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Bewegtes Arbeiten: Schreibtisch-Übungen als Routine

Der gute Vor­satz, Fit­ness­übun­gen in die Büro­ar­beit zu inte­grie­ren, wird im beruf­li­chen All­tag lei­der nicht oft umge­setzt. Wie ein fes­ter Aus­lö­ser bzw. Plan in die Büro­rou­ti­ne inte­griert wer­den kann, erklärt Per­so­nal Trai­ner Wadim Mat­se­ny­uk von wm fit­ness mit Pra­xis­bei­spie­len aus sei­nem Alltag.

Mit einfachen Übungen, die als Routinen in den Arbeitsalltag integriert sind, lässt sich Bewegung in den Arbeitsalltag bringen. Abbildung: Igor Vetushko, Depositphotos

Mit ein­fa­chen Übun­gen, die als Rou­ti­nen in den Arbeits­all­tag inte­griert sind, lässt sich Bewe­gung in den Arbeits­all­tag brin­gen. Abbil­dung: Igor Vetush­ko, Depositphotos

An Anlei­tun­gen für mehr Bewe­gung herrscht kein Man­gel. Kat­ze und Kuh am Schreib­tisch, Schul­ter­krei­sen und beweg­tes Sit­zen: Wer zehn Minu­ten sucht, hat mehr Übun­gen bei­sam­men, als er je braucht. In mei­ner Arbeit mit Berufs­tä­ti­gen schei­tert es des­halb fast nie an den Übun­gen selbst. Es schei­tert in Woche drei, wenn ein Pro­jekt heiß läuft und die beweg­te Pau­se als Ers­tes gestri­chen wird.

Der Grund: Ein Vor­satz ist eine Ent­schei­dung und Ent­schei­dun­gen kos­ten Auf­merk­sam­keit. Genau die fehlt an Tagen mit vol­lem Ter­min­ka­len­der. Wer sich vor­nimmt, zwei­mal täg­lich zu mobi­li­sie­ren, ent­schei­det jedes Mal neu gegen die offe­ne E-Mail und den nächs­ten Ter­min. Die­ses Duell ver­liert die Übung zuverlässig.

Warum Gewohnheiten sinnvoll sind

Eine Gewohn­heit funk­tio­niert anders. Sie hängt nicht an einer Ent­schei­dung, son­dern an einem Aus­lö­ser, also an etwas, das im Arbeits­tag ohne­hin pas­siert. Die Psy­cho­lo­gie nennt das Wenn-dann-Plä­ne. Peter Goll­wit­zer erforscht sie seit den 1990er-Jah­ren. Der Satz „Ich bewe­ge mich mehr.“ bleibt ein Wunsch. Der Satz „Wenn ich auf­le­ge, ste­he ich auf und krei­se zwei Minu­ten die Schul­tern.“ ist ein Plan, den der Kopf ohne Ver­hand­lung aus­füh­ren kann.

Drei Din­ge haben sich bei mei­nen Kli­en­ten bewährt:

  • An Ereig­nis­se kop­peln, nicht an Uhr­zei­ten. Ein Ter­min um elf Uhr wird ver­scho­ben, ein Ereig­nis nicht. Brauch­ba­re Anker: das Ende eines län­ge­ren Tele­fo­nats, der Gang zur Kaf­fee­ma­schi­ne, das Abschi­cken einer schwie­ri­gen Mail, der Moment, in dem ein Mee­ting frü­her endet als geplant. Wer mag, nimmt den Dru­cker im Nach­bar­raum dazu.
  • Klei­ner anfan­gen, als es sich loh­nend anfühlt. Nicht das Fünf­zehn-Minu­ten-Pro­gramm, son­dern eine Übung, ein bis zwei Minu­ten. Die Mess­lat­te lau­tet: Was am schlimms­ten Tag funk­tio­niert, über­lebt jede Woche. Aus­bau­en lässt sich spä­ter immer.
  • Aus­set­zer ein­prei­sen. In der Stu­die von Phil­lip­pa Lal­ly und Kol­le­gen am Uni­ver­si­ty Col­lege Lon­don (2010) brauch­te eine neue Hand­lung im Schnitt 66 Tage, bis sie auto­ma­tisch ablief, bei einer Spann­wei­te von 18 bis 254 Tagen. Inter­es­sant dar­an: Ein­zel­ne aus­ge­las­se­ne Tage änder­ten am Ver­lauf wenig. Wer den Mitt­woch ver­passt, hat also nichts ver­lo­ren. Als Faust­re­gel gebe ich mit: nie zwei­mal hin­ter­ein­an­der aussetzen.

Und die Motivation?

Die wird über­schätzt. Sie star­tet eine Rou­ti­ne, aber sie trägt sie nicht. Nach zwei Wochen fühlt sich die neue Gewohn­heit noch nach Arbeit an. Genau dann ent­schei­det nicht die Begeis­te­rung, son­dern der Aus­lö­ser. Des­halb lohnt es sich, die ers­ten Wochen bewusst unspek­ta­ku­lär zu hal­ten: die­sel­be Übung, der­sel­be Anker, kei­ne Steigerung.

Zum Schluss ein ehr­li­ches Bild. Zwei Minu­ten Schul­ter­krei­sen erset­zen kein Kraft­trai­ning, das sol­len sie auch nicht. Es geht dar­um, dass die Pau­se vom Sit­zen nicht mehr ver­han­delt wird, so wie mor­gens nie­mand über das Zäh­ne­put­zen ver­han­delt. Die Übun­gen dafür ste­hen längst bereit, auch hier im Blog. Was fehlt, ist sel­ten Wis­sen. Es ist der Wenn-dann-Satz, der Sie an den Arbeits­tag bindet.

Portrait von Personal Trainer und Sportwissenschaftler Wadim Matsenyuk. Abbildung: Wadim Matsenyuk

Wadim Mat­se­ny­uk,

Per­so­nal Trai­ner und Sportwissenschaftler,

wmfitness.de

 

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