Heu­te star­tet die Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft. Wie zu jeder WM stellt sich die Fra­ge, wie man Job und Fuß­ball­lei­den­schaft in die­sen vier Wochen unter einen Hut bekommt. Was in punc­to WM-Fie­ber und Arbeit erlaubt ist und was man bes­ser las­sen soll­te, erklärt Paul-Alex­an­der Thies vom Online­buch­hal­tungs­ex­per­ten Bil­lo­mat.

Heu­te geht sie (end­lich) los: die Fuß­ball-WM in Russ­land. Abbil­dung: Fau­zan Saa­ri on Uns­plash

Paul-Alex­an­der Thies ist Geschäfts­füh­rer von Bil­lo­mat, Start­up-Exper­te und Voll­blut-Onli­ner.

Darf ich bei der Arbeit die WM verfolgen?

Ob man die WM-Spie­le online ver­fol­gen kann, hängt zunächst davon ab, ob der Arbeit­ge­ber die pri­va­te Nut­zung des Fir­men­rech­ners aus­drück­lich erlaubt hat. Grund­sätz­lich gilt: Ein­fach neben­bei online einen Live­stream anschau­en, geht nicht. Vie­le Tätig­kei­ten kön­nen nicht mehr kor­rekt aus­ge­führt wer­den, wäh­rend neben­bei Mül­ler, Hum­mels und Co. um den WM-Pokal kämp­fen. Ohne aus­drück­li­che Geneh­mi­gung soll­te man lie­ber auf ande­re Kanä­le zurück­grei­fen. Schnell mal zwi­schen­durch den Live-Ticker che­cken, ist bei­spiels­wei­se kein Pro­blem. Wenn man sei­ne Arbeit trotz­dem feh­ler­frei und kon­zen­triert ver­rich­ten kann, ist auch das Radio eine tol­le Alter­na­ti­ve, um auf dem Lau­fen­den zu blei­ben. Natür­lich muss man hier dar­auf ach­ten, dass man sei­ne Kol­le­gen mit sei­nem Enthu­si­as­mus nicht stört. Auch bei direk­tem Kun­den­kon­takt ist natür­lich Vor­sicht gebo­ten.

Ist ein Bier zwischendurch erlaubt?

Über­ra­schen­der­wei­se gilt in Deutsch­land kein gene­rel­les Alko­hol­ver­bot am Arbeits­platz. Aber: Die Arbeits­leis­tung darf unter kei­nen Umstän­den lei­den. Beson­ders wich­tig für abend­li­che Matches: Das gilt auch für Rest­al­ko­hol. Gleich­zei­tig set­zen bestimm­te Beru­fe vor­aus, dass man nüch­tern bleibt, bei­spiels­wei­se wenn man gefähr­li­che Maschi­nen bedient. Außer­dem kann der Arbeit­ge­ber in Arbeits­ver­trag oder Betriebs­ver­ein­ba­rung ein abso­lu­tes Alko­hol­ver­bot aus­spre­chen. Es gilt also: bes­ser bis zum Abpfiff im Job war­ten und auch die schöns­ten Sie­ge nicht maß­los fei­ern, wenn es mor­gens wie­der zur Arbeit geht. Frühs­ter Anpfiff für Deutsch­land ist jedoch ohne­hin um 16 Uhr, was für die meis­ten bedeu­ten dürf­te, dass sie sich zu Hau­se getrost ein Sie­ger­bier gön­nen dür­fen.

Kann ich meinen Arbeitsplatz in Schwarz-Rot-Gold schmücken?

Deutsch­land­flag­ge, Fuß­ball­gir­lan­de und schwarz-rot-gol­de­ne Stuhl­hus­se – der ech­te Fan möch­te natür­lich auch auf der Arbeit nicht auf WM-Stim­mung ver­zich­ten. Aller­dings stimmt man sich in die­sem Fall bes­ser erst­mal mit dem Chef ab. Grund­sätz­lich hat man näm­lich kein Recht dazu, sei­nen Arbeits­platz zu schmü­cken, und kann unter Umstän­den sogar gegen Brand­schutz­be­stim­mun­gen ver­sto­ßen.

Darf ich mein Deutschlandtrikot am Arbeitsplatz tragen?

Wenn schon kei­ne schwarz-rot-gold­far­be­ne Deko, dann aber wenigs­tens ein Deutsch­land­tri­kot! So ein­fach ist das jedoch lei­der nicht. Grund­sätz­lich kann der Arbeit­ge­ber Sicher­heits- oder Dienst­klei­dung bezie­hungs­wei­se einen bestimm­ten Klei­dungs­stil vor­ge­ben. Gera­de im Kon­takt mit Kun­den soll­te man des­halb nicht ein­fach ohne Rück­spra­che im Tri­kot auf­tau­chen. Gene­rell lohnt das Gespräch, viel­leicht lässt sich für die Zeit der WM ja eine Locke­rung des Dress­codes ver­ein­ba­ren, sodass der Mann­schafts­lie­be nichts mehr im Wege steht.

Kann ich WM-Urlaub nehmen?

Wer kei­ne Spiel­mi­nu­te ver­pas­sen will, kann sich natür­lich auch Urlaub neh­men. Im bes­ten Fall wird der freie Tag früh­zei­tig bean­tragt. Doch was, wenn Deutsch­land dann doch nicht ins Fina­le ein­zieht und man sich den Mon­tag nach dem Final­spiel ganz umsonst frei­ge­nom­men hat? Natür­lich kön­nen Fans auch ohne deut­sche Betei­li­gung einen feucht-fröh­li­chen Final­abend pla­nen, ohne am nächs­ten Tag im Büro erschei­nen zu müs­sen. Für alle, die ihren Urlaubs­tag aber nur opfern wol­len, wenn Jogis Jungs auch um den Pokal spie­len, gilt: Der Arbeit­ge­ber hat die Urlaubs­wün­sche sei­ner Ange­stell­ten zu berück­sich­ti­gen und eine Frist, bis wann Urlaub bean­tragt wer­den muss, gibt es nicht. Prin­zi­pi­ell kön­nen Ange­stell­te also zunächst den WM-Ver­lauf beob­ach­ten und dann ent­schei­den, ob sie einen Urlaubs­tag inves­tie­ren. Aller­dings kann es bei einer all­zu kurz­fris­ti­gen Bean­tra­gung pas­sie­ren, dass der Chef den Urlaub nicht geneh­migt. Wenn drin­gen­de betrieb­li­che Belan­ge vor­lie­gen, etwa wenn alle gleich­zei­tig Urlaub neh­men wol­len oder ein wich­ti­ges Groß­pro­jekt ansteht, ist er hier­zu berech­tigt. Ist der Urlaub aber erst ein­mal gewährt, darf der Chef in der Regel nie­man­den zurück­ru­fen, und das lei­den­schaft­li­che Anfeu­ern kann sor­gen­frei begin­nen.

Muss ich nach Feierabend für den Chef erreichbar sein?

Immer mehr Arbeit­neh­mer sind heu­te über Dienst­han­dys in ihrer Frei­zeit für den Arbeit­ge­ber erreich­bar. Grund­sätz­lich ist es aber so, dass man dem Chef nach Fei­er­abend nicht zur Ver­fü­gung ste­hen muss, weder per Mail noch tele­fo­nisch. Aus­nah­men bil­den Beru­fe mit Ruf­be­reit­schaft, bei­spiels­wei­se Ärz­te oder Feu­er­wehr­leu­te. Die­se Bereit­schaf­ten sind aller­dings in den Arbeits- und Tarif­ver­trä­gen ganz genau fest­ge­legt. Wer hier wäh­rend der Abend­mat­ches nicht gestört wer­den will, soll­te dies früh­zei­tig für die Dienst­pla­nung ver­mer­ken. Alle ande­ren brau­chen sich kei­ne Sor­gen zu machen, nach Fei­er­abend von Grill und Fern­se­her weg­ge­holt zu wer­den.

Darf ich früher nach Hause gehen, um den Anstoß nicht zu verpassen?

Das letz­te Grup­pen­spiel der deut­schen Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft gegen Süd­ko­rea star­tet am Mitt­woch, den 27. Juni, um 16 Uhr. Wer pünkt­lich zum Anpfiff auf dem Sofa sit­zen will, muss mög­li­cher­wei­se frü­her Fei­er­abend machen. Natür­lich darf man nicht ein­fach so frü­her gehen, aber falls es der betrieb­li­che Ablauf zulässt, ist es durch­aus mög­lich, frü­her anzu­fan­gen, Über­stun­den abzu­bau­en oder Schich­ten mit weni­ger fuß­ball­be­geis­ter­ten Kol­le­gen zu tau­schen. Auch hier ein­fach vor­her kurz mit dem Chef Rück­spra­che hal­ten.

Darf ich mit meinen Kollegen ein Tippspiel starten?

Tipp­spie­le vor Beginn der Arbeits­zeit, wäh­rend der Mit­tags­pau­se oder nach Fei­er­abend sind kein Pro­blem. Wäh­rend der Arbeit ist die Dis­kus­si­on von Wett­ein­sät­zen und Fuß­ball­ergeb­nis­sen dann pro­ble­ma­tisch, wenn die eigent­li­che Arbeit nicht mehr sorg­fäl­tig und zügig erle­digt wird. Wird das Tipp­spiel online initi­iert, muss das Team zudem dar­auf ach­ten, ob der Arbeit­ge­ber die pri­va­te IT-Nut­zung erlaubt hat.

Fazit

In punc­to Fuß­ball und Job gibt es vie­le Rege­lun­gen zu beach­ten. Gene­rell gilt jedoch: Vie­les lässt sich ganz ein­fach im per­sön­li­chen Gespräch mit dem Vor­ge­setz­ten klä­ren. Im bes­ten Fall wird der Chef vor dem Anpfiff zur WM ins Boot geholt, um etwai­ge Deko­vor­schlä­ge und ande­re Rege­lun­gen mit ihm abzu­spre­chen. Ist er selbst fuß­ball­be­geis­tert, lässt sich viel­leicht sogar ein gemein­sa­mes Public Viewing in der Fir­ma orga­ni­sie­ren. Am bes­ten eig­net sich dafür das Grup­pen­spiel gegen Süd­ko­rea am Mitt­woch­nach­mit­tag oder ein Ach­tel­fi­nal­spiel, das für die Deut­schen ent­we­der mon­tags oder diens­tags ab 16 Uhr statt­fin­det. Steu­er­lich ist das Zusam­men­schau­en unbe­denk­lich, egal ob die Spiel­zeit auf die Arbeits­zeit ange­rech­net wird oder nicht. Auch Geträn­ke und klei­ne­re Snacks, wie Chips und Co., berei­ten bei der Steu­er kei­ne Pro­ble­me. Viel­mehr stärkt das gemein­sa­me Anfeu­ern und Fei­ern den Team­zu­sam­men­halt.

Paul-Alex­an­der Thies,

Geschäfts­füh­rer.

Bil­lo­mat