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Neue Podcast-Serie „Work in Progress – Ein Podcast über Menschen und Organisationen im Wandel“. Erhalten Sie praxisnahe Einblicke in die Transformation der Arbeitswelt. Abbildung Ricoh

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Räume, die wirken #2: Rollen im Raum

Der New-Work-Exper­te André Hund buch­sta­biert in sei­ner Kolum­ne 2026 den Begriff „Räu­me“ durch. Hier geht es um das R wie Rol­len, denn Räu­me sind nie neu­tral. Sie wei­sen uns Plät­ze zu, defi­nie­ren Abstän­de, Blick­ach­sen, Hier­ar­chien. Sie insze­nie­ren Macht. Und sie for­men Rollen.

André Hund ist Wirtschaftsjurist und kennt die Büromöbelbranche aus dem Effeff. In seiner Kolumne thematisiert der selbstständige Coach und Berater und New Work Facilitator bei der work different Training & Consulting GmbH Leadership-Themen vor dem Hintergrund des neuen Arbeitens.

André Hund ist Wirt­schafts­ju­rist und kennt die Büro­mö­bel­bran­che aus dem Eff­eff. In sei­ner Kolum­ne the­ma­ti­siert der selbst­stän­di­ge Coach und Bera­ter und New Work Faci­li­ta­tor bei der work dif­fe­rent Trai­ning & Con­sul­ting GmbH Lea­der­ship-The­men vor dem Hin­ter­grund des neu­en Arbeitens.

Wer ein­mal den Sit­zungs­saal eines Par­la­ments gese­hen oder betre­ten hat, spürt das sofort. Im bri­ti­schen Unter­haus etwa sit­zen sich Regie­rung und Oppo­si­ti­on fron­tal gegen­über. Der Raum insze­niert den (rhe­to­ri­schen) Kon­flikt. Ande­re Demo­kra­tien set­zen auf kreis­för­mi­ge Anord­nun­gen – die for­mel­le­re Rede steht deut­li­cher im Vor­der­grund. Archi­tek­tur wird zur poli­ti­schen Aussage.

Auch in Orga­ni­sa­tio­nen gilt: Der Raum ent­schei­det mit, wer führt, wer folgt, wer gehört wird. Viel­leicht erin­nern sich älte­re Lese­rin­nen und Leser noch an die Schwarz­wald­kli­nik. Dr. Brink­mann, Chef­arzt der Kli­nik im beschau­li­chen Glot­ter­tal, weiß alles, kann alles. Er regelt. Sein Büro? Hoch­flo­ri­ger Tep­pich, mas­si­ver Tisch, schwe­re Tür. „Old Work“ in a nutshell.

Das Eck­bü­ro mit Fens­ter war jahr­zehn­te­lang Sta­tus­sym­bol. Heu­te wir­ken sol­che Zei­chen bis­wei­len aus der Zeit gefal­len – und doch sind sie nicht ver­schwun­den. Räu­me erin­nern län­ger als Strategiepapiere.

His­to­risch betrach­tet sind Rol­len stets räum­lich codiert. In mit­tel­al­ter­li­chen Klös­tern struk­tu­riert der Kreuz­gang den Tages­ab­lauf, der Kapi­tel­saal ist Ort der Aus­spra­che und Dis­zi­plin. In den Fabrik­hal­len der Indus­tria­li­sie­rung ord­nen Maschi­nen­rei­hen die Arbei­ten­den ein – sicht­bar, kon­trol­lier­bar, aus­tausch­bar. Das Groß­raum­bü­ro der Nach­kriegs­zeit ver­spricht Trans­pa­renz, schafft aber oft neue For­men der Anonymität.

Das Bau­haus for­mu­liert Anfang des 20. Jahr­hun­derts die Idee, dass Gestal­tung sozi­al wir­ken sol­le. „Form fol­lows func­tion“ – die­ser Satz ist nie rein tech­nisch gemeint. Er zielt auf eine Gesell­schaft, in der Räu­me dem Men­schen die­nen soll­ten. Doch wel­che Funk­ti­on hat Füh­rung heu­te? Und wel­che Rol­le braucht sie im Raum?

In den letz­ten Jah­ren sind die Hier­ar­chien for­mal abge­flacht. Titel ver­lie­ren an Bedeu­tung, Ent­schei­dun­gen wer­den ver­teilt getrof­fen. Gleich­zei­tig wächst die Unsi­cher­heit. Künst­li­che Intel­li­genz ver­än­dert Pro­zes­se, Auf­ga­ben­pro­fi­le, Ver­ant­wor­tungs­be­rei­che. Rol­len wer­den flui­der – aber nicht auto­ma­tisch kla­rer. Die Welt wird brü­chi­ger, auch unver­ständ­li­cher. Was heißt das nun für Büro­räu­me? Sie soll­ten Rol­len­klar­heit ermög­li­chen, ohne sie zu zementieren.

Ein Pro­jekt­team benö­tigt ande­re räum­li­che Vor­aus­set­zun­gen als ein ver­trau­li­ches Mit­ar­bei­ter­ge­spräch. Krea­ti­ve For­ma­te ver­lan­gen Offen­heit und Bewe­gung. Kon­flikt­klä­rung braucht Schutz und Kon­zen­tra­ti­on. Wer immer im glei­chen Set­ting arbei­tet, repro­du­ziert die immer glei­che Rol­len­er­war­tung. Wie aber ent­ste­hen Rol­len? For­mal durch Orga­ni­gram­me. Infor­mell durch Begeg­nung. Und die­se Begeg­nung braucht Orte.

Acti­vi­ty-Based-Working lautet(e) lan­ge die Zau­ber­for­mel: unter­schied­li­che Zonen für unter­schied­li­che Tätig­kei­ten – Fokus, Aus­tausch, Pro­jekt­ar­beit – und die Annah­me, dass Men­schen je nach Auf­ga­be den pas­sen­den Ort wäh­len. Der Ziel­kon­flikt zwi­schen kom­mu­ni­ka­ti­ver und kon­zen­trier­ter Arbeit soll durch Rück­zugs­or­te, Ruhe­inseln und „Cubes“ gelöst wer­den, immer mit einem leich­ten Vor­teil für die kom­mu­ni­ka­ti­ve Arbeit.

Mit der groß­flä­chi­gen Anwen­dung künst­li­cher Intel­li­genz könn­te sich die­ses Prin­zip ver­schie­ben. Räu­me wer­den daten­ba­siert ana­ly­sier­bar, poten­zi­ell adap­tiv: Sie reagie­ren auf Nut­zungs­mus­ter, steu­ern Kli­ma, Licht, Bele­gung und pro­gnos­ti­zie­ren Bedar­fe. Bis dato sta­ti­sche Räu­me wer­den adap­tiv und verhaltenssensitiv.

Gleich­zei­tig ver­än­dert künst­li­che Intel­li­genz den Zweck des Büros selbst. Wenn Rou­ti­ne­tä­tig­kei­ten zuneh­mend auto­ma­ti­siert wer­den, gewinnt der phy­si­sche Raum an Bedeu­tung, vor allem als Ort für Ver­trau­en, Aus­hand­lung und Inno­va­ti­on. Das Büro wird weni­ger Pro­duk­ti­ons­stät­te, mehr sozia­ler Anker.

Damit stellt sich jedoch auch eine neue Macht­fra­ge: Wer kon­trol­liert die Daten, anhand derer Räu­me „intel­li­gent“ reagie­ren? Ein smar­ter Raum kann auch ein „über­wach­ter“ Raum sein. Wie sieht es aus mit Trans­pa­renz, Mit­be­stim­mung und psy­cho­lo­gi­scher Sicher­heit? Die Zukunft des Arbei­tens ent­schei­det sich daher nicht nur an Grund­ris­sen, son­dern auch an der Balan­ce zwi­schen tech­ni­scher Opti­mie­rung, kul­tu­rel­ler Gestal­tung und dem Schutz mensch­li­cher Autonomie.

Viel­leicht ist das die größ­te Stär­ke der Räu­me: Sie zwin­gen uns zur Aus­ein­an­der­set­zung. Mit unse­rer Arbeit. Mit ande­ren. Und mit uns selbst.

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