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LEIK it #3: Klüger als die Maschine? Falsche Frage

Auch in Teil drei sei­ner Kolum­ne beschäf­tigt Ste­fan Kiss, wel­che Aus­wir­kun­gen künst­li­che Intel­li­genz wohl auf das Büro der Zukunft haben könn­te. Er kommt zu dem Schluss, dass wir auch künf­tig Büro­räu­me brau­chen, schon weil wir Hal­tung und Ent­schei­dun­gen benötigen.

Stefan Kiss ist Experte für neues Arbeiten, Speaker und Explorer. Nach langen Stationen bei den Büromöbelherstellern Steelcase und Haworth ist er seit 2024 als Head of Workspace Innovation und Prokurist beim Büro- und Objekteinrichter LEIK tätig. Abbildung: Rohollah Mosavi, Tietge GmbH

Ste­fan Kiss ist Exper­te für neu­es Arbei­ten, Spea­k­er und Explo­rer. Nach lan­gen Sta­tio­nen bei den Büro­mö­bel­her­stel­lern Steel­ca­se und Haworth ist er seit 2024 als Head of Workspace Inno­va­ti­on und Pro­ku­rist beim Büro- und Objekt­ein­rich­ter LEIK tätig. Abbil­dung: Rohol­lah Mosa­vi, Tiet­ge GmbH

Wo blei­ben wir eigent­lich als Men­schen, wenn Maschi­nen immer mehr von dem über­neh­men, was frü­her unse­re Arbeit aus­mach­te? Wird uns ein Platz zuge­wie­sen oder schaf­fen wir ihn uns selbst? Die­se Fra­ge beglei­tet mich in den letz­ten Jah­ren und ich kom­me immer wie­der zum sel­ben Punkt zurück: Manch­mal habe ich den Ein­druck, dass wir uns in die­sem neu­en Kon­text selbst nicht mehr zu Hau­se füh­len und das Spiel­feld frei­wil­lig ande­ren über­las­sen. Gera­de jetzt, als Open AI „tech­no­lo­gi­sche Sin­gu­la­ri­tät“ ver­kün­det hat, also ein Punkt erreicht sein soll, an dem Men­schen das Ver­hal­ten von KI nicht mehr vor­her­sa­gen bzw. steu­ern kön­nen, meh­ren sich mei­ne Fragezeichen.

Vor Kur­zem habe ich mit Mike Herud gespro­chen, geschäfts­füh­ren­der Part­ner von Scope Archi­tek­ten in Stutt­gart. Eine mei­ner Fra­gen war denk­bar ein­fach: Glaubt er noch an Raum und wenn ja, war­um? Sei­ne Ant­wort war ein­deu­tig: Ja. Für ihn ist ein Ort, an den man jeden Tag zurück­kehrt, an dem man sich wohl­fühlt und Men­schen trifft, die die­sel­ben Wer­te tei­len und gemein­sam an etwas glau­ben, kei­ne Neben­sa­che, son­dern die Vor­aus­set­zung dafür, dass Arbeit über­haupt Freu­de macht. Raum wirkt für ihn auf meh­re­ren Ebe­nen gleich­zei­tig: als Trä­ger von Bezie­hung und als Trä­ger von Sinn.

Zwei Din­ge sind bei mir hän­gen geblie­ben. Raum ist kein Ziel, son­dern ein Mit­tel, Bezie­hung und Sinn ent­ste­hen zu las­sen. Und genau die­se bei­den Din­ge sind es, die mich seit Mona­ten selbst am meis­ten beschäftigen.

Eine Ant­wort dar­auf sehe ich in vie­len Pro­jek­ten gera­de nicht. Was ich statt­des­sen sehe, sind Fra­ge­zei­chen in den Gesich­tern der Ansprech­part­ner. Nicht, weil ihnen die The­men fremd wären. Es wird viel dis­ku­tiert, gera­de jetzt. Aber vie­le Dis­kus­sio­nen lau­fen ins Lee­re, weil nie­mand eine kla­re Hal­tung bezie­hen will oder kann. Das ist kein Vor­wurf, son­dern eine Beob­ach­tung. Wenn sich Rah­men­be­din­gun­gen lau­fend ver­schie­ben, wird Zurück­hal­tung fast zur ratio­na­len Stra­te­gie. Nur führt genau die­se Vor­sicht dazu, dass am Ende nie­mand mehr ent­schei­det. Und dort, wo nie­mand ent­schei­det, ent­steht auch kei­ne Kul­tur, kei­ne Iden­ti­fi­ka­ti­on, kei­ne Moti­va­ti­on. All das braucht einen Stand­punkt, von dem aus es wach­sen kann.

Kul­tur, Iden­ti­fi­ka­ti­on, Moti­va­ti­on und auch der rich­ti­ge Coach, der for­dert, ohne zu über­for­dern, klin­gen zunächst wie Füh­rungs­the­men. Sind sie auch. Aber sie alle haben eine gemein­sa­me Vor­aus­set­zung, die sel­ten genannt wird: einen Ort, an dem sie über­haupt ent­ste­hen kön­nen. Hal­tung ent­wi­ckelt sich nicht im luft­lee­ren Raum, im wört­li­chen wie im über­tra­ge­nen Sinn. Sie ent­steht dort, wo Men­schen sich regel­mä­ßig begeg­nen, Rei­bung erle­ben und mer­ken, dass ihre Posi­ti­on etwas bewirkt.

Nach all den Über­le­gun­gen der letz­ten Kolum­nen kom­me ich zu einem Ergeb­nis, das fast schon unmo­dern klingt: Die Lösung liegt nicht in noch mehr digi­ta­ler Fle­xi­bi­li­tät, son­dern im phy­si­schen Raum selbst. Nicht als Rück­zug vor der Tech­no­lo­gie, son­dern als bewuss­te Ergän­zung zu ihr. Räu­me müs­sen künf­tig geziel­ter das leis­ten, was Bild­schir­me struk­tu­rell nicht können.

Ich den­ke dabei an einen Mix neu­er Raum­mo­du­le, die genau an den blin­den Fle­cken anset­zen. Hal­tungs­räu­me für klei­ne, bewusst unbe­que­me Run­den, in denen Posi­ti­on bezo­gen wer­den muss, ohne Aus­weich­mög­lich­keit ins nächs­te Mee­ting. Ver­trau­ens­räu­me, infor­mel­le Zonen ohne Agen­da, in denen Bezie­hung ent­steht, bevor sie gebraucht wird, ähn­lich einer Küche oder Dach­ter­ras­se, nur bewuss­ter gestal­tet. Sinn­räu­me, Orte, an denen sicht­bar wird, wofür ein Pro­jekt eigent­lich steht, nicht nur, was es kos­tet, etwa durch Wän­de, die Fort­schritt und Wir­kung zei­gen statt nur Kenn­zah­len. Und Coa­ching-Nischen für klei­ne, geschütz­te Zwei­er­ge­sprä­che abseits der Büh­ne des offe­nen Büros, in denen Ent­wick­lung ohne Publi­kum statt­fin­den kann.

Kei­nes die­ser Modu­le ersetzt die Tech­no­lo­gie, mit der wir arbei­ten. Aber sie holen zurück, was in der Beschleu­ni­gung ver­lo­ren zu gehen droht: die Mög­lich­keit, gemein­sam Hal­tung zu entwickeln.

Am Ende ist es viel­leicht so ein­fach, wie Mike Herud es for­mu­liert hat: Wir brau­chen einen Ort, an dem wir uns wohl­füh­len, an dem wir Men­schen tref­fen, die die­sel­ben Wer­te tei­len. Alles ande­re – Kul­tur, Iden­ti­fi­ka­ti­on, Moti­va­ti­on, gute Füh­rung – folgt dar­aus. Nicht umgekehrt.

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