Nach acht Stunden Bildschirmarbeit brennen bei Büroangestellten oft die Augen. Die Brillenbranche hat eine einfache Antwort zur Lösung dieses Problems: Blaulichtfilter. Doch welchen Unterschied macht er wirklich? Die Experten des Online-Brillenshops Visiloox klären auf.

Laut Forschungsergebnissen reduzieren Blaulichtfilter in Brillengläsern und Monitoren nicht die Ermüdung der Augen. Abbildung: Photography33, Depositphotos
Der bislang umfassendste Überblick zur Belastung der Augen durch blaues Licht bzw. zum Schutz der Augen durch Blaulichtfiltergläser stammt vom unabhängigen britischen Forschungsnetzwerk Cochrane. Sumeer Singh und seine Kollegen werteten 2023 siebzehn unterschiedliche Studien aus sechs Ländern aus. Sie konnten keinen klinisch bedeutsamen Rückgang der Augenermüdung durch Filtergläser feststellen. Auch die Wirkung von Brillengläsern mit Blaulichtfiltern auf den Schlaf blieb uneindeutig. Die Evidenz war schlicht dünn.
Studie zu Displaylicht
Ein Grund für diese Studienergebnisse ist laut Visiloox die Tatsache, dass das menschliche Auge für das Tageslicht „gebaut“ ist. Der Wissenschaftler JB O‘Hagan und sein Team untersuchten für eine 2016 veröffentlichte Studie das Blaulicht gängiger Monitore bei voller Helligkeit. Es erreichte 0,08 bis 0,38 Prozent des internationalen Sicherheitsgrenzwerts. Ein blauer Sommerhimmel bringt es im Juni auf rund zehn Prozent – das 25- bis 200-fache eines Monitors. Die Internationale Strahlenschutzkommission ICNIRP bestätigte dieses Ergebnis in einer Richtlinienvorgabe aus 2020. Mit anderen Worten: Wer vor dem Fenster steht und in den Himmel schaut, bekommt mehr Blaulicht ab als vor dem Bildschirm.

Im Juni in den Sommerhimmel zu schauen beeinflusst die Augen stärker als das Blaulicht von Monitoren bei voller Helligkeit. Abbildung: Visiloox
Das Ermüden der Augen hat Untersuchungen zufolge einen anderen Hintergrund. Bereits 1993 zeigten die Wissenschaftler Kazuo Tsubota und Katsu Nakamori im New England Journal of Medicine, dass die Blinzelrate am Bildschirm von 22 auf sieben pro Minute abstürzt. Die Augenoberfläche trocknet aus: nicht wegen des blauen Lichts, sondern weil Wissensarbeiter oft konzentriert auf Monitore starren. Hinzu kommen Reflexionen, schlechtes Licht und eine nicht optimal korrigierte Sehstärke.
Die 20-20-20-Regel
Die wirksamen Hebel gegen übermüdete Augen bei der Bildschirmarbeit sind deshalb eine aktuelle, exakt angepasste Korrektion (der Ausgleich von Fehlsichtigkeiten wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung) und eine gute Entspiegelung gegen Reflexionen von Decke und Fenster. Zudem empfiehlt sich die 20-20-20-Regel der American Academy of Ophthalmology (AAO). Sie rät dazu, alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf eine Entfernung von mindestens 20 Fuß (fast sechs Meter) in die Ferne zu blicken. Hilfreich ist auch ein bewusstes Blinzeln bei indirektem, blendfreiem Licht.
Ein Filter als Investition für den Büroalltag schadet trotzdem nicht, solange er transparent bleibt und die Farben nicht verfälscht. Als medizinische Notwendigkeit sollte er aber nicht verkauft werden. Gutes Sehen am Arbeitsplatz entsteht durch das Zusammenspiel der richtigen Faktoren.






























































