Auch in der DDR war das Büro ein Zen­trum des All­tags. Dr. Andre­as Lud­wig vom Pots­da­mer Leib­niz-Zen­trum für Zeit­his­to­ri­sche For­schung weiß, wie es aus­ge­se­hen hat.

Das Chef- und Funktionärsbüro.  Abbildung: Marcus Lieberenz, Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR

Das Chef- und Funk­tio­närs­bü­ro. Abbil­dung: Mar­cus Lie­be­renz, Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum All­tags­kul­tur der DDR

Im Büro eines Maschinenbaubetriebs.  Abbildung: privat, Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR

Im Büro eines Maschi­nen­bau­be­triebs. Abbil­dung: pri­vat, Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum All­tags­kul­tur der DDR

Viel wur­de zuletzt über die Lebens­wirk­lich­kei­ten in der DDR geschrie­ben. Auch zahl­rei­che DDR-Bür­ger ver­brach­ten einen gro­ßen Teil ihres Lebens in Büros. Infor­ma­tio­nen dar­über gibt es jedoch nur weni­ge. Unbe­kannt ist zum Bei­spiel, wie vie­le Men­schen in Büros gear­bei­tet haben. Die DDR-Sta­tis­tik unter­schied nicht zwi­schen Arbei­tern und Ange­stell­ten, denn die klas­sen­lo­se Gesell­schaft war das Ziel. Wir wis­sen, dass die Zahl der im Büro arbei­ten­den Werk­tä­ti­gen über die Jahr­zehn­te stieg, dass Büro­ar­beit vor allem weib­lich war und die Bezah­lung deut­lich gerin­ger als für Arbeit in der Pro­duk­ti­on. Das kommt uns bekannt vor: In der Bun­des­re­pu­blik war es nicht anders.

Das Chefbüro verdeutlicht die Hierarchie

Das Büro des (meist männ­li­chen) Lei­ters zeigt die hier­ar­chi­sche Orga­ni­sa­ti­on des Büro­le­bens: Unter dem Por­trät des Staats­rats­vor­sit­zen­den und SED-Chefs sitzt der Lei­ter an sei­nem mit Tele­fon und Gegen­sprech­an­la­ge aus­ge­stat­te­ten Schreib­tisch in her­aus­ge­ho­be­ner Posi­ti­on. Ihm gegen­über am Bera­tungs­tisch mit Zier­deck­chen und Aschen­be­cher die­je­ni­gen, die zum Lei­ter gela­den wur­den. Je län­ger der Bera­tungs­tisch, je grö­ßer die Bedeu­tung. Neben dem Lei­ter hat die Sekre­tä­rin ihren Platz: Sie tippt die Pro­to­kol­le und Beschlüs­se. Ein Lei­ter hat reprä­sen­ta­ti­ve Pflich­ten. Der Wand­be­hang ver­weist auf sei­ne Ver­bun­den­heit mit dem Sozia­lis­mus. Die Schrank­wand ent­hält neben Unter­la­gen klei­ne Andenken, Zier­rat und Glä­ser. Sti­mu­lie­ren­de Sub­stan­zen sind hier nor­mal.

Das Büro der Angestellten im Vergleich

Ganz anders der Arbeits­ort der Büro­an­ge­stell­ten: Er wirkt gedrängt, das Mobi­li­ar zusam­men­ge­stü­ckelt. Tauch­sie­der und Gieß­kan­ne ver­wei­sen auf Pflan­zen und den belieb­ten auf­ge­gos­se­nen Kaf­fee. Auf den ers­ten Blick wirkt hier in den 1980ern alles wie aus den 1960er oder 1970er Jah­ren, der Zeit vor Ein­füh­rung des Com­pu­ters, des Büro­con­tai­ners und des ergo­no­mi­schen Büro­dreh­stuhls. Din­ge, die in der Bun­des­re­pu­blik in die Büros ein­zo­gen, gab es eben­so in der DDR, aber oft erst mit gro­ßer Ver­spä­tung und auf­grund der all­ge­mei­nen Knapp­heit auch nach Jah­ren nicht flä­chen­de­ckend. Büros stan­den nicht im Zen­trum der Indus­trie­pro­duk­ti­on.

Büro und Mangelwirtschaft

Büro­mö­bel wur­den nur von einem ein­zi­gen klei­nen Betrieb her­ge­stellt. So wur­de eine Schrank­wand zum Büro­mö­bel umfunk­tio­niert. Statt des Dreh­stuhls genüg­te ein ein­fa­cher All­zweck­stuhl, der bau­gleich im Büro eines Export­be­triebs, bei der Post und beim Mili­tär zu fin­den war. PCs wur­den her­ge­stellt, jedoch nach Wich­tig­keit der Betrie­be ver­teilt. Es domi­nier­te des­halb die Schreib­ma­schi­ne aus Dres­den oder Erfurt, her­ge­stellt zwi­schen den 1930er und 1980er Jah­ren. Dann kamen elek­tri­sche Schreib­ma­schi­nen auf, aller­dings nicht mit Kugel­kopf, denn der war patent­ge­schützt.

Andreas Ludwig

Dr. Andreas Ludwig,

Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter,
Leib­niz-Zen­trum für Zeit­his­to­ri­sche For­schung.

zzf-potsdam.de