Die Schreib­trai­ne­rin Astrid Rust ver­rät an die­ser Stel­le Knif­fe zu Recht­schrei­bung und Kor­re­spon­denz. Der drei­zehn­te Teil der Serie beschäf­tigt sich mit dem zwei­ten Teil der AKTIV-For­mel.

Foto: KaiRost/pixelio.de

Foto: KaiRost/pixelio.de

Sie erin­nern sich noch an unse­ren letz­ten Bei­trag und for­mu­lie­ren Ihre Sät­ze A wie aktiv und K wie kurz – klar – knapp? Jetzt bele­gen wir unser Sand­wich wei­ter.

T wie treffend – präzise – prägnant

Was glau­ben Sie mir eher – wenn ich sage „Ich küm­me­re ich mich dar­um!“ oder „Ich wer­de mich dar­um küm­mern.“?

Die deut­sche Spra­che hat den Vor­teil, dass sie für Ereig­nis­se in der Zukunft kei­ne eige­ne Form braucht, son­dern auch hier mit der Gegen­wart arbei­ten kann: „Am Wochen­en­de arbei­te ich.“ Nut­zen Sie die­se Frei­heit!

Die Zukunfts­form wirkt immer etwas schwam­mig mit einem ima­gi­nä­ren „irgend­wann, wenn ich mal Zeit habe.“ Die Gegen­warts­form macht Ihre Aus­sa­gen wirk­lich­keits­nä­her und glaub­haf­ter und auch Sie selbst wir­ken bestimm­ter und über­zeu­gen­der.

  • Ich küm­me­re mich (noch in die­ser Woche) dar­um.

Wenn Sie den genau­en Zeit­punkt nicht wis­sen, ver­mei­den Sie am bes­ten auch hier schwam­mi­ge Aus­sa­gen in der Zukunfts­form:

  • Wenn wir die Kopi­en haben, wer­den wir Ihnen die Unter­la­gen zuschi­cken.

Die­se Aus­sa­ge klingt nach irgend­wann oder nie – machen Sie sich glaub­wür­di­ger mit dem Wört­chen sobald:

  • Sobald wir die Kopi­en haben, schi­cken wir Ihnen die Unter­la­gen zu.

Tipp: Schrei­ben Sie in der Gegen­wart – so zei­gen Sie, dass man sich auf Sie ver­las­sen kann.

Frü­her war der Kon­junk­tiv mit „Wären Sie so freund­lich …“ oder „Wäre es mög­lich …“ ein Zei­chen für beson­de­re Höf­lich­keit. Heu­te gilt das nicht mehr. Der Emp­fän­ger emp­fin­det den Kon­junk­tiv oft als umständ­lich, unbe­stimmt und unsi­cher:

  • Wir wür­den uns freu­en, wenn Sie bei uns bestel­len wür­den.

Die­ser Stil wirkt heu­te unter­wür­fig und unsi­cher. Ver­zich­ten Sie dar­auf! Nut­zen Sie die direk­te Form und tref­fen Sie genau auf den Punkt:

  • Wir freu­en uns auf Ihre Bestel­lung.

Auch „möch­ten“ gehört in die­se Rei­he:

  • Wir möch­ten Ihnen heu­te ger­ne Ihr per­sön­li­ches Exem­plar zuschi­cken.

Möch­ten Sie es nicht – tun Sie es ein­fach!

  • Wir schi­cken Ihnen heu­te Ihr per­sön­li­ches Exem­plar zu.

Tipp: Benut­zen Sie eine „würde“-lose Spra­che!

I wie individuell und persönlich:

In jeder Mail und in jedem Brief tre­ten Sie in Kon­takt mit einem Gegen­über. Die­ses Gegen­über ist eine Per­son: indi­vi­du­ell, ein­zig­ar­tig, unver­wech­sel­bar. Die­se Indi­vi­dua­li­tät soll­ten Sie in jedem Satz beto­nen. Spre­chen Sie Ihre Emp­fän­ger immer per­sön­lich an.

Wenn Sie ein Ehe­paar anschrei­ben, schrei­ben Sie nicht:

  • Sehr geehr­tes Ehe­paar Lud­wig,

son­dern:

  • Sehr geehr­te Frau Lud­wig, sehr geehr­ter Herr Lud­wig, …

Schrei­ben Sie nicht von „man“, son­dern bes­ser von „wir“ oder „Sie“. Schrei­ben Sie nicht über „o. g. Fall“, schrei­ben Sie über „Ihren Fall“. Las­sen Sie nicht „den o. a. Ver­trag“ unter­schrei­ben, son­dern „unse­ren Ver­trag“.

Tipp: Blei­ben Sie per­sön­lich und indi­vi­du­ell und zei­gen Sie immer: Auf der ande­ren Sei­te sitzt ein Mensch – und er bekommt Post von einem ande­ren Men­schen!

V wie vital und lebendig

Im Deut­schen haben wir die Ange­wohn­heit, Wör­ter „auf­zu­plus­tern“: aus „buchen“ wird „eine Buchung vor­neh­men“. Die­se soge­nann­ten „Streck­ver­ben“ – weil sie in die Län­ge gestreckt sind – machen einen Text unnö­tig schwer.

Man erkennt sie oft an der Endung -ung.

in Erfah­rung brin­gen               erfah­ren

in Rech­nung stel­len               berech­nen

Ent­schei­dung tref­fen              ent­schei­den

Bericht erstat­ten                     berich­ten, infor­mie­ren

ein Tele­fo­nat füh­ren               tele­fo­nie­ren

Die Ver­ben rechts wir­ken viel leben­di­ger und aus­sa­ge­kräf­ti­ger als die Unge­tü­me links: Ver­wen­den Sie daher bes­ser nur Ver­ben, die „Tun“-Wörter. Ihre Tex­te wer­den dadurch kür­zer und prä­gnan­ter und Ihre Leser ver­ste­hen sie schnel­ler und bes­ser.

Hier fin­den Sie eini­ge Tipps, wie Sie die­se UNGe­tü­me in einen leben­di­gen Verb­stil „über­set­zen“ kön­nen:

  • Zur Sicher­stel­lung der Ein­hal­tung der Vor­schrif­ten hat die Sicher­heits­ab­tei­lung einen Leit­fa­den für alle Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen her­aus­ge­ge­ben.

Ver­wen­den Sie bes­ser einen Neben­satz mit „um … zu“ oder „damit“:

  • Um sicher­zu­stel­len, dass die Vor­schrif­ten ein­ge­hal­ten wer­den, hat die Sicher­heits­ab­tei­lung einen Leit­fa­den für alle Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen her­aus­ge­ge­ben.

Erin­nern Sie sich an „Aktiv statt Pas­siv“? Wer soll die Vor­schrif­ten ein­hal­ten – die Mit­ar­bei­ter:

  • Die Sicher­heits­ab­tei­lung hat einen Leit­fa­den her­aus­ge­ge­ben, damit alle Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter die Vor­schrif­ten ein­hal­ten.

Im nächs­ten Bei­spiel müs­sen Sie wahr­schein­lich lan­ge über­le­gen, bis Sie den Satz ver­stan­den haben:

  • Das Ziel ist, die Schmerz­at­ta­cken mit Stei­ge­rung der Dosis unter Kon­trol­le zu bekom­men.

Lösen Sie die­se For­mu­lie­run­gen mit einem Neben­satz mit „indem“ auf:

  • Das Ziel ist, die Schmerz­at­ta­cken unter Kon­trol­le zu bekom­men, indem man die Dosis nach und nach stei­gert.

Schon ist es viel kla­rer. Aber – wer tut was?

  • Unser Ziel ist, die Schmerz­at­ta­cken unter Kon­trol­le zu bekom­men, indem wir die Dosis nach und nach stei­gern.

Tipp: In vie­len Sub­stan­ti­ven mit -ung ist ein Verb „gefan­gen“. Befrei­en Sie es!

Beim nächs­ten Mal geht es an grö­ße­re Auf­räum­ar­bei­ten. Wir ent­rüm­peln unse­re Kor­re­spon­denz und machen Platz für kla­re Sät­ze ohne unnö­ti­gen Bal­last.

 

Astrid Rust, Trai­ne­rin für neue Recht­schrei­bung und moder­ne Kor­re­spon­denz.

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