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Flucht ins Homeoffice: Stephan Grünewald über die Gefahr von Bindungsdefiziten

Die Kri­sen der letz­ten Jah­re drü­cken bei vie­len Men­schen auf die Stim­mung. Man­cher flieht vor der Welt in die eige­nen vier Wän­de. Ste­phan Grü­ne­wald, Diplom-Psy­cho­lo­ge, Best­sel­ler­au­tor und Geschäfts­füh­rer des renom­mier­ten Rhein­gold Insti­tuts, hat ana­ly­siert, wie die meis­ten von uns der­zeit ticken.

Der Rückzug ins private Schneckenhaus kann zu einer „Entbindung“ vom Arbeitgeber führen. Abbildung: Vlada Karpovich, Pexels

Der Rück­zug ins pri­va­te Schne­cken­haus kann zu einer „Ent­bin­dung“ vom Arbeit­ge­ber füh­ren. Abbil­dung: Vla­da Kar­po­vich, Pexels

Der Stär­kung der Bin­dungs­kräf­te im Beruf kommt eine wach­sen­de stra­te­gi­sche Bedeu­tung zu, denn unse­re kri­sen­haf­te Zeit hat einen Ero­si­ons­pro­zess in Sachen Loya­li­tät und Mit­ar­bei­ter-Bin­dung beschleu­nigt. Die Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer sind in einer kom­pli­zier­ten Stim­mungs­la­ge. Fest­ge­fah­ren zwi­schen Kli­ma­wan­del und Krieg ist ein Groß­teil der Bevöl­ke­rung mit Blick auf Poli­tik und Gesell­schaft des­il­lu­sio­niert und reagiert auf die gespür­te Aus­sichts­lo­sig­keit mit einer Flucht ins pri­va­te Glück. Dies war eine unse­rer zen­tra­len Erkennt­nis­se der aktu­el­len Zuver­sichts-Stu­die („Deutsch­land auf der Flucht vor der Wirk­lich­keit“), die wir mit der Iden­ti­ty Foun­da­ti­on durch­ge­führt haben. Die Welt „da drau­ßen“ erscheint den Men­schen zuneh­mend als über­kom­plex, feind­lich und erschöp­fend – dies geht ein­her mit einer resi­gna­ti­ven Hal­tung in Bezug auf die eige­nen gesell­schaft­li­chen und nicht sel­ten auch beruf­li­chen Einwirkungsmöglichkeiten.

42 Prozent haben Bindungsdefizite

Eine Kern­fra­ge in Sachen Bin­dung ist also: Erle­ben die Mit­ar­bei­ten­den ihren Arbeits­platz als Teil der feind­li­chen Welt „da drau­ßen“? Oder bie­tet ihnen der Job viel­mehr Halt, Ori­en­tie­rung und Sinn­haf­tig­keit in einer bedroh­li­chen und psy­chisch immer anstren­gen­de­ren Welt? In der Stu­die „Kohä­si­on – Die Bin­dungs­kräf­te von mor­gen“, die unser Rhein­gold Insti­tut gemein­sam mit Paw­lik Con­sul­tants durch­ge­führt hat, zeigt, dass sich 58 Pro­zent der Ange­stell­ten abso­lut oder stark an ihr Unter­neh­men gebun­den füh­len. Im Umkehr­schluss sehen wir jedoch, dass dies bei 42 Pro­zent nicht der Fall ist. Sie füh­len sich nur teil­wei­se, wenig oder gar nicht gebun­den. Jeder Ach­te (12,5 Pro­zent) emp­fin­det wenig oder gar kei­ne Bin­dung an sei­nen Arbeitgeber.

60 Prozent der Arbeitnehmer sind demnach mit den Bindungsangeboten unzufrieden. Abbildung: Rheingold Institut

60 Pro­zent der Arbeit­neh­mer sind mit den Bin­dungs­an­ge­bo­ten unzu­frie­den. Abbil­dung: Rhein­gold Institut

Das Home­of­fice nimmt in die­ser Gemenge­la­ge eine zwie­späl­ti­ge Rol­le ein. Natür­lich geht es um die Moder­ni­sie­rung der Arbeits­welt, eine Fle­xi­bi­li­sie­rung der Arbeits­zei­ten, die Ver­mei­dung von Mobi­li­tät, schlicht um New Work. See­lisch betrach­tet kann das Home­of­fice jedoch zu einer wei­te­ren Spiel­art der all­ge­mei­nen Rück­zugs­ten­denz in pri­va­te Gefil­de mutie­ren und zusätz­lich den Wunsch befeu­ern, die unbe­que­me Welt mög­lichst im Außen zu lassen.

Wann ist es Rück­zug und wann ein­fach Selbst­für­sor­ge? Vie­le Men­schen haben den ver­ständ­li­chen Wunsch, die Tak­tung ihres Lebens her­un­ter­zu­fah­ren und das Hams­ter­rad abzu­brem­sen. Vie­le Arbeit­neh­mer, aber auch Mana­ger oder Selbst­stän­di­ge bekun­den der­zeit, dass sie weni­ger arbei­ten wol­len: mehr Urlaub, die Vier-Tage-Woche, Halb­tags-Beschäf­ti­gun­gen, klei­ne oder grö­ße­re Sab­ba­ti­cals und vor allem weni­ger Über­stun­den ste­hen auf der per­sön­li­chen Wunsch­lis­te. Vor allem jün­ge­re Leu­te for­dern eine neue Work-Life-Balan­ce, die ihnen mehr Raum für Frei­zeit, Bezie­hung, Freun­de oder Fami­lie lässt.

Meetingmarathons ersetzen informelle Auszeiten

Die Umstel­lung vie­ler Pro­zes­se von ana­log auf remo­te hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vor­der­grün­dig eine zeit­li­che Ent­las­tung geschaf­fen: weni­ger Pen­del-Zeit und Prä­senz-Ter­mi­ne bei Kun­den, weni­ger Dienst­rei­sen etc. Die For­mel ‚Mehr Effi­zi­enz bei weni­ger Kos­ten und zeit­li­cher Ent­las­tung‘ beschreibt aller­dings eine digi­ta­le Ver­dich­tung. Durch den Weg­fall der Rei­se­zei­ten, Arbeits­es­sen, Flur­ge­sprä­che konn­ten mehr Mee­tings, mehr Prä­sen­ta­tio­nen oder mehr Arbeits­pro­zes­se gestemmt wer­den. Weg­ge­fal­len sind aber auch die Deh­nungs­fu­gen im All­tag, die infor­mel­le und unbe­schwer­te Aus­zei­ten ermög­li­chen. Rei­se­zei­ten, Fahr­ten ins Büro oder Flur­ge­sprä­che sind auch Mög­lich­kei­ten, zu sich zu kom­men, durch­zu­at­men oder ein­mal die Per­spek­ti­ve zu wech­seln. Die digi­ta­le Ver­dich­tung stei­gert die Pro­duk­ti­vi­tät, för­dert aber auch sub­ti­le For­men der Erschöp­fung und for­ciert lang­fris­tig wie­der­um die Wün­sche nach Entschleunigung.

Das Rheingold Institut hat sechs Kohäsionsfaktoren ermittelt, an denen Führungskräfte für einen besseren Zusammenhalt im Unternehmen ansetzen können. Abbildung: Rheingold Institut

Das Rhein­gold Insti­tut hat sechs Kohä­si­ons­fak­to­ren ermit­telt, an denen Füh­rungs­kräf­te für einen bes­se­ren Zusam­men­halt im Unter­neh­men anset­zen kön­nen. Abbil­dung: Rhein­gold Institut

So kann eine schlei­chen­de Ent­frem­dung der Beschäf­tig­ten vom Unter­neh­men Schritt für Schritt an Dyna­mik gewin­nen. Nur mehr im pri­va­ten Rück­zug fin­den die Men­schen Selbst­wirk­sam­keit und Werk­stolz im Wer­keln, Gärt­nern, Wan­dern, Auf­räu­men, Kochen oder Puz­zeln. Vie­le Men­schen berich­te­ten, dass die­se ana­lo­gen Betä­ti­gungs­for­men ihnen oft mehr Befrie­di­gung ver­mit­teln als die oft abs­trak­ten oder for­ma­li­sier­ten Pro­zes­se in der Arbeits­welt. Dadurch ver­schiebt sich auch die Bench­mark in Sachen Werk­stolz und damit die Erwar­tun­gen an befrie­di­gen­de bzw. erfül­len­de Beschäf­ti­gun­gen im Beruf.

Das Home­of­fice als belieb­ter Bau­stein eines fle­xi­blen „New-Work“-Konzeptes kann so einen Rück­zug ins pri­va­te Schne­cken­haus vor­an­trei­ben und eine „Ent­bin­dung“ vom Arbeit­ge­ber beschleunigen.

Bindungsmangel muss aktiv begegnet werden

Dies ist nicht unbe­dingt ein Argu­ment gegen das Home­of­fice. Der Wunsch, einen Teil sei­ner Arbeits­zeit – falls mög­lich – vom Home­of­fice aus zu gestal­ten, wird auch in den nächs­ten Jah­ren bestehen und Attrak­ti­vi­täts­fak­tor eines Unter­neh­mens sein. Doch die Kri­sen­per­ma­nenz führt dazu, dass die von der Poli­tik pos­tu­lier­te „Zei­ten­wen­de“ oder der „Epo­chen­bruch“ immer mehr die All­tags­wirk­lich­keit der Men­schen bestim­men. Die Zei­ten unge­bro­che­ner Wachs­tums­hoff­nun­gen und des Zukunfts­op­ti­mis­mus sind vor­bei. Statt nach dem Höher, Schnel­ler und Wei­ter zu stre­ben, ver­su­chen die Men­schen, ihr Dasein zumin­dest zu sta­bi­li­sie­ren und sich in einer per­ma­nen­ten Gegen­wart zu ver­bun­kern. Gleich­zei­tig setzt jedoch eine Suche nach einer neu­en Sinn­aus­rich­tung jen­seits der Maxi­mie­rungs­kul­tur ein. Wer Mit­ar­bei­ten­de führt, soll­te sich die­ses „Big Pic­tu­re“ bewusst machen.

Durch die man­geln­de gemein­sa­me Unter­neh­mens­wirk­lich­keit dro­hen die Unter­neh­mens­zie­le und -visio­nen, aus dem Blick zu gera­ten. Füh­rung bedeu­tet daher vor allem, den Spi­rit und die Mis­si­on des Unter­neh­mens sowie den Pur­po­se zu ver­kör­pern und sie buch­stäb­lich vor­zu­le­ben. Der par­ti­el­le Weg­fall der gemein­sa­men Ver­or­tung im Unter­neh­men führt dazu, dass Füh­rungs­kräf­te viel mehr für den inne­ren Zusam­men­halt und die Bin­dung jedes ein­zel­nen Mit­ar­bei­ten­den inves­tie­ren müs­sen. Bin­dung an ein Unter­neh­men ent­steht deut­lich leich­ter, wenn Beschäf­tig­te in ein über­grei­fen­des sozia­les Gefü­ge ein­ge­bet­tet, durch ein Wir-Gefühl gehal­ten und durch ein Bezie­hungs­ge­flecht ver­wur­zelt wer­den. Da die Mit­ar­bei­ten­den sich nicht mehr auto­ma­tisch im Gesichts­kreis ihrer Vor­ge­setz­ten auf­hal­ten, gilt es, aktiv im Kon­takt mit ihnen zu blei­ben. Unse­re Kohä­si­ons-Stu­die hat gezeigt, dass Bin­dungs­de­fi­zi­te vie­len Arbeit­neh­mern nicht bewusst sind und daher auch kaum arti­ku­liert wer­den. Es ist also nie wich­ti­ger gewe­sen, früh zu erken­nen, wie es ihnen geht und was sie brau­chen. Sen­si­bi­li­tät und Empa­thie der Füh­rungs­kräf­te gewin­nen daher noch mehr an Bedeutung.

Der Arti­kel basiert auf zwei aktu­el­len Stu­di­en: „Deutsch­land auf der Flucht vor der Wirk­lich­keit“ und „Bin­dungs­kräf­te statt Bin­dungs­kil­ler“.

Stephan Grünewald, Geschäftsführer, Rheingold Institut. Abbildung: Marina Weigl

Abbil­dung: Mari­na Weigl

Ste­phan Grünewald,

Geschäfts­füh­rer,
Rhein­gold Institut.

rheingold-marktforschung.de

 

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