Modern gestaltete Büroflächen sollen Kommunikation und Flexibilität fördern. Doch wo viele Menschen auf engem Raum arbeiten, kommen grundlegende Bedürfnisse wie die Privatheit zu kurz. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP widmete sich dieser Herausforderung in einem Forschungsprojekt.

Biophilic Design kann in Kombination mit optimierter Privatheit das Wohlbefinden am Arbeitsplatz verbessern. Abbildung: Fraunhofer IBP
Damit Büros attraktiv bleiben, müssen sie nicht nur Möglichkeiten zum Austausch, sondern unbedingt auch Privatheit bieten. Als ein entscheidender Mehrwert gilt die Möglichkeit, konzentriert und ungestört zu arbeiten. Die Relevanz erhöht sich durch den Trend zu Activity-Based-Working und Desk-Sharing. Offene Raumkonzepte sind dabei Standard – doch gerade hier gibt es Nachholbedarf bei der bedarfsgerechten Planung.
Privatheitsindex
Um diese Lücken zu schließen, entwickelten die Wissenschaftler vom Fraunhofer IBP einen fundierten Privatheitsindex. Dieser erfasst die Wechselwirkungen zwischen visueller und akustischer Privatheit. Auf Basis des Indexes entstand ein digitaler Leitfaden mit konkreten Handlungsempfehlungen für Neubauten und Sanierungen. Damit stellen Architekten sowie Planer von Anfang an sicher, dass Räume den Bedürfnissen und der Aufgabenstellung der Mitarbeitenden entsprechen und langfristig (nachhaltig) nutzbar bleiben.
Forschung mit Praxisnähe
Das IBP-Projekt „Nachhaltige akustische und visuelle Privatheit am Büroarbeitsplatz“ folgte einem mehrdimensionalen Forschungsansatz. Eine Onlinebefragung mit mehr als 780 Beschäftigten lieferte Daten zum Status quo in Bürogebäuden. Ergänzend wurden im Synergy-Space des Fraunhofer IBP verschiedene Büroszenarien unter realitätsnahen Bedingungen getestet – von akustischen Trennwänden über visuelle Abschirmungen bis hin zu biophilem Design. Die Teilnehmer bearbeiteten dabei unterschiedliche bürotypische Aufgabenstellungen wie Telefonieren, konzentrierte Textarbeit oder kreative Tätigkeiten. Sie bewerteten anschließend, inwieweit ihr Bedürfnis nach Privatheit in den jeweiligen Arbeitsplatzsituationen erfüllt wurde. Neben dem subjektiven Empfinden von Wohlbefinden, Stress und Konzentration flossen auch bauphysikalische Messungen, etwa zu Raumakustik oder Beleuchtung, in die Auswertung ein.
Telefonbox und Pflanzenwand
In der praktischen Erprobung zeigte sich, dass das Einzelbüro in Bezug auf Privatheit für alle untersuchten Arbeitssituationen die beste Option ist. Besonders hoch ist das Bedürfnis, bei kommunikativen Tätigkeiten wie Telefonieren oder Videokonferenzen weder gehört noch gesehen zu werden. Für kreative Aufgaben und konzentrierte Textarbeit reicht dagegen oft eine Reduzierung der akustischen Ablenkung durch gute akustische Privatheit. Für die Praxis lässt sich aus den Ergebnissen ableiten, dass eine Kombination aus Einzelbüros und gemeinsam nutzbaren Bereichen – auch „Kombibüros“ genannt – eine ideale Lösung darstellen kann.
Die bisherigen Ergebnisse machen deutlich, dass Privatheit am Arbeitsplatz weit mehr ist als ein reiner Wohlfühlfaktor. Sie wirkt sich auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten aus: Weniger Stress, bessere Konzentration und höhere Zufriedenheit sind entscheidende Faktoren für eine nachhaltige Arbeitskultur.






























































