Start-ups sind in. Des­halb stel­len wir seit vie­len Jah­ren span­nen­de Youngs­ters aus dem Office-Umfeld vor. Nun woll­ten wir von aus­ge­wähl­ten Grün­dern wis­sen, wie es ihnen kon­kret ergan­gen ist. Ein Gespräch über das Grün­den und sei­ne Her­aus­for­de­run­gen – samt einer klei­nen Ein­füh­rung.

Was schweißt Start-ups zusammen, was sprengt sie auseinander? Unser Interview zeigt es. Abbildung: Pexels

Wie ist es, im Office-Umfeld ein Start-up zu grün­den? Wir frag­ten nach. Abbil­dung: Pexels

„Was ein Unter­neh­men zum Start-up macht, dar­über gehen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der. Das Geschäfts­mo­dell soll­te inno­va­tiv und ska­lier­bar sein, die Mit­ar­bei­ter mög­lichst jung, fle­xi­bel und ziem­lich locker …“ So begin­nen stets die Bei­trä­ge unse­rer Rei­he „Start-ups fürs Büro“. Aber lässt sich nicht noch etwas genau­er fas­sen, was ein Start-up ist?

Was ist ein Start-up?

Dem Deut­schen Start­up Moni­tor 2019 (DSM) des Start-up-Berufs­ver­ban­des in Zusam­men­ar­beit mit PWC lie­gen die Daten von 1.933 Start-ups zugrun­de. Ihm zufol­ge kenn­zeich­nen ein Start-up drei Merk­ma­le:

  • jün­ger als zehn Jah­re,
  • geplan­tes Mit­ar­bei­ter-/Um­satz­wachs­tum und/oder
  • (hoch) inno­va­tiv in sei­nen Produkten/Dienstleistungen, Geschäfts­mo­del­len und/oder Tech­no­lo­gi­en.

Wei­te­re Quel­len bestä­ti­gen dies, obwohl dort oft zusätz­lich die Begrif­fe „ska­lier­bar“ für die Fähig­keit zu star­kem Wachs­tum und „dis­rup­tiv“ für die Absicht, bestehen­de Model­le zu ver­drän­gen, genutzt wer­den. Es lässt sich zusam­men­fas­sen: Start-ups sind jun­ge Unter­neh­men mit inno­va­ti­ven Geschäfts­ide­en und hohem Wachs­tums­po­ten­zi­al.

Start-ups gab es im Grun­de schon immer. Auch Robert Bosch und Wer­ner von Sie­mens haben wel­che gegrün­det. Aber seit die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung soge­nann­te Ein­hör­ner her­vor­ge­bracht hat – Start-ups, die mit über einer Mil­li­ar­de Dol­lar bewer­tet wer­den wie Airb­nb, SpaceX oder Wework –, gibt es einen beacht­li­chen Hype um die­se Jung­un­ter­neh­men.

In Deutsch­land hat zu ihrer Popu­la­ri­tät vor allem das seit 2014 bestehen­de TV-For­mat „Die Höh­le der Löwen“ mit Inves­to­ren wie Frank The­len und Cars­ten Maschmey­er bei­getra­gen. Aber auch Medi­en wie Grün­der­sze­ne und Deut­sche Star­tups. Seit 2012 haben die Start-ups einen eige­nen Bun­des­ver­band. Seit meh­re­ren Jah­ren jagt ein Start-up-Wett­be­werb den nächs­ten. Und Start-up-Area­le sind zu einem fes­ten Bestand­teil von Mes­sen gewor­den.

Jung, männlich, Tekkie

Laut DSM hat­ten Start-ups 2019 im Schnitt 13,3 Beschäf­tig­te. 84 Pro­zent waren männ­lich. Das Durch­schnitts­al­ter der Beschäf­tig­ten war hier 35 (in Deutsch­land ins­ge­samt 44). Grün­der waren vor allem Betriebs- und Volks­wir­te (39 Pro­zent), Inge­nieu­re (19 Pro­zent) sowie Infor­ma­ti­ker (15 Pro­zent), Geschäfts­mo­del­le vor allem ange­wand­te IT (23 Pro­zent), Online-Platt­form (17 Pro­zent) sowie Soft­ware­ent­wick­lung (12 Pro­zent). Und gegrün­det wur­de vor allem in den Berei­chen IuK (30 Pro­zent), Nah­rung (11 Pro­zent) und Gesund­heit (9 Pro­zent).

Finan­ziert wer­den Start-ups in Deutsch­land laut die­ser Stu­die zu 81 Pro­zent durch eige­ne Erspar­nis­se, zu 39 Pro­zent mit staat­li­chen För­der­mit­teln, zu 29 Pro­zent von Fami­lie und Freun­den, zu 23 Pro­zent von Busi­ness-Angels, zu 15 Pro­zent durch Ven­tures (Wag­nis­ka­pi­tal­ge­ber), zu 14 Pro­zent durch Inku­ba­to­ren und Acce­le­ra­to­ren (Grün­der­zen­tren und Coa­ching-Insti­tu­tio­nen), zu 13 Pro­zent durch Bank­dar­le­hen und zu vier Pro­zent durch Crowd­fun­ding (Schwarm­fi­nan­zie­rung).

Nur wenige schaffen es

Wie schnell es nach oben gehen kann mit einem Start-up, das haben unter ande­rem die GAFAs gezeigt: Goog­le, Apple, Face­book und Ama­zon. Von einer ähn­li­chen Ent­wick­lung träu­men vie­le Grün­der. Wie man aber auch eine Num­mer klei­ner sehr erfolg­reich sein kann, hat zum Bei­spiel die Ber­li­ne­rin Yara Jent­zsch Dib demons­triert. 2016 häng­te sie ihr Smart­pho­ne an eine Schnur, um es nicht stän­dig suchen zu müs­sen. 2018 ver­kauf­te sie bereits die 100.000ste Han­dy­ket­te. Allein im August 2019 waren es 17.000.

Die meis­ten Start-ups jedoch schei­tern. Nicht alle tun dies so gran­di­os wie der Cowor­king-Space-Betrei­ber Wework. Sein Bör­sen­gang ist in die­sem Jahr geplatzt, die Bewer­tung von 47 auf acht Mil­li­ar­den gesun­ken, und nun sol­len 6.000 Stel­len gestri­chen wer­den. Aber Wework, oder The We Com­pa­ny, exis­tiert wenigs­tens noch. Schlim­mer ergan­gen ist es dem Blut­test-Start-up Thera­nos. Inner­halb kür­zes­ter Zeit stieg sei­ne Bewer­tung auf neun Mil­li­ar­den Dol­lar. Dann stell­te sich her­aus, dass die ange­bo­te­ne Blut­ana­ly­se gar nicht funk­tio­niert. Eliza­beth Hol­mes wur­de des Betrugs über­führt. Die jüngs­te Self­made-Mil­li­ar­dä­rin der Welt ent­ging dem Gefäng­nis nur durch außer­ge­richt­li­che Eini­gun­gen.

Die dunk­le Sei­te der Start-ups hat Jochen Kal­ka 2019 in sei­nem Buch „Die Start­up-Lüge“ ein­drück­lich beleuch­tet. Der ehe­ma­li­ge Chef­re­dak­teur von Wer­ben & Ver­kau­fen fand her­aus, dass es hier­zu­lan­de 99 Pro­zent aller Start-ups auf­grund aus­blei­ben­der Finan­zie­rung gar nicht schaf­fen, ein ech­tes Start-up zu wer­den, 90 Pro­zent der Start-ups (mit Finan­zie­rung) schei­tern und 80 Pro­zent nicht ein­mal die ers­ten drei Jah­re über­le­ben. Im Schnitt wür­den Start-ups in Deutsch­land gera­de ein­mal zwei­ein­halb Jah­re alt.

Hoffnung trotz Scheitern

Grün­de für das häu­fi­ge Schei­tern gibt es neben dem lie­ben Geld vie­le: feh­len­de Erfah­rung, tech­ni­sche Pro­ble­me, Markt­ent­wick­lun­gen, Orga­ni­sa­ti­ons­de­fi­zi­te, Arbeits­ver­hält­nis­se, … Kei­ne Grün­de stel­len in der Regel die betont läs­si­ge Klei­dung und das zwang­haf­te Duzen, Cowor­king und Bar­camps, Slack und Trel­lo sowie Möbel aus Euro­palet­ten und die belieb­te Kin­der­rut­sche dar. Sie sind nur Begleit­erschei­nun­gen des Start-up-Trends, denen man auch Gutes abge­win­nen kann.

Obwohl Start-ups hier­zu­lan­de nur einen gerin­gen Anteil an der Gesamt­wirt­schaft haben (laut Jochen Kal­ka 0,2 Pro­zent) und sie mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit schei­tern, ruhen auf ihnen die Hoff­nun­gen für unse­re künf­ti­ge Volks­wirt­schaft. Denn ohne neu­es Den­ken und neu­es Han­deln droht die Wirt­schaft in unse­rer schnell­le­bi­gen, agi­len und fle­xi­blen Welt, den Anschluss zu ver­lie­ren. Und nicht zu Unrecht genie­ßen Start-up-Grün­der bei uns auch einen guten Ruf. Laut einer aktu­el­len Bit­kom-Stu­die hal­ten sie 83 Pro­zent für leis­tungs­ori­en­tiert und ziel­stre­big. 68 Pro­zent sehen in ihnen ein Vor­bild für die jun­ge Genera­ti­on.

Im Anschluss fin­den Sie ein Gespräch mit drei span­nen­den Grün­dern aus dem Büro-Umfeld. Wir freu­en uns sehr, dass sie bereit waren, uns Aus­kunft zu geben. In Kür­ze erscheint unser zwei­ter Start-up-Stamm­tisch.

OFFICE ROXX: Julian (JJ), Bernd (BF) und Julian (JR), Start-ups müssen permanent pitchen, heißt es. Also: Worum geht’s bei euren Geschäftsideen in Kürze?

JJ: Lang­wei­li­ge Mee­tings? Jetzt nicht mehr. Indem wir das Kon­zept der Sharing-Eco­no­my anwen­den, wol­len wir tra­di­tio­nel­le Mee­tingas­pek­te von Unter­neh­men ver­än­dern und eine fle­xi­ble wie krea­ti­ve Lösung anbie­ten. Bei Space­ba­se kann man außer­ge­wöhn­li­che Mee­ting- und Tagungs­räu­me buchen, die die Krea­ti­vi­tät der Teil­neh­mer anre­gen sowie ihre Ide­en und Enga­ge­ment för­dern. Das befeu­ert leb­haf­te und krea­tiv-pro­fes­sio­nel­le Events, die direkt über unse­re Platt­form buch­bar sind.

BF: Für begeis­ter­te Ear­ly-Birds began­nen wir, ers­te über­schau­ba­re Auf­trä­ge abzu­wi­ckeln, sodass wir kei­nen rich­ti­gen Pitch hat­ten. Nach dem Launch der Web­site und stei­gen­der Bekannt­heit von Mobe­ti erreich­ten uns auch grö­ße­re Auf­trä­ge. Unter ande­rem wur­de der ers­te Export nach Asi­en erfolg­reich abge­wi­ckelt. Die­ses Jahr folg­ten wir einer Auf­for­de­rung, an einer EU-wei­ten Aus­schrei­bung teil­zu­neh­men. Wir haben den Auf­trag letzt­end­lich gewon­nen. Aber welch ein Wahn­sinn, was da alles abge­fragt und gefor­dert wur­de. Beglei­tend bot das Pro­jekt auch eine rie­si­ge Lern­kur­ve, die wir in die nächs­ten Schrit­te ein­flie­ßen las­sen kön­nen.

JR: 99chairs war eine Platt­form für Inte­rior-Design, die Inte­rior-Lösun­gen für Spaces ange­bo­ten hat. Wir haben uns dabei um die gan­ze Wert­schöp­fungs­ket­te geküm­mert und den Inte­rior-Design-Pro­zess digi­tal abge­bil­det. Unser Netz­werk an pro­fes­sio­nel­len Inte­rior-Desi­gnern erstell­te digi­ta­le 3-D-Innen­ein­rich­tungs­kon­zep­te mit ver­schie­de­nen Pro­dukt­vor­schlä­gen, die anschlie­ßend direkt über uns bestellt wer­den konn­ten.

Wann habt ihr gegründet, und wie kam die Gründung zustande?

JR: 99Chairs ist 2014 von Frank Ste­gert und mir gegrün­det wor­den. Wir haben einen Freund beob­ach­tet, der es über meh­re­re Mona­te nicht geschafft hat, sich ein­zu­rich­ten. Einer­seits hat­te er kei­ne Zeit, ander­seits kann­te er sich nicht aus. An eine Inte­rior-Desi­gne­rin hat er eben­falls nicht gedacht, weil er glaub­te, dass sie zu teu­er sei.

JJ: Space­ba­se wur­de 2014 von Jan Hoff­mann-Kei­ning und mir gegrün­det. Wäh­rend unse­rer Zeit als Unter­neh­mens­be­ra­ter haben wir an unzäh­li­gen Mee­tings und Work­shops teil­ge­nom­men – aber wir haben nie jeman­den sagen hören: „Ich lie­be Mee­tings!“ Nach­dem wir vie­le unin­spi­rie­ren­de, lang­wie­ri­ge Mee­tings über uns erge­hen las­sen muss­ten, woll­ten wir uns einer inno­va­ti­ve­ren Lösung zuwen­den.

BF: Die GmbH-Grün­dung war im Febru­ar 2018. Den ers­ten Anlass zur Grün­dung gab es schon cir­ca 1,5 Jah­re davor. Nach­dem wir für unser Quar­tier in Han­no­ver kei­ne zu uns pas­sen­de Aus­stat­tung gefun­den hat­ten, such­ten wir kei­ne typi­sche Büro­lö­sung mehr, son­dern viel­mehr das, was einem unter­stüt­zen­den Ermög­li­cher unse­rer Arbeits­wei­se ent­spricht. Eine Ein­rich­tung, die mög­lichst für unter­schied­li­che agi­le Anwen­dun­gen ein­fach und werk­zeug­los von jeder­mann umge­stal­tet wer­den kann.

Sven Iser­loth, mein Geschäfts­part­ner bei if5, Mar­ko Deutsch­kä­mer von if5 (Bera­ter, Indus­trie­de­si­gner, Cus­to­mi­zer aus der Möbel­in­dus­trie, vor­mals Holz­wurm sowie Tau­send­sas­sa) und ich erdach­ten ers­te Lösungs­an­sät­ze. Her­aus­ge­kom­men ist der drei­tei­li­ge, mobi­le, beschreib­ba­re Tisch („Mobe­ti“). Schnell waren ers­ten Pro­to­ty­pen zum Tes­ten gebaut, die über Ite­ra­tio­nen ver­fei­nert und ver­bes­sert wur­den. Ergän­zend ist ein Sys­tem­port­fo­lio rund um den ers­ten Mobe­ti ent­stan­den, wel­ches in „unend­li­chen“ Mög­lich­kei­ten kom­bi­niert wer­den kann. Aus die­sem Grund fin­det sich das Unend­lich­keits­zei­chen in unse­rem Logo wie­der.

Nach­dem uns Kun­den regel­mä­ßig auf unse­re Lösun­gen anspra­chen und sie auch gern nut­zen woll­ten, ent­schie­den wir uns zu dritt, die Mobe­ti GmbH zu grün­den. So trenn­ten wir sau­ber die Geschäfts­fel­der der Bera­tung und Möbel­aus­stat­tung.

Wo ist euer Standort, und wie viele Mitarbeiter habt ihr?

BF: Unser Stand­ort ist Han­no­ver, und wir sind nach wie vor zu dritt, wobei wir das Geschäft „neben­bei“ betrei­ben. Für die Wei­ter­ent­wick­lung, Pro­duk­ti­on und Logis­tik haben wir uns erfolg­reich ein loka­les Fir­men­netz­werk auf­ge­baut. Wir sind im Her­zen Bera­ter und Pla­ner. Dar­aus schöp­fen wir unse­re Ide­en und Inspi­ra­ti­on. Mobe­ti ist aus den Anfor­de­run­gen unse­rer Auf­trag­ge­ber und dem Spaß am Machen ent­stan­den.

JR: Stand­ort war Ber­lin. Wir hat­ten 55 FTEs (Anm. d. Red.: Full Time Equi­va­lent, dt. Voll­zeit­äqui­va­lent – sie­he oben) und 70 Free­lan­ce-Inte­rior-Desi­gner.

JJ: Wir sit­zen zur­zeit in der Mus­kau­er Stra­ße in Ber­lin-Kreuz­berg, nur einen Kat­zen­sprung von der Markt­hal­le 9 und dem wun­der­schö­nen Mari­an­nen­platz ent­fernt. Aktu­ell besteht das Space­ba­se-Team aus 35 Mit­ar­bei­tern und wächst ste­tig.

Über Geld spricht man nicht. Dennoch: Wie habt ihr euch finanziert?

JR: Solan­ge wie es mög­lich war, haben wir mit 10.000 Euro geboot­strap­ped (Anm. d. Red.: dt. Selbstfinanzierung/Eigenkapital). Nach­dem wir den ers­ten Kun­den hat­ten, gelang auch die Finan­zie­rung über Busi­ness-Angel und Ven­ture-Capi­tal.

BF: Eigen­ka­pi­tal. Wir sind eine Manu­fak­tur. Wir fer­ti­gen auf­trags­be­zo­gen. So kön­nen wir auf Kun­den­wün­sche indi­vi­du­ell ein­ge­hen und auch in Bezug auf die Nach­hal­tig­keit ohne gro­ße Vor­fer­ti­gung und Lager­be­stän­de aus­kom­men. Aus die­sem Grund ist kaum eine Vor­fi­nan­zie­rung nötig. Einen eige­nen Maschi­nen­park haben wir aller­dings nicht, son­dern las­sen alles in unse­rem Han­no­ver-Netz­werk pro­du­zie­ren.

JJ: Durch unse­ren Busi­ness-Angel Ste­phan Ekbergh.

Welche Entwicklung habt ihr durchgemacht?

BF: Bis­lang ging es ste­tig berg­auf. Wir haben das Port­fo­lio immer wei­ter abge­run­det und freu­en uns über die groß­ar­ti­ge Reso­nanz unse­rer Kun­den.

JR: Wir haben in unse­rem letz­ten vol­len Jahr, 2017, sie­ben Mil­lio­nen Euro Umsatz gemacht und waren 2018 auf einem Kurs von zwölf Mil­lio­nen Euro Umsatz.

JJ: Erst letz­te Woche hat Deloit­te Space­ba­se in die Lis­te der „Tech­no­lo­gy Fast 50“ auf­ge­nom­men. Dank einer Wachs­tums­ra­te von 1.833,71 Pro­zent in den letz­ten vier Jah­ren.

Was waren und sind die größten Herausforderungen?

JR: Neben den vie­len täg­li­chen Her­aus­for­de­run­gen, die man in einem Start-up hat, war die größ­te Chal­len­ge, dass Anfang Q2/2018 der Haupt­in­ves­tor einer neu­en Inves­ti­ti­ons­run­de uner­war­te­ter Wei­se eine Woche vor dem Notar­ter­min abge­sprun­gen ist. Sie hat­ten ent­schie­den, nicht mehr in digi­ta­le Model­le zu inves­tie­ren. Die ein­zi­ge Mög­lich­keit, die Situa­ti­on und die Fir­ma zu ret­ten, war, in eine Insol­venz in Eigen­ver­wal­tung zu gehen, um noch mal drei Mona­te Zeit zu bekom­men. Dies hät­ten wir fast geschafft, wenn nicht einer der Co-Inves­to­ren plötz­lich – einen Tag vor Abschluss der Finan­zie­rung – abge­sprun­gen wäre, und wir dann schlie­ßen muss­ten.

BF: Die Per­so­nal­res­sour­cen, die Erstel­lung von Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen sowie zuneh­men­de Auf­la­gen für Ver­pa­ckung, Pro­duk­ti­on und – rich­ti­ger­wei­se – die Ein­hal­tung von Umwelt­stan­dards. Die Mobe­ti-Fami­lie besteht zu 98 Pro­zent aus nach­wach­sen­den Roh­stof­fen. Haupt­säch­lich kom­men hoch­wer­ti­ge Holz­werk­stof­fe zum Ein­satz. Alles ist modu­lar, erwei­ter-, zer­leg- und repa­rier­bar sowie upgrade­fä­hig. Gefer­tigt wird zudem in Deutsch­land, sodass alle Anfor­de­run­gen an umwelt­ge­rech­te Mate­ria­li­en, Pro­duk­ti­ons- und Logis­tik­vor­gän­ge für uns ein Kin­der­spiel sind. Dies ist uns aber eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit: Nicht umsonst haben wir alle eine Bahn­card 100 und sor­gen mit einem Umsatz­an­teil – in Koope­ra­ti­on mit Wald.de – für die Wie­der­auf­fors­tung in deut­schen Wäl­dern, um auch in Zukunft vie­le Mobe­tis bau­en zu kön­nen.

Aber zurück zur Mann­stär­ke. Ins­be­son­de­re Mar­ko erbringt die Löwen­an­tei­le. Er ist Pro­dukt­ent­wick­ler, Desi­gner, Ein­käu­fer, Pro­duk­ti­ons- und Logis­tik­chef sowie Ver­trieb­ler und Auf­trags­be­ar­bei­ter in einer Per­son. Neben sei­ner Rol­le als Bera­ter – eine Mam­mut­auf­ga­be. Das geht nur mit Ein­satz und smar­ten Pro­zes­sen.

In der Pro­dukt­ent­wick­lung unter­stüt­zen uns neben den Kun­den­feed­backs auch alle Mit­ar­bei­ter bei if5 und if5design. Denn das Pro­jekt­ge­schäft rund um neue Arbeits- und Büro­wel­ten zeigt immer wie­der neue Anfor­de­run­gen, die auch in die Wei­ter­ent­wick­lun­gen von Mobe­ti Ein­zug hal­ten. Selbst die Opti­mie­rung der Pro­duk­te liegt bei allen, denn wir arbei­ten mit Mobe­ti im All­tag im eige­nen Büro.

JJ: Am Anfang muss­ten wir viel tun, damit Men­schen erken­nen, wie vie­le Mög­lich­kei­ten es für span­nen­de Mee­tings gibt. Die­se Bot­schaft ver­brei­tet sich jetzt zuneh­mend. Wir freu­en uns, dass mehr und mehr Men­schen unser fle­xi­bles Ange­bot in vol­lem Umfang in Anspruch neh­men.

Wo wollt ihr in zwei, drei Jahren sein?

JJ: Wir wol­len die größ­te Platt­form für Mee­ting-Räu­me sein – mit den bes­ten Loca­ti­ons sowie dem bes­ten Ange­bot und Port­fo­lio für jede Art von Ver­an­stal­tung.

BF: Wir sind wei­ter­hin von Mobe­ti über­zeugt, und der Markt fragt fle­xi­ble, agi­le Pro­jekt­mö­bel mehr und mehr an. Mit der Nach­fra­ge steigt lang­sam auch die Bekannt­heit. In wel­cher Art wir das Geschäft im nächs­ten Step ska­lie­ren, ent­wi­ckelt sich gera­de. Ers­te Koope­ra­tio­nen mit Part­nern sind geschlos­sen wor­den, wei­te­re sind in der Pipe­line. Kern­ge­biet bleibt aber wei­ter­hin das Bera­tungs- und Pla­nungs­ge­schäft mit if5 und if5design.

JR: Aktu­ell bera­te ich inte­rims­wei­se Fir­men im Bereich Produkt/IT, zum Bei­spiel als CTO/CPO, und zu Digi­tal­the­men. Außer­dem baue ich pro­jekt­ba­siert digi­ta­le Pro­duk­te und kann dafür als Part­ner einer Pro­duct-Agen­cy gan­ze Teams zusam­men­stel­len. Ich bin mit­tel­fris­tig wie­der auf der Suche nach mei­nem nächs­ten Grün­dungs­pro­jekt.

Und was ratet ihr Start-ups, die noch am Anfang stehen?

JR: Das Team ist das Wich­tigs­te. Ange­fan­gen bei dei­nem Mit­grün­der über die Key-Hires (Anm. d. Red.: dt. Schlüs­sel­funk­tio­nen). Zudem blei­be immer agil und lean, und höre auf den Markt. Dein Anfangs­mo­dell wird nicht das Modell sein, mit dem du endest. Und zu guter Letzt ist es wich­tig, dei­ne Inves­to­ren genau zu prü­fen, bevor du einem Invest­ment zustimmst. Denn im Zwei­fels­fall musst du mit ihnen wesent­lich län­ger arbei­ten als mit dei­nem Team. Schaue, dass die Wer­te pas­sen.

BF: Geht euer Busi­ness wie eine App-Ent­wick­lung an. Machen, ana­ly­sie­ren, beob­ach­ten und dann opti­mie­ren. Schritt für Schritt, immer ein biss­chen bes­ser.

JJ: Habe eine lang­fris­ti­ge Visi­on. Aber berei­te dich auf die Day-to-day-Her­aus­for­de­rung vor und blei­be fle­xi­bel.

Habt vielen Dank.

Die Fra­gen stell­te Robert Nehring.