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Privatsphäre im Großraumbüro: Rückzugsräume als Produktivitätsfaktor

Wer Büro­flä­che redu­ziert, ent­schei­det damit auch dar­über, wo im Unter­neh­men künf­tig unge­stört gear­bei­tet und ver­trau­lich gespro­chen wird. Con­ra­din Cas­tell, CEO des Ber­li­ner Kabi­nen­her­stel­lers Mute-Labs erklärt, war­um Pri­vat­heit als eige­ne Grö­ße in die Flä­chen­pla­nung gehört.

18 Prozent der von Splendid Research befragten Büroangestellten gaben an, dass ihr Arbeitgeber die Bürofläche in den vergangenen fünf Jahren verkleinert hat. Abbildung: Monkeybusiness, Depositphotos

18 Pro­zent der von Sple­ndid Rese­arch befrag­ten Büro­an­ge­stell­ten gaben an, dass ihr Arbeit­ge­ber die Büro­flä­che in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ver­klei­nert hat. Abbil­dung: Mon­key­busi­ness, Depositphotos

Für die Büro­flä­chen-Stu­die von Mute-Labs befrag­te Sple­ndid Rese­arch 600 Büro­an­ge­stell­te in Deutsch­land mit über­wie­gend wis­sens­ba­sier­ter Tätig­keit, die min­des­tens zwei Tage pro Woche im Büro arbei­ten. Bei 18 Pro­zent von ihnen hat das Unter­neh­men die Flä­che in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ver­klei­nert und bei 20 Pro­zent steht eine Reduk­ti­on an. Inter­es­sant wird es dort, wo die Ant­wor­ten nach Büro­form auf­ge­schlüs­selt sind.

So viel Arbeitszeit kostet eine Unterbrechung

Unter­bro­chen wird über­all. In offe­nen Büros wer­den 46 Pro­zent der Befrag­ten mehr­mals täg­lich aus der kon­zen­trier­ten Arbeit geris­sen, 17 Pro­zent sogar mehr­mals pro Stun­de. In Ein­zel- und Zwei­er­bü­ros liegt der Wert mit 41 Pro­zent kaum niedriger.

Der Unter­schied ent­steht beim Zurück­fin­den in die Auf­ga­be: 56 Pro­zent der Beschäf­tig­ten in offe­nen Büros büßen dadurch regel­mä­ßig spür­bar Arbeits­zeit ein, 18 Pro­zent­punk­te mehr als in Ein­zel- und Zwei­er­bü­ros. Die Stu­die führt das nicht auf Emp­find­lich­keit zurück, son­dern auf feh­len­de Aus­weich­mög­lich­kei­ten: Wer kei­nen abge­schirm­ten Ort hat, muss die ver­lo­re­ne Arbeits­zeit dort auf­ho­len, wo sie ent­stan­den ist. Den erhöh­ten Lärm­stress wer­ten die Stu­di­en­ma­cher als direk­te Fol­ge der ver­dich­te­ten Fläche.

Die Raum­akus­tik erklärt das: Ablen­kend wir­ken der all­ge­mei­ne Geräusch­pe­gel und das Stim­men­ge­wirr, das das Gehirn unwill­kür­lich nach ver­ständ­li­chen Inhal­ten durch­sucht. Wer am Nach­bar­tisch jedes Wort mit­hört, ver­liert zwangs­läu­fig den Faden. Die recht­li­chen Vor­ga­ben zu Arbeits­platz­lärm ste­cken den Rah­men ab: Für Mehr­per­so­nen- und Groß­raum­bü­ros gilt eine Nach­hall­zeit von 0,6 Sekun­den als Ziel­wert, bei über­wie­gend geis­ti­ger Tätig­keit ein Beur­tei­lungs­pe­gel von höchs­tens 55 dB(A).

Der Abstand zwischen offener Fläche und Einzelbüro

Die Mute-Labs-Stu­die frag­te Stör­fak­to­ren getrennt nach Büro­form ab. Das Ergeb­nis ist über alle Punk­te hin­weg das­sel­be Muster:

  • Geeig­ne­te Rück­zugs­or­te feh­len: bei 64 Pro­zent in offe­nen Büros und 49 Pro­zent in Ein­zel- und Zweierbüros.
  • Gesprä­che und Calls ande­rer Arbeits­kol­le­gen stö­ren häu­fig: bei 65 Pro­zent gegen­über 45 Prozent.
  • Sen­si­ble Gesprä­che lau­fen not­ge­drun­gen am offe­nen Arbeits­platz: bei 58 Pro­zent gegen­über 40 Prozent.
Bei jedem Störfaktor liegen offene Büros 15 bis 20 Prozentpunkte über Einzel- und Zweierbüros. Abbildung: Mute-Labs Studie 2026

Bei jedem Stör­fak­tor lie­gen offe­ne Büros 15 bis 20 Pro­zent­punk­te über Ein­zel- und Zwei­er­bü­ros. Abbil­dung: Mute-Labs Stu­die 2026

Feh­len Rück­zugs­or­te, wei­chen die Mit­ar­bei­ten­den aus. In offe­nen Büros hal­ten 52 Pro­zent das Home­of­fice für den bes­se­ren Ort zum kon­zen­trier­ten Arbei­ten, in Ein­zel­bü­ros nur 36 Pro­zent. Beim Weg ins Büro sagen 39 Pro­zent der Groß­raum-Beschäf­tig­ten, er loh­ne sich sel­ten – bei den Ein­zel­bü­ro-Nut­zern sind es 19 Pro­zent. Das Fraun­ho­fer IBP kommt bei sei­nen For­schungs­er­geb­nis­sen zur Pri­vat­heit am Arbeits­platz zu einem ähn­li­chen Bild. Es betrach­tet dabei akus­ti­sche und visu­el­le Abschir­mung zusammen.

Vertraulichkeit ist auch eine Datenschutzfrage

Am offe­nen Platz wer­den Krank­mel­dun­gen, Gehäl­ter, Kün­di­gun­gen und Ver­trags­de­tails ver­han­delt. Mit­hö­ren lässt sich nicht ver­mei­den und wird damit auch zu einem Risi­ko im Umgang mit per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten. 62 Pro­zent der Befrag­ten sagen, ihr Unter­neh­men unter­schät­ze die Bedeu­tung von Privatsphäre.

Was Beschäftigte als Gegenleistung erwarten

Weni­ger Flä­che wird akzep­tiert, wenn die ver­blei­ben­de Flä­che bes­ser genutzt wird. Für 69 Pro­zent sind Rück­zugs­räu­me eine Vor­aus­set­zung für moder­nes Arbei­ten, und im Inves­ti­ti­ons-Ran­king der Befrag­ten ste­hen sie auf Platz eins – vor bes­se­rer Akus­tik und zusätz­li­chen Meetingräumen.

Kon­kret nen­nen laut Mute-Labs-Stu­die Beschäf­tig­te in offe­nen Büros vier Bedingungen:

  1. Zuver­läs­sig buch­ba­re Arbeits­plät­ze (73 Prozent).
  2. Eine deut­lich ver­bes­ser­te Akus­tik im offe­nen Bereich (70 Prozent).
  3. Sepa­ra­te Fokus- und Silent-Räu­me (69 Prozent).
  4. Aus­rei­chend Tele­fon- oder Call­bo­xen für ver­trau­li­che Gesprä­che (68 Prozent).
Wer im offenen Büro sitzt, knüpft die Akzeptanz kleinerer Flächen an deutlich höhere Bedingungen. Abbildung: Mute-Labs Studie 2026

Wer im offe­nen Büro sitzt, knüpft die Akzep­tanz klei­ne­rer Flä­chen an deut­lich höhe­re Bedin­gun­gen. Abbil­dung: Mute-Labs Stu­die 2026

Das ist weni­ger Wunsch­zet­tel als Inves­ti­ti­ons­plan. Die kon­kre­te Umset­zung macht den Unter­schied: Stell­wän­de und Decken­se­gel dämp­fen den Hall, das Gespräch neben­an ver­steht man trotz­dem Wort für Wort. Dafür braucht es raum­ho­he Tren­nun­gen oder Raum-in-Raum-Lösun­gen mit defi­nier­ter Schall­däm­mung – ein Bedarf, den auch die OFFICE-ROXX-Leser­um­fra­ge „Raum­akus­tik 2025 bestätigt.

Pri­vat­heit lässt sich pla­nen wie Flä­che, Licht und Kli­ma, und sie lässt sich mes­sen. Wer Qua­drat­me­ter streicht, ohne die Fol­gen mit­zu­den­ken, ver­la­gert die Kos­ten nur: von der Mie­te in die Arbeitszeit.

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