Wie kann der Durch­blick in der Flut der Coa­ching-Ange­bo­te behal­ten wer­den? Für wel­che Befind­lich­keit ist wel­ches Ange­bot sinn­voll? Der Agi­le-Coach Edgar Ehlers bringt Struk­tur ins Coa­ching-Cha­os.

Beim Coa­ching spielt vor allem das zu ver­fol­gen­de Ziel eine gro­ße Rol­le. Abbil­dung: Pexels

Zunächst ein­mal steht der Begriff Coa­ching für eine Samm­lung unter­schied­li­cher, meist auf den beruf­li­chen Kon­text bezo­ge­ner, Bera­tungs­me­tho­den. Im Unter­schied zu klas­si­schen Bera­tern lie­fern Coa­ches aller­dings kei­ne direk­ten Lösungs­vor­schlä­ge, son­dern beglei­ten die Ent­wick­lung eines eige­nen Weges: Hil­fe zur Selbst­hil­fe. Coa­chings bezeich­nen struk­tu­rier­te Gesprä­che mit dem Kli­en­ten, die sich auf unter­schied­li­che The­men­ge­bie­te des Berufs­all­tags bezie­hen. Die Zie­le rei­chen von der Ein­schät­zung und Ent­wick­lung per­sön­li­cher Kom­pe­ten­zen und Per­spek­ti­ven über Anre­gun­gen zur Selbst­re­fle­xi­on bis hin zur Über­win­dung von Kon­flik­ten.

Worauf achten bei der Coach-Auswahl?

Stimmt die Che­mie nicht oder fehlt eine Ver­trau­ens­ba­sis, fruch­ten auch die bes­ten Metho­den nicht. Ein guter Coach muss mehr sein, als die Sum­me sei­ner Metho­den. Neben der per­sön­li­chen Sym­pa­thie und dem Inhalt des ange­bo­te­nen Coa­chings spielt auch die Art der Qua­li­fi­ka­tio­nen und Nach­wei­se eine gro­ße Rol­le. So soll­ten Inter­es­sen­ten einen genau­en Blick auf die Zer­ti­fi­ka­te und die Berufs­er­fah­rung wer­fen und sich im Zwei­fel über deren Glaub­haf­tig­keit per­sön­lich oder im Inter­net infor­mie­ren. Aus­kunft geben bei­spiels­wei­se die Kri­te­ri­en vom Deut­schen Bun­des­ver­band Coa­ching e.V. (DBVC) oder der Scrum Alli­an­ce.

Einzelgänger oder Rudeltier?

Ein­zel-, Team- oder Grup­pen­coa­chings spre­chen jeweils ver­schie­de­ne Bedürf­nis­se der zu Coa­chen­den an. Team- und Grup­pen­coa­ching unter­schei­den sich dar­in, dass ers­te­res alle Mit­glie­der eines Teams, von der Füh­rungs­kraft bis zu den ver­schie­de­nen Mit­ar­bei­tern umfasst, wäh­rend ein Grup­pen­coa­ching bestimm­te Per­so­nen wie Füh­rungs­kräf­te oder Mit­ar­bei­ter anspricht. Beim Ein­zel­coa­ching steht ein Kli­ent  im Fokus. Pro­jekt­coa­ching ist eine Son­der­form des Grup­pen­coa­chings: Hier hel­fen Coa­ches bei der Durch­füh­rung von Pro­jek­ten.

Methodendschungel: Der Weg führt zum Ziel!

Neben der Grup­pen­grö­ße spielt vor allem das zu ver­fol­gen­de Ziel eine gro­ße Rol­le. Tat­säch­lich kön­nen Inter­es­sier­te im Inter­net aus einem rie­si­gen Ange­bot an sich teils über­schnei­den­den Coa­chings aus­wäh­len. Die fol­gen­de Struk­tur bie­tet Anhalts­punk­te für die rich­ti­ge Aus­wahl:

  • Zie­le- und Kar­rie­re­coa­ching: Die klas­si­sche Form des Coa­chings. Kar­rie­re­be­wuss­te tref­fen hier­mit die rich­ti­ge Wahl. Klar vor­ge­ge­be­ne Zie­le hel­fen Unter­neh­men bei der Ori­en­tie­rung, der Fokus­sie­rung und der Wei­ter­ent­wick­lung im Unter­neh­men und im beruf­li­chen Umfeld. Beim Zielecoa­ching unter­stützt der Coach das Defi­nie­ren und Errei­chen der gesetz­ten Zie­le. Kar­rie­re­coa­ching beschreibt eine Form des Zielecoa­chings mit Fokus auf die Kar­rie­re, das Per­so­nen mit beruf­li­chen Ambi­tio­nen dient. Der Coach erör­tert gemein­sam mit dem Kli­en­ten die aktu­el­le Situa­ti­on, beruf­li­che Mög­lich­kei­ten und beglei­tet ihn bei der Umset­zung.
  • Ent­wick­lungs­coa­ching: Vie­le Men­schen haben im Job das Gefühl, nicht wei­ter­zu­kom­men und immer öfter an ihre Gren­zen zu sto­ßen. Für die­se Kan­di­da­ten kann ein Ent­wick­lungs­coa­ching hilf­reich sein. Im Gegen­satz zu einem Zielecoa­ching fokus­siert sich Ent­wick­lungs­coa­ching nicht auf ein fest­ge­leg­tes Ziel. Hier defi­nie­ren Coach und Kli­ent die indi­vi­du­el­len Kom­pe­ten­zen zusam­men und  for­mu­lie­ren anhand die­ser Fähig­kei­ten ein Ziel, das neue Per­spek­ti­ven eröff­net.
  • Wer­te­coa­ching: Lau­fen die Geschäf­te der Fir­ma zwar grund­sätz­lich gut, aber ein wirk­li­cher Team­geist unter den Mit­ar­bei­tern ist nicht vor­han­den? Das kann sich mit einem Wer­te­coa­ching ändern. Dabei ste­hen Soft-Skills im Vor­der­grund. Im beruf­li­chen Kon­text sol­len sie das Betriebs­kli­ma ver­bes­sern und affir­ma­ti­ve Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Kun­den oder Auf­trag­ge­bern ermög­li­chen. Coa­ches unter­stüt­zen Unter­neh­men bei der Wer­te­ge­stal­tung und deren Eta­blie­rung.
  • Coa­ching mit sys­te­mi­schem Ansatz: Es unter­sucht vor allem sys­te­mi­sche Kon­stel­la­tio­nen von Orga­ni­sa­tio­nen und Zusam­men­hän­ge von Sach­ver­hal­ten. Der Coach betrach­tet die jewei­li­gen Kli­en­ten dabei nicht iso­liert, son­dern bezieht immer deren Umwelt mit ein. Eine gro­ße Rol­le spielt das sys­te­mi­sche Auf­stel­len. Dabei posi­tio­niert der zu Coa­chen­de ihm unbe­kann­te Per­so­nen in bestimm­ter Auf­stel­lung zuein­an­der, wodurch Bezie­hungs­ge­flecht und Kon­flikt­fel­der trans­pa­rent deut­lich wer­den. Im beruf­li­chen Kon­text ste­hen Pro­ble­me mit Kol­le­gen oder Vor­ge­setz­ten im Mit­tel­punkt.
  • Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Kon­flikt­coa­ching: Beson­ders hilf­reich für Per­so­nen, die im direk­ten Kun­den­kon­takt ste­hen, wie zum Bei­spiel Ver­triebs­mit­ar­bei­ter. Metho­den des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­coa­chings stam­men in ers­ter Linie aus dem Bereich des Neu­ro-Lin­gu­is­ti­schen Pro­gram­mie­rens. Dabei han­delt es sich um eine Samm­lung von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­ni­ken, die psy­chi­sche Abläu­fe des zu Coa­chen­de ver­än­dern. Neu­ro­lin­gu­is­tik beschreibt, wie das Gehirn Spra­che ver­ar­bei­tet und reprä­sen­tiert. Pro­gram­mie­ren steht für die Mög­lich­kei­ten, Vor­gän­ge auf Basis sys­te­ma­ti­scher Hand­lungs­an­wei­sun­gen durch Spra­che zu ver­än­dern. Qua­li­fi­ka­tio­nen und Zer­ti­fi­zie­rung prü­fen Inter­es­sier­te beim Ver­band Sys­te­mi­sche Gesell­schaft.
  • Agi­les Coa­ching: Agi­li­tät in Unter­neh­men beschreibt ein neu­es orga­ni­sa­to­ri­sches Prin­zip. Nicht mehr hier­ar­chisch geprägt und einem zuvor fest­ge­leg­ten Plan fol­gend, son­dern beweg­lich, fle­xi­bel und die Stär­ken des Ein­zel­nen erken­nend und ein­be­zie­hend. Der Begriff stammt ursprüng­lich aus der Soft­waren­ent­wick­lung. Unter Anwen­dung agi­ler Metho­den brin­gen Agi­le Coa­ches sowohl Teams agi­les Arbei­ten und Den­ken nahe als auch Füh­rungs­kräf­ten – denn ohne Ver­ständ­nis der Füh­rungs­rie­ge für Agi­li­tät gelingt die orga­ni­sa­to­ri­sche und pro­duk­ti­ve Anpas­sung ans digi­ta­le Zeit­al­ter kaum. Als Agi­ler Coach mit sys­te­mi­schem Fokus set­ze ich mir zum Ziel, selbst agil, situa­tiv und respekt­voll zu arbei­ten.

Edgar Ehlers,

3i Trai­ning Bera­tung GmbH.

3i-training-beratung.de