand­schrift las­sen sie sich schon mal gar nicht neh­men. Die Tas­ta­tur kann das Schrei­ben mit der Hand intel­lek­tu­ell nicht erset­zen, son­dern nur ergänzen.

Die Handschrift von Daniel Enchelmaier, Musikpädagoge (35) ̶ vorher und fünf Wochen später. Abbildung: Daniel Enchelmaier

Die Hand­schrift von Dani­el Enchel­m­ai­er, Musik­päd­ago­ge (35)  ̶  vor­her und fünf Wochen spä­ter. Abbil­dung: Dani­el Enchelmaier

Eine intrinsische Kraft

Trend­for­scher und Glo­bal Play­er bestä­ti­gen die krea­ti­ve Kehrt­wen­de: Schrei­ben ist auf dem bes­ten Weg, einen Schreib-Hype aus­zu­lö­sen. Ande­re Kul­tu­ren haben es längst begrif­fen. Nur die Deut­schen, die straft wie­der das Leben. Also weg mit dem Nega­tiv­image – her mit der Markt­lü­cke. Schrei­ben hat ein fan­tas­ti­sches Aus­drucks­po­ten­zi­al. Wer dabei an Sau­klau­en, Kal­li­gra­fie und Hand­let­te­ring denkt, ist von vor­ges­tern. Schrei­ben expan­diert, gera­de weil es uns genom­men wer­den soll.

Las­sen Sie sich sagen: Die Sehn­sucht bleibt. Die „Jungs“ kom­men sogar mit 55 noch zu mir, um „anstän­dig schrei­ben“ zu ler­nen … „Sie haben mir neu­es Leben geschenkt“, stell­te ein Schwei­zer Unter­neh­mer beim Anblick sei­ner neu­en Schreib­tech­nik begeis­tert fest. Was trieb ihn an, es doch noch ein­mal zu ver­su­chen? Psy­cho­lo­gisch aus­ge­drückt ist es die intrinsi­sche Kraft der Selbst­wirk­sam­keit. Anders gesagt: Wer nicht schrei­ben kann, emp­fin­det es als per­sön­li­ches Defizit.

Versagen der Wissenschaft

Das Pro­blem ist uralt. Der Casus knacksus ist die Wei­ge­rung der Wis­sen­schaft, Schrei­ben und Recht­schrei­ben for­schend so zu durch­drin­gen, dass es sich der Gesell­schaft bzw. der Schu­le als Didak­tik erschließt. Statt­des­sen behaup­ten sie: „Druck­schrift ist Schreib­schrift, wenn sie mit der Hand geschrie­ben wird.“ Gehts noch?! Die­ses pro­vo­kan­te Ver­sa­gen ist der Dolch­stoß, der ech­ter Schreib­kom­pe­tenz immer wie­der den Gar­aus macht. Statt ver­läss­li­cher per­sön­li­cher Anlei­tung gibt es in der Schu­le nur Igno­ranz, Lee­re und Quä­le­rei. Weg damit!


BUCHTIPP:

Susan­ne Doren­dorff: Klas­se! Mil­lio­nen Kin­der lei­den unter Schreib­angst Fritz erzählt, wie er sei­ne besieg­te*, BoD – Books on Demand, 280 S., 14,99 €.


Handschrift als Befreiung

Die Hand­schrift lebt, weil sie Emo­tio­nen reflek­tiert. Sie ist authen­tisch, spon­tan, intui­tiv, emo­tio­nal und asym­me­trisch. Ach­ten Sie mal dar­auf. Dann ver­ste­hen Sie, dass der Hand­schrift-Fun­ke Leben ein­haucht und Selbst­be­wusst­sein stärkt. Er ent­springt jener Lebens­quel­le, aus der her­aus geliebt, gehasst, gefühlt und ver­stan­den wird, die uns sin­gen und erbe­ben lässt und dafür sor­gen kann, dass Lebe­we­sen sich auch ohne Wor­te verstehen.

Als ich die­se Quel­le in mei­ner Hand­schrift ent­deck­te, sprang der Fun­ke über und es gab kein Hal­ten mehr. Und wie es mit der Lie­be so ist, man muss sei­nem Gegen­über ver­trau­en. In die­sem Fall ist man es selbst. Also: Ver­trau­en Sie sich, und das Schrei­ben fließt. Zei­gen Sie sich und las­sen Sie sehen, wer Sie sind. Es ist eine Befrei­ung. Die bei­den Schrift­pro­ben sind der Beweis.

Susanne Dorendorff

Susan­ne Dorendorff,

Grün­de­rin des Euro­päi­schen Insti­tuts für Hand­schrift und Phi­lo­gra­phie in Hamburg.

schreib-schrift.de

 

 

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