Immer häu­fi­ger weicht das klas­si­sche Ein­zel­bü­ro moder­nen Open-Space-Kon­zep­ten. Doch was tun, wenn die­se zu sehr auf Kos­ten von Rück­zugs­mög­lich­kei­ten und Pri­vat­sphä­re gehen? Fünf Tipps für mehr Ruhe im Büro­all­tag.

Bei geschlossener Tür überlegen es sich die Kollegen zweimal, ob sie kurz auf einen Plausch reinkommen. Foto: Pixabay

Bei geschlos­se­ner Tür über­le­gen es sich die Kol­le­gen zwei­mal, ob sie kurz auf einen Plausch rein­kom­men. Foto: Pixabay

Home-Office: Mehr Ruhe bei der Büroarbeit geht nicht. Foto: Pixabay

Home-Office: Mehr Pri­vat­heit bei der Büro­ar­beit geht nicht. Foto: Pixabay

Im Sommer senkt ein nach draußen verlagerter Arbeitsplatz den Stresslevel.  Foto: Pixabay

Im Som­mer senkt ein nach drau­ßen ver­la­ger­ter Arbeits­platz den Stress­le­vel. Foto: Pixabay

Links und rechts sit­zen Mit­ar­bei­ter und tele­fo­nie­ren. Vor­ne summt ein Kol­le­ge das Lied im Radio mit, und hin­ten wird sich über die neu­es­ten Erleb­nis­se vom Wochen­en­de aus­ge­tauscht. Kon­zen­tra­ti­on fällt in so einer Umge­bung schwer, trotz­dem set­zen immer mehr Fir­men für die meis­ten ihrer Mit­ar­bei­ter auf offe­ne Büro­land­schaf­ten – mit der plau­si­blen Argu­men­ta­ti­on, dass in so einer Umge­bung Team­work, Krea­ti­vi­tät sowie fla­che Hier­ar­chi­en geför­dert wer­den und Kol­le­gen auf dem kur­zen Dienst­weg Din­ge bespre­chen kön­nen. Was aber, wenn so ein Arbeits­platz kaum Rück­zugs­mög­lich­kei­ten und Pri­vat­sphä­re bie­tet und mehr Stress als ande­re Din­ge för­dert?

Zahlenspiel

Ein typi­scher Ange­stell­ter in einer offe­nen Büro­land­schaft wird durch­schnitt­lich alle elf Minu­ten bei sei­ner Arbeit unter­bro­chen. Das bringt ihn jedes Mal so aus dem Kon­zept, dass er bis zu 23 Minu­ten braucht, bis er wie­der ganz kon­zen­triert bei sei­ner vor­he­ri­gen Tätig­keit ist. Um das Pro­blem zu erken­nen, muss man kein Adam Ries sein: Wenn man über zwan­zig Minu­ten braucht, um sich wie­der auf sei­ne Auf­ga­be zu kon­zen­trie­ren, aber alle elf Minu­ten unter­bro­chen wird, dann klappt das nie mit ver­nünf­ti­ger Kon­zen­tra­ti­on.

Luxus Einzelbüro

Mehr Ruhe bie­tet das Ein­zel­bü­ro, denn neben dem grund­sätz­lich nied­ri­ge­ren Lärm­pe­gel über­le­gen es sich die Kol­le­gen bei geschlos­se­ner Tür zwei­mal, ob sie kurz auf einen Plausch rein­kom­men. Tat­säch­lich scheint Pri­vat­sphä­re im Büro immer mehr zum Luxus­gut zu wer­den, das man sich erst ver­die­nen muss. Denn eine Stu­die hat bestä­tigt: Je wei­ter unten ein Mit­ar­bei­ter in der Hier­ar­chie steht, des­to weni­ger wird auf die indi­vi­du­el­len Ansprü­che die­ses Ange­stell­ten ein­ge­gan­gen. Dabei ist allein ver­brach­te Zeit wich­tig, denn wäh­rend die­ser baut sich Stress ab. Befrag­te Arbeit­neh­mer gaben zu 95 Pro­zent an, dass Sie sich drin­gend pri­va­te Berei­che zum Arbei­ten wün­schen, aber nur rund die Hälf­te die­ser Befrag­ten hat nach eige­nen Anga­ben auch tat­säch­lich die Mög­lich­keit dazu.

Dauerbelastung

Klei­ne­re Büros hel­fen nicht nur bei der Kon­zen­tra­ti­on, son­dern sind auch bes­ser für die Gesund­heit. Nach Anga­ben der Bun­des­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin liegt der Lärm­pe­gel, dem ein Mit­ar­bei­ter im Büro aus­ge­setzt wer­den soll­te, bei etwa 30 dB(A) – und das ist in Open Spaces sel­ten umsetz­bar. Auch für den Stress­le­vel sind vol­le Büros nicht gut: Mit­ar­bei­ter in offe­nen Büro­land­schaf­ten pro­du­zie­ren zwei­mal so vie­le Stress­hor­mo­ne wie die Kol­le­gen in Ein­zel­bü­ros. Der Grund sind mensch­li­che Urinstink­te, denn es fehlt hier das eige­ne Revier, wodurch sich der Office-Worker ein­ge­engt fühlt. Die­se dau­er­haf­te Stress­be­las­tung, auch wenn sie nicht bewusst wahr­ge­nom­men wird, stei­gert das Krank­heits­ri­si­ko.

Lösungen für mehr Ruhe

Inwie­weit Pri­vat­sphä­re im Büro ein Luxus­gut ist, hängt sicher­lich auch von den jewei­li­gen Unter­neh­men und ihren kon­kre­ten Umset­zun­gen von Open Spaces sowie dem Ver­hal­ten der Kol­le­gen ab. Aber für alle, die mit der Auf­tei­lung in ihrem Büro nicht glück­lich sind, wer­den unter ande­rem die­se Lösun­gen emp­foh­len:

    1. Ein­zel­bü­ro: Fra­gen kos­tet nichts – spre­chen Sie Ihren Vor­ge­setz­ten an und klä­ren Sie, wel­che Rück­zugs­mög­lich­kei­ten der Arbeits­platz bie­tet.
    2. Raus aus dem Büro: Ver­la­gern Sie Ihren Arbeits­platz doch ein­fach ins Grü­ne oder fra­gen Sie Ihren Chef, ob die Mög­lich­keit der Heim­ar­beit besteht – denn mehr Pri­vat­sphä­re als beim Arbei­ten auf der hei­mi­schen Couch geht nun wirk­lich nicht.
    3. Kopf­hö­rer: Brin­gen Sie sich von zu Hau­se Kopf­hö­rer mit, damit Sie die Kol­le­gen und den Lärm aus­blen­den und ent­spannt – viel­leicht auch zu eige­ner Musik – arbei­ten kön­nen.
    4. Pri­va­te Han­dy­ge­sprä­che: Bit­ten Sie Ihre Kol­le­gen, pri­va­te Han­dy­ge­sprä­che nur im Flur ent­ge­gen­zu­neh­men – und hal­ten Sie sich auch selbst dar­an.
    5. Arbeits­zeit anpas­sen: Sie sind ein Früh­auf­ste­her? Super, dann nut­zen Sie das: Arbei­ten Sie dann, wenn das Büro noch nicht so voll ist und Sie unge­stört Ihre Auf­ga­ben erle­di­gen kön­nen. Alter­na­tiv gilt das auch am Abend für Nacht­eu­len.