Wie sich hybrides Arbeiten in den vergangenen Jahren entwickelt hat und wie sich die Arbeit im Homeoffice sicher und gesund gestalten lässt, beschreiben Dr. Marlen Cosmar und Susan Freiberg vom Referat Arbeitswelten, Mobilität und Gesundheit der DGUV Akademie.

Die Arbeit im Homeoffice ist beliebt. Gesunderhaltend ist sie leider nicht immer. Abbildung: Goodluz, Depositphotos
Hybride Arbeitsmodelle sind in vielen Betrieben inzwischen etabliert. Eine Befragung des Ifo-Instituts (2026) hat gezeigt, dass 25 Prozent aller Arbeitnehmer zumindest zeitweise im Homeoffice arbeiten. Die Dienstleistungsbranche nimmt mit 34 Prozent einen Spitzenplatz ein. Hinsichtlich der Altersgruppen nutzen 25- bis 34-Jährige besonders häufig diese Option. Das Statistische Bundesamt hat 2025 ermittelt, dass größere Unternehmen in der Regel mehr Homeoffice-Zeit gewähren.
Homeoffice-Studie
Die Anzahl der möglichen Homeoffice-Tage wurde jedoch in vielen Unternehmen seit dem Ende der Coronapandemie reduziert. So dürfen bei der Telekom Führungskräfte nur noch einen Tag pro Woche von zu Hause arbeiten, andere Beschäftigte maximal zwei. Porsche erlaubt acht Tage pro Monat. Laut der Konstanzer Homeoffice-Studie (2024) bieten acht Prozent der Unternehmen keine Möglichkeiten zur Homeoffice-Nutzung an. Die Studie der Universität Konstanz zeigt auch: Beschäftigte – einschließlich Führungskräfte – wünschen sich im Durchschnitt 2,77 Homeoffice-Tage pro Woche. Drei Viertel der Befragten bevorzugen ein hybrides Arbeitsmodell. Für Unternehmen bietet das klare Vorteile bei der Personalgewinnung: 71 Prozent geben an, dass die Möglichkeit zum Homeoffice ein entscheidendes Kriterium für zukünftige Bewerbungen ist.
Folgen hybrider Arbeit
Die Homeoffice-Studie vergleicht Unternehmen mit strenger Präsenzpflicht mit solchen, die darauf verzichten. Das Ergebnis: Beschäftigte in Unternehmen mit erhöhter Präsenz berichten von einer etwas geringeren Produktivität und stärkerer emotionaler Erschöpfung. Aber auch die Arbeit im Homeoffice kann mit negativen Folgen verbunden sein. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der DEKRA unter 1.503 Arbeitnehmern zu den Effekten von Homeoffice auf Beschäftigte verweist beispielsweise auf verschwimmende Grenzen zwischen Beruf und Privatleben, unregelmäßige Arbeitszeiten, fehlende Erholungsphasen, Lärmbelastung sowie körperliche Beschwerden durch nicht ergonomische Arbeitsplätze. Gleichzeitig gibt mehr als die Hälfte der Befragten an, sich im Homeoffice besser konzentrieren zu können.
Sicher und Gesund
Die Politikwerkstatt „Mobile Arbeit“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) untersuchte von September 2022 bis Oktober 2023 Chancen und Risiken mobiler Arbeit, insbesondere mobiler Bildschirmarbeit. Über 100 Experten aus verschiedenen Fachbereichen sowie Vertreter der Sozialpartner diskutierten Fragen zur sicheren und gesunden Beschäftigung bei Bildschirmtätigkeiten außerhalb des Geltungsbereichs der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Die Gespräche konzentrierten sich auf vier Themenfelder: Raum und Fläche, Organisation, Beschäftigtenperspektive sowie Führung und Unternehmenskultur.
Das Ergebnis: Für Sicherheit und Gesundheit ist ein ausgewogenes Verhältnis von Präsenz und mobiler Arbeit entscheidend. Hybrides Arbeiten erleichtert die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, fördert Teilhabe für Menschen mit Behinderungen und unterstützt die Rückkehr nach längerer Krankheit. Voraussetzung sind klare Regelungen über Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder individuelle Absprachen.
Basis hybrider Arbeit
Die Gefährdungsbeurteilung ist ein Kernbaustein für sichere und gesunde hybride Arbeitsmodelle. Regelmäßige Unterweisungen sensibilisieren Beschäftigte für Risiken und fördern eigenverantwortliches Handeln. Auch im Homeoffice gelten Arbeitszeitgesetz (ArbZG) und Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Bei der Beurteilung eines Homeoffice-Arbeitsplatzes sind physische und psychische Aspekte zu berücksichtigen – etwa die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplatz, Arbeitsmitteln, Arbeitsumgebung und Arbeitsorganisation. Gegebenenfalls sind anschließend notwendige Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen umzusetzen. Da diese im privaten Umfeld erfolgen, sind Beschäftigte auf Unterstützung durch Führungskräfte sowie ihre eigene, durch Unterweisung vermittelte Kompetenz angewiesen.

Die entscheidenden Parameter für gesunderhaltendes Sitzen am Schreibtisch. Abbildung: DGUV Akademie – Angaben nach DGUV Information 215-410
Das BMAS veröffentlichte 2024 Empfehlungen für hybride Bildschirmarbeit mit sieben Schritten:
- Begriffe, Anwendungsbereiche und Ziele definieren.
- Geeignete mobile Bildschirmtätigkeiten festlegen.
- Zeitliche Rahmenbedingungen für hybride Bildschirmarbeit festlegen.
- Regelungen zur Aufteilung bzw. Übernahme der entstehenden Kosten treffen.
- Gefährdungsbeurteilung durchführen, Maßnahmen festlegen und umsetzen.
- Beschäftigte informieren und unterweisen.
- Maßnahmen auf Wirksamkeit kontrollieren und ggf. anpassen
Ziel der Unterweisung ist, Beschäftigte zu informieren, zu qualifizieren und zu motivieren. Voraussetzung dafür ist das Vorhandensein von Sicherheits- und Gesundheitskompetenz. Dazu gehören insbesondere Fähigkeiten, Risiken zu erkennen und verantwortungsbewusst zu handeln. Wichtige Inhalte der Unterweisung:
- Arbeitsplatzgestaltung (Arbeitstisch/-stuhl, richtiges Sitzen und Stehen am Arbeitsplatz).
- Nutzung von Arbeitsmitteln (Bildschirm, Tastatur, Maus, Headset, Anordnung der Arbeitsmittel, technische Ausstattung bzw. Voraussetzungen).
- Gestaltung der Arbeitsumgebung (Platzbedarf, Beleuchtung, Raumklima).
- Gestaltung der Arbeitsorganisation (Trennung von Arbeit und Privatleben, Arbeitsabläufe, Arbeitszeit, Kommunikation).
Hilfen bieten die DGUV-Publikation „Unterweisung im Homeoffice“ und der „Check-up Homeoffice“ der DGUV. Letzterer ersetzt aber keine Gefährdungsbeurteilung.
Unterweisungen müssen vor Aufnahme der Tätigkeit im Homeoffice sowie regelmäßig oder anlassbezogen erfolgen und dokumentiert werden. Sie können per Video- oder Telefonkonferenz stattfinden, wobei Verständnis und Rückfragen gesichert sein müssen. Ein reines Selbststudium reicht nicht aus. Eine praxisnahe Methode ist die Unterweisung anhand eines Schaubilds (siehe Abbildung) zu Gestaltungsparametern am Bildschirmarbeitsplatz. Schrittweise Erläuterungen per Videokonferenz ermöglichen es Beschäftigten, ihren Arbeitsplatz direkt zu überprüfen und anzupassen – vorausgesetzt, sie arbeiten währenddessen im Homeoffice.
Fazit
Hybride Arbeit und Homeoffice sind fest etabliert. Bei konsequent sicherer und gesunder Gestaltung können sie Produktivität steigern und die Gesundheit erhalten. Die hybride Arbeitswelt entwickelt sich dynamisch weiter. DGUV, Unfallversicherungsträger und BMAS begleiten diesen Prozess und prüfen notwendige Anpassungen.
![]() Abildung: DGUV Akademie Dr. Marlen Cosmar, Leiterin Referat Arbeitswelten, Mobilität und Gesundheit
![]() Abbildung: DGUV Akademie Susan Freiberg, Referentin im Referat Arbeitswelten, Mobilität und Gesundheit, |
































































