Warum das Design von Office-Cubes durchaus vergleichbar ist mit dem von Autos und wie sich Büroarbeitsplätze entwickeln können, das hat uns Joonas Vartola, neuer Chief Design Officer bei Framery, im Gespräch erklärt. Und nicht nur das.
OFFICE ROXX: Herr Vartola, was hat Sie nach Ihren Stationen im Ausland dazu bewogen, zu Framery zurückzukehren?
Joonas Vartola: Nach meinem Master-Abschluss in Automobildesign am Royal College of Arts in London war ich für den Autohersteller Mazda in Oberursel nahe Frankfurt am Main tätig. In dieser Zeit war ich viel unterwegs, häufig bin ich nach Japan gereist. Anschließend habe ich mit meiner Familie für fünf Jahre in Amerika gelebt, weil ich bei Tesla in Los Angeles als Designer angestellt war. Neben Tesla habe ich auch SpaceX-Projekte in Hawthorne, Kalifornien unterstützt. 2016 bin ich mit meiner Familie nach Europa zurückgezogen und habe kurz darauf eine Designagentur gegründet. In den letzten sieben Jahren habe ich zusammen mit zwei Partnern die Agentur geführt und in dieser Zeit hin und wieder auch für Framery an Projekten gearbeitet. Jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen, fest im Unternehmen einzusteigen, weil es einfach gut gepasst hat und ich mich hier wohlfühle.
Welche Erkenntnisse aus Ihren früheren Designprojekten möchten Sie bei Framery einbringen?
So wie die Pods, in denen wir für dieses Gespräch sitzen, haben auch Autos eine gestaltete Innen- und Außenseite. Moderne Office-Worker verbringen in Pods ähnlich viel Zeit wie Menschen in Autos. Und um diesen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, müssen wir in beiden Innenräumen beispielsweise die Komponenten Licht und Luft, Ergonomie und Materialien, den Geruch und natürlich die Akustik berücksichtigen. Es gibt also zahlreiche Funktions- und Designfaktoren, die denen in der Automobilindustrie ähneln. Auch beim Äußeren ist ein Vergleich naheliegend. Die Sorgfalt, die wir in das Design stecken, muss offensichtlich sein. Sonst denken die Menschen, das sei nur ein Kasten Blech, in dem etwas Technik steckt. Es erfordert einen enormen Designaufwand, die umfangreiche Technik in die Framery-Pods zu integrieren. Pods sind eine faszinierende Schnittstelle zwischen Technik, Möbeln, Raumgestaltung und Interior-Design.
Wie werden Meeting-Pods die Büroarbeit bzw. die Büroflächen künftig beeinflussen?
Ich denke, dass sie bereits in den vergangenen Jahren Einfluss auf die Struktur von Bürolandschaften hatten. Zumindest in Unternehmen, in denen sich Arbeitgeber um das Wohlbefinden der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz kümmern. Pods als Produkttypologie ermöglichen eine dynamischere Gestaltung des Bürodesigns, da sie sich variabel platzieren lassen und somit feste Strukturen aufbrechen. Sie fördern also durchaus hybride Arbeitsstrukturen. Gleichzeitig liegt die Designherausforderung aber auch in ihrer Größe, denn anders als Tische und Stühle versperren Pods durchaus Sichtachsen und -linien. Sie müssen daher optisch „leicht“ gestaltet werden, um sich in die Räume zu integrieren. Eines der Schlüsselprinzipien von gutem Design ist, dass die Lösung nicht als zu stark designt wirken darf. Das gilt selbstverständlich auch für unsere Pods.

Framery One unterstützt Mitarbeitende, die produktiv und konzentriert arbeiten wollen. Abbildung: Framery
Wie sieht das Büro der Zukunft aus, das Konzentration, Kollaboration und Wohlbefinden optimal unterstützt?
Weltweit gibt es einen steigenden Bedarf an flexiblen Büroflächen, die sich sowohl für konzentrierte Einzelarbeit als auch für gemeinschaftliche Aufgaben eignen. Diese hybriden Flächen mit offenen und geschlossenen Zonen werden sich durchsetzen, da sie die drei genannten Werte optimal unterstützen. Ich denke, dass das Hybridmodell auch dann gilt, wenn man fünf Tage die Woche im Büro ist, denn die Pods bieten die Möglichkeit, sich spontan einen privaten Raum zu schaffen. Das Büro der Zukunft ist hybrid, weil es den Mitarbeitenden ermöglicht, Privates und Geschäftliches unkompliziert und schnell miteinander zu verbinden. Dadurch wird es auch humaner.
Beeinflusst die Integration von KI-Technologien das Design und die Gestaltung der Framery-Pods?
Bei Framery vertrauen wir bei der Gestaltung unserer Pods der menschlichen Intuition, unserer Erfahrung und unseren Beobachtungen von Arbeit sowie den Rückmeldungen unserer Kunden. Das sind die wichtigsten Einflussfaktoren. Aber KI ist zu einem wichtigen Kollegen geworden, der Erkenntnisse validiert, Entscheidungen datenbasiert unterstützt und Spekulationen überflüssig macht. Wir nutzen KI wie einen Spiegel, in dem wir unsere Ideen aus verschiedenen Perspektiven betrachten können.
Welche Design-Trends und Tools werden die Büroarbeit darüber hinaus in naher Zukunft beeinflussen?
Wir befinden uns auf einer Reise und bei dem Tempo der aktuellen Entwicklungen ist nicht abzusehen, wohin uns die Reise führen wird. Ich spekuliere, dass wir in Zukunft weniger Notebooks und weniger große Bildschirme verwenden werden. Dafür werden wir mehr persönliche Geräte verwenden, die uns Informationen liefern, seien es Headsets oder Projektionen. Außerdem könnte KI immer mehr zum Sparringspartner werden, mit dem man sich in Form eines Hologramms Ideen zuspielt und sie diskutiert. Darüber hinaus wird die Technik in Zukunft so fortschrittlich sein, dass wir sie immer weniger als Technik oder Tool wahrnehmen werden. Das sind allerdings nur Vermutungen. Ich bin eher vorsichtig, was die Vorhersage zukünftiger Trends betrifft.
Wie lässt sich Nachhaltigkeit über die Materialauswahl hinaus integrieren und erlebbar machen?
Neben der Verwendung besonders langlebiger Materialien wie Stahl und recycelbarer Stoffe wie Holz setzen wir vor allem auf eine lange Nutzungsdauer unserer Lösungen. Viele Framery-Pods sind seit mehr als zehn Jahren in Unternehmen im Einsatz. Lösungen anzubieten, die Trends überdauern, ist ein entscheidender Faktor auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.
Refurbishment liegt stark im Trend. Gibt es hierzu Pläne bei Framery?
Bei solch komplexen Produkten ist Refurbishment schwierig umzusetzen. Wir bieten ein Reseller-Programm an, doch Framery setzt auf die Langlebigkeit seiner Produkte. Das ist vergleichbar mit einem alten, rostigen Porsche, den man auch nicht einfach auf den Schrott bringt. Bei entsprechender Pflege behalten die Framery-Pods sowohl ihre Qualität als auch ihr Aussehen und können sehr lange genutzt werden. Das ist unser Ansatz.
Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Gerrit Krämer.






























































