Wie lassen sich Arbeitsorte ideal gestalten und welche Funktionen sollen sie zukünftig erfüllen? Das Münchner Planungs- und Beratungsunternehmen CSMM hat fünf Thesen zur Arbeitswelt von morgen formuliert, die wir nacheinander veröffentlichen. Bei These eins geht es um den Hormonhaushalt von Homeworkern.

Timo Brehme, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der CSMM GmbH. Abbildung: Myrzik & Jarisch
Oxytocin out of office? Nein, das ist kein Plädoyer für Affären am Arbeitsplatz. Wir beziehen uns auf Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Anja Gerlmaier vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Uni Duisburg erläutert: „Es gibt Studien, die zeigen, dass Personen, die ständig Videokonferenzen miteinander machen und sich eigentlich kaum oder gar nicht persönlich kennen, weniger vom Bindungshormon Oxytocin produzieren.“ Auch Forscher der Uni Münster fanden heraus, dass ein höheres Ausmaß an Homeoffice mit einem stärkeren Gefühl sozialer Isolation und einer geringeren Identifikation mit dem Arbeitgeber einhergeht.
Homeoffice: Menschen, die gemeinsam in einem Raum Ideen entwickeln, sind bis zu 20 Prozent kreativer als diejenigen in einem Videocall. Das zeigt ein Experiment des Wissenschaftsmagazins Nature. Melanie Brucks von der Columbia University und Jonathan Levav von der Stanford University ließen 300 Versuchspaare zur ungewöhnlichen Nutzung eines Frisbee in Luftpolsterfolie brainstormen. Die Hälfte der Paare saß zusammen in einem Raum, die andere kommunizierte per Videocall. Das Ergebnis hat uns nicht überrascht: In den digitalen Begegnungen entstanden nicht nur weniger Ideen, sondern die Einfälle waren auch weniger kreativ.
Interessanter Hintergrund dazu: Wer mit anderen in einem Raum sitzt, lässt den Blick über die Arbeitsumgebung schweifen. Menschen in Videokonferenzen hingegen fokussieren eine digitale Kachel. Virtuelle Kommunikation schmälert also das Sichtfeld und damit die Möglichkeit zu gedanklicher Weite.

Alltag im CSMM-Office (hier in Düsseldorf): Meetings live und digital. Abbildung: Ulrike Myrzik
Bei CSMM haben wir von Beginn an für ein bis zwei Tage Homeoffice plädiert. Das moderne Büro wird digital und real zugleich sein. Konzepte für Unternehmen haben wir von vornherein dahingehend gestaltet, dass Mitarbeitende an drei bis vier Tagen pro Woche ansprechende Arbeitsplätze in Büros vorfinden, bei denen das Equipment ebenso stimmt wie die Atmosphäre. Klingt kompliziert? Unsere Erfahrung: Mit der richtigen Gestaltung konnten wir verwaiste Büros wiederbeleben.
So geschehen bei der Neugestaltung des Reply-Labs im legendären Fiat-Gebäude Lingotto in Turin, für das CSMM ein individuelles Corporate-Interior-Designkonzept umgesetzt hat. Seit 2016 haben wir bereits mehr als 42.000 m2 Bürofläche für das IT-Beratungsunternehmen geplant und ausgestattet. In Lingotto entstanden innovative Forschungs-, Erlebnis- und Arbeitsräume, die nicht nur die Kundenbeziehungen stärken, sondern auch Impulse ins Reply-Team senden. In den Gemeinschaftsflächen finden zahlreiche sportliche Aktivitäten statt, es gibt einen Clubbereich mit DJ-Pult, hängenden Gärten, einem Gaming-Room mit alten Automaten sowie gastronomische Angebote, die Raum für Geselligkeit und Austausch bieten. Und das spürt man. Das Gebäude ist komplett belegt, weil es attraktiver ist als das Homeoffice. Hier finden Kommunikation, Forschung und Entwicklung statt. Hier blicken die Teams in die Zukunft.