In der Debatte um die Digitalisierung des Mittelstands wird oft die Rolle der digitalen Souveränität betont. Für KMU ist jedoch digitale Resilienz, also unter veränderten Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, ein realistischeres Ziel. Das sagt Klaus Röder, Co-Founder des Software-Unternehmens Novabit.

Die digitale Resilienz setzt auf kontinuierliche Handlungsfähigkeit. Abbildung: Andrew Lozovyi, Depositphotos
Typische IT-Landschaften in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) bestehen meist aus einer Mischung aus Clouddiensten, Standardsoftware, branchenspezifischen Individuallösungen und manuellen Prozessen. Diese Fragmentierung entsteht nicht bewusst, sondern meist aus pragmatischen Gründen. Teams benötigen unter Zeitdruck schnelle, gangbare Lösungen, um ihre tägliche Arbeit effizient zu erledigen. Wenn offizielle Prozesse und Tools zu sperrig und komplex erscheinen, entwickeln sich Individuallösungen parallel dazu. Diese Veränderung wird jedoch problematisch, wenn geschäftskritische Abläufe unbemerkt in unkontrollierte Strukturen abwandern.
Vier Resilienzebenen
KMU beschäftigen sich deshalb damit, diese Prozesse unabhängiger, transparenter und ausfallsicherer zu gestalten. Der Wunsch nach digitaler Souveränität zielt auf die Vermeidung von Abhängigkeiten und die Kontrolle über Infrastruktur und Daten ab. Eine komplette Unabhängigkeit von großen Plattformanbietern bedeutet jedoch kostspielige Transformationsprojekte und die Umstellung sämtlicher Geschäftsprozesse. Für den Großteil der KMU ist dieser Wandel deshalb wirtschaftlich nicht vorstellbar.
Digitale Resilienz setzt stattdessen auf die kontinuierliche Handlungsfähigkeit. Unternehmen akzeptieren dabei, dass gewisse Abhängigkeiten bestehen, sorgen aber gleichzeitig dafür, dass sie nicht handlungsunfähig werden, wenn sich Rahmenbedingungen ändern. Diese Resilienz baut auf vier Ebenen auf: rechtlich, technisch, operativ und datenbezogen. Bei wachsenden IT-Landschaften fehlt meist die Transparenz darüber, wo sensible Daten liegen und wer die Verantwortung dafür trägt. Aus rechtlicher Sicht ist diese Nachvollziehbarkeit jedoch unerlässlich.
Umgang mit Abhängigkeiten
Um Resilienz zu erreichen, gilt es, Abhängigkeiten zu kontrollieren. Nicht jede Abhängigkeit ist jedoch eine Gefahr. Ein kritischer Fehler in der Strategie vieler Unternehmen ist es, alle Softwarelösungen gleich zu bewerten. Stattdessen sollten KMU ihre Risiken nach zwei Fragen priorisieren: Wie kritisch ist das System für den Betrieb? Und: Wie realistisch ist ein Wechsel?
Daraus ergibt sich ein Handlungsleitfaden. Hochkritische Systeme, die leicht getauscht werden können, werden priorisiert behandelt. Für Systeme, die ebenso kritisch sind, sich aber nicht einfach austauschen lassen, gilt es, eine Dokumentation über Prozesse und Zuständigkeiten aufzubauen und Wissen rund um das System strukturiert zu verwalten. Das schafft Transparenz, sichert Risiken ab und bereitet den Weg zu einer langfristigen Migration des Systems.
|
Klaus Röder, Geschäftsführender Gesellschafter,
|






























































