In der Büro­welt wird immer mehr Fle­xi­bi­li­tät gefor­dert und geför­dert. Wie weit die­se in Deutsch­land schon vor­an­ge­schrit­ten ist und wel­che Aus­wir­kun­gen das hat, zeigt der aktu­el­le Arbeits­zeit­re­port der BAuA.

Die gesundheitlichen Beschwerden nach Länge der wöchentlichen Arbeitszeit. Ab ca. 50 Stunden pro Woche nehmen sie deutlich zu. Grafik: BAuA

Die gesund­heit­li­chen Beschwer­den nach Län­ge der wöchent­li­chen Arbeits­zeit. Ab ca. 50 Stun­den pro Woche neh­men sie deut­lich zu. Gra­fik: BAuA

Die Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance nimmt mit zunehmender Wochenarbeitszeit deutlich ab.

Die Zufrie­den­heit mit der Work-Life-Balan­ce nimmt mit zuneh­men­der Wochen­ar­beits­zeit deut­lich ab. Gra­fik: BAuA

Insgesamt arbeiten 43 Prozent der abhängig Beschäftigten regelmäßig, das heißt mindestens einmal im Monat, am Wochenende.

Ins­ge­samt arbei­ten 43 Pro­zent der abhän­gig Beschäf­tig­ten regel­mä­ßig, das heißt min­des­tens ein­mal im Monat, am Wochen­en­de. Gra­fik: BAuA

Für ihren „Arbeits­zeit­re­port Deutsch­land 2016“ hat die Bun­des­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) von Mai bis Okto­ber 2015 rund 20.000 Beschäf­tig­te befragt. Die erho­be­nen Daten geben dif­fe­ren­ziert Auf­schluss über die Arbeits­zeit­rea­li­tät in Deutsch­land. Sie erlau­ben eine Bewer­tung des Trends zu mehr Fle­xi­bi­li­tät, der direk­te Aus­wir­kun­gen auf den Arbeits- und Gesund­heits­schutz hat.

Der Arbeitszeitreport zeigt: Wochenendarbeit ist normal

Zwar geben immer­hin 80 Pro­zent der Beschäf­tig­ten an, in der Regel wochen­tags zwi­schen sie­ben und 19 Uhr zu arbei­ten. Aller­dings berich­ten 43 Pro­zent der Beschäf­tig­ten, min­des­tens ein­mal monat­lich auch am Wochen­en­de zu arbei­ten.

Über regel­mä­ßi­ge Ruf­be­reit­schaft sind acht Pro­zent auch außer­halb ihrer Arbeits­zeit an ihre Arbeit gebun­den. 22 Pro­zent geben zudem an, dass ihr Arbeits­um­feld erwar­tet, dass sie im Pri­vat­le­ben für dienst­li­che Belan­ge erreich­bar sind.

Tat­säch­lich wer­den zwölf Pro­zent der Beschäf­tig­ten häu­fig außer­halb der Arbeits­zeit wegen dienst­li­cher Ange­le­gen­hei­ten kon­tak­tiert; immer­hin 23 Pro­zent geben an, dass sie manch­mal kon­tak­tiert wer­den. Füh­rungs­kräf­te sind häu­fi­ger betrof­fen als Beschäf­tig­te ohne Füh­rungs­ver­ant­wor­tung. Aber auch auf vie­le Beschäf­tig­te mit ein­fa­chen Tätig­kei­ten trifft das zu. Die stän­di­ge Erreich­bar­keit ist zudem kein pri­mä­res Phä­no­men in gro­ßen Unter­neh­men. Hier liegt der Anteil Betrof­fe­ner unter dem Durch­schnitt.

Etwa vier von zehn Beschäf­tig­ten haben selbst gro­ßen Ein­fluss dar­auf, wann sie mit ihrer Arbeit begin­nen und sie been­den (38 Pro­zent) oder wann sie ein paar Stun­den frei­neh­men (44 Pro­zent). Gleich­zei­tig erlebt mehr als jeder sieb­te Beschäf­tig­te häu­fig und jeder vier­te Beschäf­tig­te manch­mal kurz­fris­ti­ge Ände­run­gen der Arbeits­zeit auf­grund betrieb­li­cher Belan­ge.

Die Auswirkungen

Beschäf­tig­te mit hohen betrieb­li­chen Fle­xi­bi­li­täts­an­for­de­run­gen, wie etwa Arbeit auf Abruf, Ruf­be­reit­schaft oder kurz­fris­ti­gen Ände­run­gen ihrer Arbeits­zeit, schät­zen laut Arbeits­zeit­re­port ihr gesund­heit­li­ches Befin­den ten­den­zi­ell schlech­ter ein und sind unzu­frie­de­ner mit ihrer Work-Life-Balan­ce als ande­re Beschäf­tig­te. Umge­kehrt zeigt sich durch­gän­gig, dass sich Ein­fluss­mög­lich­kei­ten der Beschäf­tig­ten auf die Arbeits­zeit­ge­stal­tung sowie Plan­bar­keit und Vor­her­seh­bar­keit der Arbeits­zeit posi­tiv auf Gesund­heit und Work-Life-Balan­ce aus­wir­ken.

Die Stu­die zeigt zudem, dass über­lan­ge Arbeits­zei­ten wei­ter­hin für vie­le Beschäf­tig­te rele­vant sind. So arbei­ten 17 Pro­zent der Beschäf­tig­ten durch­schnitt­lich 48 Stun­den und mehr in der Woche. Ein Fünf­tel arbei­tet im Rah­men ver­setz­ter Arbeits­zei­ten oder in ver­schie­de­nen Schicht­sys­te­men. Bei­de Arbeits­zeit­for­men gehen sowohl mit Ein­schrän­kun­gen der Work-Life-Balan­ce als auch mit Ein­schrän­kun­gen im gesund­heit­li­chen Befin­den ein­her.

Der BAuA-Report zeigt auch, dass Beschäf­tig­te mit zuneh­men­der Län­ge der Arbeits­zeit häu­fi­ger Arbeits­pau­sen aus­fal­len las­sen. Wäh­rend bei knapp jedem fünf­ten Beschäf­tig­ten in mode­ra­ter Voll­zeit an Arbeits­ta­gen mit mehr als sechs Stun­den Arbeits­pau­sen über 15 Minu­ten häu­fig aus­fal­len, trifft dies auf etwa die Hälf­te der Beschäf­tig­ten in über­lan­ger Voll­zeit zu. Haupt­grund für den Ver­zicht auf Pau­sen ist nach Anga­ben der Befrag­ten ein Zuviel an Arbeit.

Jede zweite Frau in Teilzeit

Die Daten bestä­ti­gen wei­ter­hin die gro­ßen Unter­schie­de in der Arbeits­zeit­rea­li­tät von Män­nern und Frau­en. Arbei­ten immer­hin 42 Pro­zent der Frau­en in Teil­zeit, so sind es bei den Män­nern ledig­lich sie­ben Pro­zent. Der größ­te Teil der Frau­en nennt als Grund per­sön­li­che oder fami­liä­re Ver­pflich­tun­gen, wobei die kür­ze­ren Arbeits­zei­ten im Ver­gleich zu den Män­nern in allen Lebens­si­tua­tio­nen zu beob­ach­ten sind.

titelazreport

Den voll­stän­di­gen Arbeits­zeit­re­port Deutsch­land 2016
fin­den Sie unter www.baua.de/Arbeitszeitreport-Deutschland.