Wenn eine hybride Besprechung nicht rundläuft, liegt das nicht immer allein an der Software. Eine gute Tonqualität, eine klare Moderation und feste Gesprächsregeln sind entscheidend, um alle Beteiligten gleichberechtigt einzubeziehen. Ein Beitrag von Sidney Othman.

Sitzt eine größere Gruppe im Besprechungsraum, braucht sie eine Audioausstattung, die Stimmen aus allen Bereichen zuverlässig erfasst. Abbildung: Andrey Popov, Depositphotos
Technische Probleme entstehen häufig durch eine Kombination aus instabiler Verbindung, ungeeigneten Mikrofonen und fehlender Erfahrung mit der Konferenztechnik. Besonders in hybriden Besprechungen fallen solche Schwierigkeiten auf, da ein Teil der Gruppe im Raum sitzt und der andere Teil digital teilnimmt. Eine kurze Einführung in die verwendeten Geräte und Programme schafft Sicherheit und verhindert viele Störungen bereits vor Beginn des Meetings.
Zwei Aufbauten, die häufig Probleme verursachen
Bei hybriden Videokonferenzen treten besonders häufig zwei ungünstige Situationen auf. Entweder sitzen mehrere Personen gemeinsam vor einem Laptop, dessen Mikrofon nur für einen einzelnen Arbeitsplatz ausgelegt ist, oder lediglich eine Person nimmt digital an einer ansonsten vollständig vor Ort versammelten Runde teil. Im ersten Fall sind Wortbeiträge aus größerer Entfernung oft nur leise oder undeutlich zu verstehen. Im zweiten Fall besteht die Gefahr, dass die zugeschaltete Person im Laufe des Gesprächs aus dem Blick gerät und kaum noch einbezogen wird. Ein Blick auf die Zusagen hilft bereits vor dem Termin, die voraussichtliche Konstellation zu erkennen und passende Vorkehrungen zu treffen.
Sitzt eine größere Gruppe im Besprechungsraum, braucht sie eine Audioausstattung, die Stimmen aus allen Bereichen zuverlässig erfasst. Dazu gehören geeignete Raummikrofone oder professionelle Headsets für einzelne Arbeitsplätze. Nimmt dagegen nur eine Person von außerhalb teil, ist vor allem eine aufmerksame Moderation gefragt. Sie sollte Wortmeldungen aus dem digitalen Raum gezielt aufgreifen, regelmäßig nachfragen und darauf achten, dass Gespräche im Raum nicht an der zugeschalteten Person vorbeilaufen. Klare Gesprächsregeln und feste Zuständigkeiten sorgen zusätzlich dafür, dass alle Beteiligten gehört werden.
Guter Ton als Grundlage für Videokonferenzen
Bei der Ausstattung für Videokonferenzen steht häufig die Kamera im Mittelpunkt. Für eine verständliche Kommunikation ist jedoch ein guter Ton wichtiger. Ein unscharfes Bild lässt sich meist verkraften, während Hall, Rauschen oder abgehackte Stimmen das Zuhören erschweren und den Gesprächsfluss stören. Ein einzelner Laptop reicht für mehrere Personen an einem Konferenztisch selten aus. Das eingebaute Mikrofon ist für den direkten Einsatz am Arbeitsplatz gedacht und nimmt bei größerer Entfernung auch Lüftungsgeräusche, Tastaturen und Nebengespräche auf. Zugeschaltete hören dann Stimmen unterschiedlich laut oder können einzelne Beiträge kaum verstehen.

Am Einzelarbeitsplatz sorgt ein Headset meist schnell für eine bessere Sprachqualität. Abbildung: Thelivephotos, Depositphotos
Am Einzelarbeitsplatz sorgt ein Headset meist schnell für eine bessere Sprachqualität, da sich das Mikrofon nah am Mund befindet. Einohrige Modelle eignen sich für Personen, die ihre Umgebung weiterhin wahrnehmen müssen. Beidohrige Varianten schirmen stärker ab und erleichtern die Konzentration in unruhigen Büros. Für Besprechungsräume sind Konferenzmikrofone sinnvoll, die auf die Raumgröße und die Anzahl der Teilnehmenden abgestimmt sind. Ob die Ausstattung ausreicht, zeigt ein kurzer Test vor dem ersten Termin. Dabei sollte eine Person vom entferntesten Sitzplatz sprechen, während die Tonqualität über ein zugeschaltetes Gerät geprüft wird. Stimmen müssen auch bei laufender Lüftung deutlich ankommen, ohne dass jemand lauter sprechen muss.
Sieben Regeln für Videokonferenzen im hybriden Büro
- Warten Sie nach jeder Frage einige Sekunden, bevor jemand im Raum antwortet. So erhalten auch zugeschaltete Personen ausreichend Zeit, sich zu Wort zu melden.
- Übergeben Sie das Wort immer namentlich. Ein Blick in eine bestimmte Richtung ist für Teilnehmende am Bildschirm nicht erkennbar.
- Verwenden Sie im Besprechungsraum nur ein Gerät für Mikrofon und Lautsprecher. Weitere Laptops können an der Konferenz teilnehmen, müssen jedoch stummgeschaltet bleiben.
- Beginnen Sie mit einer kurzen Runde, in der die zugeschalteten Personen zuerst sprechen. Dadurch sind sie frühzeitig in das Gespräch eingebunden.
- Nutzen Sie für Notizen, Abstimmungen und gemeinsame Inhalte ausschließlich digitale Werkzeuge, auf die alle Beteiligten zugreifen können. Informationen auf einem Flipchart bleiben für Zugeschaltete häufig unsichtbar.
- Bestimmen Sie bei längeren Videokonferenzen eine zweite Person, die den Chat und digitale Wortmeldungen beobachtet. So kann sich die Moderation auf das Gespräch konzentrieren.
- Halten Sie Entscheidungen, Zuständigkeiten und nächste Schritte in einem geteilten Dokument fest. Damit erhalten alle Teilnehmenden denselben Informationsstand.
Weniger Erschöpfung bei hybriden Meetings
Mehrere Videokonferenzen hintereinander können körperlich und geistig anstrengend sein. Der Kommunikationsforscher Jeremy Bailenson von der Stanford University beschrieb 2021 vier mögliche Ursachen. Dazu gehören der intensive Blickkontakt auf dem Bildschirm, die ständige Betrachtung des eigenen Bildes, die eingeschränkte Bewegungsfreiheit und der zusätzliche Aufwand beim Senden und Deuten nonverbaler Signale. Auch eine Studie von Kristen Shockley und weiteren Forschenden weist auf den Einfluss eingeschalteter Kameras hin. Dafür wurden über vier Wochen 1.408 tägliche Beobachtungen von 103 Beschäftigten ausgewertet. An Tagen mit eingeschalteter Kamera berichteten die Teilnehmenden von stärkerer Erschöpfung. Bei Frauen und Personen, die noch nicht lange im Unternehmen beschäftigt waren, zeigte sich dieser Zusammenhang besonders deutlich.
Eine allgemeine Kamerapflicht ist deshalb nicht sinnvoll. Besser ist eine Regelung, die sich nach dem Anlass richtet. Bei Vorstellungsrunden und Gesprächen kann das eingeschaltete Bild die persönliche Kommunikation unterstützen. In längeren Informationsveranstaltungen sollte es dagegen möglich sein, die Kamera zeitweise auszuschalten. Zusätzlich lässt sich die eigene Bildvorschau ausblenden, damit die ständige Selbstbeobachtung entfällt.
Fazit zu Videokonferenzen im hybriden Büro
Erfolgreiche Videokonferenzen im hybriden Büro brauchen mehr als eine zuverlässige Software. Eine verständliche Tonübertragung, klare Gesprächsregeln und eine aufmerksame Moderation sorgen dafür, dass zugeschaltete Personen genauso am Austausch teilnehmen können wie die Anwesenden im Raum. Kurze Techniktests, flexible Kameraregeln und gemeinsam genutzte digitale Werkzeuge reduzieren Störungen und erleichtern die Zusammenarbeit. Werden außerdem Datenschutz und sichere Bedienung berücksichtigt, entwickeln sich hybride Meetings zu einem verlässlichen Bestandteil des Arbeitsalltags.






























































