Nicht nur für vie­le Berufs­ein­stei­ger gilt: Sie scheu­en sich, Unbe­kann­te anzu­spre­chen. Des­halb las­sen sie vie­le Chan­cen, beruf­li­che Kon­tak­te zu knüp­fen, unge­nutzt ver­strei­chen. Doch Small Talk lässt sich erler­nen, zeigt der Rhe­to­rik­trai­ner Ingo Vogel.

Kei­ne Angst vor Sprach­lo­sig­keit. Small Talk lässt sich ler­nen. Foto: Pixabay

Vie­le Men­schen ver­kramp­fen, wenn sie Unbe­kann­te anspre­chen sol­len oder möch­ten. Fie­ber­haft suchen sie dann nach einem „klu­gen“ Ein­stieg. Und fin­den sie ihn nicht? Dann sagen sie lie­ber nichts als etwas „Dum­mes“. Und anschlie­ßend ärgern sie sich: War­um habe ich die Chan­ce ver­tan?

Das Wie ist entscheidend

Davor, „doof“ oder „fad“ zu wir­ken, brau­chen Sie jedoch kei­ne Angst zu haben. Denn für den Small Talk gilt: Was Sie zu Beginn sagen, ist rela­tiv unwich­tig. Wich­ti­ger ist, wie Sie es sagen – also Ihre Mimik und Kör­per­spra­che. Und der zwei­te Licht­blick: Jeder kann Small Talk ler­nen.

Ange­nom­men Sie gesel­len sich bei einem Kon­gress in der Pau­se zu einer Grup­pe Ihnen unbe­kann­ter Per­so­nen. Dann soll­ten Sie zunächst schwei­gen und beob­ach­ten. Wer kennt wen? Wer führt das Wort? Wer steht leicht abseits? Wer nippt schwei­gend am Glas? Kurz: Sor­tie­ren Sie die Anwe­sen­den nach Merk­ma­len. Die­se Merk­ma­le kön­nen sein: Schlips- und Nicht-Schlips-Trä­ger, Sekt- und Saft­trin­ker, „Green­horns“ und „Alte Hasen“, Fir­men- und Ver­bands­ver­tre­ter.

Gesprächsaufhänger suchen

Hal­ten Sie Aus­schau nach Merk­ma­len, die einen mög­li­chen Gesprächs­auf­hän­ger bil­den. Haben Sie ihn ent­deckt, kön­nen Sie den ers­ten Zug machen: „Ich sehe, Sie trin­ken kei­nen Sekt. Wo bekom­me ich so einen lecke­ren Oran­gen­saft?“ Oder: „Toll, Sie haben ein Pro­gramm. Wel­chen Vor­trag besu­chen Sie noch?“ Stei­gen Sie mit einer offe­nen Fra­ge in die Unter­hal­tung ein, die nicht mit einem kur­zen Ja oder Nein beant­wor­tet wer­den kann. Doch Vor­sicht mit War­um- und Wie­so-Fra­gen. Sie for­dern eine Recht­fer­ti­gung – eine schlech­te Basis für ein locke­res Gespräch.

Und wenn Sie kei­nen Ein­stieg fin­den? Dann holen Sie den Joker aus dem Ärmel. Die Fra­ge „Wie wur­den Sie auf den Kon­gress auf­merk­sam?“ ist meist ein Sesam-öff­ne-dich. Käm­men Sie die Ant­wor­ten nach Gemein­sam­kei­ten durch und spit­zen das Gespräch dar­auf zu. Zum Bei­spiel, indem Sie sagen: „Ach, Sie lasen die Ankün­di­gung in der Zei­tung …. Die lese ich auch. Sagen Sie, wie …?“ Doch Vor­sicht! Heu­cheln Sie kein Inter­es­se. Das spürt Ihr Gegen­über unter ande­rem anhand Ihrer Mimik und Kör­per­spra­che sofort.

Vom Small Talk zum Big Talk

Der Small Talk ist oft das Vor­spiel für ein inten­si­ve­res Gespräch. Wie gelingt Ihnen der Über­gang? Hier gilt es, zwei Situa­tio­nen zu unter­schei­den. Ers­tens: Sie wol­len die Per­son oder deren Unter­neh­men näher ken­nen­ler­nen. Dann soll­ten Sie Ihre Fra­gen ent­spre­chend zuspit­zen. Zum Bei­spiel: „Befas­sen Sie sich beruf­lich auch mit dem The­ma ….?“ Und schon schlit­tern Sie wie von selbst vom Small in den Big Talk. Zwei­tens: Sie haben eine kon­kre­te Absicht – zum Bei­spiel einen Ter­min für ein Tref­fen ver­ein­ba­ren. Dann soll­ten Sie im Small Talk eine Zäsur machen und nach dem wei­te­ren Vor­ge­hen fra­gen. Wie? Ganz ein­fach! Wür­di­gen Sie zunächst das bis­he­ri­ge Gespräch und stel­len Sie dann eine wei­ter­füh­ren­de Fra­ge. Zum Bei­spiel: „Was Sie erzäh­len, ist span­nend. Sol­len wir uns mal ver­ab­re­den, um …?“

Doch den­ken Sie dar­an: Meis­ter im Small Talk fal­len nicht vom Him­mel. Üben Sie das Knüp­fen von Gesprä­chen im All­tag – etwa in der Kan­ti­ne oder im Fahr­stuhl. Sie wer­den sehen: Über ein „Guten Tag“ kom­men Sie leicht hin­aus. Und wenn Ihnen abso­lut nichts ein­fällt? Dann lächeln Sie Ihr Gegen­über ein­fach an. Auch das öff­net vie­le Türen.

Ingo Vogel, ist Rhe­to­rik- und Ver­kaufs­trai­ner. Er ist unter ande­rem Autor des Buchs „So reden Sie sich an die Spit­ze. Spra­che als Erfolgs­in­stru­ment“, Ull­stein, 252 S., 9,99 €.