Nie­mand ist per­fekt. Auch beim Prä­sen­tie­ren geht es nicht dar­um, feh­ler­los zu sein, son­dern pro­fes­sio­nell vor dem Publi­kum auf­zu­tre­ten. Wir spra­chen mit der Exper­tin Nico­la Schmidt über Aus­strah­lung, Rhe­to­rik und ver­lo­re­ne Fäden.

Mit ein paar Kniffen und etwas Übung können Sie jedes Publikum begeistern.  Foto: Pixabay

Mit ein paar Knif­fen und etwas Übung kön­nen Sie jedes Publi­kum begeis­tern. Foto: Pixabay 

OFFICE ROXX: Frau Schmidt, der erste Eindruck ist entscheidend. Wie wird dieser möglichst positiv?

Nico­la Schmidt: Ich wur­de mal gefragt, ob man in einer Prä­sen­ta­ti­on über die Köp­fe hin­weg­schau­en darf. Bes­ser nicht, denn Sie lau­fen Gefahr, dass die Zuhö­rer dann nicht mehr bei Ihnen sind. Schau­en Sie in die Gesich­ter, in die freund­li­chen län­ger, in die weni­ger freund­li­chen kür­zer. So holen Sie Ihr Publi­kum ab. Bevor Sie jedoch anfan­gen zu reden, genie­ßen Sie Ihre Pau­se und war­ten, bis alle sit­zen. Ob Sie zu Beginn eine Fra­ge stel­len oder ein Zitat aus­spre­chen, ist Geschmacks­sa­che. Ver­mei­den Sie jedoch Flos­keln wie: „Ich freue mich, dass Sie so zahl­reich erschie­nen sind.“ Zum ers­ten Ein­druck gehört auch der Check Ihrer Klei­dung. Sind Schu­he und Out­fit in Ord­nung? Über­prü­fen Sie Ihre Ein­stel­lung zum The­ma. Wer mit einem ungu­ten Gefühl in einen Vor­trag geht, strahlt das näm­li­ch auch aus. Sie sind auf­ge­regt? Macht nichts, denn das geht auch vie­len Pro­fis so. Wenn Sie sich auf Ihre Atmung kon­zen­trie­ren und bewusst in den Bauch atmen, kom­men Sie gut zur Ruhe.

Durch welche Mittel und Methoden kann man seine Ausstrahlung verbessern?

Über­prü­fen Sie Ihre Hal­tung. Ste­hen Sie auf­recht. Haben Sie die Schul­tern viel­leicht etwas nach oben gezo­gen? Das bedeu­tet, aus Angst den Nacken zu schüt­zen. Um jedoch selbst­si­cher vor einem Publi­kum zu spre­chen, ist es bes­ser, das Brust­bein zu öff­nen, indem wir die Schul­tern nach hin­ten abrol­len. Die Bei­ne ste­hen hüft­breit aus­ein­an­der, und die Hän­de sind auf Gür­tel­hö­he. Die inne­re Ein­stel­lung zu den Zuhö­rern, zum The­ma und auch zu sich selbst sind wich­ti­ge Fak­to­ren, die die Aus­strah­lung pus­hen. Lächeln Sie!

Neben Mimik und Gestik ist eine gute Rhetorik wichtig. Was macht sie aus?

Nut­zen Sie Posi­tiv­bot­schaf­ten, und ver­mei­den Sie Minus­wör­ter, wie Kon­junk­ti­ve und Flos­keln: könn­te, eigent­li­ch, muss, lei­der usw. Denn dann hört Ihnen nach kur­zer Zeit kei­ner mehr zu. Wenn Sie prä­sen­tie­ren, füh­ren Sie mit Ihrem Publi­kum näm­li­ch einen Dia­log und kei­nen Mono­log. Schließ­li­ch sit­zen Men­schen vor Ihnen, die zuhö­ren. Stel­len Sie ruhig die eine oder ande­re rhe­to­ri­sche Fra­ge. Und hal­ten dana­ch eine Pau­se ein. So kann Ihre Fra­ge wir­ken. Den­ken Sie immer dar­an: Sie ken­nen Ihre Prä­sen­ta­ti­on, Ihre Zuhö­rer nicht. Also las­sen Sie Ihre Fra­gen wir­ken. Auch Abstim­mungs­fra­gen kom­men je nach The­ma gut an. Aber: Eine Abstim­mungs­fra­ge pro Vor­trag reicht!

Jemand hat den Faden verloren. Wie kommt er stilvoll aus dieser Situationen heraus?

Selbst wenn man den Faden ver­lo­ren hat, merkt das Publi­kum das meis­tens nicht. Des­halb kei­ne Angst vor einer Pau­se. Die­se kann näm­li­ch genutzt wer­den, um einen Hän­ger zu über­brü­cken. Soll­te die Pau­se jedoch zu lang wer­den, dann sagen Sie ruhig: „Ich habe den Faden ver­lo­ren. Bit­te hel­fen Sie mir, ihn suchen.“ Die meis­ten aus dem Publi­kum wer­den wahr­schein­li­ch anfan­gen zu lachen. Humor ist immer gut, Lachen befreit die ange­spann­te Hal­tung. Sicher wird der ver­lo­re­ne Faden dann schnell wie­der gefun­den.

Vie­len Dank für das Gespräch.

Die Fra­gen stell­te Ger­rit Krä­mer.

Nico­la Schmidt ist Wir­kungs­ver­stär­ke­rin und Image­trai­ne­rin. www.schmidt-nicola.de