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Arbeitskulturen im Vergleich: Fraunhofer IAO untersuchte globale Entwicklungen

Wel­che kul­tu­rel­len Wer­te und Rah­men­be­din­gun­gen prä­gen Arbeits­mo­del­le, Moti­va­ti­on, Mee­ting- und Pau­sen­kul­tu­ren welt­weit? Mit die­ser Fra­ge hat sich das Fraun­ho­fer-Insti­tut für Arbeits­wirt­schaft und Orga­ni­sa­ti­on IAO beschäf­tigt. Sei­ne Ergeb­nis­se hat es in einem White­pa­per zusammengefasst.

Die Studie des Fraunhofer IAO verglich unter anderem die verschiedenen Meeting- und Pausenkulturen. Abbildung: Alla Serebrina, Depositphotos

Die Stu­die des Fraun­ho­fer IAO ver­glich unter ande­rem die ver­schie­de­nen Mee­ting- und Pau­sen­kul­tu­ren. Abbil­dung: Alla Ser­ebri­na, Depositphotos

Die Erkennt­nis­se der Stu­die „Inter­na­tio­na­le Arbeits- und Büro­kul­tur – Ansät­ze und Prak­ti­ken im glo­ba­len Ver­gleich“ basie­ren auf wis­sen­schaft­li­chen Recher­chen, ergänzt durch Inter­views mit inter­na­tio­na­len Arbeits­kul­tur­ex­per­ten. Ziel war es, sowohl aktu­el­le Trends als auch kul­tu­rell gewach­se­ne Prak­ti­ken zu erfas­sen und dar­aus pra­xis­na­he Emp­feh­lun­gen für die Gestal­tung inter­na­tio­na­ler Arbeits­um­ge­bun­gen abzuleiten.

996-Modell vs. 4-Tage-Woche

Ein Ver­gleich der Fraun­ho­fer-IAO-Stu­die betrifft unter­schied­li­che Arbeits­zeit­mo­del­le. In Chi­na hat sich das 996-Modell eta­bliert, bei dem von 9 bis 21 Uhr an sechs Tagen pro Woche gear­bei­tet wird – mit dem Ziel, Inno­va­ti­on und Wachs­tum zu för­dern. Dem gegen­über steht die 4-Tage-Woche in Euro­pa, die in eini­gen Regio­nen getes­tet und teil­wei­se schon umge­setzt wird. In Bel­gi­en ist das Modell seit 2022 gesetz­lich verankert.

Ein wei­te­rer Schwer­punkt ist der Wan­del zur hybri­den Arbeit, beschleu­nigt durch die Coro­na­pan­de­mie. In Euro­pa und den USA ist sie weit ver­brei­tet, wäh­rend sie in Chi­na, Japan und Süd­ko­rea deut­lich sel­te­ner genutzt wird – bedingt durch kul­tu­rel­le Fak­to­ren und infra­struk­tu­rel­le Rah­men­be­din­gun­gen. In Deutsch­land lie­ge der Schnitt bei etwa einem Home­of­fice-Tag pro Woche (Platz 7 im Aksoy-Ran­king 2023). An der Spit­ze des Ran­kings ste­hen Kana­da (1,7 Tage), Groß­bri­tan­ni­en (1,5 Tage) und die USA (1,4 Tage). Die­ser Wan­del hat eben­falls Ein­fluss auf die durch­schnitt­li­che Büro­aus­las­tung. Im EMEA-Raum beträgt sie laut einer CBRE-Stu­die 36 Pro­zent, im ame­ri­ka­ni­schen Wirt­schafts­raum 31 Pro­zent, in Asia-Paci­fic 40 Prozent.

Siesta vs. „Lunch at desk“

Auch die Pau­sen­kul­tur vari­iert: In Mit­tel- und Nord­eu­ro­pa domi­nie­ren bei­spiels­wei­se kur­ze, effi­zi­en­te Mit­tags­pau­sen, wäh­rend in süd­eu­ro­päi­schen Län­dern län­ge­re Pau­sen – wie die Sies­ta – fest ver­an­kert sind. In Chi­na und Japan ist ein kur­zer Mit­tags­schlaf kul­tu­rell aner­kannt und gilt als för­der­lich für Erho­lung und Pro­duk­ti­vi­tät. In Län­dern mit aus­ge­präg­ter Kaf­fee­kul­tur wie Ita­li­en oder Marok­ko wer­den Pau­sen wie­der­um gezielt für sozia­le Inter­ak­tio­nen außer­halb des Büros genutzt. Dem­ge­gen­über steht in den USA und Indi­en der „Lunch at Desk“ – rein aus Effizienzgründen.

Auch bei der Mee­ting­kul­tur sind Unter­schie­de erkenn­bar: In Deutsch­land gibt es eine kla­re Agen­da und Pünkt­lich­keit hat hohe Prio­ri­tät. Mee­tings sol­len effi­zi­ent und gut struk­tu­riert ablau­fen, wobei die Vor­be­rei­tung der Teil­neh­mer eine zen­tra­le Rol­le spielt. Die japa­ni­sche Mee­ting­kul­tur ist neben einer star­ken Struk­tur durch das Stre­ben nach Har­mo­nie geprägt. Ein zen­tra­les Kon­zept ist „Nema­wa­shi“, ein infor­mel­ler Kon­sens­fin­dungs­pro­zess, der oft vor dem eigent­li­chen Mee­ting stattfindet.

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