Hybrid Work ist gekommen, um zu bleiben. Homeoffice, mobiles Arbeiten und flexible Präsenzmodelle verändern die Arbeitswelt nachhaltig. Warum Büros heute eine neue Rolle für Identität und Zugehörigkeit spielen, erläutern Katrin Niesen und Maike Bischoff von Das Kreative Studio.

Kreative Ideen entstehen im Austausch, besonders gut vor Ort und im Team. Abbildung: Alla Serebrina, Depositphotos
Büros stehen unter einem besonderen Erwartungsdruck. Sie sollen Austausch ermöglichen, Orientierung geben und Identität vermitteln – obwohl sie immer seltener genutzt werden. Genau aus dieser Spannung entsteht ihre neue Bedeutung.
Vom Arbeitsort zum sozialen Anker
In hybriden Arbeitsmodellen verliert das Büro seine frühere Selbstverständlichkeit als täglicher Arbeitsplatz. Gleichzeitig gewinnt es eine neue Qualität: Es wird zum Ort der bewussten Begegnung. Während konzentrierte Einzelarbeit problemlos remote funktioniert, entstehen Vertrauen, Identifikation und Teamgefühl vor allem dort, wo Menschen sich physisch treffen. Entscheidend ist nicht mehr, wie oft Mitarbeitende ins Büro kommen, sondern warum. Ein Büro, das lediglich Schreibtische bereitstellt, bietet keinen Mehrwert gegenüber dem Homeoffice. Relevanz entsteht dort, wo Präsenz an konkrete Anlässe gekoppelt ist.
Raum als Ausdruck von Zusammenarbeit
Räume kommunizieren – immer. Sie erzählen etwas über Arbeitsweisen, Entscheidungsstrukturen und Werte. In hybriden Organisationen wird das Büro zum physischen Ausdruck der Unternehmenskultur. Wer es betritt, sollte spüren, wofür das Unternehmen steht: für Offenheit oder Rückzug, für Hierarchie oder Augenhöhe, für Austausch oder Effizienz.
Standardisierte Lösungen greifen hier zu kurz. Gerade in kreativen Arbeitskontexten zeigt sich, dass Zusammenarbeit selten entlang fester Muster funktioniert. Agenturarbeit ist projektbasiert, verdichtet, oft wechselhaft. Phasen intensiven Austauschs wechseln sich mit konzentrierter Einzelarbeit ab. Räume müssen diese Dynamik aushalten, statt sie zu normieren.In unserer eigenen Arbeit erleben wir, dass es weniger auf die Auslastung eines Büros ankommt, als auf Klarheit: Wofür kommen wir zusammen – und wofür nicht? Diese Unterscheidung entscheidet darüber, ob Präsenz sinnvoll ist oder zur bloßen Routine wird.

Das Büro wird in Zeiten hybrider Arbeitsmodelle zum Ort der bewussten Begegnung. Abbildung: .Shock, Depositphotos
Kreativität braucht Austausch
Kreative Ideen entstehen im Austausch. Sie werden aufgegriffen, weiterentwickelt und verändern sich im gemeinsamen Arbeiten. Aus unserer Erfahrung funktioniert dieser Prozess besonders gut vor Ort im Studio – dort, wo Gespräche spontan entstehen und Gedanken unmittelbar geteilt werden können.
Deshalb arbeiten wir mit klaren Präsenz- und Homeoffice-Tagen. An festen Tagen ist das gesamte Team im Studio, an anderen bewusst remote. Diese Struktur schafft verlässliche Anlässe für Begegnungen, kollaborative Prozesse und informelle Gespräche, die sich digital nur eingeschränkt abbilden lassen. Gleichzeitig bleiben wir flexibel. Wenn Termine anstehen oder individuelle Situationen es erfordern, ist Homeoffice auch außerhalb der festgelegten Tage möglich. Voraussetzung dafür sind klare Absprachen, die Planungssicherheit schaffen und dennoch Raum für spontane kreative Prozesse lassen.
Inklusion im hybriden Raum
Hybrides Arbeiten verändert auch, wie Teilhabe entsteht. Nähe kann schnell zu Ungleichgewicht führen: Wer häufiger vor Ort ist, ist informeller eingebunden, wer überwiegend remote arbeitet, bleibt leichter außen vor. Diese Effekte sind meist unbeabsichtigt, prägen die Zusammenarbeit jedoch spürbar. Umso wichtiger sind klare Regeln für den Austausch, transparente Entscheidungswege und Formate, die alle einbeziehen – unabhängig davon, von wo aus gearbeitet wird. Präsenz darf kein implizites Kriterium für Teilhabe sein.
Fazit: Präsenz braucht einen Zweck
Das Büro ist kein Ersatz für das Homeoffice, sondern ergänzt es dort, wo physische Begegnung einen Unterschied macht. Seine Relevanz entsteht nicht durch die Ausstattung oder die Anwesenheit, sondern durch klare Anlässe für Zusammenarbeit. Zugehörigkeit entsteht nicht automatisch. Sie ist das Ergebnis bewusster Entscheidungen darüber, wie Teams zusammenarbeiten – vor Ort wie remote.
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Katrin Niesen & Maike Bischoff (re.), Creative Directors/Managing Partners,
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