Matthias Pietzcker ist seit 1995 in der Büroberatung tätig. Im Interview spricht der Geschäftsführer von combine Consulting über die Rückkehr des Einzelbüros in neuem Gewand, die Aktualität offener Bürolandschaften im Zeitalter der KI, die Wurzeln seines Unternehmens und die Zukunft des Büros.

Matthias Pietzcker, Geschäftsführer von combine Consulting. combine-consulting.com. Abbildung: combine
OFFICE ROXX: Herr Pietzcker, in Kürze öffnet die Orgatec 2026 ihre Pforten. Werden Sie in Köln sein und wie sehen Sie die Entwicklung dieser Büroeinrichtungsmesse?
Matthias Pietzcker: Ich werde in Köln sein, mindestens einen, vielleicht zwei Tage. Für mich ist die Messe nach wie vor ein wichtiger Treffpunkt. Den persönlichen Austausch mit Ausstellern, Besucherinnen und Besuchern finde ich nach wie vor wertvoll. Der Orgatec ist es aus meiner Sicht gelungen, keine reine Möbelmesse mehr zu sein. Bei den vorangegangenen Ausgaben ging es zunehmend darum, welchen Wert Büromöbel für gute Arbeit haben – nicht nur um das Mobiliar als Objekt. Und die Messe ist für mich ein guter Gradmesser, um zu spüren, welche Themen und Innovationen rund ums Büro gerade diskutiert werden.
Wie ist es für Sie um das Büro von heute bestellt? Werden sich die Flächen weiter reduzieren oder treffen wir uns bald wieder vier Tage die Woche im Corporate Office?
Das kann man nicht pauschal beantworten – das werden wir sicher auch auf der Orgatec weiter diskutieren. Der Satz „Wir machen die halbe Fläche doppelt so attraktiv“ hat einen wahren Kern. Wir werden nicht mehr so viel Fläche brauchen wie früher, das Büro ist für die meisten nicht mehr der einzige Arbeitsort. Zum Flächenbedarf selbst habe ich eine klare Meinung: Ich glaube, dass es sich in diesen Zeiten niemand mehr leisten kann, Leerstand zu mieten, zu bauen oder zur Verfügung zu stellen. Wenn wir mobiles Arbeiten ernst nehmen, müssen wir uns auch darüber Gedanken machen, wie viel Fläche ein Unternehmen für die Büroarbeit überhaupt noch bereitstellt.

Die Wurzeln von combine Consulting reichen zurück bis zur Eberhard und Wolfgang Schnelle GmbH. Deren erstes zukunftsweisende Projekt einer Bürolandschaft entstand 1959 für Boehringer in Mannheim. Abbildung: combine
Gleichzeitig glaube ich: Wenn Unternehmen ihr ideales Sharing-Verhältnis realisieren – sagen wir, einen Wert von 0,6, also zehn Personen teilen sich sechs Tische –, ist auch flächenwirtschaftlich eine Grenze erreicht. Ab diesem Punkt sollte nicht mehr die weitere Reduzierung im Mittelpunkt stehen, sondern die Qualität und Ausstattung der verbleibenden Fläche. Es wird aber auch noch in fünf oder acht Jahren Firmen geben, die ihre Flächen verkleinern, weil sie sich bislang nicht damit beschäftigt haben – ähnlich wie sich manche Unternehmen erst jetzt mit Desk-Sharing befassen, obwohl das schon seit zwanzig Jahren gelebt wird.
Ich glaube, dass es sich in diesen Zeiten niemand mehr leisten kann, Leerstand zu mieten, zu bauen oder zur Verfügung zu stellen.“
Zur Frage der Anwesenheit: Mich überzeugen starre Formeln wie „drei zu zwei“ (drei Tage Büro, zwei Tage remote) nicht sehr. Stattdessen ist es unsere Aufgabe, der physischen Präsenz wieder eine Bedeutung zu geben. Wenn wir das schaffen, kommen Menschen auch ins Büro – ob vier Tage oder drei, spielt keine Rolle. Sie sind dann da, wenn es sinnvoll ist und sie spürbar wirkmächtig werden können. Gerade weil KI uns von bestimmten Arbeiten entlastet, wird gemeinschaftliche Wirkmächtigkeit wieder wichtiger.
Seit vielen Jahren findet so etwas wie eine „Verwohnzimmerung“ des Office statt. „Schöner Wohnen im Büro“ scheint die Devise zu sein. Soll man da nicht eigentlich arbeiten – statt zu entspannen?
„Verwohnzimmerung“ ist erst einmal ein schöner Begriff – ich sehe darin grundsätzlich keinen Gegensatz zum Arbeiten. Was wollen wir damit erreichen? Dass Menschen in einem physischen Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen, gute Arbeit leisten. Ich glaube: Der Mensch arbeitet besser, wenn er sich wohlfühlt.
Aber: Einfach irgendwo einen Alkoven oder ein schickes Sofa aufzustellen, führt nicht automatisch zu mehr Effizienz. Es geht um die richtige Mischung. Nicht „Schöner Wohnen“ ist das Ziel, sondern „Besser Arbeiten“ – und besser arbeiten kann durchaus auch bedeuten, schöner zu wohnen. Ein guter Projektraum, eine gute Lounge, ein guter Meetingraum und ein wohnliches Büro zahlen alle auf dasselbe Ziel ein.
Nicht ‚Schöner Wohnen‘ ist das Ziel, sondern ‚Besser Arbeiten‘.“
Ob das Einzelbüro wohl noch einmal zurückkehrt – dieser „alte weiße Mann“ unter den Büroformen?
Das Einzelbüro als Statussymbol, als hierarchisches Zeichen, das kommt so nicht zurück. Nach dem Motto „Je höher, desto mehr Gebäudeachsen“, mit ledernem Stuhl und echtem Holzschreibtisch – davon gehen wir immer mehr weg.
Das Einzelbüro als Statussymbol, als hierarchisches Zeichen, das kommt so nicht zurück.“
Zurück kommt das Einzelbüro aber als Möglichkeit, ein Bedürfnis nach Rückzug und Konzentration zu befriedigen. Als „Office for a Day“, nicht aus einer hierarchischen Funktion heraus, sondern aus der Tätigkeit selbst. Stets im Kontext eines tätigkeitsorientierten Arbeitsumfelds, nicht als genereller Standard für alle – diese Zeit erscheint mir vorbei.
Bei Büroplanern trifft man schnell auf das Mensch-im-Mittelpunkt-Mantra. Der Mensch würde aber Umfragen zufolge am liebsten im Einzelbüro arbeiten. Tritt an dieser Stelle lieber der Planer in den Mittelpunkt?
Wenn wir Menschen fragen, was sie sich wünschen, antworten sie meist mit dem, was sie kennen und gewohnt sind – wo sie keine Unsicherheit verspüren. Dieses Bedürfnis nach einem ruhigen, überschaubaren Rückzugsort ist menschlich, und im Büro erfüllt genau das seit jeher das Einzel- oder Kleinraumbüro.
Deshalb ist es uns bei combine wichtig, Menschen partizipativ und erklärend mitzunehmen, statt nur zu fragen: „Was hättest du gerne?“ Ihnen also zu zeigen, welche Alternativen es gibt und wie sich Zusammenarbeit verändert. Damit sie erkennen, dass im tätigkeitsorientierten, vielfältigen Arbeitsumfeld deutlich mehr Chancen liegen als in der gewohnten Verzimmerung.
Ja, Umfragen spiegeln oft den Wunsch nach dem Einzelbüro wider. Es kommt aber darauf an, wie man fragt. Entscheidet sich ein Unternehmen aus guten Gründen für eine neue Büroform, darf man Mitarbeitende nicht schlicht fragen: „Wollt ihr das?“, sondern muss ihnen erklären, warum die Veränderung geplant ist. Macht man das gut, zeigen Post-Project-Befragungen tatsächlich Zustimmung zu neuen Arbeitsumgebungen. Fragt man dagegen plakativ: „Möchtest du in einem Großraum arbeiten?“ und zeigt dabei Bilder aus den 80er-Jahren, bekommt man die ablehnende Antwort, die man mit der Frage provoziert hat.
Nun kommt das Einzelbüro offenbar in Form von Cubes wieder ins Büro – aber ist das auf Dauer noch „artgerechte Haltung“?
Cubes sind gekommen, um zu bleiben, sie sind aus dem heutigen Büro nicht mehr wegzudenken. Aber sie sind keine Einzelbüros. Das Einzelbüro ist im eigentlichen Sinn gemauert, hat feste Wände. Cubes hingegen sind Teil eines gegliederten Großraums.
Sie gliedern einen Raum und geben Menschen eine temporäre Rückzugsmöglichkeit – allein, zu zweit, manchmal auch für Besprechungen mit mehreren Personen. Das funktioniert gut, ist aber nicht für eine dauerhafte, ganztägige Nutzung gedacht. Der Cube ist eine Ergänzung, kein Ersatz für das Einzelbüro – eine weitere, für kurzfristige Tätigkeiten gedachte Möglichkeit, einen Arbeitsort aufzusuchen.
Cubes sind gekommen, um zu bleiben, sie sind aus dem heutigen Büro nicht mehr wegzudenken.“
Wie aktuell sind heute offene Bürolandschaften, der sogenannte Open Space?
Offene Bürolandschaften – ein Begriff, den unsere Vorgängergesellschaft Quickborner Team geprägt hat – sind aktuell, solange sie nicht als ein Großraum alter Prägung verstanden und geplant werden, also zur reinen Verdichtung von Arbeitsplätzen. Eine offene Bürolandschaft, die tätigkeitsorientiert unterschiedliche Arbeitsweisen unterstützt, ist nach wie vor aktuell, sogar aktueller denn je.
Viele Unternehmen, die sich heute mit ihrer Büroumgebung befassen, erwarten, dass Zusammenarbeit noch wichtiger wird, sobald KI die Alleinarbeit weitgehend übernimmt – also Recherche, Konzepterstellung und Ähnliches. Genau dafür, für die Kollaboration von Menschen, lässt sich ein tätigkeitsorientiertes Arbeitsumfeld am besten in offenen, aber gleichzeitig strukturierten Bürolandschaften abbilden.
Wie groß schätzen Sie den Anteil von Open-Space-Büros zu deren Blütezeit und heute?
Die Hochzeit des Open Space im Sinne eines tätigkeitsorientierten Arbeitsumfelds ist nach wie vor da. Weniger geworden ist der klassische Großraum – also die pure Verdichtung von Arbeitsplätzen auf einer großen Fläche. Das macht heute kaum noch jemand, vielleicht mit Ausnahme mancher amerikanisch geprägter Unternehmen.
Wer sich mit seiner Bürolandschaft der Zukunft beschäftigt, entscheidet sich – ab einer Unternehmensgröße von etwa 200 Mitarbeitenden – zu weit über drei Vierteln für eine Mischung aus verzimmerten und offenen Bereichen. Bei kleineren Unternehmen, etwa 20 bis 100 Mitarbeitende, stellt sich die Frage anders, weil die Vielfalt der Tätigkeiten und damit die Komplexität geringer ist.
Bei Unternehmen, die ohne fachliche Beratung planen, verkümmert Open Space häufig.“
Mein Eindruck: Bei Unternehmen, die ohne fachliche Beratung planen, verkümmert Open Space häufig. Dann entsteht schnell nur ein offener Raum mit ein paar Besprechungszimmern, und das geht in die falsche Richtung. Die eigentlich ineinander verzahnte Raumgliederung, die ein tätigkeitsorientiertes Umfeld ausmacht, muss man von Anfang an mitdenken. Genau hier passieren ohne Beratung die entscheidenden Fehler.
Die offene Bürolandschaft wurde Mitte der 1960er-Jahre vom Quickborner Team erfunden. Dort waren auch Sie tätig – wann und wie sind Sie dazugestoßen?
Die eigentlichen Wurzeln der offenen Bürolandschaft reichen weiter zurück als das Quickborner Team, welches 1966 gegründet wurde. Sie liegen bei der 1959 gegründeten Eberhard und Wolfgang Schnelle GmbH. Das erste zukunftsweisende Projekt einer Bürolandschaft überhaupt entstand bereits in dieser Frühphase: der Neubau eines kommunikationsfreundlichen Verwaltungsgebäudes für Boehringer in Mannheim, fertiggestellt 1959.
Ich bin 1995 dazugestoßen. Damals war ich in Flensburg und wollte der Liebe wegen zurück nach Hamburg. In der Wirtschaftswoche fiel mir ein Artikel über das nichtterritoriale Büro und das Quickborner Team in die Hände: Dort arbeiteten Berater, die keinen festen Arbeitsplatz hatten, sich ihren Platz selbst aussuchen und ihre Kollegen dort ansprechen konnten, wo sie gerade sitzen. Das fand ich großartig. Ich habe eine Initiativbewerbung geschrieben und wurde als junger Berater eingestellt. Es war die zweite berufliche Station meines Lebens und bis heute auch die letzte.
Die „Office Landscape“ hat über Jahrzehnte für Furore gesorgt – wie haben Sie das erlebt?
Ich bin schlicht rund 30 Jahre zu spät gekommen, um die eigentliche Entstehung der Office Landscape unmittelbar zu erleben. Aus Erzählungen weiß ich aber: Das war damals eine epochale Veränderung. Das Quickborner Team hat die Office Landscape nie nur als Aneinanderreihung von Möbeln, als Einrichtungsprojekt, verstanden, sondern als organisatorische Idee.

1984 plante das Quickborner Team eine offene Bürolandschaft für die Colonia Versicherung. Abbildung: combine
Man hat sich mit Arbeitsabläufen und Laufwegen auseinandergesetzt – das war der Vorläufer der heutigen Anforderungs- und Bedarfsermittlung, die damals überhaupt nicht zum üblichen Handwerk eines Beraters gehörte. Diese hochanalytische, kybernetisch geprägte Herangehensweise war der Ursprung dessen, was wir heute als Bedarfserhebung kennen.
Es gab immer wieder Kritik an der Open-Space-Landschaft. Zu Recht?
Zu Recht, wie es bei jedem Konzept Kritik gibt, das man unreflektiert überstülpt – nach dem Motto „Das hat bei Firma Y funktioniert, also passt es auch bei Firma X“. Auch inhaltlich hat sich die Aufgabe über die Jahrzehnte grundlegend verändert und ist deutlich komplexer geworden: Zwischen 1960 und den 1990er-Jahren hat sich die Arbeit radikal verändert – von Schreibmaschine, Hängeregistratur, Bleistift und analogem Telefon bis zur technologischen Revolution durch den Computer und zunehmende Mobilität. Es geht längst nicht mehr nur ums Einrichten, sondern auch um das Verstehen einer Organisation, um Akustik, um einen viel größeren Möglichkeitsraum, wie Arbeit überhaupt verrichtet wird.
Spätestens mit der Pandemie 2020 wurde Remote-Arbeit endgültig zum Alltag. Diese zusätzliche Komplexität wurde nicht immer ausreichend berücksichtigt – und genau da ist es berechtigt zu fragen, ob die offene Bürolandschaft in ihrer jeweiligen Ausprägung darauf immer die richtige Antwort gefunden hat.
Auch beim „reversiblen Büro“ und dem „Flexible Office“ waren die Quickborner richtungsweisend …
Das „reversible Büro“ habe ich persönlich nie als richtungsweisend empfunden – das war im Kern eine sehr hohe Standardisierung eines Rasters, damit man bei Umorganisationen nicht auch immer baulich eingreifen muss. Richtungsweisend war eher das dahinterliegende Prinzip: Wir haben immer gesagt, dass sich eine Organisation stets schneller verändert als jedes Gebäude. Deshalb haben wir versucht, ein hoch reversibles Raster zu entwickeln, das eine flexible Nutzung ermöglicht, ohne dass man – wie viele Planer bis heute – zwei Jahre im Voraus festlegen muss, wer wo sitzt, und sich dann wundert, dass beim Einzug schon wieder umgebaut werden muss.
Mir ist dabei eine zeitliche Unterscheidung wichtig: Das reversible Büro gab es bereits, bevor ich 1995 dazustieß. Das „Flexible Office“ war dann tatsächlich der Anfang des Desk-Sharing in Deutschland – zuerst bei Siemens Nixdorf, ab etwa 1995/96. Es hieß damals „Flexible Office“, weil es die flexible Nutzung erlaubte, aber es war noch nicht tätigkeitsorientiert. Dabei haben wir schon mit Cubes gearbeitet, damals noch als innenliegende, teils oben offene Raumteiler, akustisch durchaus fragwürdig. Das war der Vorläufer, aber Flexible Office war in meiner Definition kein tätigkeitsorientiertes Arbeiten. Die eigentliche Aktivitätsorientierung – Activity Based Working im umfassenden Sinn, von oben bis unten durchkonzipiert – begann meines Wissens erst mit unserem Projekt bei Vodafone im Jahr 2012.
2015 wurde aus dem Quickborner Team durch Fusion mit Macon combine Consulting. Wie hat sich das Beratungsunternehmen seitdem entwickelt?
Das Quickborner Team war immer eine umsetzungsorientierte Workplace-Beratung, nah an den Projekten. Macon, mit Dr. Andreas Kleinau und Oliver Dittmar, war eher strategisch und immobilienberatend unterwegs. Diese Kombination aus strategischem Ansatz und Umsetzungsorientierung war genau das richtige Momentum – und das auch noch in einer wirtschaftlich guten Zeit, mit Nullzinsen und viel Investitionsbereitschaft in Büroflächen.

2024 eröffnete der neue Hauptsitz der Hamburger Sparkasse. Das moderne Workplace-Konzept stammte von combine Consulting. Abbildung: Laura Thiesbrummel
Daraus ist heute unser 360-Grad-Blick auf jedes Immobilienprojekt entstanden: von der strategischen Grundlagenentwicklung über die Büroplanung und die Begleitung von Menschen bis zur Umsetzung bzw. dem Einzug. Seit Gründung der combine Transaction 2023 sind wir noch einen Schritt weiter gegangen und vereinen dort exzellente Gebäudeplanung mit erstklassiger Maklerexpertise – bei An- und Abmietungen ebenso wie bei An- und Verkäufen. Insgesamt hat sich combine damit zu einer Art Systemanbieter entwickelt, der ein Immobilienprojekt über den gesamten Zyklus begleitet – von der Eigennutzung über Kauf und Verkauf bis zur An- und Abmietung.
Jüngst wurde die combine UBX GmbH gegründet. Was hat es damit auf sich?
Mit UBX – kurz für User & Brand Strategy Experience – nutzen wir technologische Entwicklungen, insbesondere künstliche Intelligenz, um für Unternehmen mit einem Flächenbedarf von etwa 800 bis 1.000 m2 einen weitgehend automatisierten Beratungs-, Anmietungs- und Ausstattungsprozess anzubieten. Ein kuratiertes Büroprodukt aus vorkonfigurierten Designlinien, Funktionsmodulen und Ausstattungspaketen. Zielgruppe sind zum Beispiel Notariate, Wirtschaftsprüfungs- oder Anwaltskanzleien mit rund 20 bis 100 Mitarbeitenden, die unkompliziert von A nach B umziehen wollen, aber selbst nicht die Kapazität für ein großes Change-Projekt haben. Planung und Design geben wir in klaren Mustern und Modulen vor – Design A, Design B, Design C –, entsprechend stark digitalisiert.
UBX richtet sich damit einerseits an kleinere Unternehmen und macht den Prozess für sie zeit- und personalschonend. Andererseits adressiert UBX auch die Eigentümerseite – etwas, das wir bisher gar nicht gemacht haben. Wir geben leerstehenden oder wenig genutzten Immobilien gewissermaßen eine eigene Persona und ordnen ihnen die passende Zielgruppe zu. Neben dem klassischen Miet- und Leasinggeschäft rund um die Ausstattung geht es bei UBX im Kern also um digitalisierte Beratungsprozesse – auf beiden Seiten des Marktes.
Einen festen Arbeitsplatz hatte ich in den letzten 32 Jahren nie.“
Wie sieht eigentlich Ihr Büro aus?
Persönlich sitze ich mal hier, mal dort. Ich bin sehr viel in Kommunikation, deswegen bin ich manchmal im Cube, manchmal im Einzelbüro. Wenn ich keine Gespräche führe, sitze ich im Open Space – mal links, mal rechts. Im Grundsatz bin ich nomadisch unterwegs, nicht nur im eigenen Büro, sondern auch bei unseren Kunden, dort, wo man mir einen Platz für meinen Rechner gibt. An Tagen mit hohem Kommunikationsanteil buche ich mir gezielt einen Rückzugsraum oder einen Cube.
Ich habe beim Quickborner Team als „Desk-Sharer“ angefangen und werde bei combine vermutlich als desksharender Rentner aufhören. Es gibt zwar auch Tage, an denen ich mir wegen einer Telefonkonferenz nach der anderen ein Einzelzimmer buche – das gehört zur Wahrheit dazu. Aber einen festen Arbeitsplatz hatte ich in den letzten 32 Jahren nie.
Und wie stellen Sie sich das Büro 2040 vor?
In 14 Jahren stelle ich mir das wirklich anders vor. Ich glaube fest daran, dass der Anteil klassischer Schreibtische – egal ob fest zugeordnet oder nicht – sinken wird, weil die reine Einzelarbeit immer weniger vorkommt. Stattdessen brauchen wir Räume, die Menschen analog zusammenführen, damit Zusammenarbeit ihre Wirkmächtigkeit behält. Denn die eine verbleibende Wirkmächtigkeit, die ich sehe, ist das Zusammenspiel von Mensch zu Mensch – alles andere übernimmt zunehmend die KI.
Ich stelle mir das etwa so vor: Man betritt einen digital aufgerüsteten Raum, der bereits weiß, worüber man sich austauschen und welche Entscheidungen man treffen muss – zum Beispiel bei einem Umzugsprojekt –, und der automatisch die relevanten Dokumente und Informationen an die Medienwand bringt. Man braucht keine Rüstzeiten mehr, alles Technische ist schon vorbereitet, und die Menschen können sich direkt aufeinander konzentrieren, gemeinsam arbeiten und die wirklichen Entscheidungen treffen. Solche Räume sehen anders aus als ein klassischer Besprechungs- oder Projektraum. Das heißt aber nicht, dass der Flächenbedarf insgesamt sinkt – der Bedarf ist einfach ein anderer und die Fläche wird anders ausgestattet.
Klassische Büroarbeit wird aussterben.“
Ich hoffe zudem auf eine gewisse Sehnsucht: dass es beim Zusammenkommen nicht nur um Technik geht, sondern sich wieder der Wille entwickelt, analog miteinander in den Austausch zu gehen – als bewusster Kontrapunkt zu algorithmischen Analysen, Konzepten und Recherchen der KI. Und dass in diesen Räumen Empathisches, Vernetztes, Menschliches, Analoges entsteht.
Ich glaube auch, dass die Anzahl klassischer Büroarbeiterinnen und Büroarbeiter – im Sinne von Menschen, die allein an einem Arbeitsplatz zum Beispiel Gutachten oder Konzepte schreiben – abnehmen wird, quer durch alle Branchen: bei Anwälten ebenso wie bei Planern oder unseren eigenen Beratern. Klassische Büroarbeit in diesem Sinne wird aussterben. Es entstehen aber neue Typen von Office-Workern: Menschen, die sich wieder zwischenmenschlich austauschen müssen, um Ergebnisse (auch der KI) zu prüfen, zu verbessern und weiterzuentwickeln, die nicht mehr in zeitintensiver Form von einzelnen Menschen erstellt werden.
Den Konzeptionisten, der in seiner Alleinarbeit verharrt, wird es so nicht mehr geben. Wir werden Handlungsräume, Resonanzräume und Wirkungsräume brauchen: Räume, in denen sich Menschen auf die Verbreitung und Strahlkraft ihres Schaffens konzentrieren, Räume, in denen etwas verstanden und verhandelt wird und daraus Resonanz entsteht, und Handlungsräume, in denen Entscheidungen getroffen und Strategien entworfen werden.
Vielen Dank, Herr Pietzcker.
Die Fragen stellte Robert Nehring.





























































