Die Geschich­te der Arbeit ist auch eine Geschich­te der Nut­zung unter­schied­li­cher Licht- und Ener­gie­quel­len. Den Weg zur heu­ti­gen Büro­be­leuch­tung zeich­net Dr. Tim S. Mül­ler nach, Lei­ter des Muse­ums für Energiegeschichte(n) in Han­no­ver.

Gaslampe mit Zugketten um 1885.

Gas­lam­pe mit Zug­ket­ten um 1885. Abbil­dung: Samm­lung Muse­um für Energiegeschichte(n) der Ava­con Netz GmbH, Han­no­ver

Glühlampe mit Steckadapter für Elektrogeräte um 1920.

Glüh­lam­pe mit Steck­ad­ap­ter für Elek­tro­ge­rä­te um 1920. Abbil­dung: Samm­lung Muse­um für Energiegeschichte(n) der Ava­con Netz GmbH, Han­no­ver

Bereits im Alter­tum gab es ers­te künst­li­che Licht­quel­len: Öllam­pen, Fackeln und Feu­er­be­cken. Die Ver­wen­dung von Wachs­ker­zen lässt sich ab etwa 300 n. Chr. im Römi­schen Reich nach­wei­sen. Das gesam­te Mit­tel­al­ter hin­durch und bis weit in die Neu­zeit hin­ein blie­ben Ker­zen in den Werk­stät­ten und Kanz­lei­en das wich­tigs­te Leucht­mit­tel. Auch für die ers­ten Stra­ßen­be­leuch­tun­gen, wie ab 1679 in Ber­lin, wur­de auf Wachs­ker­zen zurück­ge­grif­fen.

Im aus­ge­hen­den 18. Jahr­hun­dert ver­dich­te­ten sich die Expe­ri­men­te rund um den Ein­satz neu­er Ener­gie­trä­ger bei der Licht­er­zeu­gung. Im Jahr 1783 erfand François-Pierre-Amédée Argand (1750–1803) die nach ihm benann­te Argandlam­pe. Sie zeich­ne­te sich durch einen Rund­docht und die Nut­zung von Rüb­öl aus. Nur zwei Jah­re spä­ter expe­ri­men­tier­te der Nie­der­län­der Jan Pie­ter Mincke­leers (1748–1824) mit der Stein­koh­le­g­as­be­leuch­tung und leg­te den Grund­stein für einen neu­en Indus­trie­zweig: die Gas­wirt­schaft.

Aus Nacht wurde Tag

Die Mög­lich­keit, mit der Gas­be­leuch­tung über eine leis­tungs­fä­hi­ge und zugleich güns­ti­ge Licht­quel­le zu ver­fü­gen, wan­del­te das Arbeits­le­ben in der Mit­te des 19. Jahr­hun­derts von Grund auf. Die Nacht wur­de durch das künst­li­che Licht dem Tag gleich­ge­stellt, und auf die­se Wei­se der natür­li­che Tag-Nacht-Rhyth­mus auf­ge­ho­ben, der den mensch­li­chen Arbeits­all­tag über Jahr­tau­sen­de geprägt hat­te.

Der elek­tri­sche Strom wur­de 1850 erst­mals dafür ver­wen­det, die Pari­ser Oper bat­te­rie­elek­trisch zu beleuch­ten. Mit der von Wer­ner von Sie­mens (1816–1892) im Jahr 1866 geschaf­fe­nen Mög­lich­keit, Stark­strom in gro­ßen Men­gen zu pro­du­zie­ren, und Tho­mas A. Edi­sons (1847–1931) Patent für die elek­tri­sche Glüh­bir­ne aus dem Jahr 1879 trat das elek­tri­sche Licht in Gestalt der Glüh­bir­ne und Bogen­lam­pe sei­nen end­gül­ti­gen Sie­ges­zug an.

Hell und heller

Das elek­tri­sche Licht galt im direk­ten Ver­gleich zu sei­nem größ­ten Wider­sa­cher, dem Gas­licht, als wesent­lich siche­rer und kom­for­ta­bler. Aller­dings war es anfäng­lich im Betrieb teu­rer. Das 20. Jahr­hun­dert brach­te eine Ver­bes­se­rung der elek­tri­schen Leucht­mit­tel hin­sicht­lich des Wir­kungs­gra­des und der Ener­gie­ef­fi­zi­enz. So geht die Ent­wick­lung der Leucht­mit­tel in den vor­an­ge­gan­ge­nen 120 Jah­ren von den Koh­le­fa­den­lam­pen über die Nernst-, Osmi­um-, Tan­tal-, Wolf­ram-, Queck­sil­ber-, Neon-, Halo­gen-, Xenon- und Ener­gie­spar­lam­pen bis hin zu den moder­nen LED ein­her mit einer ste­tig ver­bes­ser­ten Licht­aus­beu­te bei absin­ken­dem Ener­gie­ver­brauch.

Galt im Jahr 1899 eine Beleuch­tungs­stär­ke von 35 Lux für einen Büro­ar­beits­platz als aus­rei­chend, sind die Büros seit­dem viel hel­ler gewor­den. Laut der aktu­el­len Arbeits­stät­ten­richt­li­nie ist eine Beleuch­tung von min­des­tens 500 Lux für einen nor­ma­len Büro­ar­beits­platz gesetz­lich vor­ge­schrie­ben.

Dr. Tim S. Müller

Dr. Tim S. Mül­ler,
Lei­ter Muse­um für Energiegeschichte(n) der Ava­con Netz GmbH.
energiegeschichte.de