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Orgatec 2026: Die Zukunft von Arbeits- und Contract-Welten erleben. Abbildung Orgatec

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Inwerk: Starte das neue Jahr mit top ergonomischen Büromöbeln. Sonderaktion vom 08.01.–28.01.2024.

Matthias Pietzcker: „Wir brauchen wieder Räume, in denen Wirkung entsteht“

Mat­thi­as Pietz­cker ist seit 1995 in der Büro­be­ratung tätig. Im Inter­view spricht der Geschäfts­füh­rer von com­bi­ne Con­sul­ting über die Rück­kehr des Ein­zel­bü­ros in neu­em Gewand, die Aktua­li­tät offe­ner Büro­land­schaf­ten im Zeit­al­ter der KI, die Wur­zeln sei­nes Unter­neh­mens und die Zukunft des Büros.

Matthias Pietzcker, Geschäftsführer von combine Consulting. combine-consulting.com. Abbildung: combine

Mat­thi­as Pietz­cker, Geschäfts­füh­rer von com­bi­ne Con­sul­ting. combine-consulting.com. Abbil­dung: combine

OFFICE ROXX: Herr Pietzcker, in Kürze öffnet die Orgatec 2026 ihre Pforten. Werden Sie in Köln sein und wie sehen Sie die Entwicklung dieser Büroeinrichtungsmesse?

Mat­thi­as Pietz­cker: Ich wer­de in Köln sein, min­des­tens einen, viel­leicht zwei Tage. Für mich ist die Mes­se nach wie vor ein wich­ti­ger Treff­punkt. Den per­sön­li­chen Aus­tausch mit Aus­stel­lern, Besu­che­rin­nen und Besu­chern fin­de ich nach wie vor wert­voll. Der Orga­tec ist es aus mei­ner Sicht gelun­gen, kei­ne rei­ne Möbel­mes­se mehr zu sein. Bei den vor­an­ge­gan­ge­nen Aus­ga­ben ging es zuneh­mend dar­um, wel­chen Wert Büro­mö­bel für gute Arbeit haben – nicht nur um das Mobi­li­ar als Objekt. Und die Mes­se ist für mich ein guter Grad­mes­ser, um zu spü­ren, wel­che The­men und Inno­va­tio­nen rund ums Büro gera­de dis­ku­tiert werden.

Wie ist es für Sie um das Büro von heute bestellt? Werden sich die Flächen weiter reduzieren oder treffen wir uns bald wieder vier Tage die Woche im Corporate Office?

Das kann man nicht pau­schal beant­wor­ten – das wer­den wir sicher auch auf der Orga­tec wei­ter dis­ku­tie­ren. Der Satz „Wir machen die hal­be Flä­che dop­pelt so attrak­tiv“ hat einen wah­ren Kern. Wir wer­den nicht mehr so viel Flä­che brau­chen wie frü­her, das Büro ist für die meis­ten nicht mehr der ein­zi­ge Arbeits­ort. Zum Flä­chen­be­darf selbst habe ich eine kla­re Mei­nung: Ich glau­be, dass es sich in die­sen Zei­ten nie­mand mehr leis­ten kann, Leer­stand zu mie­ten, zu bau­en oder zur Ver­fü­gung zu stel­len. Wenn wir mobi­les Arbei­ten ernst neh­men, müs­sen wir uns auch dar­über Gedan­ken machen, wie viel Flä­che ein Unter­neh­men für die Büro­ar­beit über­haupt noch bereitstellt.

Die Wurzeln von combine Consulting reichen zurück bis zur Eberhard und Wolfgang Schnelle GmbH. Deren erstes zukunftsweisende Projekt einer Bürolandschaft entstand 1959 für Boehringer in Mannheim. Abbildung: combine

Die Wur­zeln von com­bi­ne Con­sul­ting rei­chen zurück bis zur Eber­hard und Wolf­gang Schnel­le GmbH. Deren ers­tes zukunfts­wei­sen­de Pro­jekt einer Büro­land­schaft ent­stand 1959 für Boeh­rin­ger in Mann­heim. Abbil­dung: combine

Gleich­zei­tig glau­be ich: Wenn Unter­neh­men ihr idea­les Sha­ring-Ver­hält­nis rea­li­sie­ren – sagen wir, einen Wert von 0,6, also zehn Per­so­nen tei­len sich sechs Tische –, ist auch flä­chen­wirt­schaft­lich eine Gren­ze erreicht. Ab die­sem Punkt soll­te nicht mehr die wei­te­re Redu­zie­rung im Mit­tel­punkt ste­hen, son­dern die Qua­li­tät und Aus­stat­tung der ver­blei­ben­den Flä­che. Es wird aber auch noch in fünf oder acht Jah­ren Fir­men geben, die ihre Flä­chen ver­klei­nern, weil sie sich bis­lang nicht damit beschäf­tigt haben – ähn­lich wie sich man­che Unter­neh­men erst jetzt mit Desk-Sha­ring befas­sen, obwohl das schon seit zwan­zig Jah­ren gelebt wird.


Ich glau­be, dass es sich in die­sen Zei­ten nie­mand mehr leis­ten kann, Leer­stand zu mie­ten, zu bau­en oder zur Ver­fü­gung zu stellen.“


Zur Fra­ge der Anwe­sen­heit: Mich über­zeu­gen star­re For­meln wie „drei zu zwei“ (drei Tage Büro, zwei Tage remo­te) nicht sehr. Statt­des­sen ist es unse­re Auf­ga­be, der phy­si­schen Prä­senz wie­der eine Bedeu­tung zu geben. Wenn wir das schaf­fen, kom­men Men­schen auch ins Büro – ob vier Tage oder drei, spielt kei­ne Rol­le. Sie sind dann da, wenn es sinn­voll ist und sie spür­bar wirk­mäch­tig wer­den kön­nen. Gera­de weil KI uns von bestimm­ten Arbei­ten ent­las­tet, wird gemein­schaft­li­che Wirk­mäch­tig­keit wie­der wichtiger.

Seit vielen Jahren findet so etwas wie eine „Verwohnzimmerung“ des Office statt. „Schöner Wohnen im Büro“ scheint die Devise zu sein. Soll man da nicht eigentlich arbeiten – statt zu entspannen?

„Ver­wohn­zim­me­rung“ ist erst ein­mal ein schö­ner Begriff – ich sehe dar­in grund­sätz­lich kei­nen Gegen­satz zum Arbei­ten. Was wol­len wir damit errei­chen? Dass Men­schen in einem phy­si­schen Umfeld, in dem sie sich wohl­füh­len, gute Arbeit leis­ten. Ich glau­be: Der Mensch arbei­tet bes­ser, wenn er sich wohlfühlt.

Aber: Ein­fach irgend­wo einen Alko­ven oder ein schi­ckes Sofa auf­zu­stel­len, führt nicht auto­ma­tisch zu mehr Effi­zi­enz. Es geht um die rich­ti­ge Mischung. Nicht „Schö­ner Woh­nen“ ist das Ziel, son­dern „Bes­ser Arbei­ten“ – und bes­ser arbei­ten kann durch­aus auch bedeu­ten, schö­ner zu woh­nen. Ein guter Pro­jekt­raum, eine gute Lounge, ein guter Mee­ting­raum und ein wohn­li­ches Büro zah­len alle auf das­sel­be Ziel ein.


Nicht ‚Schö­ner Woh­nen‘ ist das Ziel, son­dern ‚Bes­ser Arbeiten‘.“


Ob das Einzelbüro wohl noch einmal zurückkehrt – dieser „alte weiße Mann“ unter den Büroformen?

Das Ein­zel­bü­ro als Sta­tus­sym­bol, als hier­ar­chi­sches Zei­chen, das kommt so nicht zurück. Nach dem Mot­to „Je höher, des­to mehr Gebäu­de­ach­sen“, mit leder­nem Stuhl und ech­tem Holz­schreib­tisch – davon gehen wir immer mehr weg.


Das Ein­zel­bü­ro als Sta­tus­sym­bol, als hier­ar­chi­sches Zei­chen, das kommt so nicht zurück.“


Zurück kommt das Ein­zel­bü­ro aber als Mög­lich­keit, ein Bedürf­nis nach Rück­zug und Kon­zen­tra­ti­on zu befrie­di­gen. Als „Office for a Day“, nicht aus einer hier­ar­chi­schen Funk­ti­on her­aus, son­dern aus der Tätig­keit selbst. Stets im Kon­text eines tätig­keits­ori­en­tier­ten Arbeits­um­felds, nicht als gene­rel­ler Stan­dard für alle – die­se Zeit erscheint mir vorbei.

Bei Büroplanern trifft man schnell auf das Mensch-im-Mittelpunkt-Mantra. Der Mensch würde aber Umfragen zufolge am liebsten im Einzelbüro arbeiten. Tritt an dieser Stelle lieber der Planer in den Mittelpunkt?

Wenn wir Men­schen fra­gen, was sie sich wün­schen, ant­wor­ten sie meist mit dem, was sie ken­nen und gewohnt sind – wo sie kei­ne Unsi­cher­heit ver­spü­ren. Die­ses Bedürf­nis nach einem ruhi­gen, über­schau­ba­ren Rück­zugs­ort ist mensch­lich, und im Büro erfüllt genau das seit jeher das Ein­zel- oder Kleinraumbüro.

Des­halb ist es uns bei com­bi­ne wich­tig, Men­schen par­ti­zi­pa­tiv und erklä­rend mit­zu­neh­men, statt nur zu fra­gen: „Was hät­test du ger­ne?“ Ihnen also zu zei­gen, wel­che Alter­na­ti­ven es gibt und wie sich Zusam­men­ar­beit ver­än­dert. Damit sie erken­nen, dass im tätig­keits­ori­en­tier­ten, viel­fäl­ti­gen Arbeits­um­feld deut­lich mehr Chan­cen lie­gen als in der gewohn­ten Verzimmerung.

Ja, Umfra­gen spie­geln oft den Wunsch nach dem Ein­zel­bü­ro wider. Es kommt aber dar­auf an, wie man fragt. Ent­schei­det sich ein Unter­neh­men aus guten Grün­den für eine neue Büro­form, darf man Mit­ar­bei­ten­de nicht schlicht fra­gen: „Wollt ihr das?“, son­dern muss ihnen erklä­ren, war­um die Ver­än­de­rung geplant ist. Macht man das gut, zei­gen Post-Pro­ject-Befra­gun­gen tat­säch­lich Zustim­mung zu neu­en Arbeits­um­ge­bun­gen. Fragt man dage­gen pla­ka­tiv: „Möch­test du in einem Groß­raum arbei­ten?“ und zeigt dabei Bil­der aus den 80er-Jah­ren, bekommt man die ableh­nen­de Ant­wort, die man mit der Fra­ge pro­vo­ziert hat.

Nun kommt das Einzelbüro offenbar in Form von Cubes wieder ins Büro – aber ist das auf Dauer noch „artgerechte Haltung“?

Cubes sind gekom­men, um zu blei­ben, sie sind aus dem heu­ti­gen Büro nicht mehr weg­zu­den­ken. Aber sie sind kei­ne Ein­zel­bü­ros. Das Ein­zel­bü­ro ist im eigent­li­chen Sinn gemau­ert, hat fes­te Wän­de. Cubes hin­ge­gen sind Teil eines geglie­der­ten Großraums.

Sie glie­dern einen Raum und geben Men­schen eine tem­po­rä­re Rück­zugs­mög­lich­keit – allein, zu zweit, manch­mal auch für Bespre­chun­gen mit meh­re­ren Per­so­nen. Das funk­tio­niert gut, ist aber nicht für eine dau­er­haf­te, ganz­tä­gi­ge Nut­zung gedacht. Der Cube ist eine Ergän­zung, kein Ersatz für das Ein­zel­bü­ro – eine wei­te­re, für kurz­fris­ti­ge Tätig­kei­ten gedach­te Mög­lich­keit, einen Arbeits­ort aufzusuchen.


Cubes sind gekom­men, um zu blei­ben, sie sind aus dem heu­ti­gen Büro nicht mehr wegzudenken.“


Wie aktuell sind heute offene Bürolandschaften, der sogenannte Open Space?

Offe­ne Büro­land­schaf­ten – ein Begriff, den unse­re Vor­gän­ger­ge­sell­schaft Quick­bor­ner Team geprägt hat – sind aktu­ell, solan­ge sie nicht als ein Groß­raum alter Prä­gung ver­stan­den und geplant wer­den, also zur rei­nen Ver­dich­tung von Arbeits­plät­zen. Eine offe­ne Büro­land­schaft, die tätig­keits­ori­en­tiert unter­schied­li­che Arbeits­wei­sen unter­stützt, ist nach wie vor aktu­ell, sogar aktu­el­ler denn je.

Vie­le Unter­neh­men, die sich heu­te mit ihrer Büro­um­ge­bung befas­sen, erwar­ten, dass Zusam­men­ar­beit noch wich­ti­ger wird, sobald KI die Allein­ar­beit weit­ge­hend über­nimmt – also Recher­che, Kon­zept­erstel­lung und Ähn­li­ches. Genau dafür, für die Kol­la­bo­ra­ti­on von Men­schen, lässt sich ein tätig­keits­ori­en­tier­tes Arbeits­um­feld am bes­ten in offe­nen, aber gleich­zei­tig struk­tu­rier­ten Büro­land­schaf­ten abbilden.

Wie groß schätzen Sie den Anteil von Open-Space-Büros zu deren Blütezeit und heute?

Die Hoch­zeit des Open Space im Sin­ne eines tätig­keits­ori­en­tier­ten Arbeits­um­felds ist nach wie vor da. Weni­ger gewor­den ist der klas­si­sche Groß­raum – also die pure Ver­dich­tung von Arbeits­plät­zen auf einer gro­ßen Flä­che. Das macht heu­te kaum noch jemand, viel­leicht mit Aus­nah­me man­cher ame­ri­ka­nisch gepräg­ter Unternehmen.

Wer sich mit sei­ner Büro­land­schaft der Zukunft beschäf­tigt, ent­schei­det sich – ab einer Unter­neh­mens­grö­ße von etwa 200 Mit­ar­bei­ten­den – zu weit über drei Vier­teln für eine Mischung aus ver­zim­mer­ten und offe­nen Berei­chen. Bei klei­ne­ren Unter­neh­men, etwa 20 bis 100 Mit­ar­bei­ten­de, stellt sich die Fra­ge anders, weil die Viel­falt der Tätig­kei­ten und damit die Kom­ple­xi­tät gerin­ger ist.


Bei Unter­neh­men, die ohne fach­li­che Bera­tung pla­nen, ver­küm­mert Open Space häufig.“


Mein Ein­druck: Bei Unter­neh­men, die ohne fach­li­che Bera­tung pla­nen, ver­küm­mert Open Space häu­fig. Dann ent­steht schnell nur ein offe­ner Raum mit ein paar Bespre­chungs­zim­mern, und das geht in die fal­sche Rich­tung. Die eigent­lich inein­an­der ver­zahn­te Raum­glie­de­rung, die ein tätig­keits­ori­en­tier­tes Umfeld aus­macht, muss man von Anfang an mit­den­ken. Genau hier pas­sie­ren ohne Bera­tung die ent­schei­den­den Fehler.

Die offene Bürolandschaft wurde Mitte der 1960er-Jahre vom Quickborner Team erfunden. Dort waren auch Sie tätig – wann und wie sind Sie dazugestoßen?

Die eigent­li­chen Wur­zeln der offe­nen Büro­land­schaft rei­chen wei­ter zurück als das Quick­bor­ner Team, wel­ches 1966 gegrün­det wur­de. Sie lie­gen bei der 1959 gegrün­de­ten Eber­hard und Wolf­gang Schnel­le GmbH. Das ers­te zukunfts­wei­sen­de Pro­jekt einer Büro­land­schaft über­haupt ent­stand bereits in die­ser Früh­pha­se: der Neu­bau eines kom­mu­ni­ka­ti­ons­freund­li­chen Ver­wal­tungs­ge­bäu­des für Boeh­rin­ger in Mann­heim, fer­tig­ge­stellt 1959.

Ich bin 1995 dazu­ge­sto­ßen. Damals war ich in Flens­burg und woll­te der Lie­be wegen zurück nach Ham­burg. In der Wirt­schafts­wo­che fiel mir ein Arti­kel über das nicht­ter­ri­to­ria­le Büro und das Quick­bor­ner Team in die Hän­de: Dort arbei­te­ten Bera­ter, die kei­nen fes­ten Arbeits­platz hat­ten, sich ihren Platz selbst aus­su­chen und ihre Kol­le­gen dort anspre­chen konn­ten, wo sie gera­de sit­zen. Das fand ich groß­ar­tig. Ich habe eine Initia­tiv­be­wer­bung geschrie­ben und wur­de als jun­ger Bera­ter ein­ge­stellt. Es war die zwei­te beruf­li­che Sta­ti­on mei­nes Lebens und bis heu­te auch die letzte.

Die „Office Landscape“ hat über Jahrzehnte für Furore gesorgt – wie haben Sie das erlebt?

Ich bin schlicht rund 30 Jah­re zu spät gekom­men, um die eigent­li­che Ent­ste­hung der Office Land­scape unmit­tel­bar zu erle­ben. Aus Erzäh­lun­gen weiß ich aber: Das war damals eine epo­cha­le Ver­än­de­rung. Das Quick­bor­ner Team hat die Office Land­scape nie nur als Anein­an­der­rei­hung von Möbeln, als Ein­rich­tungs­pro­jekt, ver­stan­den, son­dern als orga­ni­sa­to­ri­sche Idee.

1984 plante das Quickborner Team eine offene Bürolandschaft für die Colonia Versicherung. Abbildung: combine

1984 plan­te das Quick­bor­ner Team eine offe­ne Büro­land­schaft für die Colo­nia Ver­si­che­rung. Abbil­dung: combine

Man hat sich mit Arbeits­ab­läu­fen und Lauf­we­gen aus­ein­an­der­ge­setzt – das war der Vor­läu­fer der heu­ti­gen Anfor­de­rungs- und Bedarfs­er­mitt­lung, die damals über­haupt nicht zum übli­chen Hand­werk eines Bera­ters gehör­te. Die­se hoch­ana­ly­ti­sche, kyber­ne­tisch gepräg­te Her­an­ge­hens­wei­se war der Ursprung des­sen, was wir heu­te als Bedarfs­er­he­bung kennen.

Es gab immer wieder Kritik an der Open-Space-Landschaft. Zu Recht?

Zu Recht, wie es bei jedem Kon­zept Kri­tik gibt, das man unre­flek­tiert über­stülpt – nach dem Mot­to „Das hat bei Fir­ma Y funk­tio­niert, also passt es auch bei Fir­ma X“. Auch inhalt­lich hat sich die Auf­ga­be über die Jahr­zehn­te grund­le­gend ver­än­dert und ist deut­lich kom­ple­xer gewor­den: Zwi­schen 1960 und den 1990er-Jah­ren hat sich die Arbeit radi­kal ver­än­dert – von Schreib­ma­schi­ne, Hän­ge­re­gis­tra­tur, Blei­stift und ana­lo­gem Tele­fon bis zur tech­no­lo­gi­schen Revo­lu­ti­on durch den Com­pu­ter und zuneh­men­de Mobi­li­tät. Es geht längst nicht mehr nur ums Ein­rich­ten, son­dern auch um das Ver­ste­hen einer Orga­ni­sa­ti­on, um Akus­tik, um einen viel grö­ße­ren Mög­lich­keits­raum, wie Arbeit über­haupt ver­rich­tet wird.

Spä­tes­tens mit der Pan­de­mie 2020 wur­de Remo­te-Arbeit end­gül­tig zum All­tag. Die­se zusätz­li­che Kom­ple­xi­tät wur­de nicht immer aus­rei­chend berück­sich­tigt – und genau da ist es berech­tigt zu fra­gen, ob die offe­ne Büro­land­schaft in ihrer jewei­li­gen Aus­prä­gung dar­auf immer die rich­ti­ge Ant­wort gefun­den hat.

Auch beim „reversiblen Büro“ und dem „Flexible Office“ waren die Quickborner richtungsweisend …

Das „rever­si­ble Büro“ habe ich per­sön­lich nie als rich­tungs­wei­send emp­fun­den – das war im Kern eine sehr hohe Stan­dar­di­sie­rung eines Ras­ters, damit man bei Umor­ga­ni­sa­tio­nen nicht auch immer bau­lich ein­grei­fen muss. Rich­tungs­wei­send war eher das dahin­ter­lie­gen­de Prin­zip: Wir haben immer gesagt, dass sich eine Orga­ni­sa­ti­on stets schnel­ler ver­än­dert als jedes Gebäu­de. Des­halb haben wir ver­sucht, ein hoch rever­si­bles Ras­ter zu ent­wi­ckeln, das eine fle­xi­ble Nut­zung ermög­licht, ohne dass man – wie vie­le Pla­ner bis heu­te – zwei Jah­re im Vor­aus fest­le­gen muss, wer wo sitzt, und sich dann wun­dert, dass beim Ein­zug schon wie­der umge­baut wer­den muss.

Mir ist dabei eine zeit­li­che Unter­schei­dung wich­tig: Das rever­si­ble Büro gab es bereits, bevor ich 1995 dazu­stieß. Das „Fle­xi­ble Office“ war dann tat­säch­lich der Anfang des Desk-Sha­ring in Deutsch­land – zuerst bei Sie­mens Nix­dorf, ab etwa 1995/96. Es hieß damals „Fle­xi­ble Office“, weil es die fle­xi­ble Nut­zung erlaub­te, aber es war noch nicht tätig­keits­ori­en­tiert. Dabei haben wir schon mit Cubes gear­bei­tet, damals noch als innen­lie­gen­de, teils oben offe­ne Raum­tei­ler, akus­tisch durch­aus frag­wür­dig. Das war der Vor­läu­fer, aber Fle­xi­ble Office war in mei­ner Defi­ni­ti­on kein tätig­keits­ori­en­tier­tes Arbei­ten. Die eigent­li­che Akti­vi­täts­ori­en­tie­rung – Acti­vi­ty Based Working im umfas­sen­den Sinn, von oben bis unten durch­kon­zi­piert – begann mei­nes Wis­sens erst mit unse­rem Pro­jekt bei Voda­fone im Jahr 2012.

2015 wurde aus dem Quickborner Team durch Fusion mit Macon combine Consulting. Wie hat sich das Beratungsunternehmen seitdem entwickelt?

Das Quick­bor­ner Team war immer eine umset­zungs­ori­en­tier­te Work­place-Bera­tung, nah an den Pro­jek­ten. Macon, mit Dr. Andre­as Klein­au und Oli­ver Ditt­mar, war eher stra­te­gisch und immo­bi­li­en­be­ra­tend unter­wegs. Die­se Kom­bi­na­ti­on aus stra­te­gi­schem Ansatz und Umset­zungs­ori­en­tie­rung war genau das rich­ti­ge Momen­tum – und das auch noch in einer wirt­schaft­lich guten Zeit, mit Null­zin­sen und viel Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft in Büroflächen.

2024 eröffnete der neue Hauptsitz der Hamburger Sparkasse. Das moderne Workplace-Konzept stammte von combine Consulting. Abbildung: Laura Thiesbrummel

2024 eröff­ne­te der neue Haupt­sitz der Ham­bur­ger Spar­kas­se. Das moder­ne Work­place-Kon­zept stamm­te von com­bi­ne Con­sul­ting. Abbil­dung: Lau­ra Thiesbrummel

Dar­aus ist heu­te unser 360-Grad-Blick auf jedes Immo­bi­li­en­pro­jekt ent­stan­den: von der stra­te­gi­schen Grund­la­gen­ent­wick­lung über die Büro­pla­nung und die Beglei­tung von Men­schen bis zur Umset­zung bzw. dem Ein­zug. Seit Grün­dung der com­bi­ne Tran­sac­tion 2023 sind wir noch einen Schritt wei­ter gegan­gen und ver­ei­nen dort exzel­len­te Gebäu­de­pla­nung mit erst­klas­si­ger Mak­ler­ex­per­ti­se – bei An- und Abmie­tun­gen eben­so wie bei An- und Ver­käu­fen. Ins­ge­samt hat sich com­bi­ne damit zu einer Art Sys­tem­an­bie­ter ent­wi­ckelt, der ein Immo­bi­li­en­pro­jekt über den gesam­ten Zyklus beglei­tet – von der Eigen­nut­zung über Kauf und Ver­kauf bis zur An- und Abmietung.

Jüngst wurde die combine UBX GmbH gegründet. Was hat es damit auf sich?

Mit UBX – kurz für User & Brand Stra­tegy Expe­ri­ence – nut­zen wir tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen, ins­be­son­de­re künst­li­che Intel­li­genz, um für Unter­neh­men mit einem Flä­chen­be­darf von etwa 800 bis 1.000 m2 einen weit­ge­hend auto­ma­ti­sier­ten Bera­tungs-, Anmie­tungs- und Aus­stat­tungs­pro­zess anzu­bie­ten. Ein kura­tier­tes Büro­pro­dukt aus vor­kon­fi­gu­rier­ten Design­li­ni­en, Funk­ti­ons­mo­du­len und Aus­stat­tungs­pa­ke­ten. Ziel­grup­pe sind zum Bei­spiel Nota­ria­te, Wirt­schafts­prü­fungs- oder Anwalts­kanz­lei­en mit rund 20 bis 100 Mit­ar­bei­ten­den, die unkom­pli­ziert von A nach B umzie­hen wol­len, aber selbst nicht die Kapa­zi­tät für ein gro­ßes Chan­ge-Pro­jekt haben. Pla­nung und Design geben wir in kla­ren Mus­tern und Modu­len vor – Design A, Design B, Design C –, ent­spre­chend stark digitalisiert.

UBX rich­tet sich damit einer­seits an klei­ne­re Unter­neh­men und macht den Pro­zess für sie zeit- und per­so­nal­scho­nend. Ande­rer­seits adres­siert UBX auch die Eigen­tü­mer­sei­te – etwas, das wir bis­her gar nicht gemacht haben. Wir geben leer­ste­hen­den oder wenig genutz­ten Immo­bi­li­en gewis­ser­ma­ßen eine eige­ne Per­so­na und ord­nen ihnen die pas­sen­de Ziel­grup­pe zu. Neben dem klas­si­schen Miet- und Lea­sing­ge­schäft rund um die Aus­stat­tung geht es bei UBX im Kern also um digi­ta­li­sier­te Bera­tungs­pro­zes­se – auf bei­den Sei­ten des Marktes.


Einen fes­ten Arbeits­platz hat­te ich in den letz­ten 32 Jah­ren nie.“


Wie sieht eigentlich Ihr Büro aus?

Per­sön­lich sit­ze ich mal hier, mal dort. Ich bin sehr viel in Kom­mu­ni­ka­ti­on, des­we­gen bin ich manch­mal im Cube, manch­mal im Ein­zel­bü­ro. Wenn ich kei­ne Gesprä­che füh­re, sit­ze ich im Open Space – mal links, mal rechts. Im Grund­satz bin ich noma­disch unter­wegs, nicht nur im eige­nen Büro, son­dern auch bei unse­ren Kun­den, dort, wo man mir einen Platz für mei­nen Rech­ner gibt. An Tagen mit hohem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­teil buche ich mir gezielt einen Rück­zugs­raum oder einen Cube.

Ich habe beim Quick­bor­ner Team als „Desk-Sha­rer“ ange­fan­gen und wer­de bei com­bi­ne ver­mut­lich als desk­s­ha­ren­der Rent­ner auf­hö­ren. Es gibt zwar auch Tage, an denen ich mir wegen einer Tele­fon­kon­fe­renz nach der ande­ren ein Ein­zel­zim­mer buche – das gehört zur Wahr­heit dazu. Aber einen fes­ten Arbeits­platz hat­te ich in den letz­ten 32 Jah­ren nie.

Und wie stellen Sie sich das Büro 2040 vor?

In 14 Jah­ren stel­le ich mir das wirk­lich anders vor. Ich glau­be fest dar­an, dass der Anteil klas­si­scher Schreib­ti­sche – egal ob fest zuge­ord­net oder nicht – sin­ken wird, weil die rei­ne Ein­zel­ar­beit immer weni­ger vor­kommt. Statt­des­sen brau­chen wir Räu­me, die Men­schen ana­log zusam­men­füh­ren, damit Zusam­men­ar­beit ihre Wirk­mäch­tig­keit behält. Denn die eine ver­blei­ben­de Wirk­mäch­tig­keit, die ich sehe, ist das Zusam­men­spiel von Mensch zu Mensch – alles ande­re über­nimmt zuneh­mend die KI.

Ich stel­le mir das etwa so vor: Man betritt einen digi­tal auf­ge­rüs­te­ten Raum, der bereits weiß, wor­über man sich aus­tau­schen und wel­che Ent­schei­dun­gen man tref­fen muss – zum Bei­spiel bei einem Umzugs­pro­jekt –, und der auto­ma­tisch die rele­van­ten Doku­men­te und Infor­ma­tio­nen an die Medi­en­wand bringt. Man braucht kei­ne Rüst­zei­ten mehr, alles Tech­ni­sche ist schon vor­be­rei­tet, und die Men­schen kön­nen sich direkt auf­ein­an­der kon­zen­trie­ren, gemein­sam arbei­ten und die wirk­li­chen Ent­schei­dun­gen tref­fen. Sol­che Räu­me sehen anders aus als ein klas­si­scher Bespre­chungs- oder Pro­jekt­raum. Das heißt aber nicht, dass der Flä­chen­be­darf ins­ge­samt sinkt – der Bedarf ist ein­fach ein ande­rer und die Flä­che wird anders ausgestattet.


Klas­si­sche Büro­ar­beit wird aussterben.“


Ich hof­fe zudem auf eine gewis­se Sehn­sucht: dass es beim Zusam­men­kom­men nicht nur um Tech­nik geht, son­dern sich wie­der der Wil­le ent­wi­ckelt, ana­log mit­ein­an­der in den Aus­tausch zu gehen – als bewuss­ter Kon­tra­punkt zu algo­rith­mi­schen Ana­ly­sen, Kon­zep­ten und Recher­chen der KI. Und dass in die­sen Räu­men Empa­thi­sches, Ver­netz­tes, Mensch­li­ches, Ana­lo­ges entsteht.

Ich glau­be auch, dass die Anzahl klas­si­scher Büro­ar­bei­te­rin­nen und Büro­ar­bei­ter – im Sin­ne von Men­schen, die allein an einem Arbeits­platz zum Bei­spiel Gut­ach­ten oder Kon­zep­te schrei­ben – abneh­men wird, quer durch alle Bran­chen: bei Anwäl­ten eben­so wie bei Pla­nern oder unse­ren eige­nen Bera­tern. Klas­si­sche Büro­ar­beit in die­sem Sin­ne wird aus­ster­ben. Es ent­ste­hen aber neue Typen von Office-Workern: Men­schen, die sich wie­der zwi­schen­mensch­lich aus­tau­schen müs­sen, um Ergeb­nis­se (auch der KI) zu prü­fen, zu ver­bes­sern und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, die nicht mehr in zeit­in­ten­si­ver Form von ein­zel­nen Men­schen erstellt werden.

Den Kon­zep­tio­nis­ten, der in sei­ner Allein­ar­beit ver­harrt, wird es so nicht mehr geben. Wir wer­den Hand­lungs­räu­me, Reso­nanz­räu­me und Wir­kungs­räu­me brau­chen: Räu­me, in denen sich Men­schen auf die Ver­brei­tung und Strahl­kraft ihres Schaf­fens kon­zen­trie­ren, Räu­me, in denen etwas ver­stan­den und ver­han­delt wird und dar­aus Reso­nanz ent­steht, und Hand­lungs­räu­me, in denen Ent­schei­dun­gen getrof­fen und Stra­te­gien ent­wor­fen werden.

Vielen Dank, Herr Pietzcker.

Die Fra­gen stell­te Robert Nehring.

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