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Karriere in Kleinstädten ist groß im Kommen

Die deut­sche Pro­vinz ist bes­ser als ihr Ruf. Sie weist gera­de in Kar­rie­re­fra­gen gegen­über Groß­städ­ten Vor­tei­le auf. Die­se beschreibt unse­re Kolum­nis­tin, die Wirt­schafts­psy­cho­lo­gin und Nach­hal­tig­keits­ex­per­tin Dr. Alex­an­dra Hildebrandt.

Sonnige Provinz. Abbildung: pexels/Laurens den Besten

Son­ni­ge Pro­vinz. Abbil­dung: pexels/Laurens den Besten

 

Die Bun­des­stif­tung Bau­kunst frag­te 2015, wo die Deut­schen am liebs­ten woh­nen wür­den. Fast 80 Pro­zent gaben an, dass sie auf dem Land, auch in einer Mit­tel- oder Klein­stadt leben möch­ten. Zwi­schen Wunsch und Wirk­lich­keit klafft jedoch eine enor­me Lücke, denn die meis­ten blei­ben wegen ihrer Jobs in den Groß­städ­ten, wo sich zudem Stel­len leich­ter beset­zen las­sen. Dabei kom­men vie­le Pro­duk­te von Welt­markt­füh­rern aus der deut­schen Pro­vinz: Frucht­gum­mis aus dem Saar­land, Strick­ma­schi­nen aus Reut­lin­gen, Kris­tall­glä­ser aus Zwie­sel, Küchen aus Röding­hau­sen. Alle erobern Schritt für Schritt die Märk­te. Da sie es aller­dings boden­stän­dig und lei­se tun, wis­sen vor allem vie­le jun­ge Men­schen nicht um die enor­men Mög­lich­kei­ten der deut­schen Provinz.

Große Karriere und Chancen im Kleinen

Zu sich selbst kom­men kann ein Mensch nur in über­schau­ba­ren Struk­tu­ren, so wie es der Phi­lo­soph Jean-Jac­ques Rous­se­au für die klei­ne Stadt beschrie­ben hat. Hier „fin­det man mehr ori­gi­na­le Geis­ter, mehr sinn­rei­che Erfin­dungs­kraft, mehr wahr­haft neue Din­ge, denn bei der klei­nen Anzahl von Vor­bil­dern ahmt man weni­ger nach, jeder nimmt viel mehr aus sich selbst und legt mehr von sich selbst in alles, was er tut“.

Es sind dem­nach nicht die künst­lich hoch­ge­zo­ge­nen Krea­tivlabs in den Städ­ten, die Inno­va­tio­nen her­vor­brin­gen, son­dern das Abge­le­ge­ne und tief Ver­wur­zel­te. Wolf Lot­ter ver­weist dar­auf, dass die unter­neh­me­ri­sche Pro­vinz eine „weit sta­bi­le­re und zuver­läs­si­ge­re Volks­wirt­schaft“ bie­tet als eine, „die aus einer Hand­voll Kon­zer­ne plus meh­re­ren Häu­ser­blocks mit Start-ups besteht“. Sein ein­lei­ten­des Mot­to im Bei­trag „Drau­ßen vor der Tür“ stammt von Carl Ame­ry, einem Schrift­stel­ler und Vor­den­ker der öko­lo­gi­schen Bewe­gung. 1964 schrieb Ame­ry: „Der Pro­vinz­ler ist, aufs Gan­ze gese­hen, poli­tisch und sozi­al leis­tungs­fä­hi­ger als der Großstädter.“

Unter­neh­men in der Pro­vinz kön­nen häu­fig auf eine lan­ge Fir­men­his­to­rie sowie auf Grün­der ver­wei­sen, die buch­stäb­lich Geschich­te geschrie­ben haben. Der Blick in eine sol­che Unter­neh­mens­his­to­rie ver­mit­telt zugleich einen guten Ein­druck der Unter­neh­mens­kul­tur, deren Kern­ele­ment wert­ori­en­tier­tes Manage­ment ist. Eine Unter­neh­mens­kul­tur, die auf Wert­schät­zung basiert und Wer­te kom­mu­ni­ziert, stei­gert die Leis­tung und legt das Fun­da­ment für nach­hal­ti­gen Erfolg, da sie die Loya­li­tät hoch qua­li­fi­zier­ter Arbeits­kräf­te und lang­jäh­ri­ger Kun­den gegen­über dem Unter­neh­men fes­tigt und die­se an das Unter­neh­men bindet.

Karriere eines Unternehmens

Die per­sön­li­che Ver­ant­wor­tung der Inha­ber, aber auch lang­fris­tig ange­leg­te Stra­te­gien und Beharr­lich­keit sind not­wen­di­ge Vor­aus­set­zun­gen dafür, dass die­se Unter­neh­men über Genera­tio­nen fort­ge­führt wer­den kön­nen. Das inha­ber­ge­führ­te Fami­li­en­un­ter­neh­men Häcker Küchen wur­de 1898 gegrün­det und pro­du­ziert seit 1965 moder­ne Ein­bau­kü­chen am Stand­ort Röding­hau­sen. Die kreis­an­ge­hö­ri­ge Gemein­de im Nord­os­ten von NRW liegt rund 30 Kilo­me­ter nörd­lich von Bie­le­feld. Mit etwa 10.000 Ein­woh­nern ist es die kleins­te Gemein­de im ost­west­fä­li­schen Kreis Her­ford. Der­zeit wer­den von Röding­hau­sen aus über 60 Län­der auf allen Kon­ti­nen­ten mit Küchen Made in Ger­ma­ny belie­fert. Die Pro­duk­ti­on der Küchen erfolgt aus­schließ­lich an die­sem Stand­ort. Die Wer­te des Unter­neh­mens, das sich in kri­sen­an­fäl­li­gen Zei­ten als robust erweist, sind durch Nach­hal­tig­keit und Fami­li­en­tra­di­ti­on geprägt. So wird es heu­te von Jochen Fin­ke­mei­er und sei­nem Team in die Zukunft geführt.

Kraft tanken in der Provinz

Woh­nen und arbei­ten in der Pro­vinz stärkt nicht allein regio­na­le Wirt­schafts­kreis­läu­fe, son­dern in Zei­ten wach­sen­der Unsi­cher­heit eben­so das Gefühl, über ver­schie­dens­te Optio­nen ver­fü­gen zu kön­nen, um die Gemein­schaft zu stär­ken, in der sich Men­schen für ihre Nach­barn und ihre Umwelt ver­ant­wort­lich füh­len. Wo dies beson­ders aus­ge­prägt ist, sind Men­schen eher in der Lage, Kri­sen zu bewältigen.

Wei­ter­füh­ren­de Informationen:

Alex­an­dra Hildebrandt/Wener Neu­mül­ler (Hg.):  „Visio­nä­re von heu­te – Gestal­ter von mor­gen. Inspi­ra­tio­nen und Impul­se für Unter­neh­mer“,  Sprin­gerG­ab­ler,  Ber­lin Hei­del­berg 2018.

 

Dr. Alex­an­dra Hil­de­brandt, Publi­zis­tin, Wirt­schafts­psy­cho­lo­gin und Nachhaltigkeitsexpertin.

Twit­ter: @AHildebrandt70

Foto: Stef­fi Henn

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